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Samuel "Sam" Njankouo Meffire - ein Name, der vielleicht nicht jedem ein Begriff ist. Das könnte sich jedoch ab 26. April schnell ändern: Am Mittwoch feiert die Biopic-Serie
Dresden ist eine ostdeutsche Stadt, die bis dato in kaum einer hochkarätigen, deutschsprachigen Serie als Schauplatz zu sehen ist. Gut, "Dresden" klingt (leider) auch nicht so sexy wie "Berlin", "München" oder "Köln". Vielleicht braucht es in der Film- und TV-Welt einen Helden, eine Geschichte, die für einmal den Scheinwerfer auf die sächsische Stadt statt auf die Big Player richtet - so wie "Sam - Ein Sachse".
Bei der ersten deutschen Originalproduktion für Disney+ handelt es sich um eine Biopic-Serie: Sie erzählt vom Aufstieg und Fall des ersten Schwarzen Polizisten Ostdeutschlands Sam Meffire in den 1990er Jahren. Besonders spannend an dem Leben des heute 52-Jährigen ist, dass er Teil von zwei Welten war, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Nach seinem Polizeidienst, in dem er durch die Werbekampagne Ein Sachse
Bekanntheit erlangte, verfiel er in die Kriminalität und verbüßte sogar eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Meffires Geschichte, die vor allem einem jüngeren Publikum weniger bekannt sein könnte, eignet sich somit bestens für eine serielle Erzählung. Aber gelingt es "Sam - Ein Sachse" diese Vielschichtigkeit fesselnd, authentisch und emotional zu erzählen?

In die namensgebende Hauptrolle schlüpft Schauspieler Malick Bauer. In den ersten zwei Folgen porträtiert er Sam in den Monaten vor dem Mauerfall 1989. Kurz nach der Geburt seines ersten Kindes beschließt Sam nach einem rassistisch motivierten Angriff zur Bereitschaftspolizei der DDR zu gehen. Grund dafür ist wohl weniger, dass Sam sich mit deren Wertvorstellungen identifiziert, sondern der tiefe Wunsch nach Respekt, Anerkennung und (sozialer) Macht. Seine Freundin, und Mutter seines Sohns, Antje (gespielt von Luise von Finckh) ringt mit seiner Entscheidung. Sie ist Teil der Friedlichen Revolution und Sam Teil eines Systems, das die Wende als Gefahr sieht und entsprechend behandelt. So entfernt sich Sam mit jedem Schritt, den er in Richtung Selbstverwirklichung geht, weiter von seiner Familie. Genau diesen emotionalen Konflikt, aber auch die vielen Nuancen zwischen Angst, Wut, Empörung, Kränkung und Stolz bringt Malick Bauer absolut überzeugend herüber. Dabei beeindrucken vor allem seine fesselnden Mikro-Expressionen, die auch in amerikanischen oder totalen Kameraeinstellungen prägnant ins Auge stechen. Auch Luise von Finckhs Darbietung als Antje ist so präzise und packend, dass besonders die gemeinsamen Szenen vor aufgeladener Spannung prickeln. Unterstützt wird dies durch die dynamische Kameraführung, die für Lebendigkeit und Nähe sorgt: Man fühlt sich kaum noch wie ein Zuschauer, sondern vielmehr wie ein Statist, ein stiller Beobachter, der Sam allzeit über die Schulter blickt, untrennbar mit ihm verbunden wie sein eigener Schatten. "Sam - Ein Sachse" verlangt nach uneingeschränkter Aufmerksamkeit und hat sie auch mehr als verdient.
Wenn man Menschen ein Leben lang in einen Käfig sperrt, dann suchen sie sich irgendwann jemanden, dem sie die Schuld dafür zuschieben können. Jemand, der anders ist, ein Fremdkörper.
Dieses Zitat aus der Pilotfolge reicht vielleicht nicht aus, um die Komplexität der sozio-politischen Lage der DDR kurz vor dem Mauerfall zusammenzufassen. Dafür spiegelt es Sams größte Angst wider, der Sündenbock einer ganzen Generation zu werden - was der kurz zuvor dargestellte, brutale Angriff nationalsozialistischer Anhänger plastisch unter Beweis stellt. Es erklärt auch, warum Sam gegenüber den Forderungen nach Freiheit und Demokratie seiner Partnerin und ihrer Freunde zwiespältig gegenübertritt. Das bedeutet nicht, dass Sam "richtig" oder "falsch" liegt, sondern seine Perspektive nur eine von vielen unterschiedlichen Erlebnissen ist - eine von einem Schwarzen DDR-Bürger, die in der Populärkultur bisher kaum bis keine Repräsentanz gefunden hat. Wer von "Sam - ein Sachse" ein historisches Drama erwartet, das verschiedene Lager in der Geschichte in "gut"- und "böse"-Schubladen steckt, liegt definitiv falsch. Denn so einfach ist es nicht.

Einfach hingegen sind die Dialoge - und das ist als Lob zu verstehen! Denn manchmal liegt gerade in der Einfachheit das größte Potential: Jedes Wort, jede Szene hat einen genauen Sinn und Zweck. Es wird keine Sekunde mit unnötigem "BlaBla" verschwendet. Die Dialoge sind auf das Wesentliche fokussiert, sodass man auch hier nicht einmal das Nuscheln und Flüstern im Hintergrund missen will. So trägt der konzentrierte Dialog dazu bei, dass der Zuschauer Sams Persönlichkeit hauptsächlich durch sein Verhalten kennenlernt. Durchhaltevermögen und Kampfgeist zeigen die Sequenzen, in der Sam als unerschöpflich auftritt. Empathie und Selbstlosigkeit beweisen die Szenen, in denen Sam Schwächeren hilft, auch wenn es für ihn erhebliche Konsequenzen haben könnte. Am Ende der ersten Folge sind über Sam kaum Fakten wie Alter, Herkunft oder Bildung bekannt, aber dafür ist glasklar, was für eine Art Mensch er ist - ein Kämpfer, ein Überlebender, ein Held.
Inwiefern sich dieser Eindruck im Verlauf der Serie noch ändern wird, bleibt vorerst ein großes Rätsel. Auf jeden Fall legen die ersten zwei Stunden von "Sam - Ein Sachse" die Messlatte für die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel hoch. Wenn sich sowohl Darsteller als auch Storytelling und Drehbuch weiterhin auf diesem hohen Level bewegen, könnte "Sam - Ein Sachse" zu einer der wohl relevantesten und fesselndsten deutschen Serien überhaupt werden. "Sam - Ein Sachse" ist nicht nur sehenswert, sondern vermittelt ein einzigartiges und vielschichtiges Bild vom gespaltenen Deutschland von gestern - und dem wiedervereinten, aber längst nicht konfliktfreien und antirassistischen Deutschland von heute. Eine Serie, die sofort auf jede Watchlist an erster Stelle stehen sollte.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden der Miniserie "Sam - Ein Sachse".
Die erste Staffel von "Sam - Ein Sachse" umfasst insgesamt sieben Folgen. Disney+ startet am 26. April mit der Ausstrahlung. Es handelt sich um die erste deutsche Originalproduktion für den Streamingdienst, produziert von Big Window Productions und unter der Regie von Soleen Yusef.
Über die Autorin
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Leserkommentare
xena123 schrieb am 02.05.2023, 10.44 Uhr:
Gähnend langweiliges typisch deutsches Theater. Schlecht gespielt, dahingenuschelt, erwachsenenpädagogisch unangenehm und iiiiimmer das Gleiche, als würden alle Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler Deutschlands in der gleichen Kaserne wohnen.
Ein BPoC BioPic dass an eine Rheumadeckenverkaufstour im Öffentlich Rechtlichen erinnert...
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