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TV-Kritik/Review: Once Upon a Time in Wonderland
(05.12.2013)

Edward Kitsis und Adam Horowitz lieben Fantasiewelten: Mehr als 20 Folgen von
Damit aber nicht genug: Beflügelt vom Erfolg der fünffach 'Emmy'-prämierten Fairy-Tale-Abenteuer lancierten Kitsis und Horowitz nun ein Spin-Off - ebenfalls für das zum Disney-Konzern gehörende ABC-Network. Zusammen mit ihren Co-Autoren Zack Estrin (
Auch in "Wonderland" sieht die Märchenwelt nicht mehr so aus wie gedacht, auch das Wunderland scheint vom Fluch gezeichnet, obwohl in dieser Hinsicht anfangs keine Klarheit herrscht. Das Universum scheint allerdings dasselbe zu sein - Granny's Diner in Storybrooke taucht gleich am Anfang auf. Auf jeden Fall herrscht keine Herzkönigin mehr in Carrolls psychedelischer Welt, sondern die eisige Red Queen, gespielt vom dicklippigen

In dieses Setting hinein purzelt Alice nun in der Pilotfolge. In wenigen Minuten hetzt die Episode durch einen Erzählstoff, den man über mehrere Spielfilmlängen hätte auswalzen können: Alice wurde als Kind, als sie erstmals aus dem Wunderland zurückkehrte, wegen ihrer pilz- und hasensatten Berichte in eine Irrenanstalt gesteckt. Dort wuchs sie zu einer jungen Frau heran (toll in der Hauptrolle: Sophie Lowe, ein australisches Ex-Model, das durch die neulich auf Arte gezeigte Serie
Den Herzbuben übrigens, der die Rolle von Alices Sidekick übernimmt, kennt man schon aus zwei Auftritten aus "Once", womit die Ankündigung der Macher, es werde in Zukunft Crossover-Episoden mit der Mutterserie geben, an Plausibilität gewinnt. Allerdings wird der junge Mann jetzt von einem anderen Darsteller gespielt, einem sehr guten: Michael Socha war bei den "This is England"-Filmen in tragender Skinhead-Rolle dabei und darf auch in "Wonderland" ein beherztes "Oi!" ausstoßen, wenn er die Grinsekatze mit einem Schrumpfzauber bewirft. Die dritte Episode blendet, in "Once"-Manier, in sein Vorleben zurück: Eine Zeit lang war er im Zauberwald Raubgenosse von Robin, bis er der Drachenhexe Maleficent einen Spiegel klaute, um sich mit dessen Hilfe und gemeinsam mit seiner Geliebten Anastasia (der Disney-Zarentochter?) ins Wunderland zu beamen.
Mit viel Kajal spielt Lockenkopf Naveen Andrews den Zauberer Jafar: Wie er im Kunstleder-Hexenmeisterkostüm seinen rot blinkenden Kobrakopf-Stab spazieren führt und mit der Hand seine magischen Energien dirigiert, das erinnert an Kasperletheater. Ohnehin spielen er und die Queen das Evil Couple wie zwei Shakespeare-Knattermimen auf der Freilichtbühne - und das nicht ohne sexuelle Anspielungen, die man im Family-Genre gar nicht erwarten würde. Andrews ist natürlich vor allem bekannt als Sayid aus "Lost" - womit sich die Reihe an ins Märchenland versetzten Ex-"Lost"-Stars (in "Once" spielen Emilie de Ravin und Jorge Garcia) nahtlos fortsetzt.
Nach dem überstürzten Beginn landet der Plot dann bald im Routineprogramm. Die Queen und Jafar dürfen Alice noch nicht bedrohen, weil das Mädchen erst (warum auch immer) ihre drei vom Flaschengeist geschenkten Wünsche verbrauchen muss. Die Königin winkt dazu mit dem Zaunpfahl: "Ich bin so viel mehr, als es den Anschein hat." Eine Dialogzeile zum Verlieben! Derweil dominiert Alices Suche nach Cyrus das Geschehen; diese ist untergliedert in kleine Zwischen-Aufgaben: einen Marshmallow-See überqueren, auf der Mock Turtle reiten oder - beste Sequenz bisher - einen magischen Knoten aus den Fängen des Beowulf-Unholds Grendel entwenden und dabei den "Bandersnatch" besiegen, das Monster aus Carrolls "Jabberwocky"-Gedicht, das hier aussieht wie ein falsch animiertes Riesenwildschwein.
Leider fehlt "Wonderland" noch der nötige Drive - was Anlass zur Sorge gibt, da die Handlung, anders als in "Once", bislang nur auf 13 Folgen verteilt werden muss. Wie soll einer Serie die Luft ausgehen, wenn erst gar keine hineinkommt? Bedenklich auch: Der versponnene Zauber von Carrolls Wunderland-Geschichten will sich nicht entfalten, vor allem wohl, weil sie als bloßer Figurenfundus und nicht um ihrer selbst willen verwendet werden. Am ehesten funktioniert die Serie noch als generischer Abenteuer-Plot: zwei junge Leute, sich kabbelnd, auf großer Reise. Sophie Lowe ist dabei als schwertschwingende, renitente und dennoch zutiefst liebesverzweifelte Alice eine sehenswert taffe Hauptfigur - eine gelungene Nachfolgerin von Jennifer Morrisons Emma Swan in "Once". Wenn es Kitsis und Horowitz gelingt, der Stärke dieser Figur auch auf der Plot-Ebene gerecht zu werden, wird man sich in dieser ansonsten noch allzu unübersichtlichen Parallelwelt gerne länger aufhalten wollen. Ansonsten jedoch mag man sich bald fragen, ob es dieses merkwürdigen Ablegers denn wirklich bedurft hätte.
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von "Once Upon a Time in Wonderland".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: ABC
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