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TV-Kritik/Review: "The Boroughs": Monsterattacken in Gottes Wartezimmer
von Christopher Diekhaus(21.05.2026)

Vor allem in den USA erfreuen sich sogenannte Rentnerstädte großer Beliebtheit. Wer sein Arbeitsleben hinter sich gebracht hat, den Ruhestand in vollen Zügen genießen will und dabei altersmäßig unter seinesgleichen bleiben möchte, findet an Orten wie Sun City im Bundesstaat Arizona optimale Bedingungen vor. Ein solches Setting ist auch der Schauplatz der neuen Netflix-Serie
Erinnerungen weckt "The Boroughs" mit seinem titelgebenden, aus dem Boden gestampften, hübsch herausgeputzten, mitten in der Wüste von New Mexico gelegenen Handlungsort überdies an den Kinothriller

Dass auch hinter der schönen Fassade der Rentnercommunity The Boroughs unheimliche Dinge vor sich gehen, daran gibt es von Anfang an keinen Zweifel. Der im Horrorgenre existierende Ratschlag Don't show the monster!, dem etwa Steven Spielberg in seinem Klassiker

Sam hält auch dann noch die Stellung, als er eines Nachts Zeuge eines weiteren Monsterangriffs mit tödlichen Folgen wird. Vielmehr scheint ihn die Beobachtung anzuspornen, ihm eine neue Aufgabe zu geben, die auch seine technischen Kenntnisse erfordert. Ehe er sich versieht, spielt er mit den Mitanwohnern Wally Baker (Denis O'Hare), einem Arzt, der Krebs im Endstadium hat, und der Ex-Journalistin Judy Daniels (Alfre Woodard) Detektiv. Zum zentralen Figurenensemble gehören außerdem Judys Gatte Art (Clarke Peters), ein sinnsuchender, ständig kiffender Althippie, der in der Wüste eine unglaubliche Entdeckung macht, und die ehemalige Musikmanagerin Renee (Geena Davis), die auf Tuchfühlung mit der frisch eingetroffenen Sicherheitskraft Paz Navarro (Carlos Miranda) geht - eine nette Abwandlung des üblichen Alter-Mann-trifft-junge-Frau-Klischees. Sie alle stehen unter dem wachsamen Blick von Hank Williams (Eric Edelstein), der als Security-Chef kein Interesse zeigt, den rätselhaften Ereignissen in der Siedlung auf den Grund zu gehen.
Was sehr schnell ins Auge sticht: Der Erzählrhythmus von "The Boroughs" passt sich den betagten Figuren an. Sprich: Gemächlich führen uns die Macher in die Welt ihrer Serie ein. In den ersten vier für diese Kritik gesichteten Episoden zieht das Tempo selten schlagartig an, und Spannungsmomente werden in kleinen Dosen ausgegeben. Dementsprechend bleibt Raum, um die Protagonisten etwas genauer kennenzulernen. Sam leidet merklich unter dem Verlust seiner Ehefrau, die ihm wiederholt in Träumen und Visionen erscheint. Auch Judy, deren Ehe längst eingerostet ist, ringt mit ihren Emotionen, als ihr eine neue Liebe unverhofft entrissen wird. Eine Prise Galgenhumor bringt der unheilbar kranke Wally ein, der bereits jetzt nach dem passenden Sarg Ausschau hält. Augenblicke zum Schmunzeln gibt es immer mal wieder, ohne dass das Alter der Charaktere für allzu billige Gags herhalten müsste. Insgesamt pendeln sich die Profile der Hauptfiguren irgendwo zwischen interessant und etwas oberflächlich ein.

Das Gefühl, im Herbst des Lebens nicht mehr gebraucht oder für voll genommen zu werden, zunehmend aufs Abstellgleis zu geraten, und der Wunsch, körperlich wieder fit zu sein, gut auszusehen, bilden zwar den Unterbau der Mystery-Story. An manchen Stellen hätte man sich allerdings gewünscht, die Serie würde diese Aspekte noch etwas mehr vertiefen. Gerade weil das Bestreben, den Alterungsprozess zu verlangsamen, so lange wie möglich jung zu bleiben, aktuell - Stichwort: Longevity-Bewegung - ein vieldiskutiertes Thema ist.
Ob das große Geheimnis von The Boroughs den Achtteiler tragen und den Zuschauer begeistern kann, darf zur Hälfte zumindest leise angezweifelt werden. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Autoren mehr als einmal einen einfachen Weg beschreiten, um die Nachforschungen der Rentnergang voranzutreiben. Soll heißen: Nicht jede Handlungsvolte ist restlos überzeugend. Noch dazu könnte der Druck auf die ermittelnden Senioren etwas größer sein. Auch der vor allem über die Musikuntermalung und einzelne Requisiten erzeugte Retro-Touch trägt dazu bei, dass "The Boroughs" nicht aus der Serienmasse herausragt. Der nostalgische Anstrich mag einen gewissen Charme haben. Nach "Stranger Things" und vielen anderen ähnlich gefärbten Film- und Fernsehproduktionen der letzten Jahre ist er aber längst kein origineller Kniff mehr.
Die Serie "The Boroughs" steht ab Donnerstag, den 21. Mai auf Netflix zu Verfügung.
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Leserkommentare
Lau.rawr schrieb am 23.05.2026, 01.23 Uhr:
War mir tatsächlich zu wenig übernatürliches und zu langweilig. Die Charaktere sind nicht interessant genug um durch 40 min zu tragen nur um am Anfang und Ende je 5min monster/alien zu habenDerGlotzer schrieb am 22.05.2026, 23.26 Uhr:
Stranger Things meets Rentnercops, nur in gemächlich. 😁
Würde der Rezension hier zustimmen. Ab der 3. Folge zieht es etwas an und in der 5. Folge gibt's ne Monsterhatz, in deren Folge sich aber die Hintergründe schon aufklären.
Bis zum Ende steht dann eher die Rentergang im Vordergrund und wie die dann das mit den Monstern lösen und mit der "Mutter". Insgesamt fand ich es unterhaltsam, kann man gucken.
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