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TV-Kritik/Review: Neue Böhmermann-Show "ZDF Magazin Royale": Straffer, erwachsener - aber auch lustiger?

Die Premierenkritik zum Nachfolger des "Neo Magazin Royale"
"ZDF Magazin Royale" mit Jan Böhmermann
ZDF/Screenshot
TV-Kritik/Review: Neue Böhmermann-Show "ZDF Magazin Royale": Straffer, erwachsener - aber auch lustiger?/ZDF/Screenshot

Jan Böhmermann ist zurück. Nachdem der Satiriker im Dezember 2019 das  "Neo Magazin Royale" nach sechs Jahren beendete, ging er in eine lange Kreativpause - zumindest, was das Fernsehen betrifft. Aktiv war er trotzdem: Er war weiterhin in hoher Schlagzahl zusammen mit Olli Schulz im Spotify-Podcast "Fest & Flauschig" zu hören und veröffentlichte in der Zwischenzeit zudem auch den Bestseller "Gefolgt von niemandem, dem du folgst: Twitter-Tagebuch". Im Fernsehen war er in den vergangenen elf Monaten jedoch, abgesehen von dem einen oder anderen Promo-Interview, kaum zu sehen.

Am 6. November ging nun das von vielen mit Spannung erwartete  "ZDF Magazin Royale" an den Start. Böhmermann wurde damit ein lange gehegter Wunsch erfüllt: Nach einem sechsjährigen Dasein in der ZDFneo-Nische darf er nun endlich im Hauptprogramm senden - und das auch noch am Freitagabend um 23 Uhr direkt im Anschluss an die quotenträchtige  "heute-show". Im Vergleich zum Vorgänger "Neo Magazin Royale" wurde die Sendezeit des Nachfolgers von 45 Minuten auf 30 Minuten gekürzt - so wie es übrigens auch beim ursprünglichen "Neo Magazin" (vor der Royale-Zeit) der Fall war. Und auch sonst ist einiges anders.

Jan Böhmermann im "ZDF Magazin Royale"-Studio
Jan Böhmermann im "ZDF Magazin Royale"-Studio ZDF/Screenshot

Das "ZDF Magazin Royale" wird als konsequente Weiterentwicklung von Böhmermanns früherer Sendung beschrieben. Weiterhin wird die Show im altbekannten Studio König in Köln-Ehrenfeld produziert. Allerdings gab es hinter den Kulissen eine Veränderung: Die Produktionsfirma bildundtonfabrik, mit der Böhmermann viele Jahre zusammengearbeitet hat, stellt lediglich das Studio zur Verfügung, zeichnet jedoch nicht mehr für den Inhalt verantwortlich. Stattdessen steht nun Ufe (Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld) hinter der Sendung, eine neu gegründete Firma der ZDF-Tochter Gruppe 5 und Jan Böhmermann.

Nach einem kurzen Vorabclip, indem alte Bekannte wie Vera Int-Veen, Heinz-Christian Strache oder Christian Lindner "liebe Grüße" zum Start senden, meldet sich der Moderator zur Stelle. Mein Name ist Jan Böhmermann. Ich bin 26 Jahre alt. Ich bin der einzige Twen im Zweiten. Ich bringe Sie ab sofort jeden Freitag nach der 'heute-show' ins Bett.

Im Vergleich zum Vorgänger kommt das "ZDF Magazin Royale" deutlich konzentrierter und minimalistischer daher. So verzichtet Jan Böhmermann nicht nur (Corona-bedingt) auf Studiopublikum, sondern auch auf einen Stand-up-Monolog. Stattdessen sitzt er die gesamte Sendung über am Schreibtisch. Als spärliche Kulisse dient eine nächtliche Städte-Peripherie im Hintergrund, was wiederum an klassische Late-Night-Shows erinnert. Im ersten Teil spricht Böhmermann in einer Schalte mit einem ehemaligen Star des Kinderfernsehens, der sich inzwischen als großer Verschwörungstheoretiker geoutet hat: Spencer aus  "Hallo Spencer".

Was ist nur aus Spencer geworden?
Was ist nur aus Spencer geworden? ZDF/Screenshot

Anschließend folgt eine fast 20-minütige Abhandlung rund um das große Thema Verschwörung. Böhmermann eröffnete in den vergangenen Tagen einen Channel beim umstrittenen Messengerdienst Telegram, um die Verschwörerungstheoretiker zu verwirren, die sich dort vermehrt aufhalten. In seinem ausufernden und leider wenig lustigen Monolog landet Böhmermann bei Superreichen wie Bill Gates, Jeff Bezos und Michael Stoschek. Die Pointe des Ganzen: Die ungleiche Verteilung von Geld und Gütern in der Welt ist eines der größten Menschheitsprobleme der Gegenwart. Es gebe letztendlich gar keine Verschwörung. Es läuft sowieso alles zugunsten weniger - und für den Rest den Bach runter. Mehrwert oder Gagdichte der ganzen Geschichte? Eher solala.

Die neue Sendung erinnert an US-Vorbilder wie  "Last Week Tonight with John Oliver" oder  "The Daily Show" - und weniger an eine klassische Late-Night. Böhmermann hält sich nicht mit Spitzen zurück und nimmt eine klare Haltung ein, während investigativ recherchiertes Bild- und Textmaterial parallel eingeblendet wird. Bereits im "Neo Magazin Royale" ging Böhmermann mit Rubriken wie "Eier aus Stahl" oder "Telelupe" in diese Richtung, die offensichtlich wegweisend für das "ZDF Magazin Royale" war.

Ein Erkenntnisgewinn für die Zuschauer soll auch das erklärte Ziel der Sendung sein. Verschiedene Schwerpunktthemen sollen journalistisch fundiert und in gewohnt spitzer Manier (so der ZDF-Promotext) auseinandergenommen werden. Monothematische Erklärstücke und Aufdeck-Storys soll es künftig regelmäßig geben. Die Kehrseite davon ist, dass solche Ausführungen schnell den Charakter eines Erklärbärs mit erhobenem Zeigefinger bekommen können. Bei der vor einer Woche gestarteten Show  "Late Night Alter" auf Böhmermanns ehemaligem ZDFneo-Sendeplatz zeigt sich exemplarisch, dass es eben nicht reicht, mit einer Hand voll müder Gags gesellschaftliche Missstände anzuprangern.

ZDF/Screenshot

Vom alten "Neo Magazin Royale" übrig geblieben ist das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld, das weiterhin für die musikalische Untermaltung sorgt - allerdings vorerst im Distanz-Modus per Video-Konferenz. Das große Finale bildet ein Musikvideo, in dem das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld mit H.P. Baxxter den neuen Scooter-Hit "FCK 2020" intoniert. Dies wirkt im Vergleich zur restlichen Sendung fast schon wie ein Stilbruch. Auf einen Talkgast wird völlig verzichtet und vom früheren Team um Florentin Will, Larissa Rieß, Max Bierhals, Giulia Becker und Sophie Passmann ist zumindest in der Premiere niemand zu sehen - es taucht auch keiner dieser Namen im Abspann auf.

Aus der großen Late-Night-Sause ist ein satirisches Recherchemagazin geworden. Von dem klamaukigen Humoranteil aus "Neo Magazin"-Zeiten, als Böhmermann vorrangig Juxraketen für die Twitter-Bubble zündete, ist zumindest in der ersten Sendung kaum noch etwas übrig. Das ist nicht unbedingt überraschend. Mit dem Wechsel ins ZDF-Hauptprogramm will Böhmermann offenbar massentauglicher und erwachsener daherkommen. Vermutlich wollte er auch schlichtweg etwas raus aus der Rolle des Spaßmachers für ein studentisches Nerd-Publikum. Die Zeiten des Hashtags der Woche sind vorbei.

Insgesamt lieferte Böhmermann eine solide Premiere ab, doch nachhaltig in Erinnerung bleiben wird davon nichts. Große Überraschungen oder gar ein Coup à la Varoufake oder Verafake blieben aus. Aber das kann in den nächsten Wochen und Monaten ja noch kommen. Die größte Überraschung war wohl, dass der die gesamte Sendung über Wein trinkende Böhmermann kein einziges Wort über das Thema verlor, das derzeit die ganze Welt bewegt: Die US-Präsidentschaftswahl.


 

Über den Autor

  • Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei TV Wunschliste vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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