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Der Raub des Jahrhunderts: In der britischen Amazon-Prime-Serie
Es ist ein ganz normaler Arbeitstag in London: Die Busse und Bahnen sind überfüllt, Kinder sind auf dem Weg zur Schule, Erwachsene zur Arbeit. Manche haben ihren ersten, ihren fünfhundertsten oder ihren letzten Arbeitstag. Für Myrtle (Eloise Thomas) startet das Praktikum bei Lochmill Capital, einer Investmentgesellschaft für Rentengelder. Mitarbeiterin Zara zeigt ihr die wichtigen Dinge im Büro: wo es die besten Kekse gibt und man Kaffee bekommt. Doch kaum setzen sich die beiden zu ihrem Kollegen Luke (Archie Madekwe) an ihre jeweiligen Plätze, stürmt eine Gruppe mit halbautomatischen Waffen das Großraumbüro und nimmt die gesamte Belegschaft als Geisel.
"Steal" startet in den ersten Minuten zwar ruhig, aber allein schon durch die Zwischenschnitte vom Büro zu den einzelnen Tätern entsteht eine unterschwellige Daueranspannung, die auch nicht mehr so schnell abflachen wird. Auch Laien im Thriller- und Krimi-Genre ist binnen kürzester Zeit klar, dass es sich bei der Bande um Profis handelt: Sie gehen koordiniert, ohne Diskussion, Panik oder Stress vor, fast als wäre es Routine. Von Anfang an schwebt also eine gewisse Vorahnung mit, dass es sich wahrscheinlich nicht nur um einen "gewöhnlichen" Raub aus Geldgier handelt, sondern noch viel mehr dahintersteckt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Mitarbeiterin Zara. Zum ersten Mal lernen Zusehende sie auf der Toilette mit Nasenbluten kennen, bevor sie Praktikantin Myrtle am Empfang abholt. Durch diese gelingt es "Steal", dem Publikum zügig mit relevanten Informationen zu füttern, da Zara Myrtle durch das Büro führt und in wenigen Worten zusammenfasst, was die Gesellschaft genau macht - kurz gefasst: mit Rentengeldern handeln. Dabei wird auch Luke, Mitarbeiter und enger Freund von Zara, beiläufig vorgestellt. Viel mehr Zeit, um die Charaktere besser kennenzulernen, bleibt nicht, da kurz darauf bereits der Raub samt Geiselnahme startet.
Zitternde Hände, leises Schluchzen, gerötete Augen - allein schon die Reaktionen der Mitarbeitenden, die an dem Ort, an dem sie eine Geiselnahme wohl am wenigsten vermuten, überzeugen emotional. Auch Sophie Turner glänzt in ihrer Darstellung, vor allem, da zu diesem Zeitpunkt genau genommen nichts über sie als Hauptfigur bekannt ist. Dafür spricht ihr Verhalten für sich: Zuerst opfert sie sich für Myrtle, die sich bei einem Aufruf der Geiselnehmer meldet. Dann unterstützt sie Luke, der kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht. Schließlich nimmt sie den Anruf der Bank entgegen und gibt die Transaktion in Milliardenhöhe frei. Doch ist sie wirklich eine Heldin oder gehört das alles bloß zum Plan?

Denn spätestens als sich nach dem Raub und der Ankunft der Polizei zwei Mitarbeiterinnen auf der Damentoilette darüber unterhalten, muss auch den Zusehenden klar werden: Die Bande hat einen Insider gebraucht, um zu wissen, wann und wie sie zuzuschlagen hatte. Einen Insider, der für seine Informationen wahrscheinlich reich belohnt wird. Dass Zara das Gespräch in der Kabine belauscht und die Episode mit ihrem breiten, erleichterten Grinsen endet, könnte natürlich nur eine Folge ihres Schockzustandes sein oder aber einen ersten Hinweis auf den potenziellen Insider liefern.
Der Auftakt von "Steal" entspricht somit nicht dem typischen Schema einer Pilotfolge, in der etwa zur Hälfte Setting und Charaktere vorgestellt und zur anderen Hälfte die eigentliche Handlung in Gang gesetzt werden. Hier passiert alles gleichzeitig: Als Zusehende wird man mit so wenig Informationen wie nötig versorgt und mitten ins Geschehen geworfen. Das hält die Spannung hoch, denn die Neugierde ist groß.
Gleichzeitig steht dies aber auch der Möglichkeit im Weg, Empathie für die Hauptfiguren zu entwickeln. Als Ausgleich ermöglicht die Machart komplette Immersion: Fast dokumentarisch begleitet die Kamera die Figuren auf Schritt und Tritt im Handheld-Over-the-Shoulder-Stil. Das erhöht wiederum die emotionale Komponente, da man sich allein durch die Perspektiven und Einstellungen wie eine der Geiseln im Büro fühlt. Musikalisch hält sich "Steal" extrem zurück und setzt lieber auf die Macht der Stille statt auf ständiges Grundrauschen.

Ein weiterer Charakter, der bereits in der ersten Folge in Erscheinung tritt, ist Detective Rhys (Jacob Fortune-Lloyd). Auch über ihn ist nur wenig bekannt, beziehungsweise gilt bei ihm ebenso das Prinzip "show, don't tell" - seine wütende Reaktion auf die langsamen, bürokratischen Vorgänge in den Ermittlungen deutet auf eine ehrgeizige, ambitionierte Persönlichkeit hin. Gleichzeitig wirkt Rhys nicht unbedingt vertrauenswürdig: In Folge zwei geht er in ein Hinterzimmer eines Restaurants, in dem offenbar illegales Glücksspiel betrieben wird. Wieso er dort ist oder was er vorhat, bleibt unklar, womit auch seiner Figur kaum Identifikationspotential gegeben wird.
Lediglich mit Luke könnten manche im Verlauf der zweiten Episode mitfühlen. Möglicherweise war auch er nicht ganz unbeteiligt. Allerdings hält er dem Druck durch die laufenden Ermittlungen und seinen eigenen Gewissensbissen nicht stand. Er gerät in Panik, was nicht nur Rhys als Detective mitbekommt, sondern auch die Täter. Alles kulminiert zu adrenalingefüllten Minuten in seinem Wohngebäude. Schafft es Luke, aus der verzwickten Situation lebend herauszukommen? Das wird zur Hauptfrage der Serie, die sich nach der ersten Episode eigentlich nur wenig mit dem Raub selbst befasst, sondern den Fokus auf die Konsequenzen für Zara und Luke legt.

Das ist leider eine der größten Schwächen von "Steal": Die erste Episode beantwortet im Grunde genommen alle W-Fragen: Wer, wo, wann, wie und warum - das ist alles schnell bekannt. Ob hinter der Gier als Motiv noch ein weiteres steckt, wird in den ersten Folgen nicht spannend genug angedeutet, damit sich das Weiterschauen auch wirklich lohnt. Dadurch, dass die Figuren zu distanziert dargestellt werden, entsteht kaum bis keinerlei Bindung. Die berühmten "Stakes", also was für die Hauptfiguren auf dem Spiel steht (bis auf das eigene Leben), scheinen quasi inexistent.
Deshalb kann "Steal" nach zwei Episoden zwar mit seiner Machart durchaus für Herzrasen sorgen, aber nicht für emotionales Investment. Manche Thriller-Fans könnten an "Steal" Begeisterung finden, besonders aufgrund der detaillierten Darstellung des Raubs und durch den Fokus auf das "Danach". Wer auf Rätsel, Plottwists und vielschichtige Figuren hofft, wird bei der britischen Neuerscheinung wohl um die Vorfreude daran bestohlen.
Die Bewertung basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden von "Steal".
"Steal" ist eine britische Serie, die am 21. Januar auf Amazon Prime Premiere feiert. Die erste Staffel umfasst sechs Episoden. In der Hauptrolle ist Sophie Turner zu sehen. Regie führten Sam Miller und Hettie Macdonald.
Über die Autorin
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Leserkommentare
SerienFan_92 schrieb am 22.01.2026, 16.44 Uhr:
Ich habe nun auch die beiden ersten Folgen gesehen.
Der schlechten Kritik hier kann ich mich überhaupt nicht anschließen, da ich die Serie sehr spannend finde.
Man will wissen, wie es weitergeht und wie alles zusammenhängt.
Grundsätzlich sollte man sich halt immer selbst eine Meinung bilden und nicht nur nach Kritiken gehen.Sentinel2003 schrieb am 22.01.2026, 13.07 Uhr:
Ich habe gestern die ersten 4 Folgen durch , und, mir gefällts!User 1810564 schrieb am 21.01.2026, 15.49 Uhr:
Eine Serie wird erneut nach nur zwei Folgen bewertet. Zuerst schaue ich mir immer die Anzahl der für die Kritik verwendeten Episoden an. Dadurch spare ich Zeit. In diesem Fall kann ich mich wieder einmal getrost der vollständigen Kritik enthalten.User 1810564 schrieb am 21.01.2026, 21.10 Uhr:
Nachdem ich die Serie in ihrer Gänze gesehen hatte, las ich die umfassende Rezension. „Im Grunde genommen beantwortet die erste Episode alle W-Fragen: Wer, wo, wann, wie und warum – all das wird schnell bekannt.“ Wenn man denkt, dass es nicht nötig ist, weiterzuschauen, weil nur wenig angedeutet wird, was noch geschehen könnte, dann begreife ich umso weniger, wie man nach zwei Folgen eine Kritik schreiben kann. Ich möchte hier nicht spoilern. Deshalb, obwohl die Serie kein Meisterwerk ist, denke ich, dass sie besser ist, als diese Kritik vermuten lässt.
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