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TV-Kritik/Review: House of Cards
(14.02.2013)

Es ist kein Zufall, dass Kevin Spaceys letzte große Theaterrolle (übrigens unter der Regie von Sam "American Beauty" Mendes) am Old Vic Theatre in London die des Richard war. Und Spacey, der sich schon seit seiner oscardekorierten Rolle des Keyser Söze in "Die üblichen Verdächtigen" bestens aufs Spiel mit der Unmoral versteht, ließ sich das Teuflischste am "Richard" - das Beiseitesprechen - nun in "House of Cards" hineinschreiben, eine Serie, die auch jenseits seiner großartigen Leistung als manipulativer Polit-Profi Fernsehgeschichte schreiben dürfte.
Denn
Spacey spielt den Kongressabgeordneten Francis "Frank" Underwood, einen Egoshooter vor dem Herrn, seines Zeichens majority whip der Demokraten. Das heißt, er muss seine Partei auf Linie bringen, für Disziplin sorgen, kompromissfähige Entwürfe und sichere Mehrheiten garantieren vor wichtigen Abstimmungen - einem deutschen Fraktionsvorsitzenden entfernt vergleichbar. Zuletzt hat er den designierten Präsidenten Walker protegiert, vor allem in der Absicht, selbst Außenminister werden zu können. Doch Walker beruft einen anderen. Und Underwoods Rache ist ihm sicher. Frank will jetzt selbst Präsident werden - und dafür wird er, das merkt man schnell, am Ende über Leichen gehen. Das Spiel, das nun beginnt, könnte man am besten so zusammenfassen: Underwood muss Komplizen in den oberen Etagen der US-Politik gewinnen und zu diesem Zweck zunächst in den darunter liegenden Reihen Komplizen gewinnen. Dazu packt er die entsprechenden Kandidaten bei ihrem Geltungsbedürfnis, nutzt Sex und Geld als Erpressungsmaterial. Er ist ein Meister der falschen Versprechungen: Manchmal reicht ihm eine Flasche Whiskey, manchmal eine in Aussicht gestellte Position, um andere Leute in seinem Sinne zu manipulieren. "Its too easy", winkt er einmal fast gelangweilt ab, als er live im Fernsehen mal wieder das Ergebnis einer seiner Winkelzüge verfolgen kann: Underwood ist ein Puppenspieler, umgeben von einem kaum minder zynischen Team.

"House of Cards" basiert auf einem Roman von Michael Dobbs und ist 1990
Frank Underwood weiß, wie er nützliche Politiker mit angreifbarer Lebensführung (Corey Stoll als Kongressabgeordneter mit Drogen- und Frauenproblem) bequatscht, welche Leute er wo und wie installieren muss (die erwähnte Catherine Durant als Außenministerin zum Beispiel), wie man Querulanten im südstaatlichen Heimatdistrikt auf Linie bringt, wie man mit Understatement im richtigen Moment das richtige Detail platziert und das Wichtige unerwähnt lässt.
Kevin Spacey spielt das grandios - ein Preisregen dürfte sich bald über ihn ergießen. Die Art und Weise, wie er mitten in irgendwelchen Verhandlungen plötzlich das Wort an die Zuseher richtet oder manchmal nur ein kurzes Augenrollen in deren Richtung andeutet, das ist "Richard III" in Reinkultur: Man schafft sich Komplizen, indem man sie als Eingeweihte ehrt. Von der ersten Szene an, in der er einem angefahrenen Hund den Hals umdreht, funktioniert das so gut, dass es mitunter frösteln macht. Spacey schafft es, Frank gleichzeitig zutiefst abstoßend und irritierend sympathisch darzustellen. Das ist schauspielerisch eine ganz, ganz große Kunst.
Auch Robin Wright (auch sie war in Finchers "Verblendung" dabei) ist toll: Sie spielt Underwoods Frau Claire als wandelnden Gefrierschrank. Auch innerhalb der Ehe herrscht Machtkampf. Ob die beiden überhaupt noch einen Funken Liebe füreinander übrig haben, ist so schnell nicht ersichtlich. In der dritten Episode feuert sie mitleidslos einen Gutteil der Belegschaft ihrer Charity-Organisation, die sie neu aufstellen will: Auch wenn ihre Sache dem Guten dient, muss es um die angewandten Methoden nicht zum Besten stehen. Deshalb war es auch eine kluge Wahl, Frank Underwood dem linksliberal-demokratischen Lager zuzuschreiben: bloßes Bush-Bashing wäre too easy.
Es wird vor allem spannend sein zu sehen, ob die eisige Unmoral der Intrigen und Gegenintrigen, der Entlassungsgespräche und Judasküsse im Verlauf der Serie irgendwann emotionale Eruptionen zulassen wird. Erste Risse tun sich schon auf, in Claires Miene schleichen sich gelegentliche Millisekunden der Selbstenttäuschung.
Auf die weiteren Kulminationsmomente dieser von Anfang an ebenso spannenden wie vergnüglichen und von Fincher & Co. in professionell abschnurrender Inszenierung vorangetriebenen Serie über die Mechanik der Macht darf man sich freuen. Abzuwarten bleibt, ob auch Frank Underwood am Ende noch lacht. Richard III. kam bekanntlich - "mein Königreich für ein Pferd" - nicht mehr am Stück vom Schlachtfeld runter.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Folgen von "House of Cards".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Netflix / Sony Pictures Television
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