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TV-Kritik/Review: The Muppets

Fernsehcomeback der Puppentruppe als ABC-Comedy - von Marcus Kirzynowski
(19.10.2015)

The Muppets
Zurück im Fernsehgeschäft: Fozzy, Kermit und Miss Piggy

Die Puppen tanzen wieder. Diesmal allerdings weniger auf der Bühne, sondern überwiegend dahinter. Knapp 20 Jahre nach ihrer bislang letzten regulären TV-Serie "Muppets Tonight!" ist Jim Hensons anarchische Truppe zurück im Programmplan eines US-Fernsehnetworks, mit der generisch nur "The Muppets" betitelten Sitcom auf ABC. Nach wie vor arbeiten Kermit & Co. im Show- und sogar wieder im Fernsehgeschäft. Star der Show in der Show ist diesmal allerdings Miss Piggy, die eine Late-Night-Show namens "Up Late With Miss Piggy" heißt. Die meisten anderen Figuren haben ihre Aufgaben jetzt hinter den Kulissen: Kermit hält als Executive Producer alle Fäden in der Hand, Gonzo ist Chefautor, Scooter ist der Gäste-Booker, der dänische Koch fürs Catering zuständig, der moralisch strenge Adler Sam achtet als Sendervertreter auf die Einhaltung der "Standards and Practices" (also "keine anstößigen Witze" und ähnliches), etc. Lediglich Witzereißer Fozzy fungiert nicht nur als Einheizer des Studiopublikums vor der Aufzeichnung, sondern darf auch als Ansager in Piggys Show auftreten und die altbekannte Muppet-Band um Dr. Goldzahn hat die naheliegende Aufgabe der Late-Night-Band übernommen.

So weit, so gewohnt. Neu ist nun, dass die Serie nicht wie "Muppets Tonight!" und der berühmtere Vorläufer "Die Muppet Show" aus den 1970ern zu gleichen Teilen das Geschehen auf und hinter der Bühne zeigt. Stattdessen handelt es sich um eine klassische "Hinter den Kulissen"-Serie - oder eine Arbeitsplatzcomedy im Stil einer Pseudo-Dokumentation (neudeutsch Mockumentary) wie etwa "The Office". So sprechen die Figuren dann auch regelmäßig direkt in die Kamera, weil angeblich ein Fernsehteam eine Doku über die Arbeit an der Late-Night-Show dreht. Dieses schon etwas ausgelutschte Stilmittel dient auch gleich zu Anfang für einen herrlichen Gag Gonzos, der sich im Produktionsmeeting noch beklagt, er hasse solche Dokus, weil darin immer alle das Gegenteil von dem sagen würden, was sie wirklich denken, nur um sofort danach vor der Kamera zu bekräftigen, wie sehr er diese Art Dokus liebe. Es sind solche kleinen Gags über die TV-Branche, aus denen "The Muppets" einen großen Teil seines Charmes bezieht.

So geht es hinter den Kulissen generell relativ sarkastisch zu, Gäste werden ein- und wieder ausgeladen, wie es der divenhaften Moderatorin gerade passt und selbst der sonst so nette Kermit darf sich hin und wieder von seiner abgebrühteren Seite zeigen. Die Serienmacher um "The Big Bang Theory"-Koschöpfer Bill Prady (der seine Karriere als Assistent bei den "Fraggles" begann) und Bob Kushell wollen aber noch mehr: nämlich die einzelnen Muppets als Individuen zeigen, die neben ihrem Showberuf auch noch ein Privatleben haben. So bildet nicht nur die (vorerst) gescheiterte Beziehung zwischen Kermit und Piggy eine zentrale Rolle, sondern etwa auch Fozzy darf erstmals beim Daten gezeigt werden - mit einer menschlichen Frau, was deren Eltern gar nicht gefällt.


The Muppets
Jetzt öfter mal angefressen: Executive Producer Kermit, der Frosch
Was der Sender als erwachsenere Version der "Muppet Show" verkaufte, wird sicher nicht allen Altfans gefallen. Die Muppets sind nun keine unbeschwerten Figuren mehr, sondern mit ganz menschlichen Sorgen wie eben Liebespartnern, Schwiegereltern und anderem Anhang geplagt. Und das funktioniert nicht immer so richtig. Während die Dreiecksbeziehung zwischen Piggy, ihrem Dauer-Angebeteten Kermit und dessen neuer Freundin, der Schweinedame Denise ("Ich kann es nicht leugnen: Ich stehe auf Schweine."), durchaus für Witz und auch für schöne emotionale Momente sorgt, wirkt Fozzys Besuch bei den Eltern seiner Flamme eher bemüht. Hoffentlich treiben es die Autoren mit solchen Handlungssträngen nicht allzu weit, denn manche Details über das Liebesleben der Muppets will man dann doch besser nicht wissen (man denke nur an Gonzo und Camilla).

Erstaunlich ist wie immer bei den Muppets, wie die Puppenspieler es manchmal schaffen, dass man als Zuschauer völlig vergisst, dass es sich um relativ mimiklose Geschöpfe aus Plüsch und Schaumstoff handelt. Es wirkt einfach zu real, wenn etwa Kermit vor einem gemeinsamen Kinobesuch mit Piggy Schluss macht. In solchen Momenten spielt die Serie die Stärken aus, die Muppet-Produktionen schon immer ausmachten: die wiedererkennbaren Charakteristika der Hauptfiguren und das Talent der Puppenspieler, diese mit Leben zu füllen. Dabei ist die Atmosphäre diesmal nicht so nostalgisch wie in den beiden neuen Kinofilmen, aber zum Glück auch nicht so süßlich wie zum Beispiel in der "Muppet-Weihnachtsgeschichte". Die Figuren sind aber auch nicht so weit von ihren Ursprüngen entfernt, dass man sie nicht mehr wiedererkennen würde.

Der Fokus liegt dabei klar auf den "Stars" Kermit, Piggy, Fozzy und teilweise noch Gonzo, während die anderen Figuren bislang nur Nebenrollen einnehmen und etwa der altgediente Rowlf vorerst völlig fehlt. Gerade eine regelmäßige Serie böte natürlich auch die Chance, später stärker vermeintliche Randfiguren zeitweise in den Mittelpunkt zu stellen. An schillernden Charakteren ist das Franchise ja nicht gerade arm.

Über die Trefferquote der Gags in der neuen Serie lässt sich sicherlich streiten - das war allerdings, wenn man ehrlich ist, bei der Original-"Muppet-Show" auch nicht anders. Womit die Serie steht oder fällt, ist aber mehr, wie überzeugend die Figuren selbst sind, und da gibt es in den ersten beiden Folgen wenig zu meckern. Wie in den Vorgängerformaten dürfen natürlich auch menschliche Gaststars wieder nicht fehlen, so ist etwa gleich zum Auftakt die Schauspielerin Elizabeth Banks ("Scrubs", "Wet Hot American Summer") zu Gast auf Piggys Show-Couch (ganz gegen deren Willen) und in Folge 2 schauen unter anderen Laurence Fishburne und Jay Leno vorbei. Wie eh und je stehlen die Puppen den Promis aus Fleisch und Blut aber sowieso die Schau. Auch wenn es nach den Auftaktfolgen sicher noch Potential zur Verbesserung gibt, bleibt zu hoffen, dass es den Muppets gelingt, in der veränderten Fernsehlandschaft von heute dauerhaft ihr Publikum zu finden. Ein TV-Programm mit Muppets ist einfach immer besser als eines ohne.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie.

Meine Wertung: 3.5/5


Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: ABC Studios


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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