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Anti-intellektueller Freigeist unter deutschen Regisseuren wurde 81 Jahre alt
Klaus Lemke (1940 - 2022)
ZDF/Irina Ruppert/laif
Rebellischer Filmemacher Klaus Lemke gestorben/ZDF/Irina Ruppert/laif

Der Regisseur und Drehbuchautor Klaus Lemke ist am gestrigen 7. Juli gestorben. Der Filmemacher wurde 81 Jahre alt. Dies berichtet unter anderem der Bayerische Rundfunk, der sich auf Informationen aus dem Freundeskreis des Regisseurs beruft. Lemke drehte keine Blockbuster. Er war ein Freigeist, der sich selbst als anti-intellektuell bezeichnete, stets unangepasst war und gegen den Mainstream arbeitete. Mit Filmen wie  "Brandstifter",  "Amore" und  "Rocker" machte er sich einen Namen als Rebell und "Bad Boy" unter den deutschen Regisseuren. Noch am 24. Juni trat er beim diesjährigen Filmfest München auf.

Der am 13. Oktober 1940 in Landsberg an der Warth geborene Klaus Lemke schlug sich nach dem Abitur zunächst mit Gelegenheitsjobs durch. Er begann das Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Freiburg, brach dieses jedoch ab. 1963 fing er an, als Theaterregisseur in Düsseldorf und an den Münchner Kammerspielen zu assistieren, bevor zwei Jahre später sein erster Kurzfilm veröffentlicht wurde. 1967 erschien mit  "48 Stunden bis Acapulco" Lemkes erster Langfilm, 1969 folgte "Brandstifter" mit der damals noch unbekannten Iris Berben. Den Durchbruch erlangte Lemke schließlich in den 1970er Jahren mit "Rocker" und "Amore", in denen er die Schattenseiten der Gesellschaft beleuchtete - ohne sich dabei jedoch über die Menschen, von denen seine Filme erzählen, zu erheben.

Klaus Lemke sagte gerne, dass es für einen gelungenen Film drei Zutaten brauche: einen guten Busen, einen schlechten Regisseur - und kein Drehbuch. Klaus Lemke war der große Erotomane des deutschen Kinos, ein Freigeist, wie er wohl nur in München-Schwabing sich entfalten konnte, schreibt BR-Kultur-Redakteur Knut Cordsen in seinem Nachruf. In erster Linie spielten Lemkes Filme in München, vorrangig in der Schwabinger Szene. Besonderes Markenzeichen war der Einsatz von Laiendarstellern, die Lemke in Cafés oder auf der Straße vom Fleck weg engagierte - darunter befanden sich die späteren Schauspielstars Cleo Kretschmer, Wolfgang Fierek und Dolly Dollar. Lemke wollte "echte Menschen" vor der Kamera, keine Selbstdarsteller.

Die Laiendarsteller in Lemkes Filmen sprachen oft im breiten bayerischen Dialekt, gerne in effektvollem Kontrast zu Anglizismen. Lemke habe dadurch authentisches Kino geschaffen und den Dialekt im deutschen Fernsehen salonfähig gemacht. Er arbeitete ohne ausgearbeitetes Drehbuch und ließ seinen Darstellern viel Raum für Improvisationen.

Ab 1992 drehte Lemke auch im Hamburger Rotlichtmilieu: Filme wie  "Die Ratte" und "3 Minuten Heroes" sind Kiezstudien. Lemkes Figuren sind Maulhelden, abgehalfterte Kiezgrößen, die ihre Rotzigkeit wie Motorradfahrer Lederjacken tragen, sprich im Wissen darum, früher oder später auf die Schnauze zu fallen, so Maximilan Sippenauer vom BR.

In den darauffolgenden Jahren wurde es etwas ruhiger um Klaus Lemke, doch mit Produktionen wie  "Dancing with Devils",  "Schmutziger Süden",  "Drei Kreuze für einen Bestseller" und  "Berlin für Helden" konnte er ab 2009 wieder an frühe Erfolge anknüpfen. Auch im hohen Alter drehte er weiter Film um Film, wie  "Unterwäschelügen" (2016), "Bad Girl Avenue" und  "Neue Götter in der Maxvorstadt" (beide 2018) und  "Ein Callgirl für Geister" (2020). Lemkes letzter Film,  "Champagner für die Augen - Gift für den Rest", eine Dokumentation über das Lebensgefühl der 1970er Jahre, wurde einen Tag vor seinem Tod erstmals im BR Fernsehen ausgestrahlt.

Insgesamt 60 Jahre lang hat Lemke stets mit kleinem Budget Filme gedreht. 1968 erhielt er für "48 Stunden bis Acapulco" den  Bambi und 1979 für "Amore" den  Adolf-Grimme-Preis.

Zu Ehren von Klaus Lemke zeigt das ZDF in der Nacht von Freitag (8. Juli) auf Samstag (9. Juli) Lemkes Fernsehfilm "Rocker" aus dem Jahr 1971, der anschließend auch in der ZDFmediathek abrufbar sein wird. Frank Zervos, stellvertretender ZDF-Programmdirektor:

"Mit Klaus Lemke verliert die Filmwelt einen echten, einen außergewöhnlichen Künstler: So unangepasst und ungebremst wie er es selbst war, so sind seine Filme, in denen er so liebevoll wie schonungslos Menschen und Milieus porträtierte. Es gelang ihm wie keinem anderen, locker-leicht die flüchtigen Momente einzufangen, die dem Publikum ein bitter-süßes Lächeln auf die Lippen zaubern können. Dabei blieb der 'rastlose Rocker' bis zuletzt seinen Prinzipien treu: Mit minimalem Budget, ohne Drehbuch und mit Laiendarstellerinnen und -darstellern machte er sein eigenes 'Ding'. Und mit seinem feinsinnigen Gespür entdeckte er dabei ganz nebenbei zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler. Der radikal improvisierende Autorenfilmer war seit Jahrzehnten mit dem ZDF verbunden. Wir verdanken ihm zahlreiche unkonventionelle Filme, die Kult-Status erreichten. Wir werden ihn schmerzlich vermissen."

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