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TV-Kritik/Review: Medici
(14.11.2016)

Fans von Dustin Hoffman kriegen dann gleich zu Beginn der ersten Episode einen mittelschweren Schock, denn da fällt der "Rain Man"-Star bereits röchelnd ins Gebüsch und stirbt, nachdem er gerade noch auf seinem Weinberg versonnen aufs spätmittelalterlich in der Morgensonne glänzende Florenz blickte und an einer Traube lutschte. Eine gruselige Kapuzengestalt huscht durch den Rebstock davon: Die Traube war vergiftet! Dass Giovanni de' Medici im Jahr 1429 wirklich ermordet wurde, ist eine auf unbewiesenen Hinweisen basierende Erfindung der Macher, deutet aber als Paukenschlag zum Auftakt gleich die Richtung an, die die Serie einschlagen dürfte: Zu sehen gibt es einerseits einen typisch süffigen, aufwendig ausgestatten, nicht unbedingt originellen Historienschinken ? la

In Rückblenden geht es dann immer wieder zwanzig Jahre zurück ins Jahr 1409. Hoffman-Fans können wieder aufatmen, denn in dieser Zeitebene ist sein Giovanni natürlich wieder mit von der Partie. Damals, zur Zeit des Abendländischen Schismas, nahm der Aufschwung der Medici gerade seinen Lauf: Der Vater, der sich aus bescheidensten Verhältnissen zum angesehenen Teppichhändler emporarbeitete, beauftragt seine charakterlich höchst unterschiedlichen Söhne, den vergeistigt-ernsten Möchtegernkünstler Cosimo und den Schürzenjäger Lorenzo (Stuart Martin aus der britischen Polizeiserie
Cosimo wird vom Vater nicht nur beruflich verplant, sondern auch strategisch verkuppelt - mit der schönen Contessina (Annabel Scholey, "Walking on Sunshine"), der Tochter eines konkurrierenden Geschäftsmanns. Zwar sieht so aus, als könnten sich die Zwangsverheirateten durchaus miteinander arrangieren, doch schon in der Hochzeitsnacht kommt es zur Erektionsstörung, und die Szenen anno 1429 zeigen die Verbitterung, die den Eheleuten irgendwann in die Parade gefahren sein muss.
In beiden Zeitebenen werden die Figuren von denselben Schauspielern verkörpert, was leider nicht so gut funktioniert: Abgesehen davon, dass Madden und Martin als Jünglinge nur mit etwas mehr Locken und etwas weniger Vollbart auskommen müssen, ist in der Haupterzählebene, in der die Brüder um die vierzig Jahre alt sein müssten, kein Altersunterschied erkennbar. Auch aus dem Spiel der Brüder ist kein Zugewinn an Lebenserfahrung herauszulesen. Dass Cosimo nun selbst einen bereits verheirateten Sohn (Alessandro Sperduti) hat und demnächst Großvater wird, wirkt dadurch schon sehr befremdlich. Ein wenig liegt das aber auch an Richard Madden, der in diesem Tiefe suggerierenden Part eingangs etwas orientierungslos erscheint. Meistens schaut er ohnehin nur bedeutungsschwer in die Ferne, oder er liefert sich ruckartig orchestrierte Blickduelle mit seinen Feinden. Der beste seiner Antagonisten ist David Bradley (Argus Filch aus "Harry Potter"), der Cosimos Schwiegervater mit seinem patentiert verachtungssatten Grimmblick verkörpert und "Game of Thrones"-Fans die schaurigste Pointe der zweiten Episode liefern dürfte: In GoT spielte Bradley den schmierigen Schurken Walder Frey, hier trifft er erstmals seit der legendär schockierenden "Roten Hochzeit" wieder auf Richard Madden alias König Robb Stark, den er damals meucheln ließ. Diesmal gibt's nur ein geheucheltes Küsschen auf die Stirn - aber das Gruseln bleibt.
Und sonst noch? Es gibt pittoreske Reitszenen durch die Toskana, einen Pestausbruch, Krieg mit Mailand, einige sehr ungelenke Erklärdialoge und Digitaleffekte, die "Da Vinci's Demons"-Niveau zweifellos erreichen, aber deutlich unter "Thrones"-Niveau bleiben. Besonders einige komische Blue-Screen-Effekte irritieren. Der Plot selbst ist prall gefüllt mit Ränken und Intrigen: In der Signoria hat es Cosimo mit den Adligen in der Stadt zu tun, die ganz andere Interessen verfolgen als die Medici und andere bürgerliche Händler. Cosimo muss taktieren und überlegen, ob er strategisch von der Linie seines Vaters abweicht. Als Gegenspieler, der auch mit der Ermordung Giovannis zu tun haben könnte, wird alsbald Rinaldo Albizzi etabliert, ein bärtiger Heißsporn, verkörpert von einem gewissen Lex Shrapnel, der die Kunst des bösen Blicks in einer Weise beherrscht, die man von einem Schauspieler seines Namens auch erwarten darf.
Nein, der ganz große History-Hit sind diese "Medici" nicht geworden. Es fehlt an Feuer, an Überraschungen, auch an ungewöhnlichen Figuren, um den Betrachter wirklich mitzureißen. Zu viele Szenen hat man so ähnlich schon oft gesehen, zu viele Konflikte (auch der zwischen Cosimo und dem bislang unterbeschäftigten Lorenzo) bauen sich sehr vorhersehbar auf. Was nicht heißt, dass es nicht für eine unterhaltsame Reise durch die Renaissance reichen würde - manchmal ein wenig kitschig, mitunter etwas ungelenk und immer zu sauber und glattpoliert. Aber das ist in anderen Serien dieser Art ähnlich, und wer sich an diesen Wiedererkennungseffekten nicht stört, wird ordentlich bedient.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Folgen von "Die Medici".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: RAI
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