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TV-Kritik/Review: Tempel

Erste Drama-Eigenproduktion für ZDFneo bietet kraftvoll zupackende Genrekost - von Gian-Philip Andreas (29.11.2016)
TV-Kritik/Review: Tempel

Tempel ZDF
Mark Tempel (Ken Duken, l.), seine Frau Sandra (Chiara Schoras, m.) und ihre Tochter Juni (Michelle Barthel, r.)

Wenn im deutschen Serienfernsehen vom Verbrechen in der Hauptstadt die Rede ist, findet das meist zwischen zwei klaren qualitativen Polen statt: auf der einen Seite der notorisch schwächelnde Spree-"Tatort" und ungelenke Reißer wie "Die Straßen von Berlin", auf der anderen Seite ehrgeizige Versuche wie Dominik Grafs "Im Angesicht des Verbrechens", die ihre Ambitionen freilich mit weitgehender Ignoranz des Publikums bezahlen müssen. Die Folge: Horizontal erzählte Crime Stories stecken hierzulande nach wie vor im Status einer sehr zähen Etablierung fest. Andererseits kann es in Zeiten, in denen Produktionen wie "Deutschland 83" bei US-Preisverleihungen gewürdigt werden, dann doch weniger schlimm ums deutsche Serienwesen stehen, als viele Verächter meinen.

ZDFneo will jedenfalls gleich nachlegen und rammt eine in Berlin angesiedelte Thriller-Miniserie (in sechs halbstündigen Folgen) von einiger Härte in die Vorweihnachtszeit. Anders als im "Tatort" oder auch im preisgekrönten ZDF-Klassiker "KDD - Kriminaldauerdienst" steht in "Tempel" nicht die Polizei im Zentrum: Hier geht es um die Verstrickung eines (nicht ganz) Unbescholtenen im Sog des Verbrechens. Dass Autorin Conni Lubek (die bislang allenfalls durch die ""Einfach Rosa""-Dramödien mit Alexandra Neldel auffällig wurde) beim Schreiben wohl mehr als nur einen Seitenblick auf US-Vorbilder wie "Breaking Bad" geworfen hat, wird rasch deutlich: Vom sogenannten "Cold Opening", einer Vorausblende, in der die Hauptfigur Mark Tempel bei der Leichenwäsche zu besichtigen ist (was erst drei Episoden später aufgeklärt wird), über die Figurenkonstellation eines sich aus existenzieller Verzweiflung auf die schiefe Bahn begebenden Familienvaters (der Frau und Kind mit ins Unheil zieht) bis hin zu makabren Leichenbeseitigungsmanövern kommt hier vieles bekannt vor. Doch es gelingt recht gut, diese Stilvorlagen in ein vom Gentrifizierungsfuror bedrohtes, sommerliches Berlin zu transportieren.

Inszeniert hat das Philipp Leinemann, den man spätestens seit seinem Cop-Film "Wir waren Könige" (2014) zu den besten deutschen Thriller-Inszenierern zählen sollte, und ähnlich wie sein Film durch die Besetzung mit den "Im Angesicht des Verbrechens?-Stars Misel Maticevic und Ronald Zehrfeld an Dominik Grafs Vision qualitätsvoller Genrekost andockte, so gelingt es Leinemann auch hier im verdichteten 30-Minuten-Format, dem deutschen Fernsehen etwas vom Atem der amerikanischen Vorbilder einzuhauchen. "Tempel" beginnt rasant, fährt dann runter, bleibt aber insgesamt angenehm "straight-forward": Lubeks Drehbücher verzichten auf Füllmaterial, lassen aber stets so viel Raum, dass sich Berlin als Schauplatz bemerkbar machen darf. Nie wirkt es so, als könnte sich die um fiese Machenschaften der Entmietungsmafia gestrickte Geschichte auch woanders abspielen.

Der Beginn ist fiebrig: Innerhalb weniger Minuten machen Lubek/Leinemann klar, dass der tragische Protagonist in lebensbereichsübergreifendem Schlamassel steckt. Ärger im Pfandleihhaus, Knöllchen, Stau, Gangster verwüsten seine sowieso kaum mehr zu bezahlende Altbauwohnung im Wedding. Kein Wunder, dass Tempel im Aggro-Modus durch die Stadt brettert (zu sehen ist meistens Kreuzberg). Doch schon in der nächsten Szene wischt er ruhig und zärtlich einer Klientin den Hintern, denn Tempel betreibt einen ambulanten Pflegedienst. Seine Lieblingskundin, Frau Lada (stark: Hiltrud Hauschke aus "Zeit der Helden"), vom Krebs gezeichnet und rauchend wie ein Schlot, möchte sterben und hofft, dass Mark ihr dabei hilft. Doch der stellt sie lieber mit einem Joint ruhig. Erst einmal. Ken Duken, der Tempel spielt, hat man noch nie kräftiger und bärtiger gesehen. Der 37-Jährige, qualitätsserienerfahren durch die TNT-Produktion "Add a Friend", pendelt hier sehenswert zwischen den Extremen.

Tempel
Mark Tempel beschreitet einen dunklen Weg - wörtlich wie metaphorisch
Derweil haben Tempels Frau und Tochter den Anschlag auf die Wohnung überlebt. Sandra (Chiara Schoras, "Countdown - Die Jagd beginnt") sitzt seit einiger Zeit im Rollstuhl, die 16-jährige Juni (Michelle Barthel, "Keine Angst") will auf ein Musikgymnasium wechseln, doch die Gangster haben ihre dafür lebensnotwendige Geige zerdeppert. Das ist der letzte Trigger, um Tempel auf seinen Weg ins (mögliche) Verderben zu bugsieren: Entnervt und demoralisiert bittet er seinen alten Mentor, den bulligen Zuhälter Jakob, um Hilfe. Einst war Mark Preisboxer in dessen halbseidenen Boxstall, bis er der Familiengründung wegen die Brocken hinschmiss. Nun, 16 Jahre später, ersucht er die Kiezgröße um einen einzigen, letzten Kampf. Wegen der Geige.

Die Folgen dieses von Geldnot getriebenen Rücksturzes in die eigene Vergangenheit werden gravierend sein, das ist schnell klar. Mit im bösen Spiel sind ein Drogengangster (Aleksandar Jovanovic aus Fatih Akins "Kurz und schmerzlos") und die Berliner Entmietungsmafia, die brutale Mittel einsetzt, um Altmieter aus ihren Wohnungen zu vertreiben, damit dort Luxusimmobilien hochgezogen werden können. In "Tempel" trifft die Gentrifzierungskeule nicht nur unbescholtene Rentner und Familien, sondern auch angestammte Kiezganoven wie Jakob, dem das wuchtige Theatertier Thomas Thieme ("Die Stadt und die Macht") seine ganze infarktgefährdete Weltverachtung schenkt: "Der Kiez ist wegsaniert! Nur noch diese arschlosen, körnerfressenden Yogafotzen, das ganze Yuppiepack!"

Tempels Weg fort von der beschädigten Schutzzone Familie und zurück in sein früheres Boxer-Leben führt auch zur amourösen Wiedervereinigung mit der mysteriösen Prostituierten Eva, die in Form von Antje Traue ("Weinberg") durch den Trockeneisnebel eines mit Led Zeppelin beschallten Stripclubs in die Serie stöckelt: A whole lotta love! Analog dazu wendet sich derweil die ebenso gehandicappte wie vernachlässigte Ehefrau Sandra einem Kioskverkäufer zu (Arnel Taci, "Türkisch für Anfänger"), der sie in türkische Kinofilme mitnimmt und sich dort als Simultan-Dolmetscher betätigt. Und bald schon gibt es den ersten Toten. Während der als Sterbehilfe getarnten Leichenentsorgung mit einleitendem lesbischen Liebesdienst könnte dem gemeinen ZDF-Zuschauer schon das Strickzeug aus der Hand fallen.

Wie sich die Dinge Richtung Verhängnis in Position schieben, das wird von Lubek/Leinemann sehr zielstrebig und meistens spannend arrangiert. Wobei es auch des Öfteren knirscht im Erzählgebälk. Im Handlungsstrang der Tochter etwa, die von ihrem verdächtig gleichaltrigen Freund schwanger ist, deutet sich schon nach zwei Szenen eine Tragödie von größtmöglicher Fallhöhe an, die leider sehr konstruiert wirkt. Das ist wahrscheinlich auch ein Preis der kurzen Spieldauer: dass alles, was erzählt wird, mit etwas anderem zu tun haben muss, dass im Plot nichts ins Offene, nichts ins Unbenutzbare laufen darf.

Davon abgesehen macht "Tempel" vieles richtig: Von der angemessen unruhigen Kamera, die gern mal hinter dem geplagten Protagonisten herstiefelt, über die schönen kleinen Figurenminiaturen, die Humor ins grimmige Geschehen bringen (etwa die alte Bordell-Putzfrau, die berlinernd davon schwärmt, von ihrem türkischen Liebhaber zu einer Beschneidungszeremonie eingeladen worden zu sein), bis hin zu den von Popmusik untermalten Montagesequenzen, die die Macher den amerikanischen Vorbildern bestens abgeschaut haben: Mit Frankie Valli, Elvis Presley oder Radiohead auf der Tonspur wird geküsst, gepflegt, gestorben und parallel dazu Blut gewischt, Leiche geschrubbt, Wohnung zerdeppert. Die Kontraste, die diese Montagen sinnfällig verbinden, passen sehr gut zur innerlichen Zerrissenheit der Figur Mark Tempel, die Duken glaubhafter zu packen kriegt als das Drehbuch. Und obgleich sich mit "Tempel" sicher kein umstürzlerisch originelles Krimikonzept präsentiert, ist es doch kein ganz geringes Verdienst, Problemthemen wie Mietmafia, Gentrifizierung, Prostitution, Sterbehilfe in der gebotenen Kürze so kraftvoll abzuhandeln, dass kein überfrachtetes Thesenstück dabei herauskommen ist, sondern zupackende Genreware.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie.

Meine Wertung: 3.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: ZDF/Reiner Bajo/Oliver Betke



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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").