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TV-Kritik/Review: "Hanna": Amazons Teenage-Killerin macht Spaß

von Gian-Philip Andreas (29.03.2019)
Remake überzeugt mit Mischung aus Originaltreue und eigenen Akzenten
"Hanna" (Esmé Creed-Miles) und ihr Vater Erik (Joel Kinnaman)
Bild: Prime Video Deutschland
TV-Kritik/Review: "Hanna": Amazons Teenage-Killerin macht Spaß/Bild: Prime Video Deutschland

Der Film "Wer ist Hanna?", eine britisch-deutsche Co-Produktion aus dem Jahr 2011, erzählt einen simplen B-Movie-Plot: Ein 15-jähriges Mädchen wächst mit ihrem Vater, der sich vor Geheimdienstlern versteckt, in der verschneiten Wildnis Finnlands auf, wird von ihm zur Kämpferin und Assassinin trainiert. Als beide getrennt werden, muss Hanna vor CIA-Häschern fliehen, von Marokko übers Mittelmeer, quer durch Europa bis nach Berlin. Dort kommt es zum Showdown mit einer gnadenlosen Agentin. Kurz vor Schluss erst erfährt Hanna die düsteren Hintergründe ihrer eigenen Existenz.

Aus heutiger Sicht ist der Film, damals kein Hit, vor allem aus zwei Gründen sehenswert: Erstens verschaffte er Saoirse Ronan, heute eine der meistgefeierten Darstellerinnen Hollywoods, ihre zweite große Titelrolle (nach Peter Jacksons "In meinem Himmel"). Er etablierte die damals 16-Jährige endgültig auf der Liste der Namen, mit denen zu rechnen war, gerade auch, weil der Kontrast so krass war zwischen ihrer ätherischen Erscheinung und den Brutalitäten, die sie im Film beging.

Zweitens bot der Actionthriller dem britischen Regisseur Joe Wright die Gelegenheit zu zeigen, dass er auch andere Genres bedienen konnte als gediegene Period Pieces wie "Stolz und Vorurteil" oder "Abbitte" (in dem die kindliche Ronan mitgespielt hatte): "Wer ist Hanna?" war extravagant gefilmt, trug märchenhafte Züge, erschreckte mit plötzlichen Brutalitäten und erlaubte Wright, ein unerwartetes Faible fürs Surreale auszuleben: Figuren wie den clownesken Killer Isaacs, der im Tennisdress, begleitet von zwei tumben deutschen Skins, mordend durch die Gegend zieht, oder die eishexenhafte, auch vor Großmuttermord nicht zurückschreckende CIA-Agentin Marissa Wiegert (Cate Blanchett) hätte man zum Beispiel auch in David-Lynch-Filmen wie "Wild at Heart" finden können. Der Film, der gegen Ende über den verlassenen Spreepark in Berlin führt, punktet mit einem ganz eigenen Style, der definitiv mehr aus ihm macht als das formelhafte B-Movie, auf das der Plot eigentlich schließen lässt.
Erik (Joel Kinnaman) befreit Baby-Hanna aus einem "Hochsicherheits-Krankenhaus"

Daraus nun eine achtstündige Serie zu zimmern, wie es Amazon jetzt mit "Hanna" versucht hat (in einer übrigens rein US-amerikanischen Produktion), ist kühn, schließlich funktionierte der Film gerade deshalb so gut, weil er unnötige Seitenwege gezielt aussparte und sich konsequent auf den (Reise-)Weg seiner Teenie-Titelfigur beschränkte. Doch als Autor fungiert beruhigenderweise David Farr, der schon am damaligen Drehbuch beteiligt war. Farr hat sich in der Zwischenzeit weitere Spy-Movie-Meriten erworben: Von ihm stammt etwa das Skript zur gefeierten John-le-Carré-Verfilmung "The Night Manager".

Kein Wunder ist es also, dass die Story der ersten Episoden ziemlich genau am filmischen Original entlangoperiert. Dabei flicht Farr allerdings entscheidende Änderungen ein, die den ursprünglich linear erzählten Plot mit mehr Backstory unterfüttern. Im Film lebten Hanna und ihr Vater Erik in einer Hütte in Finnland, in der Serie bewohnen sie eine Höhle in Nordpolen. Das, was sie dorthin führte, wird nicht wie im Film nur in Flashbacks angerissen, sondern in einem zehnminütigen Prolog vorgeführt: Erik (Joel Kinnaman, "The Killing") stiehlt im Jahr 2003 ein Baby - Hanna - aus einem dubiosen rumänischen Krankenhaus, flieht mit Hannas Mutter (Joanna Kulig aus "Cold War - Der Breitengrad der Liebe") nach Polen, wird dort von Geheimagenten des CIA gehetzt, setzt auf der Flucht das Auto gegen einen Baum. Die Mutter stirbt, doch Erik kann mit dem Baby fliehen und lässt sich in besagter Höhle nieder, wo er Hanna großzieht, ihr Sprachen, Weltwissen, Beatles-Songs sowie das Jagen beibringt und sie zur Fighterin ausbildet.

Wenn Väter nur das Beste für ihre Töchter wollen...

Der Rest der Pilotepisode spielt in dieser Wildnis. Einige der Szenen wurden nahezu deckungsgleich aus dem Film übernommen, etwa jene, in der sich der Vater von hinten an die gerade ein Wildtier zerlegende Hanna heranpirscht, um ihr zu demonstrieren, dass sie in diesem unbedachten Moment von potenziellen Übeltätern hätte getötet werden können.

Dennoch werden die Schwerpunkte etwas anders gesetzt. Dass es irgendwann zum Ende der Vater-Tochter-Zweisamkeit in der Wildnis kommt, wird hier viel mehr aus einer dem Heranwachsen Hannas geschuldeten Absetzbewegung hergeleitet als im Kinofilm. Das liegt einerseits daran, dass die superbe Newcomerin Esmé Creed-Miles in der Titelrolle (zur Drehzeit 20 Jahre alt) erwachsener wirkt als Saoirse Ronan damals, anderseits daran, dass ihre pubertäre Veränderungen konkretisiert werden, von ihrer ersten Regelblutung bis hin zum polnischen Holzfällerbub, den sie bei einem unerlaubten Ausflug in die Wälder kennenlernt, der mit ihr einen Schokoriegel teilt und sie zum romantischen Sternegucken auf eine Funkstation einlädt. Damit hängt auch einer der größten Änderungen zur Filmversion zusammen: Damals löste Hanna das Funksignal, das die Agentin Marissa Wiegler (Kinnamans "The Killing"-Partnerin Mireille Enos) auf ihre Spur bringt, selbst aus, als sie sich für austrainiert hält. In der Serie indes kommt es zufällig dazu, weil sie mit dem jungen Polen an der Funkstation erwischt wird - bei der ersten Gelegenheit, bei der sich die pubertierende Hanna den Regeln ihres Vaters widersetzt.

In beiden Varianten werden Vater und Tochter an dieser Stelle getrennt, mit der Zielsetzung, sich bei nächster Gelegenheit an einer verabredeten Adresse in Berlin wiederzutreffen. Mit der zweiten Episode verändern sich Tempo und Tonfall der Erzählung - Hanna landet in einem geheimen CIA-Labor und kann sich daraus in einer ersten spektakulären Kampf- und Ballerszene trickreich befreien. Sie entdeckt dann, dass sie nicht mehr in Polen ist, sondern in der marokkanischen Wüste: Symbolisch öffnet sie eine Tür, die sie in diese völlig unerwartete neue Umgebung entlässt.

Gegenspielerin Marissa Wiegler (Mireille Enos)

Auch in diesem Fall erweist sich die längere Erzählzeit der Serie als glücklicher Umstand. Die urlaubende englische Familie, auf die Hanna in Marokko trifft und in deren Camper-Van sie sich auf die Fähre gen Europa schmuggelt, wird hier im Rahmen eines längeren Cold Openings detailliert eingeführt - als dysfunktionale familiäre Einheit aus gefrustetem Ehepaar, pubertierender Tochter und dauerdaddelndem kleinen Bruder. Wie diese vier neurotischen Briten plötzlich mit Hanna im nordafrikanischen Nirgendwo zusammentreffen, das wird in der Serie eleganter eingefädelt als im Film.

Mit der Reise übers Meer, durch Spanien und Frankreich und den ersten Attacken der vom CIA geschickten Killer und Kidnapper folgt die Serie weiter dem Plot des Originals. Dennoch gelingt Regisseurin Sarah Adina Smith (die zuvor Episoden für "Legion" und "Room 104" inszenierte) etwas Eigenes: Mit Sophie, der Tochter der urlaubenden Familie, die Hanna zunächst mit lauter Sprüchen aus ihrer konsumistischen und medienzentrierten Lebenswirklichkeit so verwirrt, als spräche sie in einer völlig anderen Sprache, die dann aber zu ihrer ersten, engen Freundin wird, bekommt das Coming-of-Age- und Empowerment-Drama der als Einsiedlerin aufgewachsenen Hanna neue Facetten. Dieses ungleiche Duo sorgte schon im Film (damals mit der wunderbaren Jessica Barden aus "The End of the F***ing World" als Sophie) für den unterhaltsamen Höhepunkt, in der Serie (jetzt spielt die ähnlich starke Rhianne Barreto die Sophie) steht die Freundschaft der beiden noch mehr im Mittelpunkt. Das ist gut so, und die Tatsache, dass Barreto für fünf weitere Episoden angekündigt wird, zeigt, dass diese Figur hier tatsächlich wesentlich wichtiger für den Plot zu sein scheint als im Film.

Unterwegs schließt Hanna (Esmé Creed-Miles) Freundschaft mit Sophie (Rhianne Barreto)

Was bislang tatsächlich fehlt, sind die surrealen, dunkel-märchenhaften Elemente des Films - in der Serie ist das Geschehen realistischer in der Welt verankert (sofern dies möglich ist in einem Plot, in dem es um genetische Supersoldatenbasteleien geht). Geprunkt wird aber auch hier mit spektakulären Bildern aus Wildnis und Wüste, die sich hinter dem Original ebenso wenig zu verstecken brauchen wie Titelheldin Esmé Creed-Miles, die die so unterschiedlichen Settings und Szenen durch ihr ernstes, aber nie verbissenes Spiel souverän zusammenhält.

"Hanna", die Serie, glänzt bislang mit einem idealen Rhythmus aus ruhigen und explosiven Szenen, ist famos geschnitten, und der Score von Portishead-Mitglied Geoff Barrow und Ben Salisbury ist weniger aufdringlich als der pumpende Elektro-Score der Chemical Brothers, der den Film seinerzeit so manisch vorantrieb. Was indes leicht skeptisch aufmerken lässt: Am Ende der zweiten Episode (von acht) steht der Plot ungefähr dort, wo im Film bereits zwei Drittel der Lauflänge verstrichen waren. Das deutet daraufhin, dass die weitere Hatz auf Hanna und ihre Rache an Marissa Wiegert in Berlin, die im Film nur eine gute halbe Stunde in Beschlag nahm, in der Serie weitaus größeren Raum einnimmt - was die Gefahr birgt, dass aus der Jagd am Ende doch noch so eine "Auf der Flucht"-mäßige Konzeptnummer wird. Das wäre schade, denn gerade die Schnörkellosigkeit des überschaubaren Plots hatte ja den Reiz der Vorlage ausgemacht. Dennoch sollte man die Skepsis nicht übertreiben: Als Darsteller sind für die weiteren Folgen unter anderem noch Benno Fürmann und Noah Taylor ("Preacher") angesagt - man darf gespannt sein, was den Machern mit ihnen anzufangen wissen. Die ersten beiden Episoden machen jedenfalls sehr viel Spaß.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie "Hanna".

Meine Wertung: 4.0/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Prime Video


Prime Video hat die komplette, achtteilige erste Staffel der Serie "Hanna" am Freitag (29. März 2019) veröffentlicht - sowohl im Originalton wie auch in einer deutschen Synchronfassung.

Trailer zu "Hanna"


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").