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TV-Kritik/Review: "M - Eine Stadt sucht einen Mörder": Märchenhaft inszenierter Albtraum
von Marcus Kirzynowski(22.02.2019)

Es ist sicher das ambitionierteste österreichische Serienprojekt der vergangenen Jahre: ein Remake des legendären Filmklassikers
Schalko, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Evi Romen auch die Drehbücher verantwortet, hat die Handlung vom Berlin der Zwischenkriegszeit ins Wien der Gegenwart verlegt. Während im Vorspann der nur als Schatten zu sehende Mörder jeweils eine mit einem anderen Symbol gefüllte Schneekugel zertrümmert, erscheint auch die Stadt selbst wie in einer solchen: begraben unter einer dichten Schneedecke, aber auch hermetisch eingeschlossen. Die surrealen Elemente der Vorlage treibt Schalko von Beginn an auf die Spitze: Schon in der Anfangssequenz begegnet die kleine Elsie, die im Park ihre rote Winterjacke vergessen hat, auf der Straße einem Horrorclown, der Luftballons mit bedrohlich wirkenden Gesichtern verkauft. Ein alter Mann im Pelzmantel (gewohnt stoisch: Udo Kier) fotografiert überall auf den Straßen, wo etwas passiert (oder eben auch nicht), wie ein notgeiler Stalker. Und Die-Ärzte-Schlagzeuger Bela B gibt als Bleicher Mann der Polizei mysteriöse Hinweise über den Kindermörder, der die Stadt in Atem hält.
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Dass Schalko nicht nur herrlich absurd-lakonische Dialoge schreiben kann, sondern auch ein großer Stilist ist, hat er schon mit seinen vorangegangenen Miniserien "Braunschlag" und vor allem

Wie im Original nehmen auch in der neuen Version irgendwann die örtlichen Kriminellenbanden die Suche nach dem Kindermörder - weil er schlecht für ihr Geschäft ist - und damit die Justiz selbst in die Hand. Sophie Rois spielt die Verbrecherfürstin "die Wilde" wie eine überkandidelte Gundel Gaukeley mit "Zauberstab" und permanent schlechter Laune. Ihre Bestrafungsaktion einer untergebenen Prostituierten sorgt nebenbei für die absurdeste und vielleicht grausamste Szene der Serie. An absurden Szenen mangelt es aber auch sonst nicht. Die Autoren lieben es etwa, aus einschlägigen Genrefilmen hinlänglich bekannte Standardsituationen aufzugreifen und bis ins Groteske zu steigern, dabei aber auch immer wieder mit den Erwartungen der Zuschauer zu spielen. Beispiel: Was kann ein Vater Blöderes tun, als nachts bei Unwetter mit seiner kleinen Tochter im um das Haus gelegenen Wald Verstecken zu spielen? Er kann den skurrilen Mann, der bei der Suche nach dem Mädchen plötzlich vor ihm steht, bitten, ihm suchen zu helfen. Der bringt das Kind dann erst einmal unbeschadet zum Vater zurück, obwohl wir ihn längst als "M" (Gerhard Liebmann) erkannt haben.


Zwar ist die neue Schalko-Miniserie längst nicht so lustig wie "Braunschlag" (und will es auch gar nicht sein). Dafür erreicht der Regisseur und Autor mit wunderbaren Bildern, einem eindringlichen Score von Dorit Chrysler, seinem überwiegend überzeugenden deutsch-österreichischen Ensemble und der Mischung aus märchenhafter Albtraumhandlung und bitterbösem Gesellschaftsporträt eine ganz andere künstlerische Qualität. Während deutsche TV-Sender eine Eigenproduktion wie
Dieser Text auf der Sichtung der kompletten Miniserie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder".
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: TVNOW/Superfilm/Pichler/Pertramer
Die sechsteilige Serie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" wird in Deutschland am Samstag (23. Februar 2019) beim Streamingangebot TVNOW veröffentlicht. In Österreich erfolgte die Ausstrahlung beim ORF seit dem 17. Februar 2019.
Über den Autor
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Leserkommentare
User 1444810 schrieb am 02.03.2019, 12.10 Uhr:
Wenn einem Filmemacher selbst nichts einfällt, krallt er sich einen erstklassigen alten Stoff mit bekanntem Titel und Grundkonzept, walzt ihn zu einer Serie aus, verlegt ihn nach Wien und in die Gegenwart, ungeachtet, daß die Handlung in dieser Dichte heutzutage nicht passieren könnte, sondern die Vorgänge an die Zustände der 20er Jahre mit extremer Armut und vernachlässigten Straßenkindern gekoppelt ist. Natürlich mußten Immigranten, Flüchtlinge, die Huren- und die Bettlermafia mit einer "wilden Wanda" thematisiert werden und die aktuelle Regierung mit einem geschönten Innenminister, FPÖ-Zitaten (diese Kritik war wohl die Hauptabsicht). Die Krimineser werden gegendert, alle Versatzstückeln, ein bißchen Dritter Mann, Kampusch und Peter Pan, die Mutter des Opfers muß hochgefährlich neurotisch sein, Esoterik, Amtsmißbrauch, Mobbing, Medienkampagnen usw.
Aus dem komprimierten Stoff Fritz Langs, der schon protestierte, als man nach dem Krieg seinen Arbeitstitel für einen neuen Film verwendete, wurde eine langatmige Aneinanderreihung von Klischees, von allem, was einem Autor einfallen kann - schade um die Zeit.nagash schrieb am 01.03.2019, 19.36 Uhr:
schon lange nicht mehr so einen Schrott gesehen
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