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TV-Kritik/Review: "Spider-Noir": Nicolas Cage im Netz der Leidenschaften
von Christopher Diekhaus(26.05.2026)

Haben Superhelden ausgedient? Sind wir ihrer lärmenden Rettungseinsätze langsam, aber sicher überdrüssig geworden? Seit dem Ende der dritten Phase im Marvel Cinematic Universe (MCU) drängen sich diese Fragen immer stärker auf. Fakt ist, dass im Anschluss längst nicht alle Arbeiten des erzählerischen Großprojektes, einige Serienwerke inbegriffen, zündeten. Angesichts des offiziellen Restarts des DC Universe (DCU) mit
Schon der Titel und die Profession des Protagonisten verweisen auf den bis heute wirkmächtigen Film noir, den einige als eigenes Crime-Genre klassifizieren, andere eher als Stilrichtung im US-amerikanischen Kino zwischen Anfang der 1940er- und Ende der 1950er-Jahre beschreiben würden. Stark vereinfacht sind vor allem diese Merkmale charakteristisch: eine düster-nihilistische Grundstimmung, von persönlichen Niederlagen verfolgte Protagonisten, oft private Ermittler, ein bedrohlicher urbaner Schauplatz und markante Schattenspiele.
All das trifft auch auf den Achtteiler "Spider-Noir" zu, der gleich in zwei unterschiedlichen optischen Versionen angeboten wird. Zum einen gibt es eine Schwarz-Weiß-Fassung, zum anderen eine stark gesättigte Farbversion, die so aussieht, als hätten die Macher eine Schwarz-Weiß-Serie nachträglich coloriert. Das klassische Noir-Gefühl vermittelt sich deutlich intensiver in der ersten Variante, die als Grundlage dieser die ersten vier Episoden umfassenden Kritik diente.

Seine belastende Vorgeschichte verrät uns der Titelheld gleich zu Beginn in einem längeren Voice-over-Kommentar, der zu den klassischen Stilmitteln des Film noir gehört. Der mit spinnenartigen Superkräften ausgestattete Ben Reilly (Cage) räumte in New York einst unter den Gesetzesbrechern rigoros auf. Doch als er vor fünf Jahren den Mord an seiner großen Liebe Ruby nicht verhindern konnte, hing er seinen Retterjob von heute auf morgen an den Nagel. Seither versucht der dem Alkohol keineswegs abgeneigte Reilly, sich als Detektiv über Wasser zu halten, stets unterstützt von seiner Sekretärin Janet (Karen Rodriguez).
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Gleiches wünscht sich Reillys Freund Robbie Robertsen (Lamorne Morris), der als Reporter verzweifelt auf der Suche nach einem heißen Knüller ist und als einer von wenigen Menschen um Bens Geheimnis weiß. Dass der regelmäßig von kleinen Aussetzern, plötzlich auftauchenden Schmerzen geplagte Detektiv seine Vorbehalte irgendwann aufgibt, ist erwartbar. Entscheidend dafür ist allerdings die Erkenntnis, dass neben dem mit Feuer um sich werfenden Addison noch andere Männer mit übernatürlichen Kräften durch die Straßen des Big Apples laufen. Schon bald tun sich Verbindungen zwischen den Fällen auf, die auch mit Erlebnissen einiger Soldaten während des Ersten Weltkriegs zusammenhängen. Dass Reilly von Cat Hardy fasziniert ist, die Silvermane als sein Eigentum betrachtet, macht die Sache nur noch komplizierter.

Festhalten sollte man zuallererst, dass "Spider-Noir" bis zur Hälfte bloß sporadisch in den Superheldenmodus schaltet. Actionszenen sind keineswegs in Hülle und Fülle vorhanden. Und übermäßig spektakulär ist das, was uns die Macher um Serienschöpfer und Ko-Showrunner Oren Uziel (
Der in Reillys Einstiegsmonolog angeschlagene Tonfall scheint eine tragische Heldenstory anzukündigen. Die Geschichte eines Mannes, der sich zwar schwört, ein und denselben Fehler nicht noch einmal zu begehen, der sich aber natürlich in Verwicklungen und Gefühle verstrickt, die ihn erneut alles kosten könnten, was ihm lieb ist. Festlegen auf eine durchgehende Färbung wollen sich Oren Uziel und seine kreativen Mitstreiter jedoch nicht. Schon früh brechen humorvolle Momente das Geschehen auf.
Janet beispielsweise macht schlüpfrige Witze auf Kosten ihres Ehemanns. Und der für seine schrägen Darbietungen berühmt-berüchtigte Nicolas Cage schert eins ums andere Mal aus dem typischen Rollenmuster des Noir-Detektivs aus. Seien es Wortspiele wie Frank N. Stein, die er süffisant zum Besten gibt, oder kurze Szenen, in den Reilly in unterschiedlichen Maskeraden an wichtige Informationen zu gelangen versucht - immer wieder durchweht ein Hauch von Cage-Exzentrik (siehe unser Nicolas-Cage-Special!) die Serie. Gleichzeitig beweist der in den letzten Jahren oft gescholtene Oscar-Preisträger, dass er auch die leiseren Zwischentöne beherrscht. Als Ben und sein Freund Robbie über sein Ruby-Trauma sprechen, reicht ein Blick in Cages Augen, um den Schmerz seiner Figur erfassen zu können. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Wechsel zwischen Ernst und Tragik nach vier Folgen ein wenig unentschlossen erscheint, die beiden Stimmungen sich etwas beißen.

Was ebenfalls nur bedingt gelingt: Das historische und soziale Hintergrundrauschen konkreter erlebbar zu machen. "Spider-Noir" spielt während der Depression und einer Bürgermeisterwahl. Ständig ist davon die Rede, die Stadt versinke in Chaos und Kriminalität. In die Bilder übersetzt die Serie diese explosive Gemengelage jedoch nicht mit der notwendigen Konsequenz.
Zu den positiven Überraschungen gehört dagegen die Dynamik zwischen dem Titelhelden und seiner Büroleiterin Janet, die Karen Rodriguez erfrischend schlagfertig und offenherzig verkörpert. Ben und seine Sekretärin verbindet echte Wertschätzung ("Sie weiß, was ich weiß!"), die sich auch in kleinen Frotzeleien ausdrückt. Dabei ist Janet weit mehr als eine einfache Schreibkraft. In einer Situation rettet sie ihren Chef aus einer misslichen Lage, mit ihrer Auffassungsgabe bereichert sie die Ermittlungen und unternimmt, wenn nötig, sogar selbst Nachforschungen außer Haus. Fühlen sich die Humoreinschübe andernorts vielleicht etwas aufgesetzt an, wirken sie im Zusammenspiel von Detektiv und seiner Angestellten absolut natürlich und bereichern die Serie ungemein.
Die Serie "Spider-Noir" ist in den USA bereits am Montag, den 25. Mai auf MGM+ gestartet. Hierzulande erscheinen alle acht Episoden am Mittwoch, den 27. Mai bei Prime Video.
Auch interessant: Die 5 besten und die 5 verrücktesten Performances von Nicolas Cage
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Leserkommentare
Flapwazzle schrieb am 02.06.2026, 22.21 Uhr:
Ich liebe und feiere es in s/wchris40 schrieb am 30.05.2026, 11.07 Uhr:
Naja, konnte man gucken und unser Nic Cage macht das auch wirklich gut! Es sind viele Längen zu überwinden und dafür dass er ja Superkräfte haben soll, bekommt er mir deutlich zuviel auf die Mütze! Alles eher unfreiwillig komisch statt Drama, wie es überall steht!BigApple schrieb am 29.05.2026, 02.35 Uhr:
Die 1. Folge beginnt etwas zäh, von Superhelden ist bis auf das Intro kaum etwas zu sehen. Es folgen Detektiv-Geschichten... nun ja. Erst zum Ende der Folge regt sich an der Front etwas.
Und wer sich nicht selbst spoilern will, sollte beim Abspann vorspulen oder gleich abbrechen, denn er enthält 2 Minuten Vorschauszenen!
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