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Jessa (Jemima Kirke), Hannah (Lena Dunham) und Shoshanna (Zosia Mamet) schlagen sich durch den New Yorker Alltag.
Jessa (Jemima Kirke), Hannah (Lena Dunham) und Shoshanna (Zosia Mamet) schlagen sich durch den New Yorker Alltag.


Das Ensemble

Lena Dunham zeichnet sich in der Hauptrolle durch gutes komödiantisches Timing aus und schafft es, die verwöhnte und realitätsferne Hannah trotzdem einigermaßen liebenswert erscheinen zu lassen - keine geringe Leistung. Die anderen drei  "Girls" haben im Piloten zwar bedeutend weniger zu tun, aber auch mit der ihnen zugestandenen Zeit hinterlassen sie kaum einen derart bleibenden Eindruck. Allison Williams verschwindet als Marnie praktisch komplett im Hintergrund und auch die Chemie der vermeintlich betonfesten Freundschaft mit Hannah wird kaum spürbar. Jemima Kirkes Hauptmerkmal als Jesse ist das permanente, elitäre Herabblicken, so dass man sich später beim besten Willen kaum noch dafür interessieren kann, ob sie nun schwanger ist oder nicht. Zosia Mamet ist als Shoshanna das komplette Zerrbild eines jeden "Sex and the City”"-Fans, was dem Zuschauer wohl vor Augen führen soll, dass man selbst vollkommen realitätsfern und beschränkt intelligent ist, wenn man tatsächlich all die Jahre mit Carrie Bradhsaw mitgefiebert hat. Trekkies können von dieser Art der Herabsetzung ein Lied singen. Als Lichtblick bleibt da nur Adam Driver als sich mit Oma-Geld durchschlagendem Künstler, was aber mehr an der Präsenz und am Witz des Darstellers liegt als an der mageren Vorlage.

Buch und Regie

Produktion, Buch, Regie und Hauptrolle Lena Dunham. Wie kann man nicht beeindruckt davon sein, dass es ein 24-jähriges Multitalent tatsächlich geschafft hat, mit ihrer eigenen HBO-Serie auf Sendung zu gehen und das US-Feuilleton im Sturm zu erobern? Und tatsächlich findet man hinter der kargen Ästhetik und den größtenteils unnahbaren Charakteren vielerlei Beobachtungen, welche die "Generation Praktikum" realistisch und mit einem großen Anteil Selbstkritik widerspiegeln: die durch Verwöhntheit gezeichnete, tief verwurzelte Annahme, dass die Familie oder das Schicksal einem selbst etwas schuldig ist; die Ausbeutung von Praktikanten als vollwertige Arbeitskräfte, die zum Staat oder zu den Eltern rennen sollen, um nicht im Armenhaus zu enden; die durch Mainstream-Medien verbreitete Vorstellung, dass jede Art von Traum bei der Vielfalt heutiger Möglichkeiten in Erfüllung gehen kann; die vermeintliche Lebensweisheit, die sich scheinbar nur durch das konstante Wegducken vor Verantwortung erreichen lässt; und die konstanten Enttäuschungen durch die Erkenntnis, dass es im wirklichen Leben eben meistens nicht so abläuft wie in der Lieblingsserie.

Dumm nur, dass "Girls" auch nichts weiter ist als eine neue Serie. Und die thematisiert trotz all dieser vielversprechenden Ansätze vor allem eins: Ärger mit Jungs. Die Machart des Formats ist zwar durchaus ungewohnt und unverbraucht, lässt viel Raum zu Improvisation. Doch durch diesen mehr als altbekannten, inhaltlichen Fokus und die kaum je für Zuschauerliebe zugänglichen Hauptfiguren degradiert Dunham ihr eigenes Produkt von Anfang an selbst. So bleibt "Girls"” in den guten Momenten eine lohnenswerte, intellektuelle Übung. In schwachen Szenen ist der Pilot langweilig oder gar nervig. Raum für Liebe und Anbetung zukünftiger Fans ist da kaum zu erkennen.

Fazit

Oft verderben zu viele Köche den Brei, doch bei "Girls" scheint genau das Umgekehrte der Fall zu sein. Auch ein 24-jähriger Hotshot sollte den Wert anderer Talente im eigenen Boot bei der Entstehung eines neuen Projekts kennen. Zusammenarbeit und das Ausschöpfen eines gesamten Talent-Pools, in dem auch gegensätzliche Stimmen aufeinander treffen, ist in der Serienwelt meistens der Schlüssel zu großartigen Ergebnissen. Stattdessen kommt "Girls"” wie ein Projekt Lena Dunhams eigener Eitelkeit daher, sowohl in der Art wie die anderen Figuren neben Hannah als Schablonen abgekanzelt werden, als auch in einer Ästhetik, die das Ganze mehr als eine Übung für sich selbst, als ein Vergnügen für ein, zugegebenermaßen ebenfalls verwöhntes, Serienpublikum erscheinen lässt. "Girls"” lässt sich intellektuell verarbeiten, lieben lässt sich die Serie kaum. Daneben scheint das neue Format in seiner Absolutheit kaum die Möglichkeit zuzulassen, dass sich manche junge Frauen eben nicht mit der von Dunham gezeichneten Lebenswirklichkeit identifizieren können.

Ein Format, das der "Generation Praktikum" ein markantes Zuhause bietet und deren Lebensverhältnisse als Grundlage nutzt, war sicher mehr als überfällig. Wenn aber das Bild jener "neuen” Generation" nur aus dumpfem Egozentrismus besteht, der sich hier erschreckend perfekt auf Dunhams Erzählweise und ihre Figuren überträgt, was soll dann an jener vermeintlichen Realität faszinieren? "Girls”" inspiriert nicht, "Girls" schockiert nicht, "Girls"” berührt nicht. Die vorangegangene Generation Y sagt dazu: "We just don’t give a f***!”

Meine Wertung: 2.5/5

© Alle Bilder: HBO

 

Über den Autor

Ralf Döbele ist Jahrgang 1981 und geriet schon in frühester Kindheit in den Bann von "Der Denver-Clan", "Star Trek" und "Aktenzeichen XY…ungelöst". Davon hat er sich als klassisches Fernsehkind auch bis heute nicht wieder erholt. Vor allem US-Serien aus allen sieben Jahrzehnten TV-Geschichte haben es ihm angetan. Zu Ralfs Lieblingen gehören Dramaserien wie "Friday Night Lights" oder "The West Wing" genauso wie die Prime Time Soaps "Melrose Place" und "Falcon Crest", die Comedys "I Love Lucy" und "M*A*S*H" oder das "Law & Order"-Franchise. Aber auch deutsche Kultserien wie "Derrick" oder "Bella Block" finden sich in seinem DVD-Regal, das ständig aus allen Nähten platzt. Ralf ist als freier Redakteur für TV Wunschliste tätig und kümmert sich dabei hauptsächlich um tagesaktuelle News und um Specials über die Geschichte von deutschen und amerikanischen Kultformaten.

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