Das Film- und Fernsehserien-Infoportal
Log-In für "Meine Wunschliste"
Passwort vergessen
  • Bitte trage Deine E-Mail-Adresse ein, damit wir Dir ein neues Passwort zuschicken können:
  • Log-In | Neu registrieren
Registrierung zur E-Mail-Benachrichtigung
  • Anmeldung zur kostenlosen Serienstart-Benachrichtigung für

  • E-Mail-Adresse
  • Für eine vollständige und rechtzeitige Benachrichtigung übernehmen wir keine Garantie.
  • Fragen & Antworten

TV-Kritik/Review: "City of Blood": Vampire, Klimakrise und Rechtspopulismus in gelungener Berlin-Serie

Deutsches Starensemble kämpft um Macht und Leben
"City of Blood"
Disney+

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Klimaerwärmung Berlin voll im Griff. Die Temperaturen steigen täglich auf mindestens 40 Grad, die Spree ist versiegt. Eine nicht näher benannte Pandemie hat ihr Übriges dazu getan, dass die Metropole vor die Hunde gegangen ist. Während einer Desinfektionsaktion der Polizei hat die kleine Bea die Wohnung nicht rechtzeitig verlassen. Ihre große Schwester Phoebe kommt zu spät, um sie vor der giftigen Wolke zu retten. 15 Jahre später sind die Schwestern seit langem getrennt: Bea wurde von einer Frau adoptiert, die heute Bauministerin ist, Phoebe kämpft sich weiter alleine auf der Straße durch. Deutschland ist in viele Kleinstaaten zerfallen, Berlin durch einen riesigen Klimadom noch stärker in eine Ober- und eine Unterschicht getrennt. Aber niemand ahnt, wer wirklich hinter diesem gigantischen Projekt steckt.

 "City of Blood" heißt die neue deutsche Eigenproduktion von Disney+, lose basierend auf dem Comic Berlinoir von Tobias O. Meißner und Reinhard Kleist. Letzterer ist heute einer der renommiertesten Comiczeichner hierzulande, bekannt vor allem für seine Graphic Novels über Popstars wie David Bowie, Nick Cave oder Johnny Cash sowie andere berühmte Menschen. Seine Anfänge liegen aber im Genrecomic und so benutzen auch die SerienautorInnen um Philipp Kadelbach und Elena Lyubarskaya Motive des Horrorgenres, um in ihren acht Episoden von höchst realen und gegenwärtigen Problemen zu erzählen.

✉ Frische News täglich in deiner Inbox

Erhalte aAlle neuen Meldungen jeden Tag gratis per Mail.
In der Republik Berlin stehen die Wahlen bevor. Die amtierende Ministerpräsidentin Hilda Klein (Dagmar Manzel), eine moderate Politikerin, steht unter Druck: Der junge charismatische Neuparteigründer Oliver Lawal (David Schütter) macht ihr mit populistischen Forderungen Konkurrenz. Lawal kommt aus zweifelhaftem Milieu, hat aber in eine reiche persische Familie eingeheiratet. Seine Ehefrau Farah (Melika Foroutan) managt seinen Wahlkampf. Aber Lawal hat auch ein Problem mit seiner Impulskontrolle. Unterdessen trifft Bea (Lea Drinda) nach 15 Jahren wieder auf ihre Schwester Phoebe (Soma Pysall). Bea leidet seit der Giftwolke unter Nierenversagen und ihre Adoptivmutter Laura Hoffmann, die Ministerin (Jördis Triebel), hat Phoebe ausfindig gemacht, damit diese eine Niere spenden kann.

Muss auf Berlins Straßen überleben: Phoebe (Soma Pysall)
Muss auf Berlins Straßen überleben: Phoebe (Soma Pysall) The Walt Disney Company

Doch wenige Tage vor der Operation ist Phoebe plötzlich verschwunden. Sie wurde von einer Gruppe seltsamer Männer (und weniger Frauen) entführt, die sich als Vampire entpuppen und auf abgesperrtem Gelände Jagd auf ihre Opfer machen. Zu Hilfe kommt ihr in letzter Minute Johan Moderson (Franz Hartwig), Großunternehmer und selbst auch Vampir, der allerdings keine Lust mehr auf Gewalt hat. Er sucht nach einem legalen Weg, den Blutdurst seiner Artgenossen zu stillen, und will diesen durch politischen Einfluss durchsetzen. Und dazu kommt ihm ein populistischer Politiker wie Lawal gerade recht...

Klimaerwärmung, Pandemie, Aufstieg rechtsradikaler Parteien, zunehmende gesellschaftliche Spaltung in arm und reich, (drohender) Zerfall Deutschlands - es sind viele (teilweise erschreckend) aktuelle Themen, die "City of Blood" aufgreift. Manche werden nur kurz gestreift wie die Pandemie am Anfang, manche spielen eine zentrale Rolle. Da ist zum einen die allgegenwärtige Hitze, die weite Teile Berlins in eine Ruinenlandschaft verwandelt hat - ein Lob gebührt hier den Setdesignern und Location Scouts -, in der die Massen ums Überleben kämpfen, während reiche Oligarchen aus anderen Ländern unter dem vor einem halben Jahr erbauten Klimadom mit regulierter Temperatur und sauberer Luft wie im Paradies leben. Treffenderweise befindet sich der Dom über dem heute schon reichen Charlottenburg, mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als Blickfang.

Lange getrennte Schwestern: Phoebe und Bea (Lea Drinda)
Lange getrennte Schwestern: Phoebe und Bea (Lea Drinda) The Walt Disney Company

Zum anderen geht es um den Kampf zwischen demokratischen und rechtspopulistischen Politikern, wodurch die Serie wenige Tage nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt - und kurz vor den tatsächlichen Wahlen in Berlin - zusätzliche Relevanz gewinnt. Dabei ist Oliver Lawal nicht mal besonders unsympathisch, sondern wird letztlich als Marionette ganz anderer Kräfte gezeigt. Auch hier liegen Parallelen zu realen rechten Vorzeige-Posterboys und ihren ideologischen Hintermännern auf der Hand.

Die Serie fährt ein fast unglaubliches Aufgebot deutscher TV-Stars auf, das alle Generationen umfasst: von Ex-"Tatort"-Kommissarin Manzel als Regierungschefin über Triebel ("KDD",  "Dark") und Foroutan (ebenfalls  "KDD" und aktuell im Frankfurter  "Tatort") sowie Jenny Schily als Obervampirin bis zu den Jungstars Drinda ( "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") und Pysall ( "Para - Wir sind King"). Insbesondere letztere stach schon in der sehr empfehlenswerten Coming-of-Age-Serie von Warner Bros. TV hervor, die inzwischen bei HBO Max verfügbar ist. Etwas zu sehr in Richtung Type-Casting geht vielleicht die Besetzung des ohnehin allgegenwärtigen Lars Eidinger als hedonistischer Vampir Zeno, der kein Mitleid kennt und gerne mal in einer Wanne voll Blut badet. Andererseits sorgt er auch für herrliche Kinski-Momente, etwa wenn er, nachdem er ein Opfer erlegt hat, crazy zu tanzen anfängt.

Gruppenbild mit Vampiren (Lars Eidinger, hinten, Jenny Schily, Mitte)
Gruppenbild mit Vampiren (Lars Eidinger, hinten, Jenny Schily, Mitte) The Walt Disney Company

Auf Drehbuchebene versuchen die AutorInnen, einen ausgewogenen Mix aus Actionszenen und Dialogen zu finden, was nicht immer gelingt. Nach einer Auftaktepisode, an der wenig auszusetzen ist, leidet der Fortgang der Handlung zunehmend an Glaubwürdigkeit und Logik. Und die Tiefe, die in manchen intimeren Szenen, etwa zwischen Pysall und Hartwig, angestrebt wird, wird nicht so recht erreicht. Rundum gelungen ist die Serie hingegen handwerklich, was etwa Bildgestaltung und Musik angeht. So erklingen unter anderem ungewöhnliche Coverversionen von Popklassikern wie Foreigners I Want to Know What Love Is.

Insgesamt ist "City of Blood" nicht der ganz große Wurf, aber doch eine willkommene Abwechslung in der deutschen Serienlandschaft, die unter Genre sonst ja meistens nur Krimi versteht.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier Episoden von "City of Blood".

Meine Wertung: 3.5/5

Die achtteilige Miniserie startet am Mittwoch, den 16. September, bei Disney+.



 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

auch interessant

Beitrag melden

  •  

Leserkommentare

  • Lysander schrieb am 16.09.2026, 15.06 Uhr:
    Vampire? Damit kommt die Serien 10 Jahre zu spät :-)
  • Torsten S schrieb am 16.09.2026, 11.16 Uhr:
    Boah, wann bekommt es mal jemand hin eine deutsche Mysterie-Serie zu machen ohne diesen ewigen Nebensächlickeiten. Es ist so eine typische deutsche Art sich bei Serien (egal welches Genre) immer noch mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Sei es um Familien oder wie hier, um Umwelt usw. Keine, absolut keine Serie aus Deutschland liegt mal den Fokus nur auf den eigentlichen Plot. Es muss immer noch mehr hineingequetsch werden, obwohl das niemanden interessiert. Das war auch schon das Problem bei Dark die teilweise so völlig Unverständlich wurde, weil man immer mehr und mehr hineinbringen wollte. Auch diese Serie wird es daher nicht lange schaffen, sich zu halten.
  • Batman schrieb am 16.09.2026, 05.41 Uhr:
    wen interessieren denn noch Serien mit Fangzähnen, das Thema ist so etwas von ausgelutscht, die Fangzähne sind einfach out, das hat man in Deutschland wohl nicht erkannt, auch bei mir kommt Disney nicht ins Haus ...
  • Phantomias schrieb am 16.09.2026, 08.53 Uhr:
    Heul leise
  • User 1810564 schrieb am 15.09.2026, 21.32 Uhr:
    "Klimaerwärmung, Pandemie, Aufstieg rechtsradikaler Parteien" – da fehlt nur noch Russland, um den Irrsinn zu komplettieren. "Auch hier liegen Parallelen zu realen rechten Vorzeige-Posterboys und ihren ideologischen Hintermännern auf der Hand", man könnte denken, es handle sich um eine Kritik des Spiegels. Die Kritik habe ich nur überflogen. Wozu unnötig Zeit verschwenden? Disney kommt mir eh nicht ins Haus, insofern alles easy.
  • User 1810564 schrieb am 16.09.2026, 16.25 Uhr:
    @TDrachen
    Schön zu wissen, dass es nicht nur mir aufgefallen ist. Vielleicht muss man heutzutage auf Biegen und Brechen seine politische Einstellung unterbringen, um noch Aufträge zu erhalten. In diesem Review sind gleich mehrere solcher Informationen verborgen: Da wären das reiche Charlottenburg, die Wahl in Sachsen-Anhalt und die rechten Vorzeige-Posterboys. Hier in Berlin legt die AfD mit einer Frau Kristin Brinker deutlich zu. Ob auch hier eventuell das Aussehen eine Rolle spielt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich lebe in Berlin, allein deshalb interessiere ich mich für Serien, Filme, die in Berlin gedreht wurden, aber diese Serie interessiert mich nicht, was nicht an den Vampiren liegt. Eigentlich schade, bei der Besetzung David Schütter, Jördis Triebe, Lars Eidinger, um nur einige zu nennen. Da schaue ich mir lieber das Damengambit zum dritten Mal an, da komme ich schon alleine, was die Drehorte angeht, voll auf meine Kosten.
  • TDrachen schrieb am 16.09.2026, 09.37 Uhr:
    Genau an diesem Satz habe ich mich eben auch gestoßen. Wieso glaubt heute jede Kommentator, dass seine politische Meinung irgendwie relevant sein sollte? Naja, die ganze Serie hört sich schon sehr nach deutsch Berlin an. Man hätte genauso gut schreiben können, nah an der Wahrheit, dass die Leute, die nicht am Dom leben, den anderen das Blut aussaugen.
  • Atlantos schrieb am 16.09.2026, 03.05 Uhr:
    Man kann es wirklich kaum mehr ertragen. Immer die gleiche soße