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TV-Kritik/Review: Vor dem Start: "Westworld" zeigt sich in Staffel drei deutlich verbessert

von Bernd Krannich
(30.03.2020/ursprünglich erschienen am 16.03.2020)
Neue Staffel scheint bisherige Fehler zu vermeiden
Die dritte Staffel von "Westworld" hat begonnen
HBO
TV-Kritik/Review: Vor dem Start: "Westworld" zeigt sich in Staffel drei deutlich verbessert/HBO

In den Vereinigten Staaten hat die Ausstrahlung der dritten Staffel von   "Westworld" beim Sender HBO vor zwei Wochen begonnen, die schon parallel über die Digitalkanäle von Sky in Deutschland im Originalton verfolgt werden konnte. Die lineare Ausstrahlung und die Veröffentlichung der deutschen Synchronfassung beginnt ab heute (30. März) bei Sky Atlantic HD: Immer montags ab 20.15 Uhr gibt es die frischen Episoden (TV Wunschliste berichtete).

Dieser Text wurde erstmalig im Umfeld der US-Premiere der dritten Staffel von "Westworld" veröffentlicht.

Nach dem Finale der zweiten Staffel von "Westworld" vor mittlerweile fast zwei Jahren ist klar: Wir sind nicht mehr in Kansas. Oder einem anderen Gebiet der Vereinigten Staaten, das sich vor allem durch weite Landschaften auszeichnet. Vielmehr spielt die Handlung um den Host mit dem Namen Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) nun zu einem Gutteil außerhalb des Parks - in den Großstadtschluchten und den architektonischen Meisterwerken der Wohlhabenden.

HBO und Sky haben für die Kritiker vorab die vier ersten der insgesamt acht Episoden der dritten Staffel von "Westworld" zugänglich gemacht. Diese zeigen sich in einer deutlich verbesserten Form gegenüber der zweiten Staffel. Die Handlungen regen weiterhin zu Spekulationen über Abläufe, Hintergründe, "wer mit wem" und "wer gegen wen" und "was geschieht überhaupt" an. Aber die Serie scheint auf Temporal-Spielchen zu verzichten - scheint, denn bekanntlich stiftet bei "Westworld" stets das Staffelfinale erst den Sinn, und so hütet sich der Rezensent lieber, bevor er den Tag vor dem Abend, den Handlungsaufbau vor dem Finale lobt.

Dominierend in den neuen Episoden ist einerseits die moderne und ins futuristische gehende Großstadtoptik, die von einem beeindruckenden Score von Ramin Djawadi noch erhöht wird und es mit jedem Cyberpunkfilm aufnehmen kann. "Kamerafahrten" über Großstadtkulissen machen das Schauen der neuen Episoden für den Nerd - zusammen mit den zahlreichen, vollen Bildschirmdisplays - geradezu zum Stop-Motion-Erlebnis, wenn man immer wieder die Wiedergabe pausiert, um Details nachzuvollziehen.

In ihrem Kampf um das Überleben ihrer Rasse muss die aus dem Vergnügungspark Westworld entkommene Dolores sich immer wieder auch mit mächtigen Geschäftsleuten in deren exquisiten Lebensräumen abgeben, die ebenfalls grandios inszeniert sind. Dolores selbst, als wandelnder Supercomputer in einer vollkommen computerisierten Welt erinnert in mehr als einer Actionsequenz ebenfalls an das Cyberpunkgenre, etwa wenn sie sich mal schnell Zugang zu einem schnittigen Motorrad hackt und dann tief auf die Maschine gebückt im roten Kleidchen und schwarzer Lederjacke über einen mehrspurigen Innenstadt-Highway peitscht.

In der dritten Staffel von "Westworld" wird schnell auch deutlich: Die traditionellen moralischen Werten entrückte höhere Gesellschaft, die zum Vergnügen in Parks wie Westworld reiste, in Heldenphantasien Bösewichte tötete und anschließend eine "gerettete Damsel" wie Dolores vergewaltigte, die gibt es auch in der Realität der Serie. Hier ist mit genügend Geld alles möglich.

Vor dem Hintergrund eines - wie erwähnt komplexen und anfangs nur schwer zu durchschauenden - Spionage- und Wirtschaftsthrillers, in dem Dolores ihre Rasse schützen will, geht es hintergründig vor allem um das Thema Identität und Wahrnehmung. Wer bin ich in einer Welt, die von anderen maßgeblich gestaltet wird, in der ich mich stets fragen muss, habe ich Entscheidungsfreiheit oder werde ich zu meinen Taten manipuliert? Das gilt für die Hosts ebenso wie für Menschen, die in ihren Sachzwängen stecken.

Nachdem die ersten Folgen der neuen Staffel sich in Sachen Nacktheit eher zurückhalten und gerade den Leading Ladies Wood und Thandie Newton (Maeve) bei unvermeidlichen Nacktszenen immerhin auf Hüfthöhe Sichtbarrieren gewähren, kehren folgende Episoden zu altbekannten Maßstäben zurück. Einerseits kehrt man in die "Materialkammern" der Delos-Vergnügungsparks zurück, andererseits wird eben auch auf die Ausschweifungen der Reichen und geblickt. Namentlich eine Orgie mit Auktion von willfährigen Prostituierten "für einen guten Zweck", bei der die männlichen und weiblichen Prostituierten in wenig verhüllender, erotischer Kleidung auf Podesten posieren und um Gebote buhlen. Same old Story also in diesem Bereich.

Gegenüber der wegen ihres Aufbaus und ihrer inkonsequenten Handlung gescholtenen zweiten Staffel zeigt sich die dritte Staffel in ihren ersten Folgen also deutlich verbessert, soweit das erste, spoilerarme Fazit.

Once more, with spoilers

Nach dieser Einführung sei nun auch noch ein etwas tieferer Blick in die Materie gegeben, der aber auch nicht tiefer gehen will, als den verschiedenen Szenen aus den Trailern ein wenig Kontext zu geben.

Rückblick auf die zweite Staffel von "Westworld" (englisch)

Am Ende der zweiten Staffel war es "Dolores" gelungen, in der nachgemachten Hülle der Delos-Managerin Charlotte Hale (Tessa Thompson) aus dem Vergnügungspark Westworld zu entkommen - Ford hatte die Flucht seiner Geschöpfe vorbereitet und eine Produktionsmaschine platziert, mit der Host-Körper geschaffen werden können. Bei sich hatte Dolores nämlich nur fünf "Pearls", die digitalisierten Daten von unbekannten Hosts. Eine davon erwies sich als "Bernard" (Jeffrey Wright), dem Dolores auch einen neuen Körper schuf, der seinem alten gleicht. Auch sich selbst gab Dolores einen neuen Körper. In einem Gespräch machte Dolores gegenüber Bernard deutlich, dass es sie beide brauchen würde, um ihrer Rasse das Überleben zu ermöglichen, sie aber nicht als Freunde oder Verbündete wirken würden. Eine weitere "Pearl" platzierte Dolores in Charlottes künstlichen Körper.

Eines der dauerhaften Rätsel der neuen Folgen ist also das um vier anderen Host-Identitäten, die Dolores mitgenommen hatte - und zum Teil auch, welche der Figuren der Handlung eventuell durch einen Host-Körper ersetzt wurde.

Trailer zur dritten Staffel von "Westworld" (englisch)

Derweil ist es Dolores' kurzfristiges Ziel, die Kontrolle über die Firma Delos zu gewinnen - die Hosts der Freizeitparks, die Technik und auch die anderen robotronischen Assets der Firma sind in Dolores' Kampf wichtig. Dazu braucht sie aber einerseits Geld und Einfluss, die sie in einer thrillerhaften Handlung zu gewinnen sucht. Der Host, dessen Essenz nun in Charlottes Körper steckt und deren Rolle spielen muss, verdeutlicht die Fragen nach der eigenen Identität der Hosts - einerseits gezwungen, Dolores Vorgaben zu folgen, andererseits bemüht, das eigene Selbst zu entwickeln, kommt es zu existenzbedrohenden Identitätsstörungen - und die Zuschauer erleben mit Charlotte die eine oder andere Überraschung.

Neben dem Kampf um die Herrschaft über Delos gibt es aber auch den Kampf um dessen Existenz: Die wenige Monate zurückliegende Katastrophe in Westworld hat das Geschäft gefährlich beeinträchtigt, um es milde auszudrücken. Allerdings waren die meisten der Todesopfer Angestellte und Vorstandsmitglieder der Firma, so dass man hoffen kann, sich in den Todefällen zu vergleichen, statt vor Gericht gezogen zu werden.

Delos selbst ist nach der Katastrophe in seinem Vergnügungspark Westworld allerdings angreifbar geworden. Hier setzt Dolores Taktik an, mit gewonnenem Geld Aktien zurückzukaufen und die Firma wieder zu privatisieren, damit sie im Verborgenen ihre Pläne vorantreiben kann. Aber auch andere haben ein mehr als wirtschaftliches Interesse an Delos - schon die Taten der "echten" Charlotte Hale legten nahe, dass auch andere um das Geheimprojekt wissen, die Gäste des Vergnügungsparks auf ungekannter Ebene psychologisch zu durchleuchten. Diese Daten aus der Bibliothek, die auch Dolores für ihre Planungen nutzt, sind ein gewaltiger Preis. Der Trailer enthüllt Vincent Cassel als den Gegenspieler in diesem Ringen.

Bernard, der nun auf eigene Faust den Kampf gegen Dolores führt, traut derweil "sich selbst" nicht mehr - da ihn Dolores in deaktivierter Form wörtlich "in der Hand" hatte, ist er sich nicht sicher, ob sie ihn nicht umprogrammiert hat. Insbesondere fürchtet er sich davor, dass Dolores eine Hintertür in sein Programm installiert hat, mit dem sie ihn kontrollieren oder zumindest ausspionieren könnte. Ihn zieht es daher zurück nach Westworld, wo er hofft, die Technik für eine zuverlässige Selbstdiagnose zu finden. Dabei trifft er auf Sicherheitschef Stubbs (Luke Hemsworth), der zu seinem Weggefährten wird.

Maeve hingegen hat es nicht aus dem Park geschafft, weder physisch in die Außenwelt noch elektronisch in das Paradies, in das ihre Tochter und andere gingen. Maeve findet sich mit erneut erwachendem Selbstbewusstsein im Park Warworld wieder, der ein Szenario aus dem zweiten Weltkrieg nachstellt. Sie muss langsam ergründen, wie sie hier gelandet ist. Ihre Motivation ist es, mit ihrer Tochter wiedervereint zu werden. Und Maeve wird schließlich klar, dass der Weg dorthin nur über einen Sieg über Dolores führen kann, die den Weg in das Paradies am Ende der zweiten Staffel aus Sicherheitsgründen geschlossen hatte und nun als einzige den Schlüssel besitzt.

Neu im Figurenkanon ist Caleb, dargestellt von   "Breaking Bad"-Darsteller Aaron Paul. Tagsüber geht der ehemalige Soldat einem Job als Bauarbeiter auf Hochhäusern nach - an seiner Seite ein Arbeitsroboter von Delos für die schwierigen Aufgaben in schwindelerregender Höhe. Caleb sieht sich als gefangen in seiner Welt, denn zum Erhalt einer medizinischen Rente muss er sich einer Pflichttherapie unterziehen, die er persönlich für nutzlos hält und die ihn so langsam in den Wahnsinn treibt. Da Caleb sich aber gezwungen sieht, seine psychisch kranke Mutter in einer teuren Privateinrichtung pflegen zu lassen, beißt er sich durch. Nachts betätigt er sich allerdings für eine neue Form des Verbrechens als Freischaffender. Hierbei kreuzt er schließlich den Weg einer angeschossenen Dolores, die ihn bald als Schicksalsgefährten einstuft, dem die Gesellschaft keine Chance zu einer freien Entfaltung gibt.

Denn die neue Staffel von "Westworld" spielt auch mit einem von Serien-Schöpfer Jonathan Nolan in seiner Serie   "Person of Interest" beackertem Feld: Der allgemeinen Überwachung. "Haben sie mich etwa überwacht?", fragt Caleb Dolores erzürnt. Diese Antwortet im Trailer: "Nicht ich. Aber jemand."

Die großartige Inszenierung sowie die nach den ersten vier Folgen nicht unberechtigt erscheinende Hoffnung, dass "Westworld" in der neuen Staffel alte erzählerische Fehler vermeiden kann, führen zu folgender Wertung:

Meine Wertung: 4.5/5

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier Episoden der dritten Staffel von "Westworld".

Teaser-Trailer zur dritten Staffel von "Westworld" (englisch; das Voice-over spricht Vincent Cassel)


 

Über den Autor

  • Bernd Krannich
Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von TV Wunschliste.

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Leserkommentare

  • Peter123 schrieb am 16.03.2020, 15.26 Uhr:
    Die erste Staffel war mit dem Twist noch ganz nett, aber an mehr kann ich mich auch in Staffel 2 nicht erinnern...Trailer für Staffel 3 war aber gut!
  • DIJKKI_10 schrieb am 16.03.2020, 15.21 Uhr:
    Ich war sowohl von der ersten als auch von der zweiten Staffel begeistert. Für mich ein Serienmeilenstein!
 

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