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TV-Kritik/Review: "A Knight of the Seven Kingdoms": Durchfall und Schädelspaltung
von Gian-Philip Andreas(18.01.2026)

Ob der inzwischen 77-jährige George R. R. Martin die letzten beiden Bände seiner epischen Fantasy-Romanreihe "Das Lied von Eis und Feuer" jemals beenden wird, wird immer unwahrscheinlicher. Seit dem weltumspannenden Erfolg der HBO-Serienversion
Die erste Szene ist direkt ein Statement: Irgendwo in der idyllischen Hügellandschaft der Weite von Westeros, hinter einem einsam in die Höhe ragenden Baum, begräbt ein großer junger Mann einen kleineren alten Mann. In der feierlich-ernsten Stimmung hebt auf der Tonspur Ramin Djawadis dramatisch-drängendes GoT-Titelthema an, ehe es jäh erstirbt und wir den großen jungen Mann im Profil wiedersehen, wie er am Baum vorbei mit entblößtem Hinterteil beträchtliche Mengen Durchfall in die Gegend schießt. Wie bitte?
Fäkalhumor ist tatsächlich ein wichtiges Thema in "A Knight of the Seven Kingdoms". Fast scheint es so, als ob sich Martin und Co-Creator Ira Parker ein wenig lustig machen wollen über die Wuchtigkeit, den Ernst und die existenzielle Schwere, die nicht nur in Teilen GoT, sondern auch "House of the Dragon" gekennzeichnet hatten - dort speziell die zweite Staffel. Auch war kritisiert worden, dass "House of the Dragon" Djawadis GoT-Titelmusik recycelte, weshalb der derbe Schnitt in die bewährten Klänge als bewusst höhnische Replik gelesen werden kann. Das Titelthema wird an wirkungsvoller Stelle der neuen Serie noch ein einzelnes Mal wiederkehren - genau an jenem Moment wird sich die Serie das aber definitiv verdient haben. Ansonsten besorgt Qualitätskomponist Dan Romer (Die erste Staffel von "A Knight of the Seven Kingdom" (eine zweite wurde von HBO bereits geordert) basiert plotgetreu auf der Novelle "The Hedge Knight" (deutsch: "Der Heckenritter"), die Martin bereits 1998 veröffentlichte, zwischen dem ersten (1996) und zweiten (1999) "Eis und Feuer"-Roman. Zwei weitere Heckenritter-Novellen folgten bis 2010, später erschienen sie im Sammelband "Das Urteil der Sieben", dessen englischer Originaltitel der Serie nun ihren Namen gibt. Für Martin waren die im Vergleich kurzen Novellen eine Art Zwischenwurf, Atempausen zwischen den ziegelsteinschweren Romanen. Sie erlaubten Rück- und Seitenblicke in bislang unbeleuchtete Ecken von Westeros, unter Ausblendung all der großangelegten Intrigen und Schlachten der Hauptromanserie. Genau auf diese Weise kommt nun auch diese erste Serienstaffel rüber: sehr überschaubares Personal, Beschränkung auf wenige Schauplätze und, von kurzen Flashbacks abgesehen, auf einen kurzen Handlungszeitraum. Drachenaction? Schlachtentableaus? Fehlanzeige! Doch das ist gut so, denn auch das "Eis und Feuer"-Franchise braucht mal Luft zum Atmen.

Im Mittelpunkt von Serie und Novellen stehen Dunk und Egg. Echten Martin-Fans muss man die Figuren nicht erklären: Das Don-Quixote-und-Sancho-Pansa-Duo steht klar in der Tradition jener vielen skurrilen Zweierkombinationen, die man aus GoT kennt: Brienne und Jamie, Arya und der Bluthund, Tyrion und Bronn, um nur einige zu nennen. Der Titel-"Knight" ist Duncan the Tall, der sich, weil die körperliche Größe seine hervorstechende Eigenschaft ist, den Namen spontan selbst verleiht. Gespielt wird "Dunk", so sein Spitzname, vom irischen Ex-Rugby-Spieler Peter Claffey, der seine 1,95 Meter Körperlänge seit ein paar Jahren auch als Schauspieler (
Egg hingegen (gespielt von Dexter Sol Ansell) ist ein kleiner, ebenso vorwitziger wie kahlköpfiger Junge, der Dunk eines Tages über den Weg läuft und sich ihm danach beharrlich als Knappe aufdrängt. Buchleser und Westeros-Kenner wissen natürlich, dass der Name Egg nicht nur auf die eiförmige Glatze des Knaben verweist, sondern auch als Kurzform von Aegon bekannt ist: Später nämlich wird aus Egg König Aegon V. Targaryen, seines Zeichens Urgroßvater von Danaerys Targaryen, Bruder von Maester Aemon und natürlich, in GoT zumindest, Urgroßonkel von Jon Schnee. Weil dieser Zusammenhang als Eis-und-Feuer-Lore bekannt und kanonisiert ist, für die neue Serie aber überhaupt nicht von Belang, können wir das hier spoilerfrei erwähnen, obwohl Dunk die Identität des merkwürdigen Kindes in "A Knight of the Seven Kingdoms" erst nach ein paar Episoden erfährt - wir verraten natürlich nicht, wie und warum das passiert. Interessant ist aber, dass nach "House of the Dragon" schon wieder das Haus Targaryen die zentrale Rolle einnimmt.
Die Episoden dauern alle kaum länger als eine halbe Stunde, die Erzählweise ist langsam. Ein paar Schocks gibt es später allerdings auch, speziell die fünfte Episode tendiert wohl am ehesten in Richtung GoT: Da gibt es mit Schädelspaltung und Hau-drauf-Gewummse ein paar Szenen, die eher nichts für Zartbesaitete sind. Drumherum gestaltet sich der Sechsteiler im Wesentlichen als Buddy-Komödie, in dem Nebenfiguren der Westeros-Weltgeschichte zu Helden gemacht werden - wie es einst der britische Dramatiker Tom Stoppard mit Rosencrantz und Güldenstern vorgemacht hat. Die zwei Sidekicks aus der zweiten Reihe von Shakespeares "Hamlet" wurden bei ihm, im Theaterstück "Rosencrantz und Güldstern sind tot", zu Protagonisten.

Der Plot entwickelt sich schnörkellos: 90 Jahre vor den Ereignissen von GoT steht der Schildknappe Dunk plötzlich ohne seinen Herrn da. Ser Arlan of Pennytree (Danny Webb,
Nun, da Arlan tot ist, will der nunmalige Heckenritter Dunk an einem Turnier in der Weite teilnehmen, um einen neuen adeligen Lehnsherrn zu finden, doch am Austragungsort in Ashford Meadow findet sich niemand, der Arlan kannte, weshalb Dunk die Teilnahme verwehrt wird. Auf dem Weg dorthin gabelt Dunk, der stets mit drei Pferden unterwegs ist, in einer Taverne noch Egg auf. Das heißt: Egg heftet sich eher ungefragt an Dunks Fersen. In dieser Phase betreibt die Serie vor allem Worldbuilding, indem die profanen Ecken von Westeros detailliert ausgepinselt werden.
So richtig in Gang kommt die Handlung aber erst, als Dunk den sadistischen Prinzen Aerion "Leuchtflamme" Targaryen (Finn Bennett,
All das wird in der Regie von versierten Leuten wie Owen Harris (inszenierte die legendäre "San Junipero"-Folge in

Die Nebenfiguren hinterlassen gerade so viel Eindruck, dass man sich entweder weitere Abenteuer mit ihnen bestens vorstellen kann - oder aber ihr plötzliches Ableben unerwartet schmerzt. Da ist zum Beispiel der partysüchtige Ser Lyonel aus dem Hause Baratheon, eine nichts und niemanden ernst nehmende Bacchus-Gestalt mit Tyrion-Flair, von Daniel Ings (
Vor allem natürlich bekommt es Dunk mit den Targaryens zu tun, sowohl mit ihrer guten Ausprägung in Form des kleinen Egg und des Thronerben Baelor "Speerbrecher" (Bertie Carvel,
Mehr als eine große Plot-Zuspitzung gibt es nicht in dieser insgesamt nur drei Stunden dauernden Staffel - fast wirkt sie wie ein Teaser für das, was alles noch kommen könnte. Puppenspielerin Tanselle ist nicht nur die einzige nennenswerte weibliche Figur in den sechs Episoden, sie ist auch die Einzige, die in ihrer Bühnenshow auf die große Drachenvergangenheit der Targaryens anspielt. Nach wenigen Folgen dampft sie ab ins südländische Dorne, und wenn die Serie in der kommenden Staffel ähnlich handlungsgetreu den Martin'schen Novellen folgt wie die erste, dürfte sich auch die Serienhandlung dorthin verlagern.
Ist "A Knight of the Seven Kingdoms" nun ein großer Wurf? Wahrscheinlich nicht. Die Größe der Serie aber zeigt sich im Kontrast zu den bisherigen GoT-Weltentwürfen: im sympathisch großherzigen Fokus auf das Kleine, auf die vermeintlich Unbedeutenden und ihre jenseits der Seitenlinien der Weltpolitik sich zutragenden Lebenskämpfe im Fake-Mittelalter von Westeros. Der Verzicht auf die ganz großen Gesten ist hier selbst die große Geste - eine mithin, die Spaß macht und vor allem Lust auf mehr.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten ersten Staffel von "A Knight of the Seven Kingdoms".
Die sechsteilige Auftaktstaffel des "Game of Thrones"-Prequels "A Knight of the Seven Kingdoms" wird in Deutschland beim neuen Streaming-Dienst HBO Max ab dem 19. Januar mit neuen Folgen immer am frühen Montagmorgen veröffentlicht.
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