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TV-Kritik/Review: Wayward Pines
(11.05.2015)

Die besten Zeiten von M. Night Shyamalan liegen schon länger zurück - sowohl, was den kommerziellen Erfolg seiner Kinofilme angeht, als auch das Wohlwollen, dass Kritiker diesen entgegenbringen. "Avatar - The Last Airbender" und "After Earth" sind dann eben doch nicht "The Sixth Sense". Jetzt ist der Mystery-Horror-Spezialist unter die Fernsehregisseure und -produzenten gegangen und hat für den Kabelsender FX die Auftaktfolge der Miniserie
Deren Thema scheint wie geschaffen für den Stil Shyamalans: Matt Dillon spielt den Secret-Service-Agenten Ethan Burke, der auf der Suche nach zwei verschollenen Kollegen in das titelgebende verschlafene Kleinstadtnest im Bundesstaat Idaho kommt. Das dort nicht alles - oder besser gesagt: so gut wie nichts - mit rechten Dingen zugeht, merkt er recht schnell. Nach einem Autounfall erwacht er zunächst in einem Krankenhaus, in dem er der einzige Patient zu sein scheint, obwohl der zuständige Arzt (Toby Jones, der Hitchcock aus HBOs TV-Film "The Girl") nie für ihn Zeit hat. Stattdessen bevormundet ihn eine schräge und leicht sadistische Krankenschwester (Melissa Leo), die ihm auch verweigert, seine Ehefrau anzurufen. Nachdem er aus der Klinik entkommen ist, findet er in einem Haus eine schon verwesende Leiche, die kurz darauf, als er sie dem Sheriff zeigen will, spurlos verschwunden ist. Es scheint auch fast unmöglich zu sein, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Burkes wiederholte Versuche, seine Kollegen im Seattler Hauptquartier des Secret Service telefonisch zu erreichen, enden jedes Mal damit, dass er von einer ihm unbekannten Telefonistin/Empfangsdame abgewimmelt wird. Und auch medial ist die Stadt komplett abgeschnitten: Die einzige bekannte Tageszeitung ist ein Lokalblatt, das laut Aussage des Hotel-Portiers aber schon seit Wochen nicht mehr geliefert wurde - wahrscheinlich habe es einfach keine Neuigkeiten gegeben, so dessen lapidare Erklärung.
Erschwerend zu Burkes Verdachtsmomenten hinzu kommt, dass er eine der beiden Vermissten, seine Kollegin und frühere Liebhaberin Kate Hewson (Carla Gugino) schon bald findet - die nennt sich aber Ballinger, lebt mit Ehemann in einem schmucken Häuschen und hat Burke angeblich noch nie gesehen. Kurz darauf gibt sie sich - inzwischen unter vier Augen - dem Agenten doch zu erkennen und warnt ihn, dass man in der Stadt nicht offen sprechen dürfe, man werde ständig überwacht. Während alle anderen Einwohner so agieren, als sei alles ganz normal, wird die Barkellnerin Beverly (Juliette Lewis) Burkes einzige Vertraute. Nicht nur, dass sie ausgesprochen nett und verständnisvoll auf die Schilderung seiner Erlebnisse reagiert, bald wird klar, dass auch sie lieber heute als morgen der Gemeinde den Rücken kehren würde - was aber alles andere als einfach ist.
Spätestens am Ende der Auftaktfolge wird schon einigermaßen klar, worauf diese Geschichte hinausläuft (wenn nicht die Autoren um Chad Hodge am Ende doch noch den großen "Du bist schon längst tot und kannst deshalb nur mit mir sprechen"-Moment einbauen, was wiederum zum Regisseur passen würde). Wahnvorstellungen scheint Burke jedenfalls nicht zu haben, er scheint tatsächlich auf einer seltsamen Insel gefangen zu sein. Wobei man dabei weniger an eine der Glückseligen als an die aus 
Shyamalan versteht es durchaus, eine atmosphärisch-gruselige Grundstimmung aufzubauen, indem er die Bedrohung für den Helden als allgegenwärtig zeichnet. Der Feind kommt hier nicht von außen, sondern mitten aus der amerikanischen Gesellschaft heraus, deren Werte und bevorzugte Lebensweise ins Absurde verkehrt werden. Der American Way of Life wird von der Mehrzahl der Einwohner von Wayward Pines so stark auf die Spitze getrieben, dass er für die Wenigen, die ihm nicht folgen wollen, zur Hölle wird. Darin kann man durchaus eine - etwas plumpe - Allegorie auf Fremdenfeindlichkeit und Hass auf Andersdenkende sehen, spätestens wenn am Ende der zweiten Folge der Mob einem Akt kaum kaschierter Lynchjustiz zujubelt. Was leider nicht richtig aufkommt, ist echte Spannung. Dazu verläuft die Handlung dann doch zu sehr in bekannten Bahnen. Auch tragen absurde Running Gags wie der ständig mit einem Eishörnchen beschäftigte Sheriff (in einer netten Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse vom Afro-Amerikaner Terrence Howard gespielt) nicht unbedingt dazu bei, die Figuren ernst zu nehmen.
Einige der Darsteller neigen zudem zum Overacting, allen voran Matt Dillon, dem das Drehbuch aber auch nicht viel mehr zu tun gibt als ständig gehetzt von einem Ort zum anderen zu laufen und beunruhigt zu raunen. Auch Melissa Leo hat man schon subtiler erlebt, erinnert ihre Schwester Pam doch eher an eine Figur aus
Leidlich unterhaltsam ist der Serienauftakt zwar geraten. Insgesamt wirkt er aber so, als habe man das alles schon mehrmals ganz ähnlich gesehen und auch irgendwie besser. Eine Referenz, wenn es um Mysteryserien geht, die in Kleinstädten mit skurril handelnden Bewohnern spielen, fehlt natürlich noch. Aber "Wayward Pines" ist leider nicht
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Folgen der Serie.
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: FX Productions
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