Log-In für "Meine Wunschliste"

Passwort vergessen

  • Bitte trage Deine E-Mail-Adresse ein, damit wir Dir ein neues Passwort zuschicken können:
  • Log-In | Neu registrieren

Registrierung zur E-Mail-Benachrichtigung

  • Anmeldung zur kostenlosen TV-Termin-Benachrichtigung für

  • E-Mail-Adresse
  • Für eine vollständige und rechtzeitige Benachrichtigung übernehmen wir keine Garantie.
  • Fragen & Antworten

TV-Kritik/Review: "Jamestown": Können Frauen in einer Männerdomäne fernab der Zivilisation bestehen?

TV-Kritik/Review: "Jamestown": Können Frauen in einer Männerdomäne fernab der Zivilisation bestehen?

von Jana Bärenwaldt (25.05.2017)
Erste Frauen erreichen frühe britische Kolonie in Virginia
Zwischen Flucht und Hoffnung: Jocelyn (Naomi Battrick), Verity (Niamh Walsh) und Alice (Sophie Rundle) auf dem Seeweg nach "Jamestown"
Bild: Sky 1
TV-Kritik/Review: "Jamestown": Können Frauen in einer Männerdomäne fernab der Zivilisation bestehen?/Bild: Sky 1

Was passiert, wenn ausschließlich Männer in einer abgeschotteten Siedlung leben, und dann nach zwölf Jahren plötzlich Frauen eingeschifft werden? Dieser Frage widmet sich die Historenserie "Jamestown", benannt nach der gleichnamigen ersten dauerhaften Siedlung von Engländern in Amerika. Die ersten Siedler in der neuen Welt waren alle männlich, die Frauen kamen später dazu, um als Ehefrauen und Mütter für den Fortbestand der Siedlung zu sorgen. Dabei wurden sie mit Männern verheiratet, die für ihre Überfahrt bezahlt, aber die sie zumeist noch nie zuvor in ihrem Leben getroffen hatten. Dass bei dieser Ausgangssituation jede Menge Chaos vorprogrammiert ist, dürfte eigentlich jedem klar sein. Wie groß das Chaos aber tatsächlich sein würde, haben die männlichen Bewohner von Jamestown wohl nicht geahnt.

Im Fokus stehen die drei Frauen Jocelyn (Naomi Battrick, "Crossing Lines"), Alice (Sophie Rundle, "Peaky Blinders") und Verity (Niamh Walsh). Sie sind alle sehr unterschiedlich und kommen aus unterschiedlichen Gründen nach Jamestown, aber alle mit dem gleichen Ziel: sich ein neues und besseres Leben aufzubauen.

Jocelyn ist eine Dame nobler Herkunft, die ihre Intelligenz und ihren Sinn für Intrigen einsetzt, um die soziale Leiter emporzuklettern. Allerdings trägt sie ein dunkles Geheimnis mit sich herum: sie ist für den Tod eines Mannes in England verantwortlich und setzt alles daran, dass ihre Vergangenheit begraben bleibt. Auch für Alice und Verity verspricht Jamestown eine hoffnungsvolle Zukunft; Alice kommt von einer Farm und somit aus einfachen Verhältnissen. Sie ist eher ruhiger, dafür aber idealistischer Natur. Die rebellische Verity nimmt kein Blatt vor den Mund, sie hatte bereits in England kein leichtes Leben. Nachdem sie aus der Not heraus Essen gestohlen hatte, konnte sie durch die Überfahrt dem Gefängnis entgehen.

Allerdings erweist sich Jamestown nicht als das gelobte Land, dass sich die Frauen erhofft hatten. Die Sitten sind so rau und barbarisch wie das umliegende Land und vor allem Frauen haben sich den Regeln der Gemeinde und den Männern unterzuordnen. Für Jocelyn ist es ein Kulturschock, sich auf einmal in einer Lehmhütte mit einem Schweinestall vor der Tür wiederzufinden. Ihre einzige Hoffnung ruht nun auf ihrem zukünftigen Ehemann Simon (Gwilym Lee, "Inspector Barnaby"), dem gutherzigen und intelligenten Schreiber der Gemeinde (eine hoch angesehene Position). Allerdings gehen die Moralvorstellungen und Zukunftspläne der beiden weit auseinander.

Veritys Zukünftiger erweist sich als der örtliche Wirt Meredith (Dean Lennox Kelly, "Shameless"), der sich durch seine permanente Trunkenheit immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Allerdings passen die beiden besser zusammen, als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag. Beide reden manchmal schneller als sie nachdenken und bringen damit die Obrigkeiten gegen sich auf, tragen ihr Herz jedoch am rechten Fleck. Richtig schlimm dagegen wird es für Alice. Als sie in Jamestown ankommt und von dem jungen und attraktiven Silas (Stuart Martin, "Die Medici - Herrscher von Florenz") in Empfang genommen wird, wähnt sie all ihre Träume in Erfüllung. Anscheinend reicht ein einziger Blick, um unbändige Liebe zwischen den beiden entflammen zu lassen. Allerdings erweist sich der Angebetete ironischerweise nur als der Bruder von Henry (Max Beesley, "Suits", "Mad Dogs"), ihrem tatsächlichen Ehemann in spe. Und wie zu erwarten, ist Henry seinem Bruder Silas kein bisschen ähnlich, weder innerlich noch äußerlich. Er stellt sich als grober und gefühlloser Mann heraus, der Alice kurz nach ihrer Ankunft vergewaltigt.

Traurige Realität in Jamestown
Jocelyn (Naomi Battrick), Verity (Niamh Walsh) und Alice (Sophie Rundle) sind unsanft auf dem Boden der Realität von "Jamestown" angekommen

Dass es in Jamestown wirklich zu Vergewaltigungen gekommen ist, darf stark bezweifelt werden, da die Männer nach strengen Regeln lebten und auf dieses Verbrechen die Todesstrafe stand. Alice reagiert mit Verzweiflung, allerdings zeigt sie Henry nicht an, sondern schüttet ihr Herz lieber bei Verity und Silas aus. Zu allem Überfluss fängt jetzt auch noch der Dorfschmied James (Matt Stokoe, "Misfits", "Die Musketiere") an, sich für Alice zu interessieren, sodass aus der ohnehin an den Haaren herbei gezogenen Dreiecksbeziehung nun eine Vierecksbeziehung geworden ist.

Jocelyn fängt derweil an, ihren sozialen Aufstieg zu planen und erste Intrigen zu spinnen, stellt sich dabei aber leider nicht so geschickt an, wie man zuerst erwartet hatte. Ihre Pläne und Handlungen sind oft plump, vorschnell und allzu leicht zu durchschauen. Anstatt sich eine Weile bedeckt zu halten und das Vertrauen der Siedler zu gewinnen, schafft sie es mit ihrer fordernden und aufsässigen Art, innerhalb weniger Tage nahezu alle Männer in wichtigen Positionen und die Frau des Gouverneurs (Claire Cox, "Spooks - Im Visier des MI5") gegen sich aufzubringen. Nebenbei gelingt es ihr noch, dem Dorfarzt und besten Freund ihres Mannes, Dr. Christopher Priestley (Ben Starr, "Dickensian"), den Kopf zu verdrehen, was den Anfang der nächsten Dreiecksbeziehung in der Serie bedeutet - als ob eine nicht genug wäre.

Die dramatischen Beziehungsgeflechte wirken teilweise einfach sehr konstruiert. Es wäre besser gewesen, den Beziehungen mehr Zeit zu geben sich zu entwickeln, um sie nachvollziehbarer für den Zuschauer zu gestalten. Generell überschlagen sich die Ereignisse der ersten Folge nur so und alles wirkt noch leicht chaotisch. Allerdings entspannt sich das Erzähltempo in der zweiten und dritten Folge etwas, was nicht heißen soll, dass das Drama mit seinen vielen verschiedenen Handlungssträngen dadurch an Komplexität verlieren würde.

Verzwickte Liebesgeschichte: Alice (Sophie Rundle, r.) mit dem "falschen" Bruder, dem sanften Silas (Stuart Martin)
Als Zuschauer muss man sehr genau aufpassen, um bei den vielen verschiedenen Storylines und sich anbahnenden Konflikten nicht den Überblick zu verlieren. Die verschiedenen Beziehungen zwischen den drei Frauen und ihren zukünftigen Männern, die Eifersucht der Nebenbuhler, der Konflikt zwischen Silas und Henry, der Kampf um ein Mitspracherecht der Frauen in einer männerdominierten Gesellschaft, Suche nach Gold sowie ein sich anbahnende Krieg der Siedler gegen die Ureinwohner sind nur einige der unzähligen Handlungsstränge, die in den ersten Episoden angelegt werden.

Man kann nur hoffen, dass die einzelnen Stränge zu einer runden Handlung verwoben werden und sich nicht in losen Enden verlieren oder sich in einem undurchsichtigen Chaos verstricken. Solange die Story sich logisch und spannend weiterentwickelt, kann man auch davon absehen, auf historischen Ungenauigkeiten wie der Kleidung oder kleineren Logikfehlern herumzuhacken. Ohnehin muss man sich bei Historienserien immer fragen, inwieweit ihre Qualität von ihrer geschichtlichen Akkuratesse abhängt. Dass zum Wohle der Dramatik oft von den Fakten abgewichen wird, muss der Serie, wie auch im Falle von "Jamestown", nicht zum Nachteil gereichen. Die atemberaubenden Naturaufnahmen und die fesselnden schauspielerischen Leistungen tun ihr übriges, den einen oder anderen Schönheitsfehler des Dramas zu kaschieren. Mehr als die Faktentreue soll in dieser Serie die Psychologie der Menschen im Vordergrund stehen und gezeigt werden, wie sie sich fernab von jeder Zivilisation ein neues Leben und eine neue Gesellschaft aufbauen. Dabei ist es unglaublich spannend zu beobachten, wie sich zwischenmenschliche Beziehungen in einer so abgeschotteten Welt entwickeln und was Menschen alles bereit sind zu tun, um ihren Platz in dieser Welt zu finden und zu verteidigen - und ob die Ankunft der Frauen die männerdominierte Gesellschaft verbessern oder zugrunde richten wird.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie "Jamestown".

Meine Wertung: 4/5

"Jamestown" wird vom britischen Pay-TV-Sender Sky 1 seit Anfang Mai gezeigt. Die erste Staffel umfasst acht Episoden, eine zweite Staffel wurde bereits bestellt. Ein deutscher Sender für die Historien-Serie ist noch nicht bekannt. Der deutsche Sky-Ableger bietet sich aber als Abnehmer an.

Jana Bärenwaldt
© Alle Bilder:

Beitrag melden

  •  

Leserkommentare

 

Über die Autorin

  • Jana Bärenwaldt
Jana Bärenwaldt entdeckte ihr Interesse an Fernsehserien relativ spät, erst mit der Ausstrahlung von "The Tudors" im deutschen Fernsehen wurde sie zu einem richtigen Serien-Fan. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis Crime ist alles mit dabei. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium in der Redaktion von TV Wunschliste tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.