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TV-Kritik/Review: "Milk & Honey": Versatzstücke aus der Feelgood-Kiste

von Gian-Philip Andreas (14.11.2018)
VOX-Dramedy um Brandenburger Callboys, bankrotte Imker und ausgehungerte Luxusfrauen
"Milk & Honey": Arian (Nik Xhelilaj), Johnny (Artjom Gilz), Kobi (Deniz Arora) und Michi (Nils Dörgeloh)
Bild: MG RTL D / Talpa Fiction Germany / Maor Waisburd
TV-Kritik/Review: "Milk & Honey": Versatzstücke aus der Feelgood-Kiste/Bild: MG RTL D / Talpa Fiction Germany / Maor Waisburd

Nach "Club der roten Bänder" ist "Milk & Honey" die zweite eigene Serienproduktion von VOX. Dass der Sender in der Bewerbung der neuen Serie ständig auf die ältere Bezug nimmt, ist clever, schließlich gewann jene einen Emmy und gleich drei "Deutsche Fernsehpreise" und ist damit ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Weitergehende Vergleiche empfehlen sich dann aber doch nicht, mal ganz abgesehen davon, dass "Club" auf einer katalanischen und "Milk" auf einer israelischen Vorlage basiert und beide Serien von ganz unterschiedlichen Autoren- und Regieteams verantwortet werden.

"Milk & Honey" kreist um einen spontan improvisierten männlichen Escort-Service, also um eine Agentur für Callboys oder, profaner gesagt, Prostituierte. Dass sich die unbedarften Begattungsbediensteten aus dem Kreis arbeitsloser Brandenburger rekrutieren, erinnert von nicht ganz so fern an den britischen Feelgood-Klassiker "Ganz oder gar nicht" (1997), in dem sich seinerzeit sechs arbeitslose Stahlarbeiter entblößten, wenn auch nur als Stripper und nicht als Edel-Stricher, wie es Jahre später dann etwa der Protagonist aus Steven Soderberghs Kinofilm "Magic Mike" (2012) tat. Was können die Zuschauer nun in der Dramedy "Milk & Honey" erwarten? Eine schlüpfrige Zotenparade etwa, oder doch ein beißendes Gesellschaftsbild?

Die Ernüchterung nach Ansicht der ersten beiden der zunächst produzierten zehn Episoden fällt relativ groß aus. Was Regisseur Peter Gersina (drehte zuletzt 25 Folgen von "Der Lehrer") da aus dem von Head-Autor Klaus Wolfertstetter ("24h Marrakech") verantworteten Skript macht, ähnelt in den standardisiert überbelichteten Versicherungswerbespot-Bildern zum wahlweise beschwingt oder melancholisch gezupften Gitarrensoundtrack ans Gros dessen, was sowohl das Privat-TV als auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen seit Jahrzehnten an Mehrteilern und Fernsehfilmen vorlegt: halbwegs unterhaltsam, durchaus sympathisch, aber nie so aufregend, dass beim Bügeln mal die Bluse anbrennen könnte.
Die drei vom Stromkasten: V.l.: Kobi (Deniz Arora), Johnny (Artjom Gilz) und Michi (Nils Dörgeloh)

Warum die Serie in den späteren Abend programmiert wurde, bleibt unergründlich, da von möglicherweise zu erwartenden Frivolitäten zumindest anfangs nichts zu sehen ist. Die wackeren Hauptdarsteller lassen ihre weitgehend beachtlichen Sixpacks zwar immer mal wieder stolz von der Kamera umschmeicheln - weiter geht es bis dato allerdings nicht. Im Gegenteil: Als erstes muss hier, ganz wie eh und je, eine Frau blanklupfen und ihre sekundären Geschlechtsteile ins Objektiv halten. Zugestanden, niemand wird hier ernsthaft einen Flirt mit dem Pornografischen erwartet haben, aber dass es dann doch so wenig handfest werden würde, hätte man vor allem angesichts des auf frech gebürsteten Marketings eher nicht erwartet.

Daher schnell zum Plot, dessen israelische Vorlage "Johnny & The Knights of Galilee" hier in die Nähe von Neustrelitz verpflanzt wurde. Dorthin, aufs platte Brandenburger Land also, kehrt eingangs Johnny Kupper (Artjom Gilz) zurück, ein glückloser Glückssucher, der Jahre in China verbrachte, um dort ein Start-Up ("Wohnen in Waben - wie die Bienen!") in den Sand zu setzen. Währenddessen ist die elterliche Imkerei bankrott gegangen, der Gerichtsvollzieher pfändet schon das Mobiliar des vom Strom abgekoppelten Hauses, und weil Vater Kupper während Johnnys Abwesenheit verstorben ist, muss sich der junge Mann von jetzt auf gleich als Erziehungsberechtigter seiner minderjährigen Teenie-Schwester Charlie (Marlene Tanczik, "Das Wasser des Lebens") neu erfinden - gerade noch rechtzeitig, bevor die herbe Frau Mertens vom Jugendamt das Mädchen in eine Pflegefamilie geben kann. Seiner Ex-Freundin Katharina (Katharina Schlothauer, "Dina Foxx") trauert Johnny erkennbar noch hinterher, doch die ist jetzt schwanger von ihrem neuen, rein optisch auch Escort-tauglichen Freund Tim (Bernhard Piesk, "Tessa - Leben für die Liebe").

Mit seinen Kumpels von früher versteht sich Johnny sogleich wieder bestens, was Gersina so buddy-selig in Szene setzt wie eine norddeutsche Bierwerbung. Bäckergeselle Kobi (Deniz Arora, "Bella Germania") hadert nur mit dem Leben, wenn er gerade mal nicht kifft. Der arbeitslose Michi (Nils Dörgeloh, "jerks.") hat mit der gestressten Krankenschwester Andrea (Anne Weinknecht, "Gisela") eine Familie gegründet und ein Haus bezogen, in dem noch vieles marode ist. Immerhin ergattert er einen Job als Hilfshausmeister. Ein bisschen Ärger gibt's nur mit dem wortkargen Arian (Nik Xhelilaj, der RTL-"Winnetou"), der als einziger Angestellter der Imkerei übrig blieb und sich nebenher das karge Gehalt als Callboy aufbessert. Callboy? Das entdeckt Johnny nur, weil er versehentlich eine von Arians Kundinnen "übernimmt" und den frivolen Hausbesuch bei dieser nicht rechtzeitig als das Rollenspiel decodiert, als das es gemeint war. Nach dem unabsichtlich ersten Sex gegen Sofortbezahlung kommt er dann aber ziemlich schnell auf die Idee, mit den gut gebauten Kobi und Arian sowie dem mit einem Dad Bod gesegneten Michi einen handfesten Escort-Service aufzuziehen.

Die relative Plötzlichkeit, mit der das dann losgeht, muss man als Zuschauer den Machern ebenso arglos glauben wie vieles andere in "Milk & Honey": Dass es in einem Kaff bei Neustrelitz lauter sexuell ausgehungerte Luxusfrauen geben soll, die Visitenkarten verteilen, auf denen Sachen stehen wie "Theresa Roloff - Unternehmerin", zum Beispiel, oder dass die vier Nachwuchs-Callboys direkt am ersten Abend als "Legionäre der Liebe" im Römer-Outfit einen Tanzjob bei einem mondänen Junggesellinnenabend übernehmen. Viele merkwürdige Charakterzüge gehören auch dazu: Da ist etwa Charlie gerade erst tränenselig sauer über die jahrelange Vernachlässigung durch ihren Bruder und danach in Windeseile als patente Escort-Managerin, die forsch nach fremder Männer Penislängen fragt, mit an Bord des Stripper-Start-Ups. Oder: Arian und Johnny prügeln sich gerade eben erst noch, und einen Schnitt weiter sitzen sie gemeinsam mit den anderen selbsternannten Beischlafprofis im Auto und wippen symmetrisch mit den Köpfen im Takt der Musik - das ist keine Szene, die sich aus dem Plot entwickelt; sie ist nur da, weil man sie aus Feelgood-Movies gleicher Bauart kennt und erwartet.

Michi (Nils Dörgeloh, l.) sieht Ärger auf sich zukommen
Das gilt auch für andere Aspekte der Inszenierung, in der bekannte Versatzstücke (eine Tanzprobenmontage zu Disco-Musik) auf Unkaputtbares aus der Klamottenkiste treffen: Natürlich ist auch Michis Frau Gast des besagten Junggesellinnenabschieds, um sich hernach rechtschaffen über das lottrige Treiben des Gatten empören zu dürfen. Wenn der schluffige Michi bedröppelt auf einer Leiter steht und vergeblich versucht, Reparaturen am Haus durchzuführen, spielt die Regie den Song "Loser" von Beck ein - das sind so die Subtilitäten, auf die man sich hier gefasst machen muss in einer Inszenierung, die auch Comedy und Drama nicht immer geschmeidig unter einen Hut bekommt. Dem Bemühen geschuldet, bloß nicht zu klamaukig rüberzukommen, wird gerade in jenen Dialogszenen, in denen es richtig fetzig hin- und hergehen müsste, viel zu sehr auf Sprechpausen gesetzt. Da mangelt es an Tempo und Timing.

Auch wer mehr über die durchaus bedrohliche Lebenssituation der Protagonisten (Pleitiers, Abbrecher, Arbeitslose) im bilderbuchschön abgelichteten Brandenburger Sommer erfahren möchte oder gar etwas über den Strukturwandel in ländlichen Gebieten (wozu der Plot ja durchaus Anlass bieten würde), wird kaum bedient: Man erfährt wenig mehr, als dass es dort überraschend viele solvente, attraktive Frauen zu geben scheint, die sich Escorts ordern. Eher scheint es dramaturgisch in Richtung der TV-Film-üblichen Liebesprobleme zu gehen (Johnny/Katharina, Michi/Andrea) - und dahin, dass es pro Folge ein, zwei besondere "Kundinnen der Woche" gibt, wie die romantiksüchtige Sylvia (gut: Birte Hanusrichter) in Folge zwei, oder die grimmige Flora (Stephanie Stremler), die Kobi zu Sex am Steuer ihres SUVs nötigt, während einer abendlichen Autofahrt über stockdunkle Landstraßen.

Charlie (Marlene Tanczik)
Ob diese allzu bekannten Pfade im weiteren Verlauf der Staffel verlassen werden, ob sogar das bislang explizit heteronormative Geschehen aufgebrochen und eventuell sogar mal männliche Kunden bei den Erotikdienstleistern anfragen, das bleibt noch abzuwarten. Bislang bleibt die, pardon, Stoßrichtung der Serie noch eher vage - so undefiniert wie Protagonist Johnny selbst, der vielleicht die größte Leerstelle von "Milk & Honey" ist: eine eigentlich tragische Figur, aber immer guten Mutes, mal wütend, weil's so im Drehbuch steht, mal verschmitzt, weil's so im Drehbuch steht, und wenn er mal so richtig zufrieden ist, kaut er beim Angeln relaxt auf einem Grashalm rum. Weil man das eben so macht in Serien wie dieser.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie "Milk & Honey".


Meine Wertung: 2.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: MG RTL D / Talpa Fiction Germany / Maor Waisburd


VOX zeigt die zehnteilige Eigenproduktion "Milk & Honey" ab dem 14. November um 21.15 Uhr immer mittwochs in Doppelfolgen. Die Adaption einer israelischen Vorlage ist als abgeschlossenen Miniserie angekündigt.

Teaser-Trailer zu "Milk & Honey"


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").