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TV-Kritik/Review: "Silo": Apples Science-Fiction-Serie entführt in aufregende dystopische Welt
von Christopher Diekhaus(04.05.2023)

Im Jahr 2013 legte der später für
Ist der letzte Rückzugsort der Menschheit bei Joon-ho Bong ein die Horizontale betonender Zug, wird in der zehnteiligen Streaming-Produktion nach einer nebulösen Apokalypse eine die Vertikale hervorhebende unterirdische Betonkonstruktion, das titelgebende Silo, als einziger sicherer Hafen angepriesen. Analog zu "10 Cloverfield Lane" ist die Erdoberfläche, so heißt es zumindest, verseucht. Aus diesem Grund werden die Schleusen des Schutzbaus nur dann geöffnet werden, wenn es einer der 10.000 Bewohner nicht mehr aushält und sich mittels festgelegtem Codewort zum Verlassen der Untergrundbehausung entscheidet. Eine aufgeregte Menge verfolgt über eine große Leinwand in der Cafeteria jeden Gang nach draußen, freut sich, wenn der oder die Mutige die verstaubte Kameralinse säubert und ist enttäuscht, sobald die Person wenige Augenblicke später zusammenbricht und in der offenbar toxischen Umgebung qualvoll verendet. Wer im Silo bleibt, sich den dort herrschenden Regeln unterwirft, hat nichts zu befürchten - diesen Eindruck vermitteln die Bilder der seltenen Ausgänge unmissverständlich.
Das Leben innerhalb des riesigen, kilometertiefen Baus ist hierarchisch gegliedert und klar strukturiert, erinnert ein wenig an den Big-Brother-Alltag aus George Orwells Dystopie-Klassiker "1984". Viele Gegenstände aus früheren Zeiten, in der Originalfassung "relics" genannt, stehen auf dem Index. Welche Paare Kinder bekommen dürfen, legt eine nie greifbare Elite durch eine Art Lotterie fest. Und wirkliche Vorzeigebürger sind nur solche, die den Freedom Day, an dem der 140 Jahre zurückliegende Sieg über eine angeblich gefährliche Rebellengruppe gefeiert wird, voller Stolz und Inbrunst begehen. Wann und warum das Silo erbaut wurde, weiß niemand genau, wie uns ein Voice-over-Kommentar von Sheriff Holston (David Oyelowo) zum Einstieg informiert. Viele Menschen im Untergrund scheren sich nicht um diese Fragen, halten sich an die geltenden Vorschriften. Einige wenige aber wollen durchaus mehr erfahren, bezweifeln die Erzählungen der Führungsschicht.
In der ersten Folge ist es Holstons Ehefrau Allison (Rashida Jones), die in einer ausgedehnten Rückblende plötzlich eine andere Sicht auf ihr Dasein im Bunker bekommt. Zunächst erfreut über die Erlaubnis, ein Kind zeugen zu dürfen, stolpert sie über Merkwürdigkeiten und ist sich auf einmal sicher, dass die Herrschenden ihr striktes Regelwerk nicht nur zum Schutz der Bewohner eingeführt haben. Ist sie, ohne es bislang gemerkt zu haben, gefangen in einem totalitären System? Als sie sich ihrem Mann offenbart, überschlagen sich die Ereignisse. Da sie den Glauben in die Gemeinschaft verloren hat, geht sie - Zeitlupen und schwermütige Klänge verstärken die Intensität des Augenblicks - den Weg nach draußen und stirbt dort wie alle anderen "Freigänger" auch. Holston, bislang linientreuer Gesetzeshüter, erschüttert dieser Verlust so sehr, dass er seiner Gattin einige Zeit später nachfolgt.
Die schmerzhafte Geschichte des Ehepaares, die man vielleicht noch um zwei oder drei vertiefende Momente hätte erweitern können, ist so etwas wie der Prolog zur eigentlichen Handlung. Dreh- und Angelpunkt der Serie ist nämlich die Ingenieurin Juliette Nichols (Rebecca Ferguson), die wir erst am Ende der Auftaktfolge erstmals zu Gesicht bekommen. Ihre Verbindung zum Schicksal der Holstons? Ganz einfach: Wie das zweite Kapitel enthüllt, wird auch sie, die für den Generator des Silos verantwortlich ist, zu einer Zweiflerin, nachdem ihr heimlicher Lebensgefährte, der PC-Experte George Wilkins (Ferdinand Kingsley), angeblich Selbstmord begangen hat. Im Sheriff findet sie, das zeigen weitere Flashbacks, einen aufgewühlten Verbündeten. Immerhin standen Wilkins und Allison wegen brisanter Hinweise auf einem Computerlaufwerk in Kontakt.
Basierend auf Hugh Howeys Romanreihe, legen das Drehbuchteam rund um "Silo"-Schöpfer Graham Yost (

Die Apple-Serie hält genügend Rätsel für eine überdurchschnittliche Grundspannung bereit, ist jedoch - das sollte man gleich betonen - eher nichts für Zuschauer, die ihren Puls ständig am Anschlag sehen wollen. Hektik verbreiten die ersten vier für diese Kritik gesichteten Episoden jedenfalls nicht. Vielmehr zeichnen sie sich durch ein bedrohliches Brodeln aus, das langsam, aber kontinuierlich zunimmt. Ein Gefühl des Unbehagens breitet sich natürlich auch deshalb aus, weil wir das Silo fast nie verlassen. Wiederholt schwenkt die Kamera nach oben, um die gewaltigen Ausmaße der unterirdischen Siedlung zu zeigen, deren Stockwerke etwas über die soziale Stellung verraten. Je tiefer man hinabsteigt, umso weniger einflussreich und begütert sind die Menschen. Anders als in "Snowpiercer", wo eine klare Abgrenzung zwischen den Waggons herrscht, sind die Etagen hier allerdings etwas durchlässiger. So unternehmen Bürgermeisterin Ruth Jahns (Geraldine James) und Hilfssheriff Marnes (Will Patton) auf der Suche nach einem Nachfolger für den verstorbenen Holston einen fast schon drolligen Fußmarsch in die unteren Ebenen - Rucksack und ausreichend Proviant inklusive. Was die Beziehung dieser beiden das System vertretenden Figuren beweist: "Silo" ergeht sich nicht in einer billigen Schwarz-Weiß-Zeichnung, sondern setzt auf Zwischentöne, die dem bedrückenden, graubrauen Beton-Setting mit seinen veralteten technischen Gerätschaften unerwartete Facetten verleihen.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier von insgesamt zehn Folgen der Serie "Silo".
Die ersten beiden Folgen der Serie "Silo" sind ab dem 5. Mai bei Apple TV+ verfügbar. Die Veröffentlichung der restlichen Episoden erfolgt im wöchentlichen Rhythmus.
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Leserkommentare
teasea schrieb am 17.01.2025, 21.23 Uhr:
Staffel 2 ist eine pausenlose Aneinanderreihung küchenphilosophischer Monologe. Kein Vergleich zur hervorragenden Staffel 1.Genussgucker schrieb am 21.05.2023, 21.01 Uhr:
Die Handlung erinnert mich spontan an eine Mischung aus dem dystopischen Roman „Totalbeton“ (überirdischer Betonbau) und dem dystopischen Film des frühen George Lucas „THX1138“ (unterirdischer Betonbau). Aber gut geklaut ist mir lieber als schlecht erfunden 😉Zuckerkorn schrieb am 18.05.2023, 08.20 Uhr:
Die ersten 3 Folgen gesichtet und ich finde diese Serie überraschend stark. Erinnert mich auch ein wenig an Snowpiercer, wobeu ich dort eher den Film als die Serie empfehlen würde.Sentinel2003 schrieb am 05.05.2023, 17.28 Uhr:
Ick konnte mit Snowpiercer null was anfangen....Tim Burns schrieb am 05.05.2023, 10.48 Uhr:
Folge 1 angesehen und die macht RICHTIG Bock auf mehr.SerienFan_92 schrieb am 05.05.2023, 08.06 Uhr:
Das klingt ja sehr vielversprechend.
Mich hat die Serie sowieso schon interessiert, nun noch mehr.
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