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Die "Nanny" besucht die "Zweiflers" und auch die "Charité" hat wieder geöffnet

ARD Serien-Spotlight 2026 mit Überraschungen und Stars von Moritz Bleibtreu bis Sylvie Meis
Die Stars der kommenden ARD-Serienhighlights 2026/27 bei der Präsentation in Berlin
ARD/Julian Essink

Zirkusromantik, die  "Nanny" bei den  "Zweiflers" und Neues aus der  "Charité": Im zweiten Jahr in Folge streute der "ARD Serien-Spotlight" am Donnerstagsabend in Berlin ein paar veritable Überraschungen unters Volk. Zehn in der Herbst-Winter-Saison oder in absehbarer Zukunft startende Neuproduktionen wurden insgesamt vorgestellt - im Beisein von Stars wie Moritz Bleibtreu oder Sylvie Meis. Klares Ziel des Events: die Etablierung der ARD Mediathek als Anlaufstelle für Fans ungewöhnlicher deutschsprachiger Serien. In diesem Jahr ging's von Sylt über Frankfurt und Köln-Porz bis ins historische München.

Geschichten aus Deutschland zu erzählen, darum geht es den Verantwortlichen der ARD Mediathek zuallererst, wenn man denn Sophie Burckhardt Glauben schenken möchte. Gemeinsam mit Christoph Pellander, Geschäftsführer der ARD Degeto Film, hatte die Channelmanagerin der Mediathek gleich zu Beginn der Szenen- und Trailerschau die Bühne erklommen, um eine Art Geleitwort an die Gäste zu richten: Menschen brauchen Geschichten und Orte, in denen sie sich wiedererkennen, sagte sie. Identifikation schaffe Verbundenheit - daraus könne gesellschaftlicher Zusammenhalt erwachsen. Hehre Worte sind das in Zeiten, in denen gewisse politische Kräfte im Land die Axt an die öffentlich-rechtlichen Sender legen wollen und zwei Drittel der Zugriffe auf die Mediathek fiktionalen Inhalten gelten.

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Nach kurz geteiltem Stolz über den soeben eingefahrenen Erfolg mit der fünften  "Babylon Berlin"-Staffel und deren bislang schon zwölf Millionen Abrufen in der Mediathek (Pellander: "eine Benchmark") übernahm Tabea Werner das Ruder: Die Pressesprecherin der ARD-Programmredaktion führte wie schon im vergangenen Jahr mit Schwung durch den späten Nachmittag im plüschblauen Kino der EventLocation AchtBerlin, sichtlich erquickt davon, den mit Weingummi und Popcorn wohlversorgten Anwesenden die eine oder andere "weltexklusive" Neuigkeit vorzusetzen.

DIE ZWEIFLERS, Staffel 2

Melissa (Fran Drescher, l.), Samuel (Aaron Altaras, M.) und Mimi Zweifler (Sunnyi Melles, r.)
Melissa (Fran Drescher, l.), Samuel (Aaron Altaras, M.) und Mimi Zweifler (Sunnyi Melles, r.) ARD Degeto Film/Turbokultur GmbH/Phillip Kaminiak/Elliot Kreyenberg/Retouch: Degim

Alle sechs Folgen ab 15.1.2027 in der ARD Mediathek

Das erste Hallo gab es gleich, als der Trailer zur zweiten Staffel von  "Die Zweiflers" über die Leinwand flimmerte. War das nicht...? Ja, das war sie! Fran Drescher, die zweifach Emmy- und Golden-Globe-gekrönte "Nanny" aus der gleichnamigen Neunzigerjahre-Kultserie, spielt im neuen Chaos-Abenteuer rund um die herrlich neurotische jüdische Familie aus Frankfurt am Main eine - so heißt es - tragende Rolle. David Hadda, Hauptautor und Co-Regisseur der Serie, berichtete, man habe die New Yorker Schauspielerin ins deutsche New York locken wollen, also nach Frankfurt. Er habe "lange daran herumgeschrieben" und ihr das Ergebnis schließlich erfolgreich angeboten. Sicherlich war es hilfreich, dass die erste Staffel nicht nur national vom Deutschen Fernsehpreis bis zum Grimme-Preis alles gewinnen konnte, was an Auszeichnungen Rang und Namen hat, sondern auch international (von Cannes bis Venedig) jede Menge Awards abräumte. Neben Drescher sind in der neuen Staffel, in der verdrängte Konflikte (und Verbrechen!) aus der Familienvergangenheit für neuen Tumult sorgen, u.a. auch Esther Schweins, Martina Gedeck und Ilja Richter mit dabei. Wir haben uns gefragt, erzählte Hadda, was das Schlimmste wäre, was der Familie Zweifler passieren könnte. Und daran haben wir viel Freude gefunden.

CHARITÉ 1831

ARD Degeto Film/MDR/UFA Fiction/UFA Mitte/Melanie Hövelborn/Hintergrund KI-bearbeitet

Alle vier Folgen ab 18.12.2026 in der ARD Mediathek, am 22.12. im Ersten

Bestens geheim gehalten hatte die ARD die Tatsache, dass eine fünfte Staffel der viel gefeierten Krankenhausserie  "Charité" nicht nur geplant war, sondern auch schon komplett gedreht wurde, um nun pünktlich vor dem Fest in der Mediathek aufzuschlagen. Nachdem die vierte Staffel in die Zukunft des Jahres 2049 vorangeprescht war, geht es in "Charité 1831" in Form eines waschechten Prequels zurück ins 19. Jahrhundert und damit, dem Titel ist es abzulesen, noch einmal gut sechs Jahrzehnte hinter die von Sönke Wortmann inszenierte erste Staffel zurück. Wie immer werden Medizingeschichte und fiktive Figurenschicksale miteinander verquickt. Diesmal geht es um die ehrgeizige Unterärztin Overath (Marlene Burow), die sich als Mann verkleidet, um an der Charité studieren zu dürfen, und den idealistischen Armenarzt Calow - gespielt von Philip Froissant, der sich (bedingt durch seinen Part als Franz Joseph in  "Die Kaiserin") bestens im 19. Jahrhundert auskennt, diesmal aber vom österreichisch-ungarischen ins preußische Outfit umgetopft wurde. Es sei ein Kindheitstraum für ihn, vor der Kamera in historische Figuren hineinschlüpfen zu dürfen, erzählte Froissant in Berlin: Ich war schon immer ein Geschichtsfreak. Burow hingegen war vor allem von der Selbstverständlichkeit begeistert, mit der ihre Figur den Geschlechtertausch durchsurft: Wenn das Thema Geschlecht dann aber aufkommt, dreht sich sofort der Blickwinkel. Overath und Calow bekommen es mit der verheerenden Cholera-Pandemie zu tun, die 1831 in Berlin ausbrach und, so vermuten manche, auch dem Philosophen Hegel das Leben raubte. Mit dabei sind u.a. Harald Krassnitzer, Dominic Raacke und Anna Schudt.

DER CIRCUS - WELT DER TRÄUME (Arbeitstitel)

Pauline (Julia Novohradsky) enthüllt akrobatisch das neue Eingangsportal des Zirkuszelts
Pauline (Julia Novohradsky) enthüllt akrobatisch das neue Eingangsportal des Zirkuszelts ARD Degeto Film/BR/Dreamtool Entertainment GmbH/Michael Schreitel (Repro)

Geplant für Ende 2027

Ebenfalls brandneu vermeldet wurde eine Serie, die wohl das Weihnachtsprogramm des kommenden Jahres zieren dürfte. Wieder ist es eine Zeitreise, die diesmal aber ins München des frühen 20. Jahrhunderts führt. Wie im neuen "Charité" geht es auch hier ums weibliche Empowerment: Um ihren Traum zu verwirklichen, nach Neuseeland zu reisen, "wo eine Frau werden darf, was sie will, landet die junge Diebin Pauline (Julia Novohradsky) versehentlich beim Zirkus. Das erfolglose Unternehmen will Direktor Carl (Rick Okon) eigentlich verscherbeln, doch als er zum ersten Mal in der Manege steht, plant er Legendäres: "das größte Zelt der Welt", mit elektrischer Beleuchtung und Livemusik! Angelehnt an die Geschichte des berühmten Circus Krone erzählen Headautor Simon X. Rost und  "Sisi"-Regisseur Sven Bohse eine emotional wärmende Story um Wahlfamilien, fiese Tierhändler (Heino Ferch mit verdächtiger Perücke!) und wilde Löwenbändigerinnen (Laura Berlin). Die Serie erzählt auch von der Geburtsstunde des Showbusiness in Deutschland, hängte Degeto-Redaktionsleiter Karsten Günther das Projekt am Donnerstag ganz oben ans dramaturgische Hochseil. 20.000 Quadratmeter Sets wurden aufgebaut, CGI und KI kamen zudem weitflächig zum Einsatz - die Tierwelt etwa kommt zu guten Teilen aus dem Rechner. Die ersten Bilder der noch in Produktion befindlichen Serie, präsentiert zu donnernder Popmusik, sehen tatsächlich nach 1A-Feiertags-Entertainment aus - große Gefühle in pompösen Kulissen, reitende Schöne in Zeitlupe, Liebespaare unter der Kuppel plus finstere Machenschaften, bildwirksam dargereicht in bonbonfarbener Optik. Wie viel Substanz in diesem Märchen steckt, bleibt abzuwarten.

Neben diesen drei absoluten Neuigkeiten führte die Tour-de-Trailer beim ARD Serien-Spotlight auch durch sieben Serien, deren geplanter Start schon zuvor bekannt gegeben wurde - bei drei von ihnen steht ein genaues Datum allerdings noch nicht fest.

BOLZEN (Arbeitstitel)

SWR/Montavia Filmproduktion/Pascal Malamas

Geplant: 2027 in der ARD Mediathek

Gerade erst fertiggedreht und noch ohne Termin ist die Comedyserie  "Bolzen", die von einem gefallenen Fußballstar handelt (gespielt vom tatsächlich bolzerfahrenen Ben Felipe aus "Maxton Hall"), der nach seinem kurzem Höhenflug wieder krachend bei seinem Heimatverein landet - unten in der Kreisliga. Dort geht es eher um Bier und Bratwurst als um die Kickerei auf dem Platz. Mit u. a. Valerie Niehaus, Lena Klenke und Claude-Oliver Rudolph in weiteren Rollen sowie Cameos realer Bolzplatzhelden wie Lukas Podolski, Mario Basler oder Alexandra Popp liefern die von Andrej Sorin geschriebenen 25-Minuten-Episoden mit Mockumentary-Anteilen offenbar jede Menge Slapstick mit dem Herz am rechten Fleck - die präsentierten ersten Ausschnitte frisch aus der Schnitt-Werkstatt ließen jedenfalls erkennen, dass die Macher viel Wert auf gutes Timing und schnoddrige Dialoge gelegt haben. Wenn sich das über die kompletten acht Folgen halten lässt, könnte hier ein kleiner, feiner Comedy-Hit schlummern: "Bolzen" sei keine Serie, die man macht, um viel Geld zu verdienen, sagte Sorin am Donnerstag. Sie ist ein echtes Herzensprojekt.

MABUSE (Arbeitstitel)

Gert Lohmann (Friedrich Mücke), Lothar Wenk (Clemens Schick) und Selena Baum (Marie Bloching) in "Mabuse" (AT)
Gert Lohmann (Friedrich Mücke), Lothar Wenk (Clemens Schick) und Selena Baum (Marie Bloching) in "Mabuse" (AT) ARD Degeto Film/HR/Keshet Fiction Germany/CCC Filmkunst/Tomáš Mikule

Geplant: 2027 in der ARD Mediathek

Auch die Serie  "Mabuse" um den wiederauferstandenen Meister-Manipulator des deutschen Thrillerkinos hat wenige Wochen nach dem Ende der Dreharbeiten noch kein fixes Release-Datum. Ein in Anwesenheit der Hauptdarsteller Friedrich Mücke und Marie Bloching als Weltpremiere gezeigtes "Sizzle Reel" mit Szenen-Highlights zeigte aber schon ziemlich gut, wohin die Reise geht: Die sechs in Prag gedrehten Episoden verlegen die ikonische Superschurkenfigur in ein sehr heutiges Cyber-Thriller-Szenario rund um virtuelle Realitäten, algorithmengesteuerte Desinformation und andere Elemente, die inzwischen Gesellschaft und Politik bestimmen. Der berühmte Dr. Mabuse geistert derweil als Avatar durch diese digitale Schattenwelt - wer sich hinter ihm verbirgt, ist unklar. Über Fake News, KI, Deep Fakes und Social Media ist das Spielfeld für Mabuse noch viel größer geworden, beschrieb Produzentin Christina Christ die Idee. Für uns ist das eine auch erschreckende Brücke in die Realität.

ALL HEROES ARE BASTARDS

Sero el Mero (Rolle: Malek, l.), Funda Bostanlik (Rolle: Dinam, M.), Joyyy (Jovana Jovic, Rolle: Amira Albes, r.)
Sero el Mero (Rolle: Malek, l.), Funda Bostanlik (Rolle: Dinam, M.), Joyyy (Jovana Jovic, Rolle: Amira Albes, r.) ARD Degeto Film | btf productions | Picture Me Rollin | Mahmoud Belakhel (Repro)

Geplant: Frühjahr 2027 in der ARD Mediathek

Etwas näher an einem fixen Starttermin (im kommenden Frühjahr) sind die sechs Episoden von  "All Heroes Are Bastards", eine Fantasy-Dramaserie, die gut als Köln-Porzer Antwort aufs Marvel Cinematic Universe durchgehen könnte: Drei migrantische Außenseiter gelangen durch ein mysteriöses Artefakt an Superkräfte, ziehen gegen ein korruptes Regime zu Felde und müssen Kinder aus ihrem Kölner Viertel finden, die von ihren Familien getrennt wurden und verschwunden sind. Die gezeigten Ausschnitte machten ganz gut deutlich, wie hier schwarzer Humor, Gesellschaftsdystopie und Superhelden-Comic-Überschwang zusammengehen sollen. In der Regie von Esra und Patrick Phul ( "Hype") sieht das Ganze sehr zeitgenössisch aus, gemeinsam mit ihrem Hauptdarsteller Kebir Sargin stellten sie die Serie in Berlin vor. Sargin ist sonst als Rapper Sero el Mero unterwegs und spielt hier seine erste Schauspielrolle: Ich hatte das Glück, dass Esra und Patrick mir im Casting das Gefühl gegeben haben, dass sie sehr an mich geglaubt haben und ich wie für die Rolle gemacht bin, erinnerte er sich. Das Regieduo, bekennende Marvel-Fans, hatte für das Projekt gezielt im YouTube-, TikTok- und Rap-Kosmos gesucht, um den Cast zusammenzustellen.

WESTEND GIRL

WDR/Flare Film/Beta Film/Elliott Kreyenberg/Alex Curtius/KI-bearbeitet

Alle sechs Folgen ab 4. Dezember in der ARD Mediathek, 9.+11. Dezember im Ersten

Im Advent startet das sechsteilige Thriller-Drama  "Westend Girl", das, wie es so schön heißt, "nach wahren Begebenheiten" gedreht wurde. Erzählt wird die Geschichte einer gerade 18 Jahre alt gewordenen Schülerin namens Ronja, deren behütetes Leben als Tochter wohlhabender Eltern in Düsseldorf unsanft unterbrochen wird, als sie erfahren muss, dass genau diese Eltern verhaftet wurden - unter dem Verdacht, bandenmäßigen Drogenhandel zu betreiben. Als Ermittlerin in eigener Sache dringt sie nun vor in ihre eigene Familiengeschichte, die sich als Lüge herausstellt. Wird sie sich gegen ihre Eltern stellen? Besonders interessant ist die Serie, weil sie für Helena Zengel die erste erwachsene Hauptrolle bereithält. Der ehemalige Kinderstar, bekannt geworden als  "Systemsprenger" und anschließend neben Tom Hanks in "News of the World" im Wilden Westen unterwegs, kann sich in dieser von  "4 Blocks"-Autor Richard Kropf mitgeschriebenen Serie für ein neues Rollenspektrum empfehlen. In Berlin tauchte sie mit frischer Kurzhaarfrisur auf und erzählte, dass auch die reale "Ronja" ins Projekt involviert gewesen sei: Das war sehr schön und sehr nah, bekannte sie. "Ich habe dabei viel gelernt, auch über mich selbst. Was sie aus der Arbeit an der Serie gelernt habe? Don't do drugs, kids!

RITUS

Alle sechs Folgen ab 27. November in der ARD Mediathek, 27.+28. November im Ersten

Schon im letzten Jahr war  "Ritus" Thema beim ARD Serien-Spotlight, damals noch unter dem Arbeitstitel  "Seelendorf". Ein Jahr später steht der Start der sechsteiligen Mystery-Thrillerserie nun bevor - Ende November ist es so weit. Die beiden Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Maximilian Mundt ließen es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen und neue Ausschnitte mitzubringen; sonderlich viel schlauer über den mit Horror-Elementen gespickten und offenbar sehr von Spoilern umzingelten Plot rund um einen See, den Mond, verstörende Visionen und verschwundene Kinder wurde man daraus freilich auch nicht. Dass Regisseur und Co-Autor Jonathan Behr mit Genre-Versatzstücken umzugehen versteht, wurde daraus allerdings sehr wohl deutlich. Sehr öffentlich-rechtlich!, scherzte Moderatorin Werner nach dem ersten veritablen Jump Scare, während Produzentin Nanni Erben die Serie als beispielhaften Versuch benannte, neue Zielgruppen zu erreichen für die ARD Mediathek. Im besten Fall, beruhigte sie, springt der Herzschrittmacher der älteren Generation dabei nicht an. Und Bleibtreu? Er spielt den Kommissar, der zu Beginn die Leiche findet, die alles ins Rollen bringen. Seine Rolle sieht er so: Die Serie ist für mich das erste Mal, dass der Fall den Kommissar löst und nicht andersherum.

DIE FRIESENJUNKIES

Alle acht Folgen ab 6. November in der ARD Mediathek, 13.+14. November im Ersten

Nur noch wenige Wochen sind es derweil bis zum Start der Impro-Dramedy  "Die Friesenjunkies", die eine Gruppe Suchtkranker mit unterschiedlichsten Hintergründen in eine Sylter Entzugsklinik schickt. Mit Martin Brambach, Marie-Lou Sellem, Nicole Heesters, Marc Hosemann, Peter Kurth und vielen anderen steht den  "Discounter"- und  "Player of Ibiza"-Machern Emil und Oskar Belton (Regie und Buch) nicht nur eine Art Who-is-Who deutscher Schauspieler zur Verfügung, denen man das halb-improvisierte Spiel mit gesellschaftlichen Tabus tatsächlich zutrauen würde. Zudem nämlich konnte mit dem niederländischen It-Girl Sylvie Meis, derzeit hauptamtlich  "Love Island"-Moderatorin, auch jemand gewonnen werden, der auf den ersten Blick aus dieser Riege herauszufallen scheint. Doch offenbar hat sie sich beim Dreh idealstmöglich eingefügt in die illustre Schar - obgleich die ARD, wie Meis am Donnerstag ungeniert enthüllte, die Produktion anwies, Sylvie Meis möglichst nicht wie Sylvie Meis sein zu lassen. Oskar Belton jedenfalls attestierte ihr ein sensibles Bauchgefühl für Timing" und "einen guten Sinn für Impro. Trailer und Ausschnitte deuten darauf hin, dass der Genre- und Stilmix ebenso aufzugehen scheint wie der selbstgestellte Anspruch, Sucht- und andere psychische Krankheiten - bei allem Witz - auch ernst zu nehmen.

BREITSCHEIDPLATZ 19/12

Alle sechs Folgen ab 30. Oktober in der ARD Mediathek, 1.+6. November im Ersten

Schon Ende des Monats schließlich startet mit  "Breitscheidplatz 19/12" eine Produktion, die allemal das Zeug zur Prestigeserie hat. Nach der Weltpremiere auf dem Filmfestival in Toronto im September wurde ihr kürzlich beim Hamburger Filmfest bereits der Produzentenpreis für deutsche Fernsehproduktionen zugesprochen; mutmaßlich wird rund um die Veröffentlichung noch sehr viel über die deutsch-österreichische Co-Produktion gesprochen. Anlass ist der im Dezember anstehende zehnjährige Jahrestag des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz - dem bislang schlimmsten islamistischen Attentat in Deutschland, mit 13 Toten.

Der Serientitel zieht mit den Datumszahlen gezielt die Analogie zu den Anschlägen aufs World Trade Center an 9/11. Der Anschlag selbst steht in der Serie allerdings nicht im Zentrum, sie setzt anderthalb Jahre zuvor ein, als der Staatschützer Frank Laudin (gespielt von Albrecht Schuch) den Ex-Kriminellen Murat Cem (Tamer Tıraşoğlu) als Informanten ins Milieu des Islamischen Staats einschleust. Als der spätere Attentäter Anis Amri ins Visier gerät, ist das längst nicht für alle im BKA ein Grund für Besorgnis. Der Frage, ob die grauenvolle Tat hätte verhindert werden können, stellt sich Regisseur und Autor David Nawrath ( "Euer Ehren") auf Basis der verfügbaren Fakten, keine einfache Aufgabe angesichts der vielfach geschwärzten Behördendokumente. Tirasoglu und Hauptdarstellerin Bayan Layla (seit "Elaha" eine der vielversprechendsten Darstellerinnen in Deutschland), die in der Serie eine junge Polizistin spielt, betonten beide die Verantwortung, die sie bei dem Projekt gespürt hätten - und berichteten von der Premiere in Hamburg, nach der sich eine Gruppe Angehöriger der beim Anschlag Getöteten bei ihnen persönlich bedankt hätten. Schon das lässt hoffen, dass mit dem sehr sensiblen Stoff vonseiten der Produktion sehr sorgfältig umgegangen wurde.

Fazit

Vom Bolzplatz-Slapstick bis zur zeitgeschichtlichen Tragödie, von der Superhelden-Action zum gediegenen Historiendrama: Allerlei Zielgruppen wurden bedient auf diesem wilden Ritt durchs Serienprogramm der ARD Mediathek. Zu Ende ging der "Serien-Spotlight" gesellig an der Bar. Was aber schlussendlich bleiben wird von allen den Vorschusslorbeeren und der glaubhaften Begeisterung der Beteiligten - das weiß man nie so recht nach Veranstaltungen wie diesen, bei denen es sich selbstverständlich um PR-Events handelt. Ob eine neue "Benchmark" dabei ist? Auszuschließen ist das nicht. Bei vielen der vorgestellten Serien stehen die Chancen gut, dass noch viel von ihnen die Rede sein wird.



 

Über den Autor

Gian-Philip Andreas hat Kom­mu­ni­ka­tions­wis­sen­schaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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