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TV-Kritik/Review: "Die Fraggles: Back to the Rock!": Grandioses Apple-Comeback der Jim-Henson-Figuren
von Marcus Kirzynowski(13.02.2022)

Neben diversen Kinofilmen, TV-Specials und kurzlebigen Serien hat der große Puppenspieler und Kreativkopf Jim Henson drei Universen erfunden, die das internationale Fernsehen nachhaltig prägten: die
Formal handelt es sich dabei nicht um eine Fortsetzung der alten Serie, sondern um ein Reboot. Das merkt man daran, dass Gobos abenteuerlustiger Onkel "Travelling" Matt in der Auftaktfolge erneut das Wandloch entdeckt, das als Portal in die Außenwelt (im Original Outer Space) dient. Auch die allwissende Müllhalde, eine Art vordigitales Wikipedia in Gestalt eines vollbusigen, aus Blättern und Abfall zusammengesetzten Orakels, lernen die Fraggles später neu kennen. Verändert hat sich aber wenig: Die Hauptfraggles bleiben - auch charakterlich - dieselben, lediglich Mokey hat ein neues zeitgemäßeres Design verpasst bekommen. War sie in der Originalserie noch der Typ esoterische Deutschlehrerin mit wallendem Haar und kuttenartigem Umhang, trägt sie die blauen Haare nun hochgesteckt und eine Art Outdoorjacke, um den Hals zudem Utensilien aus der Menschenwelt wie Schlüssel und Taschenmesser.
Die auffälligste Modernisierung betrifft allerdings die einzige menschliche Figur: In der Wohnung/Werkstatt, die hinter dem Wandloch liegt, lebt nun nicht mehr der alte Erfinder Doc (früher Gerard Parkes, in der deutschen Fassung Hans-Helmut Dickow), sondern eine junge afro-amerikanische Umweltwissenschafts-Doktorandin (Lilli Cooper), die bequemerweise den Spitznamen Doc weitertragen kann. Ihr Mitbewohner ist nach wie vor der ebenso dumme wie ängstliche Hund Sprocket, der als Einziger die seltsamen kleinen Wesen bemerkt, die unter der Wohnung leben.
Dort, in dem unterirdischen Felsen, der der Serie ihren englischen Originaltitel "Fraggle Rock" verdankt, befindet sich eine kleine Parallelwelt, die sich gar nicht so sehr von der unseren unterscheidet. Außer vielleicht, dass die Fraggles keinen Wert auf Erwerbsarbeit legen, sondern lieber feiern und tanzen. Daher auch der beibehaltene ikonische Titelsong: "Dance your cares away / Worry's for another day" (deutsche Fassung: "Sing und schwing das Bein / Lass die Sorgen Sorgen sein"). Der Felsen ist aber zugleich Heimat einer anderen, noch kleineren Spezies: Die Doozer sind grüne Männlein und Fräulein mit Helmen, die den ganzen Tag nichts anderes machen als bauen. Die transparenten Türme, die sie überall hochziehen, dienen den Fraggles als leckerer Snack. Eine perfekte Symbiose: Die einen produzieren, was den anderen als Nahrung dient.
Auch sonst leben die Fraggles in Einklang mit der sie umgebenden Natur, ohne Technik, in einer Art Mittelalter, aber ohne zerstörerische Religion. Vielmehr stehen Toleranz, Miteinander und Diversität bei ihnen im Mittelpunkt - was die Figuren heute noch zeitgemäßer macht, als sie es in den 80ern eh schon waren. Im Fraggle Rock sind schon immer alle Geschlechter und alle Hautfarben gleichberechtigt, egal ob grün, orange oder lila. Ebenso wird jeder Lebensstil akzeptiert, sind doch im Grunde alle etwas verrückt - der eine vielleicht etwas exzentrischer als die andere. So natürlich Onkel Matt, der sich als Einziger in die Welt der Menschen wagt und von dort regelmäßig Briefe mit seinen seltsamen Eindrücken schickt. Wobei deren Komik daraus resultiert, dass er das Verhalten der Menschen völlig falsch interpretiert.

Die Abenteuer, die die anderen Figuren erleben, sind eher alltäglicher Natur und vermitteln der Kernzielgruppe nebenbei jeweils noch eine pädagogische Botschaft: "Jede/r sollte nur das tun, was er oder sie wirklich tun möchte" etwa oder "Manchmal sind Gefühle wichtig, manchmal sind Fakten aber wichtiger". Letzteres wird besonders schön metaphorisch umgesetzt, wenn die zur Esoterik neigende Mokey bei einer Wanderung lieber auf ihr Gefühl vertraut als auf eine Karte und sich dabei in einer Echokammer verirrt, in der Felsengesichter jede ihrer Aussagen wiederholen - Telegram lässt grüßen. So können auch erwachsen gewordene Fans ihre Freude an solchen phantasievollen bildlichen Umsetzungen haben.
Was auch die neuen knapp halbstündigen Folgen am meisten auszeichnet, ist aber der hemmungslose anarchistische Spaß, mit dem die MacherInnen ihre Welt in Szene setzen. Das beschert uns nicht nur in jeder Episode einige schöne neue Songs, sondern immer wieder auch völlig überdrehte farbenfrohe Tanzszenen. Wenn etwa in der dritten Folge "Merggle Moon Migration" bei Vollmondlicht eine neue Generation fischschwänziger Wesen schlüpft, während die Königin dieser Merggles wie eine exaltierte Souldiva in einer aufgeklappten Muschel singt, fragt man sich vor lauter Psychedelik, welche Drogen die Autoren vorher wohl konsumiert haben.

Auch technisch wurde nur behutsam modernisiert: Zwar gibt es jetzt schon mal aufwendigere Kamerafahrten als früher und dank Digitaltechnik können die Fraggles manchmal auch in Totalen durchs Setting tollen, ohne dass Menschenhände zu erkennen wären. Getragen wird das Ganze aber nach wie vor von der uralten Kunst des Puppenspiels - und darin macht der Jim Henson Company immer noch niemand etwas vor. Deren SpielerInnen verstehen es, Klappmaulpuppen so viel Ausdruck zu verleihen, dass man sie für lebende Personen hält. Dank eines Veteranen wie Dave Goelz, der bereits seit 1975 auch Gonzo, den Großen zum Leben erweckt, gelingt das sogar bei Boober, dessen Augen wegen seiner Frisur nicht erkennbar sind. Mit der rundum gelungenen Neuauflage dieser sympathischen Figuren hat Apple nicht nur Kindern ein verspätetes Weihnachtsgeschenk gemacht, sondern auch allen, die mit ihnen aufgewachsen sind.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Die Fraggles: Back to the Rock!".
Die 13 Folgen der ersten Staffel sind bei Apple TV+ verfügbar, zunächst nur im englischen Originalton. Die deutsche Fassung folgt im Frühjahr.
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