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TV-Kritik/Review: Ist "Disenchantment" der "Simpsons"-Nachfolger, den Fans abfeiern werden?

von Gian-Philip Andreas (16.08.2018)
Neue Animationsserie startet bei Netflix
Bean mit Elfo und Luci bei einem Abenteuer im Wald - "Disenchantment"
Bild: 2018 The ULULU Company/Netflix
TV-Kritik/Review: Ist "Disenchantment" der "Simpsons"-Nachfolger, den Fans abfeiern werden?/Bild: 2018 The ULULU Company/Netflix

29 Jahre nach der ersten Folge von "Die Simpsons", 19 Jahre nach der ersten Episode von "Futurama" und kurz vor seinem Eintritt ins Rentenalter beehrt uns Matt Groening noch einmal mit einer neuen Zeichentrick-Sitcom. Einiges ist neu: "Disenchantment", diese schräggestellte Märchenparodie um eine versoffene Prinzessin auf der Flucht vor den ihr zugedachten Konventionen, läuft nicht bei Groenings Stammsender Fox, sondern beim Streamingdienst-Platzhirschen Netflix, weshalb auch die übliche 22-Minuten-Episodenlänge obsolet geworden ist. Die Episoden dauern jetzt alle so um die 30 Minuten, die Pilotfolge mäandert sogar noch ein paar Minuten länger vor sich hin. Auch scheint sich der Plot, soweit es die ersten Episoden dieser Zehn-Folgen-Debütstaffel preisgeben, deutlich mehr auf übergreifende Handlungsbögen zu stützen, als man es von Groening gewöhnt ist, was aber nicht heißt, dass es im Einzelnen eben nicht doch vor allem um starke Sprüche, sketchartige Sequenzen und absurde Figuren gehen würde.

Vieles ist nämlich beim Alten geblieben. Das betrifft den Zeichenstil, der Groening-Nerds sich mit all den glubschäudigen Gestalten sofort zu Hause fühlen lässt, und es betrifft das Personal hinter der Kamera und am Mikrofon. Der mittlerweile 64-Jährige entwickelte das Projekt zusammen mit seinem langjährigen Kollaborateur Josh Weinstein, der die "Simpsons" zur Hochphase in den Neunzigern produzierte, im Writer's Room und in der Regie sind lauter alte "Futurama"- und "Simpsons"-Bekannte an Bord. Damit nicht genug: Wer "Disenchantment" im Original schaut - was, das ist ja klar, unbedingt zu empfehlen ist - lauscht sich einmal quer durch fast den gesamten "Futurama"-Cast. Die Sprecher von Bender (John DiMaggio), Fry (Billy West), Mom (Tress Macneille), Scruffy (David Herman), Kif Kroker (Maurice LaMarche) und Amy Wong (Lauren Tom) sind allesamt gleich in mehreren Parts zu hören. Ansonsten stehen viele britische Comedians am Mikrofon (etwa Matt Berry aus "The IT Crowd"), die viel alberne Funken aus ihrem für amerikanische Ohren hochnäsig klingenden Akzent schlagen.

Im Mittelpunkt stehen indes drei andere Figuren: eine Prinzessin, ein Elf und ein Dämon. "Disenchantment", das zeigt schon der Titel ("Entzauberung") an, versteht sich als eine Art parodistische Dekonstruktion mittelalterlicher Märchen- und Fantasywelten. Das Personal aus Königen, Zauberern, Wesiren, armen Bauern, Kaufleuten, Rittern und magischen Wesen, die Settings mit tiefen Wäldern, majestätisch emporragenden Schlössern und kopfsteingepflasterten Städtchen folgt dem europäisch-romantischen Kanon, wie er sich seit über zwei Jahrhunderten in Romanen, Ritter- und Märchenfilmen fortpflanzt, wird hier aber natürlich kräftig gegen den Strich gebürstet. Gespickt mit Anspielungen auf Pop-Phänomene wie "Game of Thrones" und die gruselige Realpolitik unserer Tage (der tumbe König des Märchenreichs Dreamland und seine deutlich jüngere zweite Frau erinnern nicht von ungefähr an Donald und Melania Trump), bleibt die Story beständig im Satire-Modus.
Prinzessin Bean sieht sich in die Erwartungen ihres Vaters gedrückt und rebelliert, so gut sie kann
Prinzessin Bean, um die sich hier alles dreht, ist die erste weibliche Hauptprotagonistin im Groening-Kosmus: graublond wie Daenerys Targaryen, aber exakt so überbissig, wie man es vom "Simpsons"-Schöpfer erwarten würde. Gesprochen wird sie von der wunderbaren Abbi Jacobson, die mit ihrer "Abbi" aus "Broad City" eine der prägnantesten Comedyserien-Figuren der letzten Jahre geschaffen hat. Den aus "Broad City" bekannten dauerverpeilten, empörungsfreudigen Charme transportiert sie 1:1 in ihre Bean-Figur. Bean soll von ihrem grob-ungebildeten Vater (DiMaggio) aus politischen Gründen mit einem trotteligen Königssohn vermählt werden, doch "Guysbert, Prince of Bentwood, Slayer of Metallica", endet ungut mit dem Kopf auf den Schwerten des Eisernen Throns und wird sogleich von seinem alerten Bruder ersetzt: Prinz Merkimer (Berry) ist viel zu sehr von sich eingenommen, und überhaupt hat Bean keine Lust auf diese Zwangsverehelichung.

So sieht sich Bean selbst, unbekümmert in den Tag hineinlebend.
Da trifft es sich, dass zwei kleine Wesen in ihr Leben treten: Erst springt der kleine Luci aus einer Geschenkschatulle hervor, ein Dämon, gezeichnet als schwarzer, pfeilbeschwanzter Scherenschnitt, der als Geist, der stets verneint, in jeder noch so brandgefährlichen Situation trockenhumorige Anti-Sprüche reißt - ein bisschen so wie Gilfoyle aus "Silicon Valley". Gesprochen wird Luci passenderweise von Eric André, dem Gastgeber der verteufelt lustigen Adult-Swim-Comedy-Talkshow "The Eric Andre Show". Das zweite kleine Wesen ist ein Elf mit Namen Elfo - mit naiver Verve gesprochen vom hauptamtlichen Drehbuchautor Nat Faxon (der als Autor des Clooney-Films "The Descendants" einen Oscar bekam). Wie Elfo aus dem Schlaraffenland ins Königreich Dreamland kommt, ist die witzigste Passage der Pilotepisode: Weil Elfo genervt ist von seinem Fließbandjob beim Verpacken von Pralinen und auch keine Lust mehr hat, dabei das ewig gleiche "Happy"-Lied mitzusingen ("Singing while you work ist not happiness - it's mental illness!") sowie dem gesetzlich vorgeschriebenen "jolly code" zu gehorchen, soll er an einem Ast des Weingummibaums gehängt werden, doch Elfo flieht und verlässt seine Heimat, trotz aller Gefahren, die da auf ihn warten mögen: "Ich will lieber einen großen Tod sterben, als ein kleines Leben zu leben!"

Das ist die Konstellation, anhand derer sich die einzelnen Abenteuer-der-Woche fortan entlanghangeln: Die freche Prinzessin, spielsüchtig, trinkfest und emanzipiert, der der naive, gutherzige Elf und der defätestische Dämon wie ein guter und ein böser Engel auf der Schulter sitzen. Mal geraten sie an einen Einsiedler, den eine Elfenprostituierte als weisen "Wishmaster" annonciert und der sich dann doch nur als haushaltsdienlicher "Washmaster" entpuppt; dann landen sie zu Merkimers Junggesellenabschied auf einem maroden Partyschiff, das von Wikingern versenkt wird; mal verdingen sie sich im Auftrag einer Gangsterbande als Juwelendiebe, dann fällt Bean einem windigen Exorzisten in die Hände. Im Hintergrund ziehen zwei Zauberer die Fäden: Was sie vorhaben, ist noch unklar, aber sie sind für Luci verantwortlich.

Das ist, trotz leichter Temposchwierigkeiten, sehr unterhaltsam und für alle jene, die seit Jahren behaupten, die "Simpsons" seien doch schon lange nicht mehr so witzig wie früher, auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung vom üblichen Springfield-Setting. Doch die neue Groening-Serie, auf die alle gewartet haben, um sie jetzt abzufeiern - ist "Disenchantment" das geworden? Eher (noch) nicht. Denn so sehr die Animationsabteilung auch ein detailverliebt aus der Norm gekipptes Märchenland mit vielfältiger Beschilderung ("Sie betreten jetzt den Zauberwald - Achtung vor der rassistischen Antilope!"; "Willkommen in Dreamland - jetzt mit fünf Dorfdeppen!") entwirft, und so sehr die Autoren mit der reptilienhaften Königin Oona (MacNeille), dem unverdrossenen Herold (Herman), dem schwulen Ministerpräsidenten (LaMarche), dem unfähigen Hofzauberer (West) oder der spruchstarken Zofe (Lucy Montgomery) auch tragfähige Figuren kreiert haben: Richtig vom Hocker haut das alles nicht. Der Humor speist sich, in Bild und Dialogen, mindestens genauso viel aus Groening-Standards wie aus Monty Pythons "Rittern der Kokosnuss" und Computerspielklassikern wie der "Monkey Island"-Saga, was beweist, dass die Dekonstruktion von Märchen-, Piraten- und Abenteuerstereotypen eben längst nichts Neues mehr ist. Selbst die ABC-Musicalserie "Galavant" hat viele der Gags aus "Disenchantment" vorweggenommen. So sitzt man eher etwas ratlos vor den ersten Folgen und konstatiert: Das ist routiniert gut gemacht und immer wieder für einen wirklich guten Spruch gut, nur nie so fresh, wie man sich das gewünscht hätte. Für die meisten Lacher sorgt vor allem die Art, in der die Sprecher ihre Pointen servieren.

Die Serie liefert, so ist man das von Matt Groening gewohnt, verspielten Witz im Bild, der immer wieder zum Pausieren anregt, um die Texte zu lesen.
Vielleicht aber ist es für die große Enttäuschung aber noch viel zu früh - und Jammern auf hohem Niveau. Groening-Spezis werden bekanntlich nicht müde zu betonen, dass auch die ersten Staffeln von "Simpsons" und "Futurama" ihre liebe Mühe hatten, den richtigen Ton zu finden. Von "Disenchantment" ist bereits eine zweite Staffel bestellt, und erst, wenn man Bean, Luci und Elfo mal längere Zeit am Stück bei ihren absurden Abenteuern verfolgen durfte, wird sich wohl erahnen lassen, ob wir es hier mit einem künftigen Klassiker oder aber mit kurzlebigem Quatsch zu tun haben.


Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Disenchantment". Die Episoden lagen zu dem Zeitpunkt ausschließlich in englischer Sprache vor.

Meine Wertung: 3.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: 2018 The ULULU Company/Netflix


Die zehnteilige erste Staffel von "Disenchantment" wird am 17. August gegen 9.00 Uhr bei Netflix veröffentlicht, eine weitere zehnteilige Staffel ist bereits bestellt.


Trailer zu "Disenchantment" (Synchronfassung)

Trailer zu "Disenchantment" (englische Originalfassung)


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").