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Ray Donovan (Liev Schreiber, 2. v. l.) hat alles im Griff. Nur nicht Papa Mickey (Jon Voight, l.) und die Familie.
Ray Donovan (Liev Schreiber, 2. v. l.) hat alles im Griff. Nur nicht Papa Mickey (Jon Voight, l.) und die Familie.

Sie sind ein Promi-Sportler, und neben Ihnen liegt eine tote Frau im Bett? Rufen Sie Ray Donovan an! Sie sind Frauenschwarm und Schauspieler und werden von einer Transsexuellen mit einem Sextape erpresst, auf dem Ihr letztes Stelldichein mit einem Mann zu sehen ist? Rufen Sie Ray Donovan an! Sie sind Filmproduzent, und der eitle Star Ihres neuen Werks weigert sich zu arbeiten, weil in seine Villa eingebrochen wurde? Wenn Sie anrufen sollen? Rhetorische Frage.

Ray Donovan ist ein sogenannter "Fixer", ein Manager von Dingen, die sonst niemand mehr zu managen bereit ist. In Los Angeles haut er die Reichen, Schönen und Wichtigen effizient und professionell raus aus den selbst angerichteten Katastrophen. Dass er dabei mitunter zum Baseballschläger greifen muss, dass er mit seinen Kollegen auch vor finaleren Gewalttaten nicht zurückschreckt, gehört zum schmutzigen Geschäft. Zu jedem Hilferuf hat Ray den passenden "fix" parat - er ist ein Meister seines kriminellen Fachs. Nur die eigene Familie, die scheint ihm heftig zu entgleiten.

Starke Auftaktquoten haben den Pay-TV-Sender Showtime bereits bewogen, eine zweite Staffel von  "Ray Donovan" in Auftrag zu geben. Einen epischen Handlungsbogen, der eine derart lange Laufzeit rechtfertigt, sucht man in der Drama-Serie von  "Southland"-Macherin Ann Biderman aber noch vergebens. Bislang präsentiert sich die Serie eher als eine Art Zustandsbeschreibung, bestehend aus vielen kleinen, oft ineinander verzahnten Miniaturen; "Ray Donovan" präsentiert sich strikt "character-driven", was schon allein der bis in kleinste Nebenrollen hinein hervorragenden Besetzung wegen auch bestens funktioniert. Die Mär vom Allesregler, der selbst in Regulierungsnöte gerät, ist letztlich ja nicht neu (ABC hat seit letztem Jahr die weniger rabiate weibliche Variante  "Scandal" im Programm), und der "Cleaner" als Schlamassel-Entferner ist uns spätestens seit Harvey Keitels Auftritt in "Pulp Fiction" ein Begriff. Fast abgegriffen ist zudem der Topos des in familiärer Bürgerlichkeit lebenden Ganoven - was soll da noch Neues kommen, nach den  "Sopranos" und  "Breaking Bad"? Das Figurenpanoptikum jedoch, das Biderman hier schon in der Pilotfolge mit irrwitzigem Tempo zusammenstellt (um dann schnell abzubremsen und den Beziehungen mehr Raum zu lassen), ist so sehenswert, dass auch die gut abgehangene Story-Prämisse drum herum fast wieder wie neu wirkt.

Zur Not auch mit dem Baseballschläger: Ray ist ein 'Fixer'.
Zur Not auch mit dem Baseballschläger: Ray ist ein 'Fixer'.

Ray Donovan wird von Liev Schreiber gespielt, dessen unrasierte Hamsterbäckchen man aus der zweiten Reihe sehr vieler Kinofilme kennen mag und den ich persönlich noch nie so gut gesehen habe wie hier. Sein Ray macht keine großen Worte: Wenn er spricht, dann nur das Nötigste, Ansagen zumeist, die kein "aber" mehr zulassen. Womöglich ist er die wortkargste Serienhauptfigur, die derzeit im Qualitätsfernsehen zu bewundern ist, und in seinen slicken Designeranzügen macht der groß gewachsene Krisenmanager Eindruck. Sein Partner Lee ist ein zynischer, zu cholerischen Anfällen neigender Anwalt (Peter Jacobson, Dr. Taub aus  "Dr. House"), außerdem assistieren ihm Avi und Lena. Avi ist der Mann fürs Grobe (gespielt vom Action-Haudegen Steven Bauer, der einst an Al Pacinos Seite in "Scarface" bekannt wurde), PR-Profi Lena (Katherine Moennig aus  "The L Word") wandelt als taffe Lesbe mit Bindungsstörung auf Lisbeth-Salander-Spuren.

Weniger effizient läuft's in der Familie: Gattin Abby (Paula Malcomson,  "Deadwood") ist als Desperate Housewife unzufrieden mit dem Zustand ihrer Ehe und auch mit der aktuellen Wohnsituation im entlegenen Vorort Calabasas. Teenie-Tochter Bridget (Kerris Dorsey) und ihr jüngerer Bruder Conor (Devon Bagby) kriegen den Vater, der sich eine "Ruhe"-Wohnung in der Stadt leistet, eher selten zu Gesicht, scheinen aber auch ihre Geheimnisse zu haben. Rays älterer Bruder Terry ist Boxer, er arbeitet in einem schmierigen Trainingsschuppen und leidet an Parkinson. Der Brite Eddie Marsan (der Fahrlehrer aus Mike Leighs "Happy-Go-Lucky") verkörpert ihn mit Dauer-Tatterich als ganz und gar miserable Figur - die allerdings beim Anbandeln mit der Physiotherapeutin einige der schönsten Szenen hat. Noch schlimmer dran ist der dritte Bruder, Bunchy (Dash Mihok aus "Silver Linings"). Der wurde als Kind von einem Priester missbraucht, hangelt sich inzwischen von Therapiesitzung zu Alkoholabsturz und kann sich selbst über die ihm nun endlich zugesprochene Entschädigung der Kirche in Millionenhöhe nicht wirklich freuen.

Schuld an diesen Charakterruinen scheint jene Figur zu sein, die bald wie ein Springteufel in das skizzierte Szenario einbricht: Mickey Donovan, Vater der drei Brüder, wird nach 20 Jahren Knast in Massachusetts entlassen und hat nichts anderes im Sinn, als sofort an die Westküste zu fliegen, um dort - so wird insinuiert - Rache zu üben. An Ray, der ihn einst ans Messer lieferte? Ganz klar ist das noch nicht. Auf jeden Fall beginnt er prompt damit, die Problemsöhne Terry und Bunchy zu vereinnahmen und sich, viel schlimmer, ins Leben von Abby und den Kindern einzuschmeicheln.

Gespielt wird dieser Mickey, hart am Rand der Karikatur, aber nichtsdestotrotz fulminant, von Kino-Legende Jon Voight, seines Zeichens Vater von Angelina Jolie und Oscarpreisträger ("Coming Home"). Der 75-Jährige gibt Mickey mit offenbar größtmöglichem Vergnügen als ordinären, rassistischen, misogynen, homophoben Lustgreis in rostroter Lederjacke, als Antithese all dessen, was dem liberalen Bürger heilig ist. Wenn er in der Unibibliothek einem Studenten Geld dafür zahlt, damit der ihm im Lesesaal einschlägige Videos auf den Bildschirm googelt, oder wenn er in der Selbsthilfegruppe von Missbrauchsopfern Pädophilenwitze erzählt, ist das von schwer erträglichem, garstigem Witz: Voight bringt mephistophelische Komik in die Serie, und sein Clash mit Ray entwickelt sich rasch zum zentralen Antagonismus der Serie. Es würde mich wundern, wenn sich Schreiber und Voight nicht gegenseitig in die Nähe des einen oder anderen Fernsehpreises pushen würden.

Andere schön skizzierte Figuren bestätigen den Hang der Serie zum sarkastischen Humor - etwa Rays Chef Ezra (Elliott Gould, noch so ein großer, alter Herr des Kinos), der nach dem Tod seiner Frau wunderlich wird und in jiddischen Zungen redet. Oder Ashley, eine Yoga-Blondine, die Abby eifersüchtig macht und epileptische Anfälle hat. Oder Marvin Gaye Washington, ein schwarzer Teenie aus der Nachbarschaft, der sich als "black Justin Bieber" von einem Rapper adoptieren lässt - wofür Lee ihn der cracksüchtigen Mutter abkauft. Bisweilen schrammt das verdächtig nah am zynischen Spiel mit rassischen, religiösen und/oder sexuellen Stereotypen entlang; die Regisseure aber (Allen "Sopranos" Coulter und Greg "Dr. House" Yaitanes) switchen allzeit souverän zwischen ätzender Showbiz-Satire und Hard-Boiled-Krimi hin und her. Rays "Fixer"-Fälle nehmen im Rahmen der einzelnen Folgen gerade so wenig Raum ein, dass es nicht mehr ohne Weiteres möglich ist, vom "Case of the Week" zu sprechen, aber noch gerade so viel, dass sie zwischen den Familienquerelen für Abwechslung sorgen.

Wohin die Reise geht, das ist, wie erwähnt, noch nicht wirklich klar erkennbar. Manchem dürfte der Plot zu sehr auf der Stelle treten - andere werden sich am ziselierten Irrsinn der Figuren auch ohne klare Richtungsangabe erfreuen können. Zum Glück aber endet Episode drei mit einem Kleinod, einem skurrilen, stummen Epilog, der gehörig an der Spannungsschraube dreht: Da lässt ein zuvor knapp eingeführter FBI-Agent (Frank Whaley), dem Mickey im Knast als Spitzel diente, erkennen, auf wen er es abgesehen hat: auf Ray Donovan.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von "Ray Donovan".

Meine Wertung: 4/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Showtime


 

Über den Autor

Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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