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TV-Kritik/Review: "City of Blood": Vampire, Klimakrise und Rechtspopulismus in gelungener Berlin-Serie
von Marcus Kirzynowski(15.09.2026)

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Klimaerwärmung Berlin voll im Griff. Die Temperaturen steigen täglich auf mindestens 40 Grad, die Spree ist versiegt. Eine nicht näher benannte Pandemie hat ihr Übriges dazu getan, dass die Metropole vor die Hunde gegangen ist. Während einer Desinfektionsaktion der Polizei hat die kleine Bea die Wohnung nicht rechtzeitig verlassen. Ihre große Schwester Phoebe kommt zu spät, um sie vor der giftigen Wolke zu retten. 15 Jahre später sind die Schwestern seit langem getrennt: Bea wurde von einer Frau adoptiert, die heute Bauministerin ist, Phoebe kämpft sich weiter alleine auf der Straße durch. Deutschland ist in viele Kleinstaaten zerfallen, Berlin durch einen riesigen Klimadom noch stärker in eine Ober- und eine Unterschicht getrennt. Aber niemand ahnt, wer wirklich hinter diesem gigantischen Projekt steckt.
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Doch wenige Tage vor der Operation ist Phoebe plötzlich verschwunden. Sie wurde von einer Gruppe seltsamer Männer (und weniger Frauen) entführt, die sich als Vampire entpuppen und auf abgesperrtem Gelände Jagd auf ihre Opfer machen. Zu Hilfe kommt ihr in letzter Minute Johan Moderson (Franz Hartwig), Großunternehmer und selbst auch Vampir, der allerdings keine Lust mehr auf Gewalt hat. Er sucht nach einem legalen Weg, den Blutdurst seiner Artgenossen zu stillen, und will diesen durch politischen Einfluss durchsetzen. Und dazu kommt ihm ein populistischer Politiker wie Lawal gerade recht...
Klimaerwärmung, Pandemie, Aufstieg rechtsradikaler Parteien, zunehmende gesellschaftliche Spaltung in arm und reich, (drohender) Zerfall Deutschlands - es sind viele (teilweise erschreckend) aktuelle Themen, die "City of Blood" aufgreift. Manche werden nur kurz gestreift wie die Pandemie am Anfang, manche spielen eine zentrale Rolle. Da ist zum einen die allgegenwärtige Hitze, die weite Teile Berlins in eine Ruinenlandschaft verwandelt hat - ein Lob gebührt hier den Setdesignern und Location Scouts -, in der die Massen ums Überleben kämpfen, während reiche Oligarchen aus anderen Ländern unter dem vor einem halben Jahr erbauten Klimadom mit regulierter Temperatur und sauberer Luft wie im Paradies leben. Treffenderweise befindet sich der Dom über dem heute schon reichen Charlottenburg, mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als Blickfang.

Zum anderen geht es um den Kampf zwischen demokratischen und rechtspopulistischen Politikern, wodurch die Serie wenige Tage nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt - und kurz vor den tatsächlichen Wahlen in Berlin - zusätzliche Relevanz gewinnt. Dabei ist Oliver Lawal nicht mal besonders unsympathisch, sondern wird letztlich als Marionette ganz anderer Kräfte gezeigt. Auch hier liegen Parallelen zu realen rechten Vorzeige-Posterboys und ihren ideologischen Hintermännern auf der Hand.
Die Serie fährt ein fast unglaubliches Aufgebot deutscher TV-Stars auf, das alle Generationen umfasst: von Ex-"Tatort"-Kommissarin Manzel als Regierungschefin über Triebel ("KDD",

Auf Drehbuchebene versuchen die AutorInnen, einen ausgewogenen Mix aus Actionszenen und Dialogen zu finden, was nicht immer gelingt. Nach einer Auftaktepisode, an der wenig auszusetzen ist, leidet der Fortgang der Handlung zunehmend an Glaubwürdigkeit und Logik. Und die Tiefe, die in manchen intimeren Szenen, etwa zwischen Pysall und Hartwig, angestrebt wird, wird nicht so recht erreicht. Rundum gelungen ist die Serie hingegen handwerklich, was etwa Bildgestaltung und Musik angeht. So erklingen unter anderem ungewöhnliche Coverversionen von Popklassikern wie Foreigners I Want to Know What Love Is.
Insgesamt ist "City of Blood" nicht der ganz große Wurf, aber doch eine willkommene Abwechslung in der deutschen Serienlandschaft, die unter Genre sonst ja meistens nur Krimi versteht.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier Episoden von "City of Blood".
Die achtteilige Miniserie startet am Mittwoch, den 16. September, bei Disney+.
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Leserkommentare
BeklopptesTV schrieb am 22.09.2026, 16.22 Uhr:
Warum hat man nicht einfach nur eine Horror-Serie mit Vampiren gemacht? Natürlich nicht, weil wieder irgendeine deutsche Film-Serien-Förderung mit Geld winkt unter bestimmten Vorraussetzungen. Die Serie muss natürlich wieder Themen wie den aktuellen Klimawandel und den immer wieder ganz schlimmen Rechtspopulismus behandeln, weil es ja sonst keine anderen schlechten Menschen gibt. Es ist mittlerweile durchschaubar und es langweilt nur noch.Lysander schrieb am 16.09.2026, 15.06 Uhr:
Vampire? Damit kommt die Serien 10 Jahre zu spät :-)Torsten S schrieb am 16.09.2026, 11.16 Uhr:
Boah, wann bekommt es mal jemand hin eine deutsche Mysterie-Serie zu machen ohne diesen ewigen Nebensächlickeiten. Es ist so eine typische deutsche Art sich bei Serien (egal welches Genre) immer noch mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Sei es um Familien oder wie hier, um Umwelt usw. Keine, absolut keine Serie aus Deutschland liegt mal den Fokus nur auf den eigentlichen Plot. Es muss immer noch mehr hineingequetsch werden, obwohl das niemanden interessiert. Das war auch schon das Problem bei Dark die teilweise so völlig Unverständlich wurde, weil man immer mehr und mehr hineinbringen wollte. Auch diese Serie wird es daher nicht lange schaffen, sich zu halten.Batman schrieb am 16.09.2026, 05.41 Uhr:
wen interessieren denn noch Serien mit Fangzähnen, das Thema ist so etwas von ausgelutscht, die Fangzähne sind einfach out, das hat man in Deutschland wohl nicht erkannt, auch bei mir kommt Disney nicht ins Haus ...Phantomias schrieb am 16.09.2026, 08.53 Uhr:
Heul leiseUser 1810564 schrieb am 15.09.2026, 21.32 Uhr:
"Klimaerwärmung, Pandemie, Aufstieg rechtsradikaler Parteien" – da fehlt nur noch Russland, um den Irrsinn zu komplettieren. "Auch hier liegen Parallelen zu realen rechten Vorzeige-Posterboys und ihren ideologischen Hintermännern auf der Hand", man könnte denken, es handle sich um eine Kritik des Spiegels. Die Kritik habe ich nur überflogen. Wozu unnötig Zeit verschwenden? Disney kommt mir eh nicht ins Haus, insofern alles easy.User 1810564 schrieb am 16.09.2026, 16.25 Uhr:
@TDrachen
Schön zu wissen, dass es nicht nur mir aufgefallen ist. Vielleicht muss man heutzutage auf Biegen und Brechen seine politische Einstellung unterbringen, um noch Aufträge zu erhalten. In diesem Review sind gleich mehrere solcher Informationen verborgen: Da wären das reiche Charlottenburg, die Wahl in Sachsen-Anhalt und die rechten Vorzeige-Posterboys. Hier in Berlin legt die AfD mit einer Frau Kristin Brinker deutlich zu. Ob auch hier eventuell das Aussehen eine Rolle spielt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich lebe in Berlin, allein deshalb interessiere ich mich für Serien, Filme, die in Berlin gedreht wurden, aber diese Serie interessiert mich nicht, was nicht an den Vampiren liegt. Eigentlich schade, bei der Besetzung David Schütter, Jördis Triebe, Lars Eidinger, um nur einige zu nennen. Da schaue ich mir lieber das Damengambit zum dritten Mal an, da komme ich schon alleine, was die Drehorte angeht, voll auf meine Kosten.TDrachen schrieb am 16.09.2026, 09.37 Uhr:
Genau an diesem Satz habe ich mich eben auch gestoßen. Wieso glaubt heute jede Kommentator, dass seine politische Meinung irgendwie relevant sein sollte? Naja, die ganze Serie hört sich schon sehr nach deutsch Berlin an. Man hätte genauso gut schreiben können, nah an der Wahrheit, dass die Leute, die nicht am Dom leben, den anderen das Blut aussaugen.Atlantos schrieb am 16.09.2026, 03.05 Uhr:
Man kann es wirklich kaum mehr ertragen. Immer die gleiche soße
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