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TV-Kritik/Review: "Horst Schlämmer sucht das Glück": Dieser Film hat mehr als nur Rücken
von Christopher Diekhaus(24.03.2026)

Wir schreiben den 28. Mai 2006. Zur besten Sendezeit läuft bei RTL der Dauerbrenner
Momente wie dieser zeigen, was den anzüglichen, nie Distanz wahrenden Schlämmer, ein Relikt aus einer miefigen BRD-Zeit, so beliebt machte. Dass eine Figur, die in kurzen Sketchen auf dem kleinen Bildschirm funktioniert, auf der großen Leinwand verloren wirken kann, demonstrierte drei Jahre später allerdings die Klamotte

Angelegt als Mockumentary, also als Fake-Doku, beginnt
Nach dem Abklingen der Pandemie ist Schlämmer eigentlich sehr zuversichtlich, wenn da nicht zwei Dinge stören würden: Seine Stammkneipe hat die Lockdowns nicht überlebt, ist nun ein Waschsalon, und die Menschen sind nach wie vor äußerst übellaunig, haben "Rücken im Gesicht", wie es der selbst unter Kreuzbeschwerden leidende Schnapsliebhaber bezeichnet. Für den knallharten Investigativjournalisten gibt es nur eine Antwort: Einen echten Film drehen, in dem er überall in Deutschland nach Spuren des Glücks Ausschau hält. Begleitet von Anna (nie richtig zu sehen, da ihre Figur die Kamera hält: Laura Thomas), der Social-Media-Redakteurin des Grevenbroicher Tagblatts, begibt sich Schlämmer auf die Reise.

Was sehr schnell auffällt: Ehrliches Interesse am Gemütszustand der Deutschen, an der Verfassung unserer krisengeschüttelten Gesellschaft hat die von Claudius Pläging (
Große Satire darf man von einem Film wie diesem sicher nicht erwarten. Kurzweilig unterhalten sollte er dann aber schon. Und selbst da hakt es von Anfang an. "Horst Schlämmer sucht das Glück" erweist sich als Roadmovie, das oft dürftig motiviert von einer Episode, einer Station zur nächsten springt und dabei tief in die Klischeekiste greift. Im Kurort Bad Lobenstein trifft der gemächlich dahinzuckelnde Reporter auf eine Lach-Yoga-Gruppe, die aus lauter Althippies besteht. In Berlin macht er Bekanntschaft mit Clangangstern - was auch sonst!? Auf Sylt fühlt er den reichen Schnöseln auf den Zahn. Und in Thüringen will er klären, warum dort (er landet jedoch in Sachsen) angeblich die unzufriedensten Menschen leben. Auch wenn das Drehbuch ab und an Stereotype aufbricht, ist all das unglaublich vorhersehbar und zum Gähnen langweilig.
Die Beliebigkeit, die hier regiert, tritt nicht zuletzt in einem Gespräch mit Rainer Maria Kardinal Woelki zum Vorschein. Was dabei sauer aufstößt: Ausgerechnet der Kölner Erzbischof, der bekanntlich bei der Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen in seinem Bistum höchst fragwürdig agierte, darf sich als volksnaher Geistlicher präsentieren. Bezeichnend für den ganzen Film ist wahrscheinlich, dass ein Treffen zwischen Horst Schlämmer und Markus Söder zu den witzigsten Momenten überhaupt gehört. Die laut dem so breitbeinigen bayerischen Ministerpräsidenten improvisierte Passage lässt zumindest ein wenig Selbstironie durchscheinen, obschon auch ihr echter Biss abgeht.

Rund ein Drittel der Laufzeit machen die immer wieder eingestreuten Gaby-Wampel-Abschnitte aus, die das Mockumentary-Format aufbrechen. In immer neuen, betont überzogen inszenierten Serienrollen - unter anderem als Buschärztin, als alleinerziehende Mehrfachmutter und als Kommissarin - sehen wir die Lieblingsschauspielerin Schlämmers alles geben. Ein Meta-Kniff, mit dem "Horst Schlämmer sucht das Glück" das deutsche Formelfernsehen durch den Kakao ziehen möchte. Ironischerweise ist der Film aber ähnlich banal, wie das, was er parodiert. Dass diese Ebene nicht nur als Füllmaterial dient, lässt sich auch ohne kriminalistische Expertise rasch erschließen. Und doch ist es zum Augenrollen, wie albern die Glückssuche und der Schmonzetten-TV-Strang im Finale zusammengebracht werden.
Hauptdarsteller Hape Kerkeling, der in den Wampel-Einschüben zudem verschiedene Parts bekleidet, ist dennoch mit großer Spiellust bei der Sache. Erfrischend unprätentiös gibt sich der Unterhaltungsexperte auch in einer Episode, in der er sich selbst verkörpert. Und zwar als missmutig-herablassenden Promi, der in einem Kaufhaus eine Signierstunde für sein neues (fiktives) Buch "Glücklichkeit kennt keine Grenzen" (eine Anspielung auf das Titellied des Hape-Films Fischer haben es schwer - es sei denn, sie heißen Helene
) und einer ziellosen Pseudohandlung ist man am Ende aber reif für den Lach-Yoga-Kurs aus Bad Lobenstein.
Der Kinofilm "Horst Schlämmer sucht das Glück" startet am Donnerstag, dem 26. März in den deutschen Kinos.
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Leserkommentare
Andy72 schrieb am 26.04.2026, 11.07 Uhr:
ja das war nix.... wenn hape diese figur geheim gehalten hätte und dann den ersten film komplett inkognito guerilla style gedreht hätte, wäre das bestimmt ein kultfilm geworden wie borat. aber geskriptet funktioniert es einfach nicht.Shadow220662 schrieb am 28.03.2026, 12.28 Uhr:
manchmal ist es besser wenn man sein Andenken nicht beschmutzt. Horst Schlämmer war eigentlich zu Ende erzählt, schade ich mochte die Figur. Hape ist einer der vielseitigsten Komiker in unserem Land, aber er ist nicht Otto.........Otto kann jeden Film machen und er wird positiv beurteilt.
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