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Montags-Dokus: Verband protestiert gegen ARD-Programmpläne
(26.11.2010, 00.00 Uhr)

Nach Monaten der Ungewissheit werden die ARD-Intendanten voraussichtlich am kommenden Montag (29.11.) eine Entscheidung darüber fällen, wie sie künftig das Abendprogramm im Ersten gestalten wollen. Um nach der Verpflichtung von Günther Jauch demnächst fünf statt bislang vier wöchentliche Talkshows am Abend unterbringen zu können, soll es Mediengerüchten zufolge möglicherweise den Montags-Dokus an den Kragen gehen, deren Sendeplatz Frank Plasbergs
Die mutmaßliche Streichung hat inzwischen eine Reihe von Protesten ausgelöst, in deren Rahmen zahlreiche Kritiker, darunter Uwe Kammann, Chef des Grimme-Instituts, die Entscheidungsträger an ihren Programmauftrag erinnert haben. Angesichts einer dokufreien Primetime hat nun die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), der Interessensverband von Produzenten, Regisseuren und Autoren, protestiert: "Die gesellschaftliche Wirklichkeit unseres Landes findet, von marginalen Resten abgesehen, im Hauptprogramm der ARD fortan in den Privat-Studios von vier oder fünf hochbezahlten Talkmastern statt." Der Verband sei "in Sorge um die Folgen einer Programmpolitik, die ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag zunehmend aus dem Blickfeld verliert und damit die Grundidee des gebührenfinanzierten Rundfunksystems von innen heraus zerstört".
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So appelliert AG DOK-Vorstand Thomas Frickel an die Rundfunkräte, die Grundidee des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu retten, "bevor sie von einer kleinen Minderheit quotenversessener Technokraten an die Wand gefahren wird" und verweist darauf, dass "Konzessionen an Massengeschmack und Einschaltquoten bei der Gestaltung öffentlich-rechtlicher Programme" keine Rolle spielen dürfen. Zudem bittet Frickel auch um die Rettung der "Fernsehzuschauer und Gebührenzahler vor Programm-Verantwortlichen, die unser öffentlich-rechtliches Fernsehen wie ihr Privateigentum behandeln und denen die Programmphilosophie von RTL, wie sie selbst unverblümt zugeben, näher steht als der öffentlich-rechtliche Programm-Auftrag".
Eine Anspielung auf den ARD-Programmdirektor Volker Herres, der seine persönliche Programmphilosophie kürzlich im Rahmen eines Interview mit dem "Filmkorrespondenz"-Chefredakteur Dieter Anschlag offenbarte. Zur Idee eines "Dokumentarfilm des Monats" mit 90 Minuten Länge zur Primetime sagte Herres: "Das wäre kein Mut, das wäre töricht". Auf die Anmerkung, der ARD sei damit aber das Lob aller Feuilletons dieser Republik sicher, antwortete Herres: "Nichts würde mich mehr erschrecken." Auf die Entgegnung, damit sei er auf einer Linie mit RTL-Chefin Anke Schäferkordt, reagierte Herres so: "Nicht unbedingt die schlechteste Gesellschaft."
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Leserkommentare
Redaktion schrieb via tvforen.de am 26.11.2010, 19.42 Uhr:

http://www.wunschliste.de/gfx/news/gen/gross/6268.jpg
Im Vorgriff auf das ARD-Intendantentreffen am kommenden Montag (29.11.) hat nun auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gegen mögliche Pläne, den Primetime-Sendeplatz für Dokumentarfilme zu streichen, protestiert. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hat sich heute in einem Offenen Brief an den ARD-Intendanten Peter Boudgoust und Programmdirektor Volker Herres gewandt, um an den öffentlich-rechtlichen Grundversorgungauftrag zu erinnern.In dem Schreiben heißt es: "Mit Sorge verfolge ich Meldungen, wonach die ARD auf der bevorstehenden Intendanten-Konferenz beabsichtigt, die Dokumentationen am Montagabend einer Talkshow zu opfern. Würde dies so umgesetzt, muss ich dies deutlich missbilligen. Die Dokumentationen der ARD am Montagabend gehören zum Kern des Grundversorgungsauftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Durch Reduzierung der informativen und kulturellen Programmanteile oder deren Verbannung auf unattraktive Sendeplätze entfernt sich die ARD von ihrem Auftrag und stellt dadurch irgendwann auch ihre Existenz in Frage."Neumann nimmt auch Bezug auf Interview-Aussagen von Volker Herres, in denen der Programmdirektor die Idee einer 90-minütigen ARD-'Dokumentation des Monats' zur Primetime als "töricht" bezeichnet hat und eine gewisse Nähe zur RTL-Programmphilosophie erkennen ließ. Neumann: "Ein Interview in der 'Funkkorrespondenz' nährt meine Sorge. Die geplante Programmentscheidung über den Doku-Sendeplatz wie auch das Interview können so verstanden werden, dass die ARD eher einer Programmgestaltung zuneigt, die derjenigen der Privaten ähnelt. Diese Tendenz ist im Interesse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abzulehnen. Sie ist auch das falsche Signal in einer Zeit, in der die Länder zur Wahrung der Beitragsstabilität eine Begrenzung des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erörtern. Ich bitte Sie daher, eine Reduzierung der Dokumentationen nochmals zu überdenken."Kritik kommt auch vom ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen (http://www.wunschliste.de/person/35265/Fritz_Pleitgen). Talkshows könnten keine Hintergrundberichterstattung ersetzen, sagte Pleitgen laut Nachrichtenagentur dapd. Daher sei es ein Fehler, Basisformate wie Reportagen oder politische Magazine aus der Primetime zu verbannen.Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), der Interessensverband der Dokumentarfilmer, hat inzwischen in einem offenen Brief an die Rundfunkräte appelliert, die Grundidee des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu retten, "bevor sie von einer kleinen Minderheit quotenversessener Technokraten an die Wand gefahren wird" (wunschliste.de berichtete (http://www.wunschliste.de/tvnews/10076)).26.11.2010 - Michael Brandes/wunschliste.de
Quelle: Presseamt Bundesregierung / dapd; Bild: ARDhttp://www.wunschliste.de/tvnews/10081
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