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TV-Kritik/Review: Westworld
(11.10.2016)

Und täglich grüßt das Murmeltier... So kann man wohl das "Leben" der menschenähnlichen Androiden im futuristischen Freizeitpark
HBOs Science-Fiction-Serie "Westworld" ist eines jener TV-Projekte, die schon Jahre, bevor sie tatsächlich anlaufen, einen Riesenhype auslösen. Von manchen Serienfans und Kritikern wurde sie herbeigesehnt, als sei sie nicht nur die letzte Hoffnung des Premiumsenders, auch nach dem absehbaren Ende von 
Das Problem der künstlich geschaffenen Humanoiden, die irgendwann so intelligent werden, dass sie die Schnauze voll davon haben, nur den Menschen als Arbeits- oder Sexsklaven zu dienen, hat etwa die schwedische SF-Serie
Aus der Filmvorlage haben die Serienschöpfer im Grunde nur das Setting übernommen (und auch das nicht einmal komplett, denn bei Michael Crichton gab es in dem Freizeitpark neben der Westworld auch noch einen Mittelalter- und einen Altes-Rom-Bereich), natürlich an heutige Erzählmuster angepasst. So sind die Androiden keine tumben Roboter mehr, die hölzern vorgegebene Handlungsschritte abarbeiten, sondern flexiblere Wesen, deren künstliche Intelligenz einen Grad erreicht hat, der erlaubt, sich überhaupt ihrer Selbst bewusst werden zu können. Die Replikanten aus "Blade Runner" lassen hier ebenso grüßen wie die Zylonen. Allzu logisch ist dieses modernisierte Worldbuilding aber nicht ausgefallen: Warum immer viel mehr Androiden gleichzeitig in den Westernszenarien zu sehen sind als Besucher, obwohl angeblich 14.000 Gäste gleichzeitig im Park sind, bleibt unklar. Ebenso wirkt es aus ökonomischer Sicht völlig unplausibel, dass die Androiden einen Großteil der Zeit nur untereinander agieren, auch wenn gar kein Besucher in der Nähe ist (die gelieferte Begründung dafür erscheint eher von den Autoren vorgeschoben, um ihr eigenes Storytelling zu rechtfertigen). Im Vergleich etwa zur Neuauflage von "Battlestar Galactica" folgt hier das ganze Konzept noch zu sehr ausgetretenen Erzählpfaden, um über die Schauwerte hinaus fesseln zu können.
Auch die zahlreichen Stars, die man für die Hauptrollen gewinnen konnte, sind bisher verschenkt. Was weniger an den Schauspielern selbst liegt, als daran, dass die Drehbücher ihnen kaum etwas zu tun geben - mit Ausnahme von Evan Rachel Wood, der Entdeckung dieser Serie. Sie lässt immer erahnen, dass hinter der glatt-schönen Oberfläche ihrer Figur tiefe Abgründe lauern. Hingegen kommt Anthony Hopkins - wohl der größte Name auf der Castliste - nicht über seinen üblichen nachdenklich-melancholischen Blick hinaus. Auch Ed Harris - der hier quasi den Yul Brynner gibt - bleibt im Stereotyp des gewissenlosen Gunslinger stecken. Insgesamt machen die ersten Folgen einen dermaßen uninspirierten Eindruck, dass sich die These verfestigt, HBO habe seine kreative Führerschaft im US-Serienbusiness längst an andere Anbieter verloren.
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie.
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: HBO
Über den Autor
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Leserkommentare
TheBlutsvente schrieb am 29.07.2020, 11.36 Uhr:
3 Staffeln später....
Staffel 1: Mir erging es ganz genau so wie Marcus. Mit dem Wissen um die verschiedenen Zeitebenen werde ich nochmal einen Anlauf machen und schauen, ob das meine Wahrnehmung verbessert. Tatsächlich war ich - als Fan der 70'er Filme - schwer enttäuscht, mit wie wenig Tempo und wirklich erkennbare Richtung diese "Neuauflage" erzählt wird. Wenn also das Ziel nicht halbwegs klar (eher das genaue Gegenteil - was wohl gewünscht ist) ist, wie soll man dann aber mitfiebern...?
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