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TV-Kritik/Review: Reign

TV-Kritik zum CW-Historiendrama - von Gian-Philip Andreas (09.12.2013)
TV-Kritik/Review: Reign

Reign
Dauphin Francis (Toby Regbo), Mary Stuart (Adelaide Kane) und Sebastian "Bash" (Torrance Coombs) (v.l.n.r.).

Im fanatischen Bemühen, die ganze Welt als Glitzerkulissenuniversum voller wunderschöner Modelmenschen in seinen Serien nachzubauen, hat sich das Junge-Leute-Netzwerk The CW nach Vampiren in New Orleans ("The Originals") diesmal europäische Renaissance-Geschichte einverleibt. Richtig gelesen: Es geht um Mary, Queen of Scots, bei uns in Deutschland landläufig bekannt als Maria Stuart, jene schottische Katholikin, die in Schillers nach ihr benanntem Drama ein legendär unerquickliches Ende fand.

"Reign" stürzt sich aber nicht auf ihre späteren Jahre in Gefangenschaft der britischen Königin Elisabeth, sondern auf ihre in Frankreich verbrachte Jugend. Von der Geschichtsschreibung abweichend holen die Serienmacherinnen Laurie McCarthy ("Ghost Whisperer") und Stephanie SenGupta ("Criminal Intent - Verbrechen im Visier") die 15-jährige Mary aber erst einmal aus einem Kloster: Eingangs fällt dort eine als Vorkosterin dienende Nonne röchelnd in ihren Porridge, und weil das als Attentat auf das Mädchen gewertet wird, befördert man es umgehend an den französischen Hof, der aus katholischer Verbundenheit die schützende Hand über die minderjährige schottische Königin hält.

Zwischen Frankreich und England herrscht gerade zwar einigermaßen Ruhe, doch Engländer und Schotten sind sich spinnefeind - ab der "kalten" Eröffnung von Folge drei wird das eine zentrale Rolle spielen. Englische Soldaten überschreiten da die schottische Grenze und zwingen die im französischen Exil lebende jugendliche Königin zum Handeln. "Reign" entpuppt sich dann tatsächlich als vages politisches Drama mit Interesse an strategischen Winkelzügen.

Zuvor jedoch versucht "Reign" mit einiger Mühe, wenn auch nicht ohne Charme, den Serienkosmos aufzuziehen und vergleichbare Geschichtsglitzerserien wie "Die Tudors" auf die Teen-Zielgruppe herunterzubrechen. Mary Stuart steht dabei als strahlende Heldin fest, und mit der 22-jährigen Australierin Adelaide Kane ("Teen Wolf") haben die Produzentinnen eine umwerfende Schauspielerin gecastet, die die verlangte heroische Ungebrochenheit von Anfang an souverän meistert.

Mary kommt also (in der von "Casper"-Regisseur Brad Silberling inszenierten Pilotfolge) am französischen Hofe an, der allerdings mehr nach einem mittelalterlichen Schloss in Irland aussieht - was nicht verwundert, fanden die Außenaufnahmen doch vorwiegend auf der grünen Insel statt. Diesen Drehort hat "Reign" übrigens mit "Game of Thrones" ebenso gemein wie das Thema der politischen Ranküne, wobei stilistisch und in Sachen Abgründigkeit natürlich in einer anderen Liga gespielt wird und man von eingefleischten Fernsehsessel-Westerosi wahrscheinlich schon für den bloßen Vergleich einen Kopf kürzer gemacht würde.

Reign
Alan van Sprang verkörpert King Henry II of France.
Am Hofe regiert König Henri II, in der Serie "Henry" genannt. Was gleich zur größten Bild-Ton-Schere der Originalversion führt: Die Franzosen, den Engländern heftig abgeneigt, versichern sich paradoxerweise in schneidigem Bühnen-Englisch ihrer Liebe zu Frankreich. Das ist einigermaßen grotesk, doch mit untertiteltem Französisch hätte man die Zielgruppe wohl ebenso verschreckt wie mit einer schottisch nuschelnden Mary. Gespielt wird "Henry-the-Second", der notorische Hugenottenschlächter, vom "Tudors"-erfahrenen Macho-Man Alan van Sprang (letzte Serie, kein Witz: "King"), dem man von der ersten Sekunde an ansieht, dass er seine biestige Gattin, Catherine de Medici, nur des Geldes und der Taktik wegen erträgt. Die katholische Fanatikerin aus Florentiner Adelsgeschlecht wird von Megan Follows verkörpert, die mal die jugendliche "Anne auf Green Gables" im gleichnamigen Mehrteiler von 1985 war. Jetzt, als Mittvierzigerin, darf sie die Hexe rauslassen: Als intrigante Königsgattin kreuzt sie das Gluckenhafte von Mutter Guldenburg mit der eisigen Selbstverachtung von Cersei Lannister und dem Upperclass-Hass von Catherine Martell aus "Twin Peaks". Mögen kann man so eine Figur nicht, und fast freut man sich, wenn sie sich in Folge zwei über ein blutiges X in ihren königlichen Laken erschrickt.

Wie interessant aber ist eine rein unsympathische Serienfigur? Zumal die Medici auch noch wundergläubig ist: Ihr zur Seite steht der legendäre Seher Nostradamus, der zur Spielzeit 1557 eigentlich bereits ein älterer Herr sein müsste, sich hier aber als viriler Vollbartträger im schicken Pelzmantel präsentiert. Rossif Sutherland (auch er aus "King") sieht in der Rolle aus wie einer jener Australier im Holzfäller-Look, die derzeit in Berlin überall überteuerte Coffeebars eröffnen. In jeder seiner Szenen hat er irgendwann eine Vision: Dann reißt er die Augen auf und "sieht", dass Mary dereinst für den Tod von Prinz Francis sorgen wird. Vor allem deshalb ist Mutter Medici der jungen Schottin gegenüber feindselig eingestellt. Eine Heirat mit Sohn Francis muss aus ihrer Sicht unbedingt vermieden werden. Dumm nur, dass sich Mary und Francis seit Kindestagen an versprochen sind, als französisch-schottisch-katholische Allianz. Drama und Intrige, hier entlang!

Francis führt uns allerdings gleich ins nächste Handlungsversatzstück: ins Liebesdreieck aus schöner Frau und schönen Brüdern, nicht zuletzt aus dem CW-Dauerbrenner "Vampire Diaries" bekannt. Francis ist zwar kein Vampir, sieht aber als blass-blonder Elfenjunge dem ewigen Blutsauger Robert Pattinson bestimmt nicht nur versehentlich ähnlich. In den ersten Folgen ringt Toby Regbo ("Mr. Nobody") als Francis noch um Statur, vor allem im direkten Vergleich mit Halbbruder Bash (Torrance Coombs, "Tudors"), einem grünäugigen Beau, den Papa Henry mit seiner Mätresse zeugte, und der schon wegen seiner zupackenden Maskulinität beim Erzeuger besser gelitten ist als Francis. Zu Francis' Ehrenrettung muss man jedoch sagen, dass sein historisches Vorbild ein kleinwüchsiger, hässlicher Stotterer gewesen sein soll. Das ist Regbo in seiner Funktion als designierter neuer CW-Hottie natürlich nicht. Trotzdem scheint Mary in den ersten Folgen auch für Bashs tiefe Blicke empfänglich zu sein.

Und sonst noch? Es spukt! Eine geheimnisvolle junge Frau mit Leinensack auf dem Kopf geistert durch das Schloss, taucht meist unscharf irgendwo im Bildhintergrund auf, um dann sofort wieder zu verschwinden. Sie, die laut Auskunft des kleinsten Prinzenbruders Charles "Clarissa" heißt, scheint es gut mit Mary zu meinen und warnt sie vor weiteren Attentaten. Und: Irgendwo im Wald nahe des Schlosses droht zudem eine bislang nicht näher bekannte, aber blutig-tödliche Gefahr. Und: Die ganze Zeit - auch in die Dialoge hinein - dudelt auf dem Soundtrack textlastige Folk-Musik von den Lumineers, Bastille oder Band of Skulls. Womöglich dachten die Macher: Ein Banjo? Das klingt alt! Das nimmt uns die Zielgruppe als Renaissancemusik ab... Diese Art Anachronismus steht natürlich im Einklang mit dem bewährten CW-Credo, dass auch in Sachen Dekor und Kostüm eher auf trendige Schnitte denn auf historische Akkuratessen zu achten ist. Trotzdem fürchtet man stets, dass da gleich Mumford & Sons aus den Kulissen springen könnten.

Es gibt weitere Figuren (etwa die Königs-Mätresse), die in den ersten Episoden noch keine nennenswerten Rollen spielen. Besonders schade ist das für Marys Zofenquartett, vier Grazien auf Männersuche, die wohl das "Gossip Girl"-Moment ins höfische Geschehen einführen sollen. Doch auch wenn der Lover von Lola (Anna Popplewell aus den "Narnia"-Filmen) als Intrigen-Opfer schnell tot im Wald hängt und Kenna (Caitlin Stasey) sich in einer denkwürdig verklemmten Montagesequenz von Henry Zwo verführen lässt - ausdefinierte Figuren sind das noch lange nicht. Der Favorit von Greer (Celina Sinden) immerhin, ein portugiesischer Prinz, ist es, der ab Folge drei dann die polit-taktischen Dinge ins Rollen bringt. Wird Mary dessen Heiratsangebot annehmen, um dafür Hilfe im schottischen Kampf gegen England zu bekommen?

McCarthy und SenGupta versuchen also, alles unter einen Hut zu bekommen: das Teen-Drama, die Romanze, das Intrigenspiel und den historischen Hintergrund, der hier trotz aller Verjüngungen und Verzerrungen ernster genommen zu werden scheint als man anfangs erwarten könnte. Dieser Versuch wirkt zwangsläufig oft krampfhaft. Doch trotz der klischeehaften Dialoge und unausgereiften Nebenfiguren kommt die Serie langsam in die Gänge. Das liegt an Adelaide Kane, die als starke Zentralfigur die losen Enden bündelt, aber auch an den erwähnten Mystery-Elementen, die von den Macherinnen bislang relativ geschickt in der Schwebe gehalten werden. Für Erstaunen sorgt zudem, dass ein paar der weiteren Folgen von Kult-Regisseuren inszeniert werden: Was Bruce MacDonald ("Hard Core Logo") oder Jeremiah Chechik ("Benny & Joon") anpacken, kann so schlecht eigentlich nicht werden.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von "Reign".

Meine Wertung: 3/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: The CW


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").