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TV-Kritik/Review: "WandaVision": Überraschend unkonventioneller Ausflug in das Marvel-Universum
von Christopher Diekhaus(15.01.2021)

Im Sommer 2019 lief mit
In
"WandaVision" - so wurde bereits vorab bestätigt - spielt nach den Ereignissen aus "Avengers: Endgame" und versetzt Wanda und den überraschenderweise quicklebendigen Vision in ein typisches US-amerikanisches Vorstadtambiente, das Teil einer Sitcom zu sein scheint. Zu Beginn der ersten Folge betreten die beiden frisch verheirateten Protagonisten ihr neues Haus und versuchen fortan, ihre Superkräfte geheim zu halten. Immerhin wollen sie sich perfekt in die Umgebung einfügen. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich spätestens beim Besuch von Visions Boss Mr. Hart (Fred Melamed) und seiner Gattin (Debra Jo Rupp) zeigt. Vision möchte seinen Chef mit einem tollen Abendessen beeindrucken. Wandas übermenschliche Talente machen ihr bei der Zubereitung allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Die neue Marvel-Serie greift auf das bestens erprobte Fish-out-of-Water-Prinzip zurück und bringt die beiden Superhelden immer wieder in Situationen, in denen ihre Besonderheit aufzufliegen droht. Amüsant ist vor allem eine völlig aus dem Ruder laufende Zauberaufführung vor der gesamten Nachbarschaft. Hier muss Wanda eifrig die potenziell entlarvenden Fehltritte ihres von einem verschluckten Kaugummi aus der Bahn geworfenen Partners ausbügeln. Mit satirischer Lust arbeitet sich "WandaVision" an der US-Vorstadtidylle mit ihren blankgeputzten Wegen, ihren akkurat gestutzten Rasenflächen, ihren weißen Gartenzäunen und ihren übereifrigen Organisationskomitees ab und präsentiert einen Kosmos, der sich vor dem Genre der Sitcom und unterschiedlichen Fernsehtechniken verneigt.
Die Dialoge und Missgeschicke der Figuren werden ständig von Lachern begleitet. Die ersten beiden Episoden sind fast komplett in Schwarz-Weiß gehalten, kommen in einem fast quadratischen 4:3-Format daher. Gelegentlich greifen die Macher rund um Showrunnerin Jac Schaeffer auf animierte Szenen zurück. Und mindestens einmal im Laufe einer Folge wird die Handlung von einem fiktiven Werbespot unterbrochen. Etwa, wenn ein Mann und eine Frau einen Toaster der Firma Stark Industries anpreisen - einer von vielen Verweisen auf das MCU. Dass die Serie den Zuschauer auf einen Streifzug durch die TV-Geschichte mitnimmt, ist nicht mehr zu übersehen, als die Welt von Wanda und Vision auf einmal in Farbe erstrahlt.
Auch wenn einige Gags nicht zünden wollen und man, besonders als sporadischer Marvel-Gucker, Zeit braucht, um sich in "WandaVision" einzufinden, weckt der experimentelle, erfrischend unkonventionelle Ansatz große Neugier. Im Wissen um die Entwicklungen in "Avengers: Infinity War" fragt man sich gleich zu Anfang, wie Vision von den Toten zurückgekehrt sein könnte. Den Reiz der Disney+-Produktion machen nicht zuletzt die Brüche aus, die sich schon früh in dem vermeintlich sorgenfreien Suburbia-Alltag auftun. Am Ende der ersten Folge erhaschen wir einen kurzen Blick auf die Welt jenseits des von Wanda und Vision erlebten Sitcom-Rahmens. In Kapitel zwei findet Maximoff im Vorgarten einen knallroten Hubschrauber, der in der schwarzweißen Umgebung deutlich hervorsticht. Und noch dazu dringt eine mysteriöse, für Irritationen sorgende Stimme aus dem Radio zu Wanda durch. Warum befinden sich die beiden Superhelden in diesem Fernsehuniversum? Und welche Gefahren mögen ihnen wohl drohen? Trotz kleiner Indizien lassen sich diese Fragen zunächst nicht so leicht beantworten, was die Spannung auf den Fortgang ungemein befeuert. Wer vom spektakellastigen MCU ermüdet ist, darf sich darüber freuen, dass "WandaVision", zumindest in den Einstiegsepisoden, beweist: Erzählerisch und formal sind im Marvel-Kosmos nach wie vor frische Impulse möglich!
Dieser Text beruht auf der Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "WandaVision".
Die Serie "WandaVision" erscheint seit dem 15. Januar 2021 im wöchentlichen Rhythmus beim Streamingdienst Disney+.
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