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TV-Kritik/Review: "9-1-1": Schlaffes Notfalldrama von Ryan Murphy & Co. führt zurück in die Seriensteinzeit

TV-Kritik/Review: "9-1-1": Schlaffes Notfalldrama von Ryan Murphy & Co. führt zurück in die Seriensteinzeit

von Marcus Kirzynowski (15.01.2018)
Fox-Drama vereint saftlose Action mit formelhaften Figuren
Die Aushängeschilder von "9-1-1": (v.l.) Connie Britton, Angela Bassett und PEter Krause
Bild: Mathieu Young/FOX
TV-Kritik/Review: "9-1-1": Schlaffes Notfalldrama von Ryan Murphy & Co. führt zurück in die Seriensteinzeit/Bild: Mathieu Young/FOX

Die neue Fox-Actiondramaserie "9-1-1" verdeutlicht in ihren ersten beiden Episoden geradezu paradigmatisch, was derzeit im US-Networkfernsehen schief läuft. Schon das Konzept ist wenig originell: Es geht um den Alltag einer Gruppe von Einsatzkräften in Los Angeles, also Feuerwehrleuten, Rettungssanitätern und zumindest auch einer Streifenpolizistin. In dieser Kombination erinnert das unwillkürlich an "Third Watch", jene NBC-Serie von 1999 bis 2005, in der unter anderem "Emergency Room"-Produzent John Wells sich New Yorker Ersthelfern widmete. Diese in Deutschland leider etwas untergegangene Serie stammt allerdings aus der Endphase einer Zeit, als es auch im amerikanischen Mainstreamfernsehen noch möglich war, spannende Actionsequenzen mit moralischen Fragestellungen und ambivalenten Hauptfiguren zu kombinieren. Davon ist heute so gut wie nichts übrig, wie "9-1-1" auf bittere Weise deutlich macht.

Gleich zu Beginn der Auftaktfolge werden Situationen, die das Potential hätten, halbe Episoden zu tragen, in Minutenschnelle abgehandelt. So muss Captain Bobby Nash (Peter Krause), Leiter einer Feuerwache, mitansehen, wie eine junge Frau wenige Meter von ihm entfernt von einem Hochhaus springt. Auch in der zweiten Folge fragt man sich, warum das aufwendige Setting einer Achterbahn, die einen technischen Defekt mit katastrophalen Konsequenzen hat, nicht richtig genutzt wird: Schon nach ein paar Minuten ist der zu Rettende tot und der Schauplatz hat ausgedient. Später wird der Rettungsversuch an einem Wolkenkratzer-Fensterputzer, dessen Leben nur noch an einem Seil hängt, nicht mal mehr gezeigt. Die Actionsequenzen bleiben also höchst unbefriedigend, da sie nicht mehr sind als kurze Vignetten. Dadurch bleiben einem auch die Schicksale der Opfer herzlich egal. Was für ein Unterschied zu "Third Watch", wo insbesondere zu Beginn der Staffeln spektakuläre Massenkarambolagen oder Großbrände ganze Folgen einnahmen.

Schwerer wiegt, dass die Serie bei Dramaturgie und Figurenzeichnung immer streng nach Lehrbuch arbeitet. So präsentiert sie in der Pilotfolge mit Evan "Buck" Buckley (Oliver Stark) einen Rookie, also Neuling unter den Feuerwehrleuten, der natürlich nicht nur ungestüm und verantwortungslos ist, sondern auch noch jede attraktive Frau, der er bei seiner Arbeit begegnet, gleich an Ort und Stelle flachlegt. Als sein Vorgesetzter Nash ihn dabei erwischt, wirft er ihn erst einmal raus, weil er mit seinem Verhalten seinen Beruf und das Fire Department "beschmutze". Klar, dass er sich am Ende der Folge dann doch als engagierter Helfer herausstellt und seinen Job wieder hat. Soweit, so 08/15. Richtig absurd wird es dann in Episode 2, wenn Buck wegen des angeblich traumatischen Einsatzes auf der Achterbahn eine Therapeutin aufsucht und die beiden eine Szene später schon Sex in deren Behandlungszimmer haben.

An solchen Stellen fragt man sich immer wieder, ob die Autoren das wirklich alles ernst meinen, gehört doch immerhin Ryan Murphy zu den Serienschöpfern und ausführenden Produzenten. Der hat mit Serien wie "Glee" und "American Horror Story" schon oft populäre Genres mit ironischem Tonfall wiederbelebt und auf die Spitze getrieben. Leider wirkt "9-1-1" aber ansonsten überhaupt nicht wie eine Satire, sondern ergeht sich immer wieder in hohlem Pathos vom entbehrungsreichen Leben der Einsatzkräfte, die sich aufopfern, um Fremde zu retten und dabei ihr eigenes privates Glück gefährden. Man muss also befürchten, dass Murphy, sein langjähriger Schreibpartner Brad Falchuk und Showrunner Tim Minear ("Angel - Jäger der Finsternis", "Firefly") das wirklich alles ernst meinen, was sie hier zu Drehbuchpapier gebracht haben. Oder es war einfach der subversive Test, wie formelhaft ein Seriendrehbuch sein kann, das einem das Network immer noch abnimmt.

Der (Spitz-)Name von "Buck" (Oliver Stark) ist Programm: Er benimmt sich wie ein männliches Karnickel
Und heraus kam dann diese ebenso krude wie vorhersehbare Mischung aus halbwegs spannenden Einsatzszenen, hohlen Dialogen zwischen den Arbeitskollegen und vor Klischees triefenden Geschichten aus dem Privatleben der Helden. So outet sich Rockmond Dunbar ("The Path", "Prison Break") als Ehemann der Polizistin Athena Grand (Angela Bassett, "Emergency Room", "American Horror Story") gegenüber den gemeinsamen Kindern als schwul, während sich die Notrufkoordinatorin Abby Clark (Connie Britton, "Nashville") zu Hause rührend um ihre demente Mutter kümmert. So etwas wie Facetten oder gar innere Abgründe findet man bei den Charakteren genauso wenig wie Überraschungen. Alles streng nach Lehrbuch: der Captain als gute Seele der Feuerwache, die Polizistin spielt den harten Cop, hat aber ein weiches Herz (und verzweifelt über ihr Privatleben), und die andere Helferin opfert sich auch nach Feierabend noch weiter für ihre Mutter auf.

Weit und breit ist keine einzige Figur in Sicht, die wie ein Mensch aus Fleisch und Blut wirken und deshalb zur Identifikation taugen würde, wie sie "Third Watch"-Antihelden wie der resignierte Sully oder der großmäulige Bosco ermöglichten. Man fragt sich wirklich, was doch relativ renommierte Serienstars wie Angela Bassett und Peter Krause - der mit Nate Fisher in "Six Feet Under" immerhin einen der ersten prägenden Serienhelden neuen Typs des aufkommenden Qualitätsserien-Trends spielte - dazu verleitet hat, hier mitzuspielen. Insbesondere zweiterer bekommt absolut gar nichts zu tun, was nicht auch ein Erstsemester an der Schauspielschule im Schlaf wegspielen könnte. Gegen diese sowohl von den Schauwerten wie auch vom Inhalt her schlaffe Serie wirkt NBCs thematisch ähnliches Franchise mit "Chicago Fire" und "Chicago P.D." wie hochwertiges Dramafernsehen. Gemessen an den modernen Klassikern des Notfallgenres, zu denen man neben "Third Watch" auch "Emergency Room" zählen muss, fühlt man sich hier in die TV-Steinzeit zurückversetzt. "9-1-1" ist vom Niveau eher mit der RTL-Soap "112 - Sie retten dein Leben" vergleichbar.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "9-1-1".

Meine Wertung: 2.5/5

Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: FOX

"9-1-1" ist kürzlich in den USA angelaufen. Ein deutscher Sender ist noch nicht bekannt, durch einen Rahmenvertrag des Produktionsstudios 20th Century Fox TV dürfte die Serie jedoch bei einem Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe landen.

Trailer zu "9-1-1"


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Leserkommentare

  • Vritra schrieb am 22.06.2018, 18.39 Uhr:
    VritraIn dem Fall ist es keine reine "Meinung". Marcus hat das schlüssig begründet!

    Ich habe auch die ganz Staffel gesehen. Die Serie ist seichter als eine austrocknende Pfütze, unoriginell, hat mehr Logiklöcher im Plot als jede Phantasy-Reihe je haben könnte, die Dialoge sind grauenvoll und jeder zweite Twist ist künstlich.

    Ich vergebe daher sogar nur freundliche 1,5/5! Denn trotzdem ist sie mäßig unterhaltsam.

    Da Britton in der zweiten Staffel nicht mehr dabei ist, bin ich jedoch raus. Das ist ohne sie mehr Mist, als ich bereit bin zu ertragen...
  • User 1344011 schrieb am 13.03.2018, 23.06 Uhr:
    User 1344011Ich kann die Meinung nicht ganz teilen. Es stimmt, man hätte einige Sachen etwas genauer abhandeln können, aber es gibt auch Folgen die spannend sind. Die Folge "Worst day ever" (Folge 4) zum Beispiel über einen Flugzeugabsturz fand ich persönlich bewegend. Ich finde die Charakter menschlich und überzeugend gespielt. Übrigens fand ich die Folge 8 "Karma´s a Bitch" ebenso spannend zu sehen. Ich bin gespannt, wann die Serie bei uns in Deutschland laufen wird, eine zweite Staffel ist schon eingeplant.
 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.