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Interview zum 50. Geburtstag der "Sendung mit der Maus"
Armin Maiwald
WDR/Guido Rottmann
Maus-Vater Armin Maiwald: "Es gab jede Menge Vorwürfe von Lehrern und Pädagogen"/WDR/Guido Rottmann

 "Die Sendung mit der Maus" feiert am ersten März-Wochenende ihren 50. Geburtstag. Anlässlich des runden Jubiläums wollen wir in einem dreiteiligen Special auf die Geschichte des kultigen Kinderklassikers blicken, der erstmals am 7. März 1971 ausgestrahlt wurde - damals noch unter dem Titel "Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger". Einer der "Maus-Väter" ist Armin Maiwald, der bis heute der Sendung vor und hinter der Kamera treu geblieben ist.

Im Gespräch mit TV Wunschliste-Redakteur Glenn Riedmeier erläutert der Regisseur und TV-Produzent, wie er in den 1960er Jahren beim Fernsehen gelandet ist - und welche Hürden es damals zu überwinden gab. Außerdem erklärt Armin Maiwald, weshalb "Die Sendung mit der Maus" - anders als heute - bei Pädagogen anfangs alles andere als beliebt war. Darüber hinaus spricht er über seine Arbeit an  "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt" und erläutert, was seiner Ansicht nach wichtige Voraussetzungen sind, um gutes Kinderfernsehen zu machen.

TV Wunschliste: Herr Maiwald, "Die Sendung mit der Maus" wird 50 Jahre alt. Was ist es für ein Gefühl, Miterfinder dieser traditionsreichen Sendung zu sein, die vielen Menschen sehr viel bedeutet?

Armin Maiwald: Das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl, dass man mitgeholfen hat, so etwas auf die Schiene zu setzen. Es gibt wirklich schlimmere Gefühle (lacht)!

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass es die Sendung im Jahr 2021 noch immer geben würde, als sie unter anderem von Ihnen 1971 aus der Taufe gehoben wurde?

Armin Maiwald: Nein, ich bin selbst erstaunt, dass ich das noch erleben darf (lacht)! Wenn Sie von heute aus 50 Jahre nach vorne denken, können Sie sich ja gar nicht vorstellen, wie die Welt dann aussehen wird. Genauso war das damals auch. Niemand konnte sich vorstellen, was im Jahr 2021 sein würde.

Wie sind Sie damals überhaupt zum Fernsehen gekommen? War das Ihr Berufswunsch oder hatten Sie ursprünglich andere Pläne?

Armin Maiwald: Ich stand schon im Schülertheater auf der Bühne. Alle anderen waren aufgeregt, ich nicht. Als ich mit 16 zum ersten Mal in einem richtigen Fernsehstudio stand, war das natürlich noch mal um eine Umdrehung spannender. Ich nahm als Jugendlicher mehrfach in Diskussionsrunden der Sendung  "Archibald weiß alles" teil. Irgendwann habe ich vor Ort gefragt, ob es denn irgendeine Möglichkeit gibt, später mal dort beruflich anzufangen. Der leitende Ingenieur sagte: Nee, da müssten Sie schon fertig studiert haben. Aber wenn Sie studieren, könnten wir Ihnen einen Studentenjob geben. Als ich mich dann für das Studium der Theaterwissenschaften, Philosophie und Germanistik eingeschrieben hatte, habe ich dies beim WDR vorgelegt und tatsächlich den Studentenjob bekommen. Ich habe in der Bühnenwerkstatt angefangen, habe Nägel aus den Kulissen gezogen und den Fundus aufgeräumt. Später habe ich dann als Hilfsarbeiter und Kabelhilfe beim Fernsehen alles von der Pike auf gelernt. Ich habe bekannte Fernsehgesichter wie Hanns Joachim Friedrichs und Dieter Kronzucker live im Studio erlebt.

WDR/Bettina Fürst-Fastré

Spannend, und wie ging es dann weiter?

Armin Maiwald: Nach dem vierten Semester habe ich mich prophylaktisch als Regieassistenz beim Westdeutschen Rundfunk beworben, worauf ich die Antwort erhielt, dass meine Bewerbung unter 800 gleichlautenden Bewerbungen liegt. Sollten diese mal abgearbeitet sein, würde man gerne auf mein Angebot zurückgreifen. Während des Kabelhilfenjobs lernte ich dann aber Hanno Brühl kennen, der damals schon als Regieassistent beim kleinen Fernsehspiel arbeitete. Mit ihm und zwei Kameraleuten haben wir zu viert wahrscheinlich den ersten völlig frei produzierten Film in Köln gedreht, auf 35mm und aus der eigenen Tasche bezahlt. Als er fertig produziert war, haben wir es tatsächlich geschafft, ihn an den WDR zu verkaufen. Als alle Schulden beglichen waren, blieben für jeden von uns Vieren noch 250 D-Mark übrig - das war damals ein unglaublicher Reichtum (lacht)! Hanno Brühl hat für mich anschließend bei Frau Merklein, der rechten und linken Hand des damaligen Fernsehspiel-Chefs Wilhelm Semmelroth, ein gutes Wort eingelegt.

Das hat sich vermutlich positiv ausgewirkt?

Armin Maiwald: Ja, am 23. Januar 1964 bekam ich dann tatsächlich von zwei Abteilungen des WDR Briefe mit dem Angebot, dass ich mich als Regieassistent vorstellen könne. Ich warf beide Briefe in die Luft und für den ersten, den ich auffing, entschied ich mich - es war das Fernsehspiel. Dort habe ich zuerst als zweiter Regieassistent und wenig später als erster Regieassistent gearbeitet. Doch als ein Fernsehspiel ins Wasser fiel, weil ein Hauptdarsteller ausfiel, musste ich gucken, wie ich meine Miete bezahlen konnte. Ich musste für mich selbst sorgen, weil meine beiden Eltern schon tot waren. Also habe ich das zweite Kuvert genommen und mich für die dortige Stelle als Regieassistent vorgestellt. Das war das damalige Kinder- und Jugendprogramm. Nachdem ich schon Erfahrung als Regieassistent beim Fernsehspiel hatte, haben sie mich gerne genommen. Der damalige Produktionsleiter Rolf Kralovitz sagte zu mir: Wenn Sie bei uns bleiben, garantiere ich Ihnen kontinuierliche Beschäftigung.

WDR/Bettina Fürst-Fastré

Das klingt nach Sechser im Lotto!

Armin Maiwald: Ja, doch eigentlich hatte ich vor, auf die Filmhochschule nach Łódź in Polen zu gehen, wo Roman Polanski war. Die hätten mich auch genommen, doch der damalige Abteilungsleiter Siegfried Mohrhof sagte zu mir: Ach Jung, geh doch nicht da hin. Die Leute sind zwar gut, aber das was du dort lernst, kannst du schon. Ich mach dir ein Angebot: Wenn du bei uns bleibst, gucke ich, dass du im nächsten Jahr die erste kleine Geschichte selber machen kannst. So habe ich mit 25 Jahren zum ersten Mal selbst in einem Studio des Westdeutschen Rundfunks Regie geführt - sehr gegen den Willen der damaligen Chefin, die sagte: Was? Ein 25-jähriger Lümmel als Regisseur in einem Studio des WDR? Nur über meine Leiche! Doch Siegfried Mohrhof hat sich letztendlich durchgesetzt.

Faszinierend. Und was war Ihre erste Arbeit als Regisseur?

Armin Maiwald: Das war "René Gardi erzählt", eine Geschichte über den Schweizer Schriftsteller und Fotografen, der von seinen Reisen erzählte. Ich konnte alles in- und auswendig und habe mich wie ein Weltmeister auf die Sendung vorbereitet - und habe an diesem Tag verpennt! Zum ersten und letzten Mal in meinem Leben. Ich bin zu spät ins Studio gekommen, wo schon der Aufnahmeleiter mit dem Telefon in der Hand stand und gerade den Produktionsleiter anrufen wollte, um ihm mitzuteilen, dass sie im Studio ohne Regisseur stehen. Als mich das Team fragte: Was ist denn los? Du bist doch sonst immer zuverlässig, antwortete ich: Ich sag's euch ganz ehrlich, ich hab verpennt. Darauf sagte der Chef-Kameramann: Wenn du uns einen vom Pferd erzählt hättest, würden wir dich jetzt schlachten. Aber du warst ehrlich, insofern okay. Ich habe dann gelernt, dass es etwas völlig anderes ist, sich als Regieassistent hinter den breiten Schultern des Regisseurs verstecken zu können, oder selbst als Regisseur Verantwortung für Leute zu tragen, die einen mit großen Augen angucken und auf Anweisungen warten. Nur das Vorhandensein einer langen Hose hat verhindert, dass man das Klappern meiner Kniegelenke gehört hat (lacht)! Eine Geschichte, die ich mein Leben lang nie vergessen werde!

Auf der nächsten Seite erklärt Armin Maiwald, wie er letztendlich bei der "Sendung mit der Maus" gelandet ist und weshalb die Sendung zu Beginn bei Pädagogen alles andere als beliebt war.


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Leserkommentare

  • Doktor_Klinker-Emden (geb. 1980) schrieb am 07.03.2021, 14.39 Uhr:
    Tolles Interview! Zeigt auch, dass es schon vor Jahrzehnten schwierig war, (ohne Beziehungen) einen Job beim WDR zu kriegen.
 

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