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TV-Kritik/Review: "Skylines": Darum ist das deutsche Netflix-Drama weit mehr als nur eine "Hip-Hop-Serie"

Fesselnde Erzählung überzeugt auf ganzer Linie
Umrahmt von Label-Boss Kalifa (Murathan Muslu, r.) und Produzent Semir (Sahin Eryilmaz, l.) scheint Jinn (Edin Hasanovic, 2.v.r) am Ziel seiner Träume: Er erhält einen Vertrag bei "Skylines".
Bild: Nik Konietzny/Netflix
TV-Kritik/Review: "Skylines": Darum ist das deutsche Netflix-Drama weit mehr als nur eine "Hip-Hop-Serie"/Bild: Nik Konietzny/Netflix

Traue keinem Trailer! Dieses Lebensmotto bewahrheitet sich mal wieder im Fall von "Skylines", der neuen deutschen Netflix-Serie aus dem Hip-Hop- und Gangstermilieu. Sah der vorab veröffentlichte Trailer nämlich noch sehr stark nach einer Ansammlung aller möglichen hinlänglich bekannten Klischees aus, stellt sich die sechsteilige erste Staffel dann doch als wesentlich eigenständigeres und vor allem stilistisch ausgeprochen gelungenes Werk heraus.

Im Mittelpunkt des von Newcomer Dennis Schwarz entwickelten Projekts stehen drei höchst unterschiedliche Figuren, deren Schicksale sich im Verlauf der Erzählung kreuzen: Da ist zunächst der junge Musiker/Produzent Johannes (Edin Hasanovic), der sich selbst nur Jinn nennt ("so ein Flaschengeist", wie er anfangs denkt, oder eher "eine Art Dämon", wie ihn seine türkischstämmigen Geschäftspartner später aufklären). Während er am Rechner Beats für seinen rappenden Kumpel Momo bastelt und die beiden von einer gemeinsamen Karriere träumen, verdient er seinen Lebensunterhalt vorerst noch als Portier im Frankfurter Luxushotel und wohnt bei seiner Schwester Lily (Anna Herrmann). Sein Leben ändert sich jedoch grundlegend, als er vom bekannten örtlichen Hip-Hop-Label Skyline Records angeworben wird. Das wurde von dem Rapper und früheren Kleingangster Kadir, Künstlername Kalifa (Murathan Muslu) aufgebaut, der entgegen seines Images inzwischen recht bürgerlich geworden ist und mit Frau und Töchtern in der Luxusvilla lebt. Und dann ist da noch die ehrgeizige Kriminalbeamtin Sara (Peri Baumeister), die mit Hilfe von Informanten die berüchtigte Frankfurter Drogenszene trockenlegen will und gerade in ihrer Aufnahmeprüfung für die Polizeihochschule steckt.

Die Handlung beginnt noch relativ konventionell mit Loyalitätskonflikten (Soll Jinn seinen weniger talentierten Kumpel zurücklassen, um einen Exklusivvertrag bei Skyline zu unterschreiben?) und dem aussichtslosen Versuch Saras, Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Richtig ins Rollen kommt die Geschichte durch Kalifas älteren Bruder Ardan (Erdal Yildiz), der nach Jahren wieder in Frankfurt auftaucht und sich in der Plattenfirma einnistet - zunächst nur in einem Raum im Keller. Ardan hat damals sein Drogengeld in den Aufbau des Labels gesteckt und seinem Bruder so erst dessen Karriere ermöglicht. Während der jedoch längst auf legale Geschäfte setzt, ist Ardan weit davon entfernt. Der Konflikt zwischen den beiden Brüdern ist unausweichlich. Die kriminellen Geschäfte unter dem Dach der Firma bringen aber auch den ahnungslosen Jinn in Gefahr und wecken die Aufmerksamkeit Saras, die wiederum eine gemeinsame Vergangenheit mit Kalifa verbindet. Es gibt aber auch noch eine Verbindung zur Hochfinanz, der anderen mit krimineller Energie verbundenen Branche neben dem Drogenhandel, die einem bei Frankfurt sofort einfällt. Jinns Vater Raimund (Richy Müller) leitet nämlich eine Immobilienfirma, in der es alles andere als sauber zugeht. Das lockt wiederum einen kleinen Erpresser an, der auch mal ins große Geschäft einsteigen will.
Bei seinem ersten Besuch in den heiligen Hallen von Skyline Records fühlt sich Jinn (Edin Hasanovic) wie im Wunderland

Viel Stoff also für sechs rund einstündige Folgen und manche Zusammenhänge zwischen den Figuren wirken durchaus etwas überkonstruiert. Das fällt allerdings nicht allzu stark ins Gewicht, da es Dennis Schwarz und seine Koautoren wirklich verstehen, eine spannende Geschichte zu erzählen. Man bangt und leidet als Zuschauer relativ schnell mit den Figuren (auch den Nebenfiguren vom kleinen Drogendealer und Informanten bis zum Erpresser), die wie in einer griechischen Tragödie ihrem Schicksal nicht entkommen zu können scheinen. Dabei sind die Antihelden durchaus ambivalent gezeichnet: Sara ist zwar eine engagierte Polizistin, aber eben auch eine Spur zu ehrgeizig und unvorsichtig, Kalifa hat durchaus eine Künstlerseele, kann aber seine gewalttätigen Wurzeln nicht verleugnen, und der vielleicht eine Spur zu naive Jinn ist sowieso ständig zwischen allen möglichen Loyalitäten hin und her gerissen. Und dann ist da auch noch die wunderbar sperrige Zilan (Carol Schuler), verhinderte Rapperin, gefühlvolle Sängerin/Texterin und schweigsame Auftragskillerin in einer Person, eine Frauenfigur, die man so wohl noch nie in einer deutschen Serie zu sehen bekam.
Ewiges Ringen der Brüder: Kalifa (Murathan Muslu) und Ardan (Erdal Yildiz)

Sehr überzeugend ist auch die stilistische Seite der Serie. Zum einen ist es schon fast ein Befreiungsschlag, dass eine deutsche Gangsterserie einmal nicht in Berlin, sondern eben in Frankfurt spielt. Zum anderen gelingt es der Regie (Maximilian Erlenwein u.a.), die Mainmetropole mit ihren klaffenden Gegensätzen entsprechend in Szene zu setzen: hier das Bahnhofsviertel mit Junkies, die sich auf der Straße ihren Schuss setzen, dort die glitzernden Wolkenkratzer, in deren oberen Stockwerken Immobilienfirmen wie Musiklabels ihren (nicht immer legalen) Geschäften nachgehen. Besonders hervorheben muss man natürlich die Musik: Selbst wenn man mit Hip-Hop und speziell mit deutschem Gangsterrap wenig anfangen kann, wird man sich dem Sog der großenteils eigens für die Serie geschriebenen Tracks kaum entziehen können, auch wenn etwa Muslu, der Kalifas Raps selbst aufgenommen hat, nicht immer jeden Beat trifft. Fans deutschen Hip-Hops werden sich zudem an Gastauftritten ihrer Stars - etwa von Miss Platnum - erfreuen. Lobend erwähnen muss man auch noch die Besetzung. Edin Hasanovic, vor Jahren schon als Pflegekind einer Beamtin in "KDD - Kriminaldauerdienst" aufgefallen, hat sich schauspielerisch sehr positiv weiterentwickelt. Peri Baumeister überzeugt mit einer breiten Gefühlspalette von hart bis verzweifelt und auch Murathan Muslu darf hier zeigen, dass er mehr kann, als nur österreichische Ermittler in Serien wie "CopStories" und "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" zu verkörpern.
Häufig auf eigene Faust: Sara (Peri Baumeister), die für die Polizei "Vertrauenspersonen" ("V-Leute") im organisierten Verbrechen führt.

Es ist schon erstaunlich, welchen Qualitätssprung der Markteinstieg der US-Streamingdienste, insbesondere von Netflix, dem deutschen Seriengeschäft beschert hat. Nach dem bereits international erfolgreichen Mysterydrama "Dark" hat Netflix mit "Skylines" den zweiten Volltreffer aus deutscher Produktion im Portfolio, der auch im Ausland seine Fans finden dürfte. Stilistisch und von der Dichte und Härte der Geschichte her erinnert die Serie mehr an internationale Vorbilder als alles, was man so aus dem klassischen deutschen Fernsehen kennt. Das Einzige, was man wirklich bemängeln kann, ist die Kürze der Staffel. Nach nur sechs Folgen und als die Handlung gerade richtig Fahrt aufgenommen hat, ist schon wieder Schluss - hoffentlich nur bis zur Fortsetzung.


Dieser Text basiert auf Sichtung der kompletten ersten Staffel der Serie "Skylines".

Meine Wertung: 4.0/5

Marcus Kirzynowski
Alle Bilder: © Nik Konietzny/Netflix

Die sechsteilige erste Staffel der Serie "Skylines" wird bei Netflix weltweit am 27. September 2019 veröffentlicht.

Der von Netflix veröffentlichte Trailer zu "Skylines"


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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