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Mystery-Teenagerserie aus dem Cheerleading-Milieu
"Dare Me"
Bild: USA Network
TV-Kritik/Review: "Dare Me": Abgründiger, stylisher Nachschub für "Euphoria"-Fans/Bild: USA Network

Der Einstieg ist nicht übermäßig originell: Eine attraktive junge Frau sitzt im Auto und wirkt nervös, aus dem Off räsoniert ihre Erzählstimme über die Gefährlichkeit gelangweilter Teenagerinnen. Es geht um ihre Trainerin, die sie und ihre Freundinnen durchschaut habe. Die in dunkles Blau getauchte Szenerie endet mit einem Schreckeffekt - und blendet dann drei Monate zurück. Klar ist: Etwas Schreckliches ist geschehen, die junge Frau ist darin verwickelt, und "Dare Me", die auf einem Roman von Megan Abbott basierende neue Dramaserie des Kabel-Senders USA Network, wird nun innerhalb von zehn Episoden erzählen, wie es dazu kam.

Die Masche mit dem erzählerischen Damoklesschwert, das von den ersten Minuten an über der Story schwebt, ist längst ein Stereotyp für sich, aber sie ist immer noch effektiv; die Szenen aus dem Teenagerleben in einer US-amerikanischen Kleinstadt, aufgefächert rund um die problematische Freundschaft zweier ambitionierter Cheerleader, wirken so noch eine Spur abgründiger als ohnehin schon. "Euphoria", die HBO-Serie über Sex, Drogen und Traumatisierung innerhalb einer Highschool-Clique, kommt einem beim Zusehen immer wieder in den Sinn, aber auch an Serien wie "Friday Night Lights" mit ihren rund um den Kleinstadtsport kreisenden Teenagerdramen erinnert hier vieles - ergänzt noch um eine zentrale Krimi-Komponente mit Film-Noir-Anleihen. Jeffrey Eugenides' Roman "The Virgin Suicides" (und dessen Verfilmung durch Sofia Coppola), in dem sich die weibliche Coming-of-Age-Thematik so traumverloren mit Mystery-Motiven verband, gilt als zentraler Einfluss auf die meist von Mädchen in der Adoleszenz handelnden Romane von Megan Abbott. Sie selbst gilt längst als eine der wichtigsten Krimiautorinnen der USA und arbeitete hier mit der "Californication"- und "Dawson's Creek"-Produzentin Gina Fattone zusammen, um ihr Buch in serielle Form zu bringen.

Im Mittelpunkt von "Dare Me" steht das Beziehungsdreieck dreier junger Frauen. Addy Hanlon (Herizen F. Guardiola aus "The Get Down") ist die Protagonistin aus der Eröffnungssequenz und vermeintlich braves Mitglied des Cheerleading-Squad der Highschool im fiktiven Ort Sutton Grove - das sich mit seinen Eisläden, Wohnviertelstraßen und tristen Shopping-Center-Parkplätzen kaum von den All-American-Kleinstädten ungezählter Teenagerdramen und -komödien unterscheidet. Addys beste Freundin ist Beth Cassidy (Newcomerin Marlo Kelly), ungestüm, forsch und obendrein Captain des Squads. In der Pilotfolge bekommt das Team einen neuen Coach: Colette French (Willa Fitzgerald, "Scream") ist eine mysteriöse Blondine und gemäß ihres Spruchs, Diamanten könnten nur durch Druck entstehen, so hart und unbarmherzig unterwegs, dass man sie sofort als #metoo-Täterin melden müsste: Einer der Cheerleaderinnen kneift sie verächtlich in den kaum vorhandenen Bauchspeck und befiehlt ihr, das in Ordnung zu bringen: "We don't do this. Fix it!"

Noch schnüffeln Addy (Herizen Guardiola) und Beth (Marlo Kelly) gemeinsam ihrem neuen Coach hinterher... Rafy/USA Network

Um das Wohl und Wehe eines Cheerleading-Squads samt Aufstieg in die regionalen und dann staatsweiten Wettbewerbe im Sinne eines klassischen Sport- und Drill-Dramas geht es in "Dare Me" nur am Rande. Das Milieu bildet eher die Hintergrundfolie für ein aus dem Ruder laufendes Beziehungsdrama: Addy nämlich fühlt sich sofort hingezogen zu der so verschlossenen neuen Trainerin, sie sucht ihre Nähe und tappt in ein klassisches "Grooming"-Szenario. Denn Colette gibt Addy das Gefühl, "besonders" und "anders als die anderen" zu sein, trainiert privat mit ihr, gewährt ihr sogar Einlass in ihr Privatleben. Beth hingegen fühlt sich nach Colettes Ankunft zurückgesetzt, und das nicht ohne Grund: Colette streicht die "Captain"-Position und wagt es sogar, ihr die Star-Position des top girl streitig zu machen. Als Mädchen, das in den Choreografien der Cheer-Routinen den obersten Platz in der Pyramide einnimmt, hat die Trainerin ausgerechnet Tacy (Alison Thornton aus "Girlfriends' Guide to Divorce") im Sinn, Beths einigermaßen verhasste Halbschwester.

Spannung beim Training: Coach French hat Beth (Marlo Kelly, M.) den wichtigsten Posten im Team abgenommen und an ihre verhasste, jüngere Halbschwester Tacy (Alison Thornton, l.) gegeben. Addy (Beth Cassidy) ist noch ratlos. Rafy/USA Network

Über die unterschiedliche Reaktion auf Colette French gerät die Beziehung zwischen Addy und Beth aus dem Lot. Ihre Vertrautheit bekommt Risse, als beide per Zufall Colette beim Sex mit Sarge Will Mosley (Zach Roerig aus "Vampire Diaries"), dem Marine-Rekrutierer der Highschool, erwischen. Beth filmt die beiden mit dem Handy und hat damit Erpressungsmaterial in der Hand, denn Colette ist mit dem braven Matt verheiratet (Rob Heaps aus der Agatha Christie-Miniserie "Und dann gabs keines mehr"). Obwohl Beth und Addy der Trainerin versprechen, das Video geheimzuhalten, fragt sich Addy bald, ob sie ihrer von Colette gedemütigten und eifersüchtigen Freundin noch trauen kann - und tatsächlich macht sich Beth in taktischer Absicht bald an Mosleys Assistenten Kurtz (Chris Zylka, "The Leftovers") heran.

Die beiden Männer im Leben des Coaches: Ex-Freund Will Mosley (Zach Roerig, l.) - mittlerweile als Rekruter ständig an der Schule - und der glücklose Ehemann Matt (Rob Heaps) Rafy/USA Network

Diese durchaus leicht kolportagehaften und zu jeder Zeit sexuell aufgeladenen Ränkespiele (die Anziehungskraft der Freundinnen aufeinander sowie die erotische Wirkung Colettes auf Addy werden sehr deutlich inszeniert) werden vor allem dadurch interessant, dass sie in komplett dysfunktionale soziale und familiäre Kontexte eingebettet werden: Addy lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter (Amanda Brugel aus "The Handmaid's Tale"), einer illusionslosen Polizistin, zusammen, Beths Mutter Lana ist tablettensüchtig und erträgt, dass ihr Ex-Mann Bert (Paul Fitzgerald), mit dem sie immer noch hin und wieder schläft, im Haus gegenüber wohnt - samt Zweitfrau und der aus dieser Beziehung hervorgegangenen Tochter Tacy, Beths Konkurrentin als top girl.

Bert Cassidy ist außerdem noch Boss der Investment-Firma, die im von der Wirtschaftskrise arg gebeutelten Sutton Grove ein Stadion errichten will - was wegen Erfolglosigkeit des lokalen Football-Teams allerdings noch nicht klappte. Durch das Anheuern der neuen Trainerin Colette soll jetzt wenigstens das Cheerleading-Squad so populär werden, dass sich das Stadion allein schon ihretwegen lohnt. Als Colettes Mann Matt, der zugleich Projektleiter des Stadionbaus ist, erfährt, dass er an seinen Job nur gelangt ist, weil Bert Colette als Trainerin wollte, ist das ein herber Schlag.

Coach French (Willa Fitzgerald, linker Bildrand) ist der umworbene Fang von Booster-Chefin JJ Curtis (Tamberla Perry) und dem auf einen Stadionbau fixierten Investor Burt Cassidy (Paul Fitzgerald) Rafy/USA Network

Keine Beziehung, kein Vertrauensverhältnis ist hier bald mehr einen Pfifferling wert, und die ominösen Vorausdeutungen auf ein offenbar schlimmes Verbrechen, in das Addy, Beth oder Colette (oder alle drei) verwickelt sein müssen, tun ihr Übriges. Die Regisseure der ersten beiden Episoden, Steph Green (sie inszenierte zuletzt die fünfte "Watchmen"-Folge) und Jamie Travis ("Claws"), packen die Verwicklungen auf amouröser, sozialer, ökonomischer Ebene in stylishe Bilder, die nicht selten an Musikvideos erinnern. Jede Menge tolle Pop- und Punksongs werden über die Bilder gelegt, ohne dass das Ganze in pure Oberflächlichkeit abgleiten würde. Das als Dreier-Parallelmontage konzipierte Finale der zweiten Episode etwa macht kraftvoll klar, wie auf diese Weise inszenatorisch alles ideal zusammenkommen kann: Beth trifft eine fatale Entscheidung; Colette trifft sich zum außerehelichen Sex; Addy räkelt sich träumerisch auf Colettes Bett; alle drei Frauen tragen dabei sehr ähnliche weiße Sneaker, die sie sich zum aufgewühltem Sündenbeichtesong "Colossus" von Idles allmählich von den Füßen streifen, ehe dann - in einer Vorausblende - ein weiteres Paar weißer Sneaker auf eine grausige Blutlache zustapft. Wem gehört es?

Nicht immer erreicht "Dare Me" (der Titel ist als Imperativ gemeint: "Fordere mich heraus!") diese Intensität, und ob der Kriminalfall aus Abbotts Romanvorlage die Streckung auf zehn Episoden rechtfertigt, wird sich erweisen müssen. Addys Voiceover wirkt zudem immer leicht bedeutungsschwanger, und über das handelsübliche Kuriosum, die Teenager mit Twen-Schauspielerinnen zu besetzen und die angeblich so viel erfahrenere Trainerin mit der beim Dreh erst 28-jährigen Willa Fitzgerald, muss man wie in so vielen vergleichbaren Produktionen gütig hinwegsehen. Immerhin kriegen Guardiola und Kelly die tanzakrobatischen Cheers, Stunts, Jumps und Tosses der diversen Cheerleading-Routinen so glaubhaft hin, dass man sich keine Gedanken mehr darüber macht. Wer die "dunkle" Variante gängiger Teenagerstoffe schätzt, dürfte hier allemal auf seine Kosten kommen.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Dare Me".

Meine Wertung: 3.5/5

In den Vereinigten Staaten wird "Dare Me" seit dem Jahreswechsel vom Sender USA Network ausgestrahlt. Eine deutsche Heimat ist bis jetzt nicht bekannt geworden.

Trailer zu "Dare Me" (englisch)

Sneak Peek zu "Dare Me" - erstes Training mit Coach French


 

Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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