Im Frühjahr 1995 drehte Aysun Bademsoy einen Dokumentarfilm über eine Mädchen-Fußballmannschaft aus Kreuzberg. Sie begleitete die Mannschaft während der letzten Spieltage der Saison, in denen es um den Aufstieg in die Bezirksliga ging. Die Mädchen waren starkem Druck ausgesetzt: nicht nur ausländerfeindlichen Pöbeleien seitens deutscher Zuschauer, sondern auch Anfeindungen ihrer türkischen Landsleute, die fußballspielende Mädchen ungehörig fanden. Der Druck schweißte die Mädchen noch mehr zusammen, und die Kabine und der Fußballplatz wurden Orte, an denen sie sich an neuen Lebensentwürfen probierten. Sie träumten von eigenen Wohnungen, von Berufsausbildungen, von Selbstständigkeit. Die Mannschaft schaffte den Aufstieg, und für einen Moment konnte man glauben, dass die Mädchen auch ihre anderen Träume realisieren würden. Jetzt, zwei Jahre später, ist die Mannschaft auseinandergebrochen. Viele der Träume, die die Mädchen hatten, sind eng verknüpft mit beruflicher Selbstständigkeit. Doch Ausbildungsstellen sind rar für die Mädchen. Und auch viele Eltern sind arbeitslos. Nach 20 bis 30 Jahren in Deutschland gibt es für sie kaum einen Weg zurück in die Türkei. Und so suchen sie Zusammenhalt und Identität in den Moscheen oder der REFA-Partei. Für die Töchter hat das fatale Konsequenzen: Sie werden zu Heirat und Glauben gedrängt.
(ZDF)
Länge: ca. 65 min.
gezeigt bei: Das kleine Fernsehspiel (D, 1963)
Cast & Crew
- Regie: Aysun Bademsoy
- Drehbuch: Aysun Bademsoy
- Produktion: Harun Farocki Filmproduktion, Harun Farocki
- Produktionsfirma: ZDF
- Kamera: Sophie Maintigneux
- Schnitt: Bettina Blickwedel