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TV-Kritik/Review: "Breaking Even": ZDFneo präsentiert moderne Serie über Autobauerclan mit Anklängen an "Dallas" und "Succession"

Deutsche Familiengeschichte als Wirtschaftskrimi
Jenny (Sinje Irslinger) und Nora Shaheen (Lorna Ishema) in "Breaking Even"
ZDF/Philipp Rathmer
TV-Kritik/Review: "Breaking Even": ZDFneo präsentiert moderne Serie über Autobauerclan mit Anklängen an "Dallas" und "Succession"/ZDF/Philipp Rathmer

Auf hundert stolze Jahre Firmengeschichte blickt der (fiktive) Autokonzern Lindemann in der neuen ZDFneo-Serie  "Breaking Even" zurück. Naja, nicht immer stolz, denn natürlich gab es wie bei allen deutschen Großunternehmen dieses Alters das dunkle Kapitel des Dritten Reiches. Aber das ist ja zum Glück so lange her, dass man es heute problemlos in der Jubiläumsausstellung thematisieren und danach wieder unbefangen in die Zukunft blicken kann. Welche Abgründe noch in der Familiengeschichte der Lindemanns schlummern, ahnt in der Öffentlichkeit jedoch niemand...

Die Zukunft des Unternehmens, das ist zumindest für den Vorstandsvorsitzenden Benedikt Lindemann (Justus von Dohnányi) der "Lindi", ein selbstfahrendes Elektroauto, das sich gerade in der Testphase befindet. Es ist auch das Herzensprojekt seiner Tochter Charlotte (Laura Berlin), der Leiterin der Entwicklungsabteilung. Das gesamte Projekt gerät aber plötzlich ins Trudeln, als der Lindi während einer nächtlichen Fahrt eine Radlerin anfährt. Im Wagen saß kein Testfahrer, sondern ausgerechnet Charlotte selbst, die ihren Blick statt auf die Straße auf ihr Tablet geheftet hatte. Jetzt obliegt es der Rechtsabteilung des mächtigen Konzerns, den Imageschaden zu begrenzen, und so kommt die junge Anwältin Nora Shaheen (Lorna Ishema) ins Spiel, die dort seit Kurzem arbeitet. Der nächtliche Unfall ist aber nur der Auslöser einer ganzen Reihe von Verwicklungen, die nicht nur zur Belastungsprobe für die Juristin werden, sondern auch den gesamten Konzern gefährden.

Die Head Writer Boris Kunz (auch Regie) und Rafael Parente erzählen ihre Geschichte als Mischung aus Wirtschaftskrimi und Familiendrama, wobei die Vorbilder der Lindemanns gleichermaßen reale deutsche Unternehmerfamilien wie die Krupps und die Piëchs und dysfunktionale Fernsehclans wie die Ewings sind. Sie sind so reich, dass ihr Familienanwesen eher einem königlichen Schlosspark gleicht, und natürlich wird ein Kruppsohn als Heiratskandidat für Charlotte gehandelt. Gleichzeitig gönnt kein Familienmitglied dem anderen die Butter auf dem Brot und wird mehr oder weniger versteckt herrlich gegeneinander intrigiert.

Leonore Lindemann (Nicole Heesters, l.) versucht ihren Sohn Benedikt (Justus von Dohnányi, r.) davon zu überzeugen, dass sein Kurs für die Firma falsch ist.
Leonore Lindemann (Nicole Heesters, l.) versucht ihren Sohn Benedikt (Justus von Dohnányi, r.) davon zu überzeugen, dass sein Kurs für die Firma falsch ist. ZDF/Tim Kuhn

Am Fleißigsten ist dabei Matriachin Leonore (Nicole Heesters), die Gattin des senilen Firmengründers, die weiter am Verbrennungsmotor festhalten, ihren Ältesten Benedikt vom Chefposten verdrängen und durch den jüngeren Bruder Maximilian (David Rott) ersetzen will. Leider ist der ein unkonventioneller Lebemann, der sich lieber mit Drogen und wechselnden jüngeren Geliebten beschäftigt als mit Geschäften und Finanzen. Die Schwester der beiden, Victoria (nach  "Dark" wieder in einer skurrilen Nebenrolle: Sandra Borgmann), ist indes nach einer traumatischen Entführung völlig durchgeknallt und widmet sich nur noch ihrem Falken und der Pflege des bettlägerigen Großvaters. Dann gibt es noch Benedikts Sohn Konstantin (Rafael Gareisen), der gegen die Familie rebelliert, indem er (inkognito) als Anführer einer radikalen Gruppe von Umweltschützern nachts in Kraftwerke einbricht. Dabei lernt er die Aktivistin Jenny (Sinje Irslinger) kennen, die aber auch nicht die ist, die sie vorgibt zu sein.

Jenny (Sinje Irslinger, l.) und Konstantin (Rafael Gareisen, r.) in "Breaking Even"
Jenny (Sinje Irslinger, l.) und Konstantin (Rafael Gareisen, r.) in "Breaking Even" ZDF/Tim Kuhn

Es sind nicht nur viele Figuren, die in den nur sechs Folgen der ersten Staffel eingeführt werden, auch die zahlreichen Storywendungen sind oft rasant und leider nicht immer allzu glaubwürdig. Die Inszenierung ist allerdings so straff, dass man nicht besonders viel Zeit hat, darüber nachzudenken - schon geht es weiter mit der nächsten Volte oder der nächsten unerwarteten Enthüllung. Dabei entsprechen sowohl die Erzählweise wie auch die stylische Optik immer dem internationalen Stand moderner Dramaserien. Hoch interessant ist die Besetzung, besteht das Ensemble doch zum Teil aus arrivierten SchauspielerInnen, die normalerweise eher ein älteres Publikum ansprechen (von Dohnányi, Heesters), während die beiden eigentlichen Hauptrollen von zwei weitgehend unbekannten jungen Frauen gespielt werden: Sinje Irslinger überzeugt als vermeintlich toughe, in Wahrheit verletzliche Einzelkämpferin mit Punkattitüde, die Afro-Deutsche Lorna Ishema gibt mit großer Selbstverständlichkeit (obwohl leider in einer deutschen Serie längst noch nicht selbstverständlich) die ehrgeizige, aber eben nicht skrupellose Anwältin, die bald ihre Loyalitäten auf den Prüfstand stellen muss.

Heiße Spur? Nora Shaheen (Lorna Ishema) findet Fotos, die ihr heimlicher Gegenspieler gesammelt hat.
Heiße Spur? Nora Shaheen (Lorna Ishema) findet Fotos, die ihr heimlicher Gegenspieler gesammelt hat. ZDF/Frank Dicks

Insgesamt hat das alles ein bisschen was von HBOs emmyprämierter Erfolgsserie  "Succession", wie hier die Vertreter der alten Industrie gegen die Apologeten der neuen Technologien kämpfen und dabei in einer Art Hassliebe miteinander verbunden sind. Dabei kommen die Autoren manchmal auf herrlich skurrile, kleine Einfälle wie die enttäuschte Tochter, die sich an ihrem Vater rächt, indem sie frühmorgens dessen geliebte Zierfische im familieneigenen See mit dem Golfschläger zermatscht. Aber auch die Dialoge haben Witz und Tempo. Inwiefern die Geschichte der Lindemanns und ihres Unternehmens aber auch reale deutsche Geschichte widerspiegelt, wie es der Vorspann mit seinen Bezügen zu Volkswagen und echten Spitzenpolitikern suggeriert, ist jedoch Interpretationssache. Sicher, es geht auch (vor allem am Schluss) um die Verstrickungen der deutschen Großindustrie in den Sumpf der NS-Zeit. Alles in allem ist die Handlung dann aber doch zu sehr "drüber", um als ernsthafte Gesellschaftskritik durchzugehen. Dafür liefert die schockierende Enthüllung am Ende der ersten Staffel wenigstens einen perfekten Cliffhanger für weitere Folgen. Wenn die Serie den hohen Unterhaltungswert darin halten könnte, kann man nur sagen: Fortsetzung erwünscht!

Dieser Text basiert auf Sichtung der kompletten ersten Staffel von "Breaking Even".

Meine Wertung: 4/5

Die sechsteilige erste Staffel von "Breaking Even" wird ab dem 14. Oktober 2020 mittwochs um 20.15 Uhr in Doppelfolgen bei ZDFneo ausgestrahlt. Die komplette Staffel steht ab dem 14. Oktober ebenfalls in der ZDFmediathek zum Abruf bereit.


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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