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Cate Blanchett dominiert als konservative Aktivistin in starbesetztem Ensemble
Anführerin einer Bewegung: Phyllis Schlafly (Cate Blanchett) in "Mrs. America"
obs/FOX
TV-Kritik/Review: "Mrs. America": Fesselnde historische Serie über zeitloses Thema/obs/FOX

Aus deutscher Sicht wirkt es weitgehend unverständlich, warum so viele Frauen in den USA Donald Trump unterstützen. Auch bei der letzten Präsidentschaftswahl konnte er zahlreiche - vorwiegend weiße - Wählerinnen für sich gewinnen, obwohl er im Vorfeld mit sexistischen Sprüchen aufgefallen war und mit Hillary Clinton erstmals eine weibliche Kandidatin Aussichten auf das höchste Staatsamt hatte. Dass es kein neues Phänomen ist, dass Frauen politisch gegen ihre eigenen Interessen handeln, zeigt im Filmbereich etwa  "Die göttliche Ordnung" über den Kampf um die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz Anfang der 1970er Jahre. Etwa zur gleichen Zeit spielt  "Mrs. America", eine vom US-Streamingdienst hulu beauftragte Miniserie, die ebenfalls auf einer historischen Kontroverse basiert: der Auseinandersetzung über einen Verfassungszusatz, der gleiche Rechte unabhängig vom Geschlecht garantieren sollte. Hier war es eine Gruppe von Frauen, die sich an die Spitze der Bewegung gegen das Gesetzesvorhaben stellte.

Phyllis Schlafly (Cate Blanchett) war eine politische Beraterin und Aktivistin, die mehrmals selbst (erfolglos) als Kongressabgeordnete kandidierte. Die hoch gebildete, streng konservative Frau war aber vor allem eine geniale Strippenzieherin - heute würde man sagen: Networkerin. Am Anfang der Serie sieht man sie auf der Schreibmaschine ihren Newsletter mit dem schönen Titel The Schlafly Report tippen und anschließend die Kopien in Briefumschläge stecken. In ihrem Adressregister finden sich die Kontaktdaten Hunderter gleichgesinnter Frauen im ganzen Land. Während auch in den USA die Frauenbewegung die herrschenden Verhältnisse und Geschlechterrollen aufmischt, sieht sich Schlafly als Stimme einer schweigenden Mehrheit: all der Hausfrauen und Mütter, die angeblich mit ihrem Leben an der Seite berufstätiger Männer glücklich sind. Bei Kaffeekränzchen und in Lesezirkeln argumentiert sie gegen das Equal Rights Amendment (ERA), jenen Gleichstellungszusatz zur US-Verfassung, der zu der Zeit bereits von 28 Bundesstaaten ratifiziert worden ist. Ihre aus heutiger Sicht absurd erscheinende Argumentation: Wenn Geschlecht juristisch keine Rolle mehr spiele, würden Frauen ihre Sonderrechte wie Unterhaltsrecht bei Scheidungen verlieren, zum Wehrdienst eingezogen werden - und keinen Anspruch auf getrennte öffentliche Toiletten mehr haben.

Während ihrer aktivistischen Arbeit wird schnell deutlich, dass die elegant-bieder auftretende Anwaltsgattin, die selbst einen Doktortitel in Jura hat, nicht so harmlos ist, wie sie wirkt. So hat sie keinerlei Skrupel, ihrer Schwester (Jeanne Tripplehorn) in den Rücken zu fallen, wenn es ihren politischen Zielen hilft - ein Muster, das sich später wiederholen wird. Auf der anderen Seite gewährt die Serie Einblicke in die Gegenkampagne: die Frauenbewegung um Gloria Steinem und Betty Friedan. Erstere (Rose Byrne,  "Damages - Im Netz der Macht") hat gerade die feministische Zeitschrift Ms. gegründet, letztere (Tracey Ullman) ist eine Ikone, seit sie knapp zehn Jahre zuvor das Sachbuch "The Feminine Mystique" (auf deutsch: "Der Weiblichkeitswahn") veröffentlicht hat. Dieser Klassiker feministischer Literatur fand bereits in  "Mad Men" prominente Erwähnung. Als Schlafley und ihre Mitstreiterinnen vor der entscheidenden Abstimmung in einem Landesparlament miterleben, wie die Feministinnen lautstark im Foyer demonstrieren, kommt sie auf die Idee, deren Protestformen für ihre eigenen Ziele zu adaptieren. So gründet sie mit Stop ERA einen schlagkräftigen Verband konservativer Frauen.

Uzo Aduba als Shirley Chisholm.
Uzo Aduba als Shirley Chisholm. hulu

Parallel zu der zentralen Geschichte um Phyllis Schlafley erzählt "Mrs. America" auch andere Geschichten, wobei pro Episode jeweils eine Frauenfigur in den Mittelpunkt rückt, wie man schon an den Namen der einzelnen Folgen erkennen kann. So dreht sich etwa die dritte Episode um den Vorwahlkampf der ersten weiblichen und afro-amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Shirley Chisholm (Uzo Aduba,  "Orange is the New Black"). Eindringlich zeigt diese Folge die taktischen Spielereien um die Frage, ob sie vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten ihre Kandidatur zurückziehen soll, um dem relativ liberalen George McGovern ihre Stimmen und damit die Nominierung zu sichern. Während Pragmatikerinnen wie Bella Abzug (Margo Martindale,  "The Americans") argumentieren, McGovern sei von den aussichtsreichen weißen Männern nun mal derjenige, der am besten die Interessen der Frauenbewegung vertrete, weigert sich Chisholm, vorzeitig aufzugeben. Am Ende der Folge zeigt sich, dass sich in der Politik hinter den Bildern strahlender Sieger oft ganz viel Tragik und Verbitterung verbirgt. Aduba liefert hier einmal mehr eine beeindruckende Performance ab.

Andere Schauspielerinnen werden (zumindest in den ersten drei Folgen) hingegen unter Wert eingesetzt. So hat die großartige Sarah Paulson ( "American Crime Story") bislang nicht viel mehr zu tun, als nett und naiv zu lächeln und auch Jeanne Tripplehorn und Melanie Lynskey, die immerhin beide Hauptrollen in HBO-Serien vorzuweisen haben (in  "Big Love" respektive  "Togetherness"), bleiben unauffällig im Hintergrund. Das Ensemble dominiert ganz klar Cate Blanchett, die hinter ihrer Upper-Class-Maskerade und mit Midwestern-Akzent kaum zu erkennen ist. Was die Handlung angeht, fällt es nicht-amerikanischen Zuschauern sicher noch mal etwas schwerer, den Diskussionen zu folgen und den Überblick über alle Entwicklungen und Beziehungen zu behalten. Leichte Kost ist die Serie sicher nicht und das Thema zudem sehr speziell. Der Vergleich mit Trumps Politik und die Tatsache, dass Frauen auch heute faktisch längst noch nicht gleichgestellt sind, zeigt aber die Zeitlosigkeit über die konkrete politische Situation hinaus.

Margo Martindale als Bella Abzug.
Margo Martindale als Bella Abzug. hulu

Es braucht etwas Zeit, in die Handlung hineinzukommen, wenn man vorher noch nie etwas von Schlafly oder dem ERA gehört hat. Die Geduld wird aber schon mit der dritten Folge belohnt, die nicht nur politisch hoch interessant ist, sondern auch emotional überzeugen kann. Wenn die weiteren sechs Episoden dieses Niveau halten können, würde sich "Mrs. America" als lohnenswertes Gesellschaftsbild einer Zeit erweisen, die leider noch nicht so vergangen ist, wie man meinen könnte.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Miniserie "Mrs. America".

Meine Wertung: 3.5/5

Der deutsche Pay-TV-Sender FOX Channel strahlt die neunteilige Miniserie "Mrs. America" ab dem 1. September als Deutschlandpremiere aus. Das Format war im Auftrag der Marke FXonHulu auf Basis historischer Geschehnisse hergestellt worden.

Blick hinter die Kulissen von "Mrs. America"


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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Leserkommentare

  • tgu23 schrieb am 07.09.2020, 14.41 Uhr:
    "Auch bei der letzten Präsidentschaftswahl konnte er zahlreiche - vorwiegend weiße - Wählerinnen für sich gewinnen, obwohl er im Vorfeld mit sexistischen Sprüchen aufgefallen war...", die haben bestimmt auch "Fifty Shades od Grey" auf die Bestselller-Liste gebracht.
 

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