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TV-Kritik/Review: "Deutsch-Les-Landes": Klischeeparade an der Atlantikküste
von Gian-Philip Andreas(31.10.2018)

Die Europäische Union muss sich immer größeren Anfechtungen erwehren: Osteuropäische Länder treten ihre Werte mit Füßen, Großbritannien steht vor dem "Brexit", und hierzulande fahren ganz linke und ganz rechte Kräfte routinemäßig Attacken gegen das Staatenbündnis. Kein Wunder, dass manch Pragmatiker schon den Ausweg in einer "Kernunion" sieht - bestehend aus Deutschland und Frankreich. Um sich darauf vorzubereiten, kann man sich eine neue, ebenso länderübergreifende wie völkerverbindende Comedyserie anschauen:
"Deutsch-Les-Landes" erzählt in bekannter Manier von einem Culture Clash: Eine ganze Abteilung eines in seinem Tätigkeitsbereich nicht näher definierten Münchner Unternehmens, unter Führung des stellvertretenden Geschäftsführers Manfred (Christoph Maria Herbst,
Was also nicht ausbleibt in diesen zehn 25-minütigen Episoden, ist die Dauerbebilderung aller Deutschen- und Franzosenklischees, die einem beim Brainstorming so einfallen können. Die Deutschen interessieren sich für Arbeit, Fußball und Ordnung, die Franzosen für Rotwein und Käse, die Germanen können Autos bauen, sind aber so leidenschaftslos, dass sie beim Streiten nicht mal mit der Tür knallen, während in Gallien alle Straßen voller Schlaglöcher sind und alte Männer den ganzen Tag bei Croissant und Marmelade im Vorgarten sitzen. Vermeintliches Konversationstabu sind die von Deutschland verlorenen Weltkriege, während die Franzosen das Halbfinale bei der WM 1982 in böser Erinnerung haben, damals, als Toni Schumacher Patrick Battiston zwei Zähne ausschlug und dafür nicht einmal eine Gelbe Karte bekam. Die Witzqualität reicht von durchaus ziemlich hoch bis austernflach.

Sowohl "Vice Manager" Manfred, alleinerziehender Vater des dauerrenitenten Teenagers Dominik (Niklas Post), als auch sein ganzes Team um Chef-Controller Karsten (Sebastian Schwarz, 
Langweilig allerdings sind die Episoden keineswegs. Es gibt unter der Regie des bislang für gehobenes Arthouse-Kino bekannten Denis Dercourt (

Größter und kaum verzeihlicher Fehler dieser ansonsten locker-flockig vor sich hinblödelnden Serie ist aber die für beide Ausstrahlungsländer gefällte Entscheidung, die Schauspieler der jeweils anderen Sprache zu synchronisieren. Aus Produzentensicht mag dies verwertungstechnisch zu verstehen sein, aus künstlerischer Sicht ist es ein Totalausfall, der der Serie und der ganzen dahinterstehenden Idee einen entscheidenden Teil ihres Charmes raubt. Zum Spiel mit den Klischees der jeweils anderen Kultur, zu den gegenseitigen Missverständnissen, mit denen hier an jeder dramaturgischen Ecke gearbeitet wird, gehört zwingend auch die sprachliche Ebene. Wenn nun Figuren in derselben Sprache aneinander vorbeireden, wenn ausgedehnte Szenen davon handeln, dass die Bürgermeisterin bei der Deutschlehrerin Unterricht nimmt und beide mit Aussprache, Betonungen und Vokabular ringen, aber jeweils in derselben Sprache, dann ist das nur noch absurd. Eine Serie, die doch vom Überwindungspotenzial der Gräben zwischen den Kulturen zweier Nachbarländer erzählen will, sich dabei aber nicht einmal das Grundlegendste zutraut, nämlich die Zweisprachigkeit, verkauft den größten Teil des eigenen Publikums für dumm.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Deutsch-Les-Landes".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Bavaria Fiction
MagentaTV der deutschen Telekom veröffentlicht die erste Staffel von "Deutsch-Les-Landes" am 1. November 2018.
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