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TV-Kritik/Review: "Hard Sun": Apokalypse-Sci-Fi trifft Cop-Drama in ZDF/BBC/Hulu-Koproduktion

von Gian-Philip Andreas (21.01.2018)
Hauptdarsteller überzeugen in Spiel mit Paranoia und Weltuntergangsangst
DI Elaine Renko (Agyness Deyn) und der undurchsichtige DCI Charlie Hicks (Jim Sturgess) in "Hard Sun"
Bild: BBC One
TV-Kritik/Review: "Hard Sun": Apokalypse-Sci-Fi trifft Cop-Drama in ZDF/BBC/Hulu-Koproduktion/Bild: BBC One

Am Anfang sitzt Geheimdienstmitarbeiterin Grace Morrigan (Nikki Amuka-Bird, "Deckname Quarry") schweigend in ihrem Büro hoch über der Themse und blickt mit untergangsfinsterem Blick auf einen Screen an der Wand. Schlimme Daten, Zahlen und Graphen flimmern vorbei: Irgendwas ist mit der Sonne, und um die Menschheit, so scheint es, ist es nicht mehr gut bestellt.

Bereits diese erste Szene setzt den apokalyptischen Tonfall, der die Serie "Hard Sun" durchgängig kennzeichnet: Der Untergang der Erde ist nah. Noch aber geben die Autoren die genaueren Umstände nicht preis, sie lassen den Zuschauer fast zum Ende der ersten Episode zappeln. Trotzdem darf man verraten, worum es geht - schließlich ist damit erst die Prämisse dieses Sechsteilers umrissen: Der Menschheit bleiben noch knapp fünf Jahre. Das sind üble News, die in realen Zeiten, in denen verrückte Präsidenten ihre Nuklearknöpfe vergleichen, noch gruseliger klingen als sowieso schon. Immer wieder wird in "Hard Sun" also ein Countdown eingeblendet - sollte die Serie in Verlängerung gehen, wäre fürs grundlegende Suspense-Element bereits gesorgt: fünf Staffeln noch bis zum großen Kawumm!

Per Zufall kommen zwei Londoner Polizisten, die den vermeintlichen Selbstmord eines Hackers untersuchen, an einen Memory Stick mit Informationen über die dräuende Apokalypse, womit sie prompt zur Zielscheibe der Geheimdienste werden, die um jeden Preis verhindern wollen (oder im Auftrag der britischen Regierung verhindern müssen), dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Chaos, Panik, und Anarchie wären sonst garantiert.

Zwei Ermittler, Weltuntergangs-Sci-Fi und ein gerüttelt Maß an verschwörungstheoretischem Geraune ergeben eine durchaus originelle, allerdings auch sehr eigenwillige Mischung aus Apokalypse-Thriller und Cop-Drama. Hinter "Hard Sun", einer Kooperation der britischen BBC One mit dem US-Streamingdienst Hulu und dem deutschen ZDF, steckt Neil Cross, der Erfinder von "Luther", was bei Crime-Serienfans natürlich für gesteigerte Aufmerksamkeit und Vorfreude sorgt. Ist sie gerechtfertigt? Nun, das im "Die Brücke"-Stil betont gegensätzlich konzipierte Detective-Duo funktioniert schon mal recht gut. Ein ungewohnt vollbärtiger und von Narben gezeichneter Jim Sturgess ("21") spielt den überheblichen DCI Charlie Hicks wie einen zugekoksten Unternehmensberater, schafft es dabei dennoch, irgendwie sympathisch zu wirken. Als neue Partnerin wird ihm die herbe Eigenbrötlerin DI Elaine Renko zur Seite gestellt - sehenswert verkörpert vom außerhalb Großbritanniens bislang wenig bekannten Ex-Model Agyness Deyn.

Hard Sun
Die kühle Gegenspielerin: Grace (Nikki Amuka-Bird)
Was Hicks nicht weiß, der Zuschauer dagegen sehr bald schon: Abteilungsleiter DCS Bell (Derek Riddell aus "Happy Valley - In einer kleinen Stadt") vermutet, dass Hicks etwas mit dem Mord an seinem früheren Partner Butler zu tun haben könnte und lässt ihn heimlich von Elaine Renko überprüfen. Das erweitert die Cop-Duo-Routine um das Thema eines gravierenden Vertrauensbruchs, auf dessen dramatisches Auffliegen man gespannt sein darf. Vielleicht ist an dem Verdacht tatsächlich auch etwas dran, denn Hicks, offiziell glücklich verheiratet mit der aparten Simone (Lorraine Burroughs aus "Inspector Banks") und Ersatz-Vater ihrer bezaubernden Tochter, hat nebenher eine offenbar schon länger andauernde Affäre mit Butlers attraktiver Witwe Mari (Aisling Bea).

Ein weiteres zentrales Mystery-Element platziert Cross direkt zu Beginn: Da wird Elaine Renko - ein paar Monate vor ihrer Ernennung zu Hicks' Partnerin - in ihrer Wohnung vom eigenen Sohn lebensbedrohlich attackiert. Daniel (Jojo Macari) fackelt dabei auch das ganze Haus ab. Regisseur Brian Kirk inszeniert das völlig over the top, mit Feuerpomp und Explosionsgedröhn als ganz großes Kino - und in ungewöhnlicher Härte, die zartbesaiteten Zuschauern schon auf den ersten Metern signalisiert: Das wird keine Kuschelserie. Der Sohn landet in der Psychiatrie. Nur: Warum hat er das getan? Warum ist er kaum fünfzehn Jahre jünger als seine Mutter? Ist er das Ergebnis einer Vergewaltigung? Und hat Elaine Renko noch andere Geheimnisse?

Während im Vorspann die Sehenswürdigkeiten Londons zu Asche und Staub zerfließen und die Opazität der Figuren im Zusammenspiel mit der Ausweglosigkeit der Gesamtsituation für ein klaustrophobisch-beklemmendes Grundgefühl sorgt, bleiben die Einblicke in den Polizeiapparat zunächst eher fragmentarisch: In den ersten beiden Episoden jedenfalls erfährt man nur wenig über die Detective-Kollegen auf dem Revier, über den nerdigen Keith (Owain Arthur) und die junge Mishal (Varada Sethu, "New Blood") und die beiden Veteranen Herbie (Chook Sibtain) und George (Adrian Rawlins, bekannt als Harry Potters Vater), sie sind kaum mehr als Stichwortgeber.

Hard Sun
Fähige Polizisten, aber in Verschwörungsdingen vollkommen unbedarft: DS Mishal Ali (Varada Sethu, l.) und der sechsfache Vater DS Keith Greener (Owain Arthur)

In beiden Episoden bekommen es Hicks und Renko mit Mordfällen zu tun, die mehr sind als "Fälle der Woche" nach herkömmlicher Procedural-Manier, da sie ganz wesentlich mit dem übergreifenden Thema zu tun haben: Der Tod des aus einem Londoner Tower Block gestürzten Hackers bringt die Ermittler erst auf die Spur der drohenden Apokalypse; der Fall eines von seiner Frau (stark: Christine Bottomley aus "The End of the F***ing World") getrennt lebenden Tischlers (Jamie Sives, "Wilbur Wants To Kill Himself"), der seinen Nebenbuhler meuchelt und seine Kinder "einschlafen" lassen möchte, berührt den interessantesten Aspekt der Serie: die Frage, was geschähe, wenn die Öffentlichkeit tatsächlich von ihrem baldigen, unausweichlichen Ende erführe - oder wenn Gerüchte zum Nährboden für krude Verschwörungstheorien avancieren.

Tatsächlich nutzt Autor Cross einen cleveren Kniff, um in diese Richtung erzählen zu können: Er lässt die an die beiden Cops geleakte Apokalypsestory von einem Journalisten (Ukweli Roach, "Blindspot") in der Zeitung veröffentlichen, doch der Regierung gelingt es, den Bericht als "größten Hoax seit den Hitler-Tagebüchern" zu diskreditieren. Der Journalist ist seinen Job los, während sich in der Bevölkerung die Theorien mehren, dass an der schlimmen Prophezeiung eventuell doch etwas dran sein könnte. Menschen wie der Tischler nutzen den Glauben ans Weltende für ihre eigene Abrechnung, und auch Elaines psychotischer Sohn schenkt den Gerüchten Glauben. Paranoia allerorten! Es ist eine Atmosphäre, die sich durchaus überträgt, auch wenn ansonsten viel über Action erzählt wird: Ständig werden Hicks und Renko von namenlosen Geheimdienstschergen verfolgt, die ihnen nach dem Leben trachten. Morrigan, ein hohes Tier bei der MI6 und mit der Sicherstellung der Geheimhaltung betraut, erpresst die beiden: kooperieren und verschweigen - sonst Gnade ihnen der Gott der hart gewordenen Sonne.

Interessant auch das Spiel mit der Frage, wer Freund und wer Feind ist: Hicks, der womöglich seinen alten Partner ermordet hat, muss nicht nur diesbezügliche Ermittlungsergebnisse von Renko befürchten, auch seine Affäre mit Witwe Mari bleibt weder Renko noch Morrigan verborgen und bedroht sein Familienglück für die verbleibenden Jahre. Grace hingegen hat den USB-Stick mit den Hard-Sun-Akten an sich genommen und ist für Morrigan der Hauptgegner, den es auszuschalten gilt. Im Überlebenskampf gegen die Geheimdienstler ist sie auf Hicks angewiesen, den sie aber gleichzeitig für die Polizei des Mordes überführen soll. Hier macht man mit der Drohung, den Sohn von der Psychiatrie ins Gefängnis zu verlegen, Druck.

Im Ansinnen, den Katastrophenfall der Allgemeinheit unbedingt zu verschweigen, weist "Hard Sun" übrigens große Parallelen zur im Sommer auf CBS gestarteten Sci-Fi-Serie "Salvation" auf, in der es ein Asteroid war, dessen Aufprall auf Erden kurz bevorstand. Auch in "Salvation" ging es um Politiker und Geheimdienstler, die die Misere geheimhalten wollen, und um Investigativreporter, die dazwischenfunken. "Hard Sun" freilich ist viel düsterer, ernster und erwachsener als das amerikanische Pendant, obgleich die Macher einen zarten Hauch Selbstironie durch den ganzen Weltuntergangszinnober wehen lassen. Das ist gut so, denn natürlich kann das Set-Up eine gewisse Trashigkeit nicht verhehlen. Die Frage, warum offenbar nur die britische Regierung von der nahenden Apokalypse Kenntnis hat, bleibt ebenso unbeantwortet wie jene, warum Hicks und Renko dem nach verschwörungstheoretischem YouTube-Video aussehenden Clip auf dem USB-Stick eines dubiosen Hacktivisten ohne skeptische Überprüfung sofort Glauben schenken. Man kann das akzeptieren und trotzdem Spaß haben an "Hard Sun". Die ungewöhnliche Mixtur aus Cop-Drama und Untergangs-Science-Fiction sieht schick aus, versteht sich bestens auf dramatische Zuspitzung (auch wenn's auf dem Soundtrack mitunter übertrieben dröhnt) und glänzt mit zwei Hauptdarstellern, von denen man mehr sehen will. Ob das alles nachhaltig im Gedächtnis bleibt, lässt sich aber wohl erst sagen, wenn am Ende der sechs Teile ein paar der Geheimnisse gelüftet worden sind.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Hard Sun".


Meine Wertung: 3.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: BBC One


"Hard Sun" wurde als Koproduktion von BBC One, Hulu und dem ZDF hergestellt. Aktuell feiert die Serie ihre Premiere in Großbritannien. Wann die Serie beim ZDF in Deutschland ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt gegeben worden.


Britischer Trailer zu "Hard Sun"


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Leserkommentare

  • Sentinel2003 schrieb am 21.01.2018, 18.49 Uhr:
    Sentinel2003Genial, freue mich total drauf
 

Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").