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TV-Kritik/Review: "Stuart Fails to Save the Universe": Ein Sci-Fi-Abenteuer zerlegt die Sitcom-Norm
von Gian-Philip Andreas(23.07.2026)

In einem an gelungenen Neuauflagen (von
Eine Seriennebenfigur zur Hauptfigur eines Spin-offs zu machen, ist nichts Neues mehr, aber immer noch ein Wagnis: Was, wenn eine Figur, die zuvor vor allem deshalb funktionierte, weil sie selten auftauchte und dadurch immer "frisch" blieb, ihren Reiz verliert, sobald sie die erzählerische Hauptlast tragen muss? Was, wenn sie nur deshalb zum Publikumsfavoriten wurde, weil sie sich als ideale Spiegelfigur für die Protagonisten eignete, die nun aber nicht mehr dabei sind? Bei
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Das macht "Stuart Fails to Save the Universe" zu einem besonderen Erlebnis. Einerseits nämlich geht es in den zehn sehr kurzen und sehr unterhaltsamen Episoden (mehrere unterbieten die typische Sitcom-Länge von 22 Minuten noch deutlich) viel stärker zurück in die Welt der Originalserie als in den beiden letzten Spin-offs, andererseits sorgt es für irritierende (aber gewinnbringende) Effekte, die liebgewonnenen Figuren von damals plötzlich in einer ganz anderen Ästhetik agieren zu sehen.

Im Zentrum der Show stehen vier TBBT-Charaktere, die zu den All-Time-Favorites unter den Nebenfiguren der Mutterserie zählen. Stuart (gespielt vom inzwischen 55-jährigen Kevin Sussman) wurde zwar in den späteren TBBT-Staffeln in den Main Cast aufgenommen, seit seinem ersten Auftritt in Staffel 2 aber blieb er bis zum Schluss mehr oder weniger konstant der mit peinigend wenig Selbstbewusstsein gesegnete Comicverkäufer, gegen dessen soziale Inkompatibilität sogar die Physik-Nerds Sheldon und Leonard bisweilen offensiv wirken konnten. Eine klassische Nebenfigur.
Bert Kibbler (gespielt vom bärig-bärtigen Stand-up-Comedian Brian Posehn) war ab der sechsten Staffel dabei: ein Geologe, der seine wissenschaftliche Disziplin gegen die Arroganz der Physiker in seinem Umfeld verteidigen musste und mit herrlicher Deadface-Mimik selbst haarsträubendste Gags konterte. Kollege Barry Kripke (John Ross Bowie) hingegen war (ab der zweiten Staffel) Sheldon und Leonards ausdauernd unerträglicher Gegenspieler - ein Stinkstiefel mit Sprachfehler von unterhaltsamer Gemeinheit. Und Denise? Stuarts Love Interest (gespielt von Lauren Lapkus) wurde erst spät eingeführt, gegen Ende von Staffel 11, als eine ähnlich nerdige Mitarbeiterin von Stuart, die es tatsächlich zu seiner Freundin bringen durfte.
Diese vier Fan-Favoriten werden nun von Lorre, TBBT-Miterfinder Bill Prady und

Der Grundplot ist so absurd wie zweckmäßig: Stuart hat ein von Leonard und Sheldon erfundenes Gerät beschädigt und damit einen multiversalen Weltuntergang eingeläutet. Wie genau diese Maschine (die an ein klobiges Küchengerät erinnert) funktioniert, wird mehrfach ansatzweise erläutert, ist für die Serie aber nur bedingt wichtig. Entscheidend ist nur, dass Stuart mit den erwähnten anderen drei TBBT-Alumni Denise, Kripke und Bert mittels dieser Kiste pro Folge in einer neuen "Realität" des Multivversums landen und Zug für Zug eine Lösung für das Weltuntergangsproblem finden müssen. Dass das lange nicht gut geht, deutet schon der Titel an, der Stuarts Scheitern aber immerhin im Präsens festhält, was für die Zukunft Hoffnung macht.
Der Reiz der Serie besteht a) im skurrilen Worldbuilding dieser pro Episode wechselnden Realitäten und b) in der herrlich quatschigen Weise, in der die vier (Anti-)Helden darin auf- oder untergehen. Mit viel Lust und Freude machen sich die Darsteller und Autoren daran, die längst etablierten Figuren in völlig anderen Kontexten, Umwelten, Wirklichkeiten neu zu erfinden: Das ist von Anfang an zu spüren und macht den Großteil der Freude aus, die die Episoden bereiten. In meiner Karriere ging es meist nur darum, dass Leute auf dem Sofa saßen und quatschten
, erzählte Lorre im Februar dem People Magazine. Darauf hatte er keine Lust mehr. In "Stuart Fails to Save the Universe" geht es nun einmal quer durch den Genre-Stilgarten, mit CGI-Effekten noch und nöcher und jeder Menge Lust, die üblichen Sitcom-Normen zu sprengen.
So beginnt das Ganze etwa in einer post-apokalyptischen Welt à la
Nach und nach geht es - zack! - in immer neue Szenarien: in eines zum Beispiel, in dem alle stets "glücklich" sind und, wenn sie's doch mal nicht sind, von im Himmel schwebenden Kontrolldrohnen elektrogeschockt werden. Dann, zack, rüber in eine Welt, in der Magie real ist und Wissenschaftler verbrannt werden (Also wie in unserer Wirklichkeit!
, spottet Stuart). Zack, weiter in eine Realität, in der alles nur eine Psychose von Stuart zu sein scheint, zack, weiter zu einem indigenen, polyamourös lebenden Stamm, zack, in eine Welt voller Zentauren, zack, in eine Welt der Telepathie - um nur einige Varianten zu nennen.
Die Protagonisten nehmen dabei immer neue Rollen ein: Mal ist Kripke der schwule Nachbar, mal ein panischer Pinguin. Es ist ein wilder Ritt, der tatsächlich so wirkt, als würde man einen Comicband mit Storys verschiedener Autoren und Zeichner durchblättern, die die Titelhelden durch völlig unterschiedliche Narrative jagen - was natürlich bestens zur Welt von Stuart und TBBT generell passt.

Auf ihrem Weg begegnen den vier verhinderten Weltrettern lauter Gestalten, die echte TBBT-Fans bestens kennen. Ein bisschen ist im Vorfeld schon durchgesickert, ein wenig wurde sogar offiziell bekanntgegeben. So dürfen wir etwa vermelden, dass es ein Wiedersehen mit Wil Wheaton gibt, auch mit Riki Lindhome als Dr. Ramona Nowitzki oder Joshua Malina als Caltech-Präsident Liebert. Auch ein paar alte Nebenfiguren tauchen auf, die man gar nicht mehr so auf dem Zettel hatte - das sind schöne Überraschungen.
Andere wichtige Gastauftritte sollen (und wollen) wir nicht verraten, können aber vermelden, dass beinahe jede Episode Entsprechendes zu bieten hat. Schon nach den ersten paar Minuten beginnt der Reigen und wer darauf hofft, dass auch ein paar der Hauptdarsteller aus TBBT vorbeischauen, zieht sicher nicht enttäuscht von dannen. Das Schöne ist, dass das alles kein bloßer Fanservice bleibt. Im Gegenteil: Das sind größtenteils keine kurzen Cameos, sondern gut geschriebene Szenen und Sequenzen, die mit den Plots zentral zu tun haben.
Die wechselnden Welten werden bis in kleinste Details hinein ausgestaltet und von Running Gags flankiert, die immer im Dienst des Worldbuilding stehen: Mit Trevor (Josh Brener aus
Weil zudem nicht mehr auf CBS gesendet, sondern bei HBO Max gestreamt wird, müssen auch keine strengen Network-Sensibilitäten beachtet werden: Mal regnet es also Blutfontänen, während Gliedmaßen durch die Luft fliegen, gelegentlich schallt ein F-Wort über die Tonspur, und die pro Episode neu gestalteten Vorspänne (zum Titelsong von Danny Elfman) stehen im augenzwinkernden Dialog mit einem Publikum, das als kenntnisreich vorausgesetzt wird.
Dieses Meta-Konzept durchzieht alle Episoden. So taucht etwa einmal Christine Baranski auf, die in der Mutterserie Leonards Mutter spielte, hier aber als sie selbst auftritt. Dann steht bei Stuart plötzlich ein Comicbuch im Regal, das den Namen der Serie trägt, deren Held er ist: Der Comic-Plot bringt ihn in genau jener Geschichte weiter, die die Serie selbst erzählt. Das ist wahrscheinlich das Originellste an dieser unerwartet gelungenen Produktion: dass der Tanz auf den Meta-Ebenen kein bloßer Selbstzweck bleibt, sondern auf der erzählerischen Ebene in ein vielschichtiges Finale hinüberleitet. Wenn dann plötzlich eine Lach-Tonspur aus dem Off erklingt, wenn die vierte Wand zum Zuschauer kippt und Stuart & Co. ihren eigenen Darstellern begegnen (die in zehn Episoden von Neben- zu Hauptdarstellern wurden), dann ist aus diesem comicbunten Sci-Fi-Spektakel mit Legacy-Anstrich längst viel mehr geworden, als man zuvor erwartet hatte.
"Stuart Fails to Save the Universe" wird in Deutschland parallel zur US-Premiere ab dem 24. Juli auf dem Streamingdienst HBO Max veröffentlicht.
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