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TV-Kritik/Review: StartUp

Verschwörungsdrama bietet nach verwirrenden Auftakt interessanten Genre- und Themenmix - von Marcus Kirzynowski (19.09.2016)
TV-Kritik/Review: StartUp

Ungleiche Zwangs-Verbündete: Der FBI-Agent, der Drogendealer, die Entwicklerin und der Banker
Die erste Episode des neuen Thrillerdramas "StartUp" macht ein wenig den Eindruck, als hätte Serienschöpfer, Drehbuchautor und Regisseur Ben Ketai gleich alle Erwartungen an eine edgy Streamingserie (über-)erfüllen wollen: Sie beginnt schon mit einer ziemlich übertrieben inszenierten Sexszene; verschiedene Pärchen, die sich in unterschiedlichen Stellungen aneinander zu schaffen machen, können wir danach noch im Fünfminutentakt bewundern. Eine besondere dramaturgische Funktion erfüllt höchstens die allererste dieser Szenen. Schon die zweite Folge enthält dann aber gar keinen Sex mehr. "StartUp" folgt hier also einem Muster, das man auch von vielen HBO-Serien kennt: In der Auftaktepisode wird erst einmal alles gezeigt, was man an Sex (und Gewalt) aufzubieten bereit ist, im weiteren Verlauf wird das jedoch deutlich zurückgenommen. So war es etwa auch bei "True Blood" oder "Rom". Vielleicht denken die Kreativen, sie könnten so Zuschauer für ihre Neustarts begeistern, die sonst eher Beate Uhse TV einschalten als HBO - oder in diesem Fall, eher YouPorn streamen als Crackle, den auch in den USA nicht sonderlich bekannten Video-on-Demand-Dienst, der diese Serie produzieren ließ.

Ein weiteres Merkmal ambitionierter, düsterer Dramaserien erfüllt "StartUp" ebenfalls von der ersten Szene an: Eine der männlichen Hauptfiguren ist ein egomanischer Unsympath. Martin Freeman spielt den FBI-Agenten Phil Rask, der nicht nur auf harten Sex steht, sondern auch ein erhebliches Kontrollproblem hat. Wenn er etwa in der zweiten Folge beim Ausparken von einem vorbeifahrenden Auto gestreift wird, fürchtet man bei der folgenden Konfrontation mit dem anderen Fahrer, er würde jeden Moment durchdrehen und den einfach zusammenschlagen. Von Beginn an ist klar: Auch wenn Rask auf der Seite der "Guten" steht, ist er alles andere als ein guter Mensch. Am Ende der zweiten Folge muss man sogar konstatieren, dass der Drogendealer Ronald Dacey (Edi Gathegi, "Dr. House", "The Blacklist"), der nicht gerade zimperlich mit Gegnern umgeht, insgesamt sympathischer erscheint. Zumindest wird er uns als liebender Familienvater präsentiert, während sich Rask nur für sich selbst zu interessieren scheint.

Aber der Reihe nach: FBI-Agent Rask ist einem Finanzmanager auf der Spur, der für jeden, der darum bittet, Geld wäscht. Nach der Begegnung zwischen Rask und diesem Andy Talman (Carl Weintraub) sucht der seinen Sohn Nick (Adam Brody) auf, der selbst bei einer Bank arbeitet. Nick soll nun für Andy das Geld außer Sichtweite des FBI bringen, um Daddy den Hals zu retten. Zwar weigert sich der Sohnemann zunächst, transferiert das Schwarzgeld dann aber doch auf das Konto einer jungen Frau, die kurz zuvor bei seiner Bank um einen Investitionskredit gebeten hat, mit der Präsentation ihrer Geschäftsidee aber bei Nicks Vorgesetzten abgeblitzt ist: Izzy Morales (heiß: Newcomerin Otmara Marrero) hat eine neue virtuelle Währung erfunden - eine Art verbessertes BitCoin -, die völlig anonyme Überweisungen per Internet möglich machen soll. Mit seiner illegalen Transferaktion schlägt Nick gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen rettet er seinen alten Herrn (zumindest vorerst) vor dem Knast, zum anderen ist der junge Banker aber auch von Morales' Idee überzeugt. Der Haken an der Sache ist nur, dass einer von Andys Auftraggebern, dessen Geld nun ohne seine Zustimmung auf Izzys Konto gelandet ist, der Drogengangster Dacey ist. Und der versteht nun wirklich keinen Spaß...

StartUp
Weiß zu überzeugen: Edi Gathegi als Drogendealer Ronald Dacey
Wie Ketai es schafft, diese mindestens drei höchst disparat erscheinenden Handlungsstränge am Ende der Pilotfolge respektive Beginn der zweiten Episode zusammenzuführen, entbehrt nicht einer gewissen Meisterschaft. In Folge 2 wird dann auch klar, was nun eigentlich das Kernthema der Serie sein soll: Zwei höchst sympathische junge Menschen (Nick und Izzy) arbeiten zusammen an einer Geschäftsidee, die die Welt verändern könnte, bekommen dabei aber (eher unfreiwillig) Unterstützung von einem brutalen Gangster. Dem bleigespickten oder vielmehr von Maschinengewehrsound geprägten Alltag dieses schwarzen, aus Haiti stammenden Drogendealers in seinem ärmlichen Wohnviertel in Miami stellt die Serie dann noch die white collar-Kriminalität der weißen Finanzmanager und Banker gegenüber. Die erscheint auf den ersten Blick zwar sauberer und weniger gefährlich, ermöglicht aber natürlich erst, dass die Drogenkartelle ihre Geschäfte machen können.

Für eine Serie, die "StartUp" heißt, ist das vielleicht ein Themenkomplex zu viel. Insbesondere die Sequenzen, die das Leben der ausschließlich schwarzen Drogenkriminellen und ihrer Kinder on the street zeigen, kennt man inzwischen aus US-Serien auch zur Genüge. Etwas weniger "The Wire"-Imitation wäre dem Serienauftakt hier ganz gut bekommen. Jedoch muss man sagen, dass dieses Milieu in der zweiten Folge doch für eine der packendsten (Action-)Szenen sorgt, deren Verlauf danach auch noch der Figur des Ronald Dacey mehr Tiefe verleiht. Trotzdem bleibt das für eine fiktionale Erzählung neue Thema, die Entwicklung der Computerwährung, zu sehr im Hintergrund. Wer eine weitere Serie über hochbegabte IT-Nerds im Stil von "Halt and Catch Fire" erwartet hatte, wird enttäuscht. Eher läuft es wohl auf ein Thrillerdrama über die Schnittstellen verschiedener krimineller Systeme hinaus: Alles ist in unserer globalisierten, technisch vernetzten Welt miteinander verbunden, scheint Ketai sagen zu wollen. Das erinnert dann tatsächlich sehr an "The Wire", allerdings mit mehr Action und vordergründigen Schauwerten.

Ein Pfund, mit dem diese Serie noch wird wuchern können, ist die hervorragende Besetzung. Adam Brody (Lanes erster fester Freund in "Gilmore Girls", der dann zu "O.C., California" wechselte) überzeugt als smarter, aber etwas unsicherer Finanzmensch genauso wie Otmara Marrero als geniale, aber toughe Programmiererin, die versucht, ihrem ärmlichen kubanisch-amerikanischen Elternhaus zu entkommen. Martin Freeman ist eigentlich immer gut, auch wenn er hier nicht viel mehr als eine Variation seines skrupellosen Lester Nygaard aus der zweiten Hälfte der ersten "Fargo"-Staffel abliefert. Die eigentliche Überraschung der Auftaktfolgen ist aber Edi Gathegi, der seine bekannteren männlichen Cast-Kollegen vor allem in Folge 2 locker an die Wand spielt.

Mit "StartUp" hat Crackle, noch relativ neu in diesem Geschäft mit fiktionalen Eigenproduktionen, ziemlich hoch gepokert. Die Besetzung dürfte nicht ganz billig gewesen sein, der Serienschöpfer ist weitgehend unbekannt (hat aber für Crackle schon "Chosen" mit Milo Ventimiglia entwickelt), das Thema auf den ersten Blick nicht allzu massentauglich. Mit seinem interessanten Genre- und Themenmix könnte die Serie aber durchaus einige Anhänger von HBO- oder AMC-Dramen an sich (und damit an den Streamingdienst) binden. Vorausgesetzt, sie sind bereit, etwas Geduld aufzubringen, bis sich die zunächst verwirrend nebeneinander herlaufenden Handlungsstränge zusammenfügen - und über die im Piloten etwas zu offensichtlich zur Schau gestellten Oberflächlichkeiten hinwegzusehen.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie.

Meine Wertung: 4/5

Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: Crackle


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Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.