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TV-Kritik/Review: Ist "Disenchantment" der "Simpsons"-Nachfolger, den Fans abfeiern werden?
von Gian-Philip Andreas(16.08.2018)

29 Jahre nach der ersten Folge von
Vieles ist nämlich beim Alten geblieben. Das betrifft den Zeichenstil, der Groening-Nerds sich mit all den glubschäudigen Gestalten sofort zu Hause fühlen lässt, und es betrifft das Personal hinter der Kamera und am Mikrofon. Der mittlerweile 64-Jährige entwickelte das Projekt zusammen mit seinem langjährigen Kollaborateur Josh Weinstein, der die "Simpsons" zur Hochphase in den Neunzigern produzierte, im Writer's Room und in der Regie sind lauter alte "Futurama"- und "Simpsons"-Bekannte an Bord. Damit nicht genug: Wer "Disenchantment" im Original schaut - was, das ist ja klar, unbedingt zu empfehlen ist - lauscht sich einmal quer durch fast den gesamten "Futurama"-Cast. Die Sprecher von Bender (John DiMaggio), Fry (Billy West), Mom (Tress Macneille), Scruffy (David Herman), Kif Kroker (Maurice LaMarche) und Amy Wong (Lauren Tom) sind allesamt gleich in mehreren Parts zu hören. Ansonsten stehen viele britische Comedians am Mikrofon (etwa Matt Berry aus

Prinzessin Bean, um die sich hier alles dreht, ist die erste weibliche Hauptprotagonistin im Groening-Kosmus: graublond wie Daenerys Targaryen, aber exakt so überbissig, wie man es vom "Simpsons"-Schöpfer erwarten würde. Gesprochen wird sie von der wunderbaren Abbi Jacobson, die mit ihrer "Abbi" aus

Da trifft es sich, dass zwei kleine Wesen in ihr Leben treten: Erst springt der kleine Luci aus einer Geschenkschatulle hervor, ein Dämon, gezeichnet als schwarzer, pfeilbeschwanzter Scherenschnitt, der als Geist, der stets verneint, in jeder noch so brandgefährlichen Situation trockenhumorige Anti-Sprüche reißt - ein bisschen so wie Gilfoyle aus
Das ist die Konstellation, anhand derer sich die einzelnen Abenteuer-der-Woche fortan entlanghangeln: Die freche Prinzessin, spielsüchtig, trinkfest und emanzipiert, der der naive, gutherzige Elf und der defätestische Dämon wie ein guter und ein böser Engel auf der Schulter sitzen. Mal geraten sie an einen Einsiedler, den eine Elfenprostituierte als weisen "Wishmaster" annonciert und der sich dann doch nur als haushaltsdienlicher "Washmaster" entpuppt; dann landen sie zu Merkimers Junggesellenabschied auf einem maroden Partyschiff, das von Wikingern versenkt wird; mal verdingen sie sich im Auftrag einer Gangsterbande als Juwelendiebe, dann fällt Bean einem windigen Exorzisten in die Hände. Im Hintergrund ziehen zwei Zauberer die Fäden: Was sie vorhaben, ist noch unklar, aber sie sind für Luci verantwortlich.
Das ist, trotz leichter Temposchwierigkeiten, sehr unterhaltsam und für alle jene, die seit Jahren behaupten, die "Simpsons" seien doch schon lange nicht mehr so witzig wie früher, auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung vom üblichen Springfield-Setting. Doch die neue Groening-Serie, auf die alle gewartet haben, um sie jetzt abzufeiern - ist "Disenchantment" das geworden? Eher (noch) nicht. Denn so sehr die Animationsabteilung auch ein detailverliebt aus der Norm gekipptes Märchenland mit vielfältiger Beschilderung ("Sie betreten jetzt den Zauberwald - Achtung vor der rassistischen Antilope!"; "Willkommen in Dreamland - jetzt mit fünf Dorfdeppen!") entwirft, und so sehr die Autoren mit der reptilienhaften Königin Oona (MacNeille), dem unverdrossenen Herold (Herman), dem schwulen Ministerpräsidenten (LaMarche), dem unfähigen Hofzauberer (West) oder der spruchstarken Zofe (Lucy Montgomery) auch tragfähige Figuren kreiert haben: Richtig vom Hocker haut das alles nicht. Der Humor speist sich, in Bild und Dialogen, mindestens genauso viel aus Groening-Standards wie aus Monty Pythons

Vielleicht aber ist es für die große Enttäuschung aber noch viel zu früh - und Jammern auf hohem Niveau. Groening-Spezis werden bekanntlich nicht müde zu betonen, dass auch die ersten Staffeln von "Simpsons" und "Futurama" ihre liebe Mühe hatten, den richtigen Ton zu finden. Von "Disenchantment" ist bereits eine zweite Staffel bestellt, und erst, wenn man Bean, Luci und Elfo mal längere Zeit am Stück bei ihren absurden Abenteuern verfolgen durfte, wird sich wohl erahnen lassen, ob wir es hier mit einem künftigen Klassiker oder aber mit kurzlebigem Quatsch zu tun haben.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Disenchantment". Die Episoden lagen zu dem Zeitpunkt ausschließlich in englischer Sprache vor.
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: 2018 The ULULU Company/Netflix
Die zehnteilige erste Staffel von "Disenchantment" wird am 17. August gegen 9.00 Uhr bei Netflix veröffentlicht, eine weitere zehnteilige Staffel ist bereits bestellt.
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