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TV-Kritik/Review: Better Call Saul
(23.02.2015)

Seit
Anders gefragt: Muss er das überhaupt? Die ersten Folgen von
Dass es Gilligan und Gould (der Sauls Figur in der achten Episode der zweiten Staffel von "Breaking Bad" einführte) in diesem als Prequel gedachten Spin-Off nicht darum geht, nur "mehr Saul Goodman" in seiner Inkarnation aus der Mutterserie aufzutischen, wird schnell deutlich. Denn Saul Goodman ist hier noch nicht der Saul, den wir kennen, bzw. er ist es nicht mehr: Die ersten Szenen knüpfen zunächst an das Ende von "Breaking Bad" an. Wir erinnern uns: In der vorletzten Episode der Mutterserie ließ sich Goodman mit neuer Identität nach Nebraska absetzen. Dort, in Omaha, lebt er jetzt. In wunderschönen Schwarzweiß-Bildern und ohne Dialog inszeniert Gilligan Goodman, der jetzt "Gene" heißt, als schnauzbärtigen Angestellten einer "Cinnabon"-Filiale, die in einer Shopping Mall Zimtschnecken und Quarkbällchen feilbietet. Mit schütterem Haar und düsterer Miene fuhrwerkt der einst so aufgedrehte Winkeladvokat an den Teigrührmaschinen herum, abends sitzt er einsam vor dem Fernseher und schaut sich auf alten VHS-Videokassetten die Goodman-Werbespots von früher an: Es ist ein tief trauriger Blick auf ein vergangenes Leben. Bob Odenkirk, der als Comedian bekannt wurde, hat zuletzt mit der (ebenso schnauzbärtigen) Rolle des trostlos inkompetenten Sheriffs Bill Oswalt in

Dann folgt der Switch von Schwarzweiß auf Farbe: Das eigentliche Prequel beginnt. Ob und wann auf den "Gene" der Jetztzeit zurückgekommen wird, bleibt erst einmal offen. Zunächst geht es um die genau entgegengesetzte Geschichte, denn erzählt wird, wie Saul Goodman überhaupt zu Saul Goodman wurde. Schauplatz ist, wie in der Mutterserie, Albuquerque, ungefähr sechs Jahre vor den Ereignissen von "Breaking Bad" (was Fans zu der spekulativen Annahme veranlassen könnte, dass nach ungefähr sechs Staffeln an diese angedockt werden könnte...). Saul heißt damals noch Jimmy McGill, sein späterer beruflicher Erfolg ist nicht abzusehen: Statt in dem geschmacklos pompösen Büro späterer Tage haust er im klammen Hinterraum eines vietnamesischen Beautysalons, wo sich die Mahnungen türmen. Statt in TV-Spots bewirbt er seine Dienste lediglich auf Streichholzschachteln. Klienten gibt es praktisch keine, eher wirbt er selbst um welche, mit so fragwürdigen wie erfolglosen Methoden.
Wie Jimmy seine Tage als erfolgloser Pflichtverteidiger fristet, zeigt Gilligan später in einer brillanten Montagesequenz und gleich zu Beginn in einer pointierten Szene: Da versucht Jimmy eine Jury wortreich von der Unschuld dreier halbstarker Delinquenten zu überzeugen, bevor dann der Staatsanwalt, ohne selbst ein einziges Wort zu sagen, einfach nur ein Selfie-Video abspielt, auf dem die Untat der Angeklagten zu besichtigen ist: Im Suff zersägen sie im Obduktionssaal eines Krankenhauses eine Leiche, um anschließend deren Schädel zu penetrieren. Fall abgeschlossen, Jimmy verliert.
In dieser Szene, die sich in einem trostlos fahl beleuchteten Gerichtssaal abspielt, lässt sich viel von dem wiedererkennen, was "Breaking Bad" groß gemacht hat: das Interesse für Details, im Bild, in den Geräuschen, im Spiel der Statisten, in den ungewöhnlichen Weitwinkelaufnahmen, im Blick auf das Groteske im Profanen. Doch "Better Call Saul" geht auch neue Wege: Jimmy ist hier längst noch nicht so selbstbewusst wie jener Saul, den wir aus der Mutterserie kennen. Das sieht man schon daran, wie er auf dem Gerichtsklo nervös seine Plädoyers probt, aber auch an seinem Underdog-Status im Beziehungsgeflecht, das die Serie entwirft: Jimmys Bruder Chuck (Michael McKean, "This is Spinal Tap") ist Mitgründer eines erfolgreichen Anwaltsbüros namens Hamlin Hamlin McGill, hat sich vor einiger Zeit aber als Einsiedler in sein Haus zurückgezogen im Glauben daran, an "Elektrosensibilität" zu leiden. Gespräche mit ihm können nur im Gaslampenschein stattfinden. Chucks Geschäftspartner Howard (Patrick Fabian, "Der letzte Exorzist") will den offenbar geistig Verwirrten loswerden. Später wird einmal zurückgeblendet in eine Zeit, als Jimmy im Knast saß und Chuck ihn raushauen musste: Das Bruderverhältnis dürfte im Lauf der Serie weiter ausgelotet werden.
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Über den Fall der beiden Stadtkämmerer werden in der dritten Episode weitere Hauptfiguren näher eingeführt: Howards Kollegin Kim Wexler (Rhea Seehorn, bekannt aus der Sitcom
Kurzum: Die ersten Episoden von "Better Call Saul" dürften auch Skeptiker davon überzeugen, dass hier eine Serie vom Stapel rollt, die niemals Gefahr läuft, ein bloßes Anhängsel zu sein, von etwas Größerem, Sakrosankten. Das Gegenteil ist der Fall: In vielen Aspekten ist sie "Breaking Bad" vom Start weg ebenbürtig. Der kommentierende Einsatz von Retro-Musik zum Beispiel ist ein Vergnügen, vom Nebraska-Opening zu "Address Unknown" von den Ink Spots bis zu einer wunderbaren Plansequenz zu Bobby Bares "Find Out What's Happening". Oder der Running Gag, dass Jimmy ständig in Filmzitaten redet - und zwar grundsätzlich im falschen Moment. Oder die optisch brillant in Szene gesetzten Schauplätze - zwischen Wüste und Skaterpark, Wohngebiet und Nagelstudio. Keine Frage: "Better Call Saul" findet überraschend schnell zu sich selbst.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Better Call Saul".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: AMC
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