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TV-Kritik/Review: "Sweet Tooth": Postapokalyptische Comicadaption mit hochaktuellen Bezügen

von Christopher Diekhaus
(03.06.2021)
Ein Hybridjunge - halb Mensch, halb Hirsch - muss sich in einer von einem Virus verheerten Welt zurechtfinden
Christian Convery als Gus in "Sweet Tooth"
Kirsty Griffin/Netflix
TV-Kritik/Review: "Sweet Tooth": Postapokalyptische Comicadaption mit hochaktuellen Bezügen/Kirsty Griffin/Netflix

Comicverfilmungen, wohin man schaut! Gefühlt vergeht keine Woche, ohne dass eine neue Serie oder ein neuer Film angekündigt würde, der auf einer Bildergeschichte basiert. Vor allem Netflix tobt sich viel und gerne auf diesem Spielplatz aus, der freilich nicht nur von Superhelden in bunten Kostümen bevölkert wird. Neu im Programm des US-Streaming-Giganten ist die eigenproduzierte, sehr freie Adaption von Jeff Lemires DC-Comicreihe "Sweet Tooth", die ein von einem tödlichen Virus geprägtes Endzeitsetting entwirft. Die acht Folgen umfassende Netflix-Serie, auf die man in Zeiten der Corona-Pandemie mit anderen Augen blickt, entstand unter der kreativen Federführung von Jim Mickle ( "Hap and Leonard") und Beth Schwartz ( "Arrow") und lässt durch einen prominenten Namen in der Liste der ausführenden Produzenten aufhorchen: Kein Geringerer als Iron-Man-Darsteller Robert Downey Jr. ist mit dem Projekt verbunden, das postapokalyptische Elemente mit Märchen- und Fantasy-Motiven kombiniert. Was schräg und vielversprechend klingt, hat trotz spannender Ansätze nach den ersten vier Episoden noch Luft nach oben.

H5G9 - so heißt der mörderische Erreger, der in  "Sweet Tooth" eines Tages die Welt aus den Angeln hebt. Den Zusammenbruch der zivilen Ordnung veranschaulichen die Macher in der Auftaktfolge anhand routinierter Chaos- und Katastrophenbilder gepaart mit einigen Nachrichtenschnipseln, die den Ernst der Lage und die allgemeine Überforderung unterstreichen. Eine Präsentation, wie man sie in vielen Endzeitfilmen und -serien so oder ähnlich schon gesehen hat. Ungewöhnlich ist allerdings, was sich im Angesicht des Schreckens offenbart: Während sich überall Panik ausbreitet, kommen plötzlich Kinder zur Welt, bei denen es sich um Mischwesen aus Mensch und Tier handelt. Schnell steht die Frage im Raum, ob diese Hybriden der Grund für den Virusausbruch sind oder aber eine Folgeerscheinung der Pandemie. Nicht wenige Überlebende tendieren zu Letzterem, weshalb die Jagd auf die eigenartigen Geschöpfe eröffnet wird.

Glücklicherweise hat sich ein Mann (Will Forte) mit seinem Mensch-Hirsch-Baby namens Gus rechtzeitig aus dem Staub gemacht und ein Refugium irgendwo im früheren Gebiet des Yellowstone-Nationalparks aufgebaut. Abgeschottet von allen Gefahren, zieht er eben dort seinen Hybriden groß und verbiegt dabei ein ums andere Mal die Wahrheit, um zu verhindern, dass seinen Sohn das Erkundungsfieber packt. Die Situation ähnelt ein wenig dem Szenario des Science-Fiction-Thrillers  "Freaks", in dem ein Vater dafür sorgt, dass seine Tochter nie das Haus verlässt oder durchs Fenster schaut, weil draußen angeblich ein schreckliches Schicksal auf sie wartet. Das Gefühl der Paranoia und der Beklemmung, das der Film im ersten Akt erzeugt, stellt sich in "Sweet Tooth" zwar nicht ein. Dennoch wirft die manchmal fast idyllisch wirkende Zweisamkeit Irritationen auf: Ist vollständige Isolation wirklich das geeignete Mittel, um die unruhigen Zeiten zu überstehen? Und raubt der Einsiedler seinem Kind durch seine Predigten und Grundsätze nicht das Recht auf Selbstbestimmung?

Der Mann (Will Forte) lehrt seinen Sohn Gus (Christian Convery), wie man in der Wildnis überlebt.
Der Mann (Will Forte) lehrt seinen Sohn Gus (Christian Convery), wie man in der Wildnis überlebt. Netflix

Zehn Jahre nach dem Einsturz der alten Ordnung führt eine Verkettung unglücklicher Umstände dazu, dass der inzwischen nicht mehr ganz so kleine Gus (Christian Convery) wissen will, was jenseits der von seinem Vater gesteckten Grenzen liegt. Mehr noch: Unbedingt möchte der mit Hirschgeweih und Hirschohren ausgestattete Junge seine Mutter (Amy Seimetz) finden, die er nur von einem Foto kennt und im Bundesstaat Colorado zu finden hofft. Der Ausbruch aus der vertrauten Umgebung endet jäh, als er einen als Köder ausgelegten Schokoriegel entdeckt. Gus kann dem verlockenden Geruch - seine Nase ist deutlich feiner als die eines normalen Menschen - nicht widerstehen und sieht sich auf einmal zwei Mitgliedern der "Last Men" gegenüber, einer militärische Einheit, die es auf die Hybridwesen abgesehen hat. Wie durch ein Wunder taucht jedoch der hünenhafte Tommy Jepperd (Nonso Anozie) auf und rettet dem Hirschkind das Leben. Obwohl der große Mann, wie Gus ihn nennt, schnell und vor allem allein weiterziehen will, weicht der zehnjährige Eremit fortan nicht mehr von seiner Seite.

"Sweet Tooth" - das ist der Spitzname, den Gus von Jepperd verpasst bekommt - reiht sich in die lange Liste an Kino- und Fernseharbeiten der letzten Jahre ein, die in einer verwüsteten, aller Gewissheiten beraubten Welt spielen. Wo sonst allerdings viel Düsternis und Trostlosigkeit in den Bildern und im Set-Design vorherrscht, verschiebt die Netflix-Produktion ein wenig die Akzente und entfernt sich damit auch bewusst von Jeff Lemires unbequemerer Comicreihe. Die vom Streaming-Dienst präsentierte Adaption ist zweifellos familientauglicher, selbst wenn es hier und da ein paar dunklere Einsprengsel gibt. Die nach der Viruskatastrophe nur noch wenig besiedelten, oft von der Natur langsam zurückeroberten Schauplätze haben zum Teil etwas Malerisch-Urtümliches an sich. Immer wieder bekommt der Zuschauer imposante Landschaftsaufnahmen zu sehen, die im wunderschönen Neuseeland entstanden.

Tommy Jepperd (Nonso Anozie) will eigentlich allein durchs Land streifen.
Tommy Jepperd (Nonso Anozie) will eigentlich allein durchs Land streifen. Netflix

Der Haupterzählstrang rund um Gus und seinen widerwilligen, mit einer zwielichtigen Vergangenheit behafteten Begleiter und Beschützer - eine archetypische Konstellation - hält einige an den Nerven kitzelende Begegnungen bereit, fühlt sich nach vier von acht gesichteten Folgen aber noch nicht wie das kräftig pochende emotionale Herz der Serie an. Die Geplänkel zwischen dem großen Bären und seinem kleinen Weggefährten, der sich immer wieder über die ihm unbekannte Welt außerhalb seines früheren Rückzugsortes wundert, sind ganz unterhaltsam. Aus der ungewöhnlichen Beziehung wird in der zweiten Hälfte hoffentlich jedoch noch etwas mehr herausgeholt.

Spannender, da mit stärkerer moralischer Ambivalenz und größeren Überraschungen versehen, ist die Storyline, die von Arzt Aditya Singh (Adeel Akhtar) und seiner vom Virus infizierten Ehefrau Rani (Aliza Vellani) handelt. Ihr Kampf gegen die Widrigkeiten und ihr Zusammenhalt sind imponierend. Gerade in ihrem Fall kommt es nach und nach allerdings zu beunruhigenden Enthüllungen. Wie sich bei einer Feier unter den Überlebenden ihrer Vorortsiedlung zeigt, treibt die Angst vor dem Virus grausame Blüten. Horrortöne klingen nicht nur mit Blick auf die Organisation der Nachbarschaft an. Dr. Singh findet sich irgendwann überdies in einer Position wieder, in der er ganz im Stile Frankensteins entscheiden muss, ob er die ethischen Grenzen überschreiten will. Die inneren und äußeren Konflikte, die sich damit andeuten, könnten in den Folgen fünf bis acht noch für unbehagliche Entwicklungen gut sein.

Dr. Singh (Adeel Akhtar) muss einen schwierigen Entschluss fassen.
Dr. Singh (Adeel Akhtar) muss einen schwierigen Entschluss fassen. Netflix

Weniger eindringlich ist der dritte Handlungsfaden, in dessen Mittelpunkt die ehemalige Therapeutin Aimee (Dania Ramirez) steht, der mit Ausbruch der Seuche auf einmal klar wird, wo ihre Lebensaufgabe liegt. Auch bei ihr gibt es Potenzial für reizvolle Wendungen. Ihre Geschichte bekommt in den ersten vier Episoden allerdings am wenigsten Zeit spendiert. Interessant dürfte es nicht zuletzt sein, wie die unterschiedlichen Stränge irgendwann zusammenfließen. Bis zur Hälfte eröffnet uns "Sweet Tooth" eine durchaus anregende postapokalyptische Vision mit verschiedenen Akteuren und Zielsetzungen. Hinten heraus sollte das Ganze aber noch etwas mehr Intensität und Wucht erhalten. Streiten kann man übrigens darüber, wie sinnvoll es war, die während der Corona-Pandemie entstandene Serie mit direkten Verweisen auf die Wirklichkeit anzureichern. Wenn in einer Szene ganz prominent ein Schild mit der Bitte um einen Abstand von 1,5 Metern in den Kamerablick gerät, werden wir mit dem Holzhammer an die herausfordernden, schmerzhaften Corona-Erfahrungen erinnert. Manch einer mag das zum jetzigen Zeitpunkt in einem Unterhaltungswerk als geschmacklos ansehen.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier Folgen von "Sweet Tooth".

Meine Wertung: 3.5/5

Die Serie "Sweet Tooth" ist ab dem 4. Juni bei Netflix zu sehen.


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Leserkommentare

  • Brigidde (geb. 1974) schrieb am 08.06.2021, 13.49 Uhr:
    Hat mir unglaublich gut gefallen und hoffe auf eine Fortsetzung.
    Die Thematik und Ähnlichkeiten mit unserer derzeitigen Welt find ich interessant, weil man weiss, das sowas eben nicht nur Sci-Fi ist, sondern tatsächlich irgendwie passieren kann. Da kann man sich auch denken: Es hätte viel schlimmer sein könnne oder auch es kann noch schlimmer kommen
    .
 

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