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TV-Kritik/Review: "Unorthodox": Wie gut ist die deutsch-amerikanische Netflix-Miniserie?
von Marcus Kirzynowski(25.03.2020)

Williamsburg, Brooklyn, New York City ist nicht nur als hippes Szenenviertel bekannt, sondern auch Heimat einer großen Community orthodoxer chassidischer Juden. Wenn das Schlagwort der Parallelgesellschaft jemals seine Berechtigung hatte, dann vermutlich hier, leben die Mitglieder dieser Glaubensrichtung doch quasi abgeschirmt vom Leben der Mehrheitsgesellschaft um sie herum nach eigenen, strengen Regeln. Aber nicht jeder ist auf Dauer willens oder in der Lage, sein ganzes Leben einem solch rigiden System anzupassen. Deborah Feldman ist dort aufgewachsen und irgendwann geflohen. Basierend auf - oder vielmehr lose inspiriert von - ihren Memoiren entstand die vierteilige Netflix-Miniserie
Esther, von allen nur Esty genannt (Shira Haas, die schon in der israelischen Serie
Und das ausgerechnet nach Berlin, der Hauptstadt des Nazi-Terrors, für Estys Familie auch heute noch der Ort des Bösen schlechthin. Allerdings nicht für ihre ganze Familie, denn dort lebt auch ihre Mutter, die der orthodoxen Gemeinschaft in New York schon vor vielen Jahren den Rücken gekehrt und seitdem kaum noch Kontakt zu ihrer Tochter hatte. Durch einen reichlich konstruiert wirkenden Zufall landet Esty in einer Musikhochschule (inspiriert von der real existierenden Berliner Barenboim-Said-Akademie), wo sie einerseits ein heimliches Nachtlager findet, andererseits aber auch Anschluss an eine internationale Gruppe Studierender, die sie faszinieren: junge Leute aus aller Welt, mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen, die ein aus ihrer Sicht freies Leben führen und zudem noch Estys Traum leben - professionell Musik zu machen. Während die völlig mittellose Esty versucht, sich im ihr fremden Großstadtleben durchzuschlagen, machen sich der verlassene Ehemann und ein durchtriebener Cousin ebenfalls nach Berlin auf, um sie aufzuspüren und zurückzubringen.

Mit ihrem Thema, noch dazu basierend auf realen Erlebnissen, bewegen sich die SerienmacherInnen auf dünnem Eis: Allzu schnell könnte das Ganze in eine ungerecht wirkende Anklage oder zumindest stereotype Darstellung einer weithin unbekannten Glaubensrichtung umkippen. Man merkt der Serie jedoch an, dass die AutorInnen viel recherchiert und sich fachkundig haben beraten lassen (unter anderem von dem Rabbiner Eli Rosen, der auch selbst einen Rabbiner spielt). Als Regisseurin war die vor allem als Schauspielerin bekannte Maria Schrader (

Frei von Klischees ist "Unorthodox" leider auch sonst nicht. Das betrifft nicht nur den Cousin Moische (Jeff Wilbusch), der in seiner heuchlerischen Art (rigoros gegenüber anderen, während er selbst dem Glücksspiel frönt) fast schon die Karikatur eines Filmbösewichts ist. Auch die Gruppe der Musikstudenten entspricht vielleicht etwas zu perfekt dem Prinzip United Colors of Benetton. Und spätestens, wenn die Serie kurz vor Schluss mit dem Vorsingen Estys an der Hochschule ihren emotionalen Höhepunkt erreicht, erinnert das nicht nur auffällig an Caroline Links großartigen Film
"Unorthodox" ist durchaus unterhaltsam, stellenweise humorvoll und schon wegen des ungewohnten Sprachmix' aus Jiddisch und Englisch sehenswert (unbedingt im Original mit Untertiteln anschauen, wenn man sich nicht den halben Spaß nehmen will!). Auch die Aussage ist letztlich eine universelle, ebenso richtige wie wichtige: Man kann sich nur selbst befreien.
Noch überzeugender wäre diese allerdings gewesen, wenn die Serie sie etwas unprätentiöser und weniger klischeehaft vermittelt hätte.
Dieser Text basiert auf Sichtung der kompletten Miniserie "Unorthodox".
Netflix veröffentlicht die vierteilige Miniserie "Unorthodox" am 26. März 2020 weltweit.
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