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TV-Kritik/Review: "Maximum Pleasure Guaranteed": Neue Paraderolle für Tatiana Maslany

Apples Thriller-Dramedy mit "Orphan Black"-Star ist schräg und spannend
"Maximum Pleasure Guaranteed"
Apple TV
TV-Kritik/Review: "Maximum Pleasure Guaranteed": Neue Paraderolle für Tatiana Maslany/Apple TV

Eine (nicht mehr ganz) junge Frau (Tatiana Maslany) streicht die Wände in ihrer Wohnung. Dabei unterhält sie sich per Videochat locker mit einem jungen Mann, erzählt ihm von ihrer Scheidung, ihrem Stress, ihrem aktuellen Leben. Die Beiden wirken wie alte Freunde, die sich gut kennen und vertrauen. Aber plötzlich schaut der Mann auf seine Zeitanzeige und sagt, sie hätten leider nur noch ein paar Minuten - es sei denn, Paula wolle noch mal bezahlen. Woraufhin, sie fragt, ob er es denn schaffe, sie in ein paar Minuten zum Orgasmus zu bringen, und sich beide übermütig die Klamotten vom Leib reißen. Bereits diese erste Szene setzt den Ton: In  "Maximum Pleasure Guaranteed" ist wenig so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und alles ist etwas schräger, als man es aus US-amerikanischen Mainstreamserien gewohnt ist.

Aber wir sind ja hier auch bei Apple TV, unter den Streamingdiensten neben dem in Deutschland noch jungen Angebot von HBO Max, der Spezialist für Eigenproduktionen mit eher Arthouse-artiger Anmutung - auch der Serienanbieter mit der höchsten Trefferquote, was Qualität und Tiefgründigkeit angeht. In dieses Angebot an Originals reiht sich die zehnteilige Thriller-Dramedy von Serienschöpfer David J. Rosen, produziert sowie in Folge 1 auch inszeniert von Ex-Independent-Regisseur David Gordon Green ( "Eastbound & Down",  "Red Oaks") nahtlos ein.

Paula Sanders ist frisch geschieden, lebt seitdem alleine mit ihrer etwa zehnjährigen Tochter Hazel und hat einen stressigen Job als Faktencheckerin und Korrekturleserin bei einem großen Magazin. Probleme hat sie also schon genug, vor allem als ihr Ex-Gatte Karl (Jake Johnson,  "New Girl") ihr eröffnet, bald mit seiner neuen Partnerin Mallory (Jessy Hodges) aus Queens ins ländliche Idaho ziehen zu wollen, weil die dort einen neuen Job hat. Und da sich die Eltern das Sorgerecht über Hazel teilen, will Jake sie mitnehmen - Paula könne ja einfach mit umziehen. Die will aber nicht aus New York weg und so kommt es zu einem Gerichtsverfahren über das Sorgerecht. Auch ihre Position auf der Arbeit ist wackelig, wird ihr doch seit längerem eine Beförderung versprochen, sie aber immer wieder hingehalten.

Seltener glücklicher Moment zusammen: Paula (Tatiana Maslany) und Ex-Ehemann Karl (Jake Johnson)
Seltener glücklicher Moment zusammen: Paula (Tatiana Maslany) und Ex-Ehemann Karl (Jake Johnson) Apple TV

Um sich zu entspannen und Stress abzubauen, hat Paula regelmäßig Online-Sex mit dem Cam-Boy vom Anfang. Doch eines Tages muss sie am Bildschirm mitansehen, wie der von einem Maskierten überfallen und scheinbar ermordet wird. Die Polizei ist keine große Hilfe, Detective Sofia Gonzalez (Dolly De Leon) glaubt eher an einen Betrugsversuch und warnt sie, nicht auf eventuelle Erpressungsversuche einzugehen. Tatsächlich meldet sich der doch nicht Tote einige Tage später bei Paula, jammert ihr vor, wegen Schulden bedroht zu werden und bittet sie um Geld. Später droht er, die mitgeschnittenen Videochats öffentlich zu machen, wenn sie nicht zahle. Gonzalez scheint mit ihrer "Enkeltrick"-Theorie also recht gehabt zu haben. Doch als Paula anfängt, auf eigene Faust den Wohnsitz des Cam-Boys zu ermitteln und sich mit einem Hockeyschläger zu seinem Haus aufmacht, findet sie ihn tatsächlich ermordet auf. Und der Täter kommt zurück ins Haus!

Damit ist Paula mittendrin in einer zunehmend unglaublicher scheinenden Verkettung von Ereignissen, die von ihr alles fordern wird. Da sie der Polizei nicht recht traut und Gonzalez und deren Kollege Baxter (Jon Michael Hill) bei ihren Ermittlungen tatsächlich immer einen Tick hinterher sind, versucht sie selbst, herauszufinden, warum der Sexarbeiter sterben musste. Dabei kommt sie nach und nach einer größeren Verschwörung auf die Spur. "Maximum Pleasure Guaranteed" erinnert vom Tonfall an britische Thrillerserien wie zuletzt  "Down Cemetery Road" (ebenfalls bei Apple TV) oder den modernen Klassiker  "Utopia": Der Humor ist sarkastisch, die Gewalt explizit und das Drehbuch voller skurriler Einfälle. Allerdings wird die Handlung nach der grandios-rasanten Auftaktepisode zunehmend etwas konventioneller, die Auflösung der Cliffhanger am Folgenende manchmal zu vorhersehbar. Wie oft in Serien mit Mysterytouch bauen sich von Folge zu Folge immer neue Geheimnisse auf, was der Glaubwürdigkeit nicht gerade guttut.

Soccer-Mom mit Hockeyschläger: Paula weiß sich zu helfen
Soccer-Mom mit Hockeyschläger: Paula weiß sich zu helfen Apple TV

Durchgehend großartig bleibt aber die Hauptdarstellerin. Maslany erlebte ihren Durchbruch vor etwa zehn Jahren mit ihren Mehrfachrollen als höchst unterschiedliche Klone in  "Orphan Black", wofür sie sogar mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Nach Flops wie der Titelrolle als  "She-Hulk: Die Anwältin" bekam sie hier endlich wieder eine Rolle auf den Leib geschrieben, die sie perfekt ausfüllt. In ihrer ganzen Ambivalenz zwischen aufopferungsvoll liebender Single-Mom, taffer Berufstätiger und verzweifelter Geschiedener, die - einmal ins Visier von Verbrechern geraten - ihre Frau stehen muss, aber auch immer wieder irrational reagiert, trägt sie die Serie fast alleine. Dabei verkörpert sie einen Typ moderner Frau, die gleichzeitig in alten Rollenmodellen gefangen ist. Die Doppelbelastung Erwerbsarbeit und Elternaufgabe tragen eben immer noch meist die Frauen. Und dass sich eine alleinstehende Mom auch mal durch bezahlte sexuelle Diestleistingen entspannen will, gesteht die Gesellschaft ihr weniger zu als einem Mann.

Die anderen Darstellenden sind unterschiedlich gut, so irritiert die übertriebene Mimik von Johnson eher. Toll ist die Kinderdarstellerin Nola Wallace als aufgeweckte Tochter, Charlie Hall und Kiarra Goldberg sind zumindest überzeugend als Paulas nerdige KollegInnen, die ihr schließlich bei den Ermittlungen helfen. Themen wie der Niedergang des Journalismus und die Heuchelei US-amerikanischer Soccer-Moms werden am Rande mitbehandelt.

Große Motivation: Für Tochter Hazel (Nola Wallace) tut Paula alles
Große Motivation: Für Tochter Hazel (Nola Wallace) tut Paula alles Apple TV

Inszenatorisch halten die zehn Episoden gut die Balance zwischen spannenden Actionszenen, die wenig Rücksicht auf sanfte Gemüter nehmen, witzigen Dialogen und einfühlsamen Charaktermomenten. Gute Versionen mehr oder weniger bekannter Popklassiker untermalen und kommentieren die Handlung. Die ist am Ende der letzten Folge zwar weitgehend abgeschlossen, lässt aber noch genügend Raum für eine eventuelle zweite Staffel. Wenn die das Niveau halten könnte, würde man sie gerne sehen.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten ersten Staffel von "Maximum Pleasure Guaranteed".

Meine Wertung: 4/5

Die ersten beiden Episoden starten am 20. Mai bei Apple TV, die weiteren folgen dann jeweils mittwochs.



 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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