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TV-Kritik/Review: "How to Tatort": Urkomische Mockumentary versüßt das Krimi-Jubiläum

von Ralf Döbele
(17.12.2020)
Glänzende Parodie mit neuem Ermittler-Team heute Abend auf One
"How to Tatort": Dar Salim (l.), Luise Wolfram (m.) und Jasna Fritzi Bauer (r.)
Radio Bremen/btf
TV-Kritik/Review: "How to Tatort": Urkomische Mockumentary versüßt das Krimi-Jubiläum/Radio Bremen/btf

Seit nunmehr 50 Jahren ist es eine fast konstante Frage, die deutsche Zuschauer am Sonntagabend bewegt: Wie war der  "Tatort"? Doch vielleicht ist eine andere Frage noch viel wichtiger: Wann hat man überhaupt das Zeug zum "Tatort"? Kann es mit der einsamen Entscheidung der jeweils verantwortlichen Macher schon getan sein? Oder ergibt es nicht Sinn, ein neues Ermittlergespann vorab auf Herz, Nieren und Teamfähigkeit zu prüfen?

Eine Akademie für angehende Tatörtler, komplett mit Schauspiel-Coaching, Stunt-, Fahr- und Schießtraining! In der Mockumentary  "How to Tatort" ist genau das zur Realität geworden. Als erstes angehendes "Tatort"-Team stellen sich Luise Wolfram, Dar Salim und Jasna Fritzi Bauer der Herausforderung. Die drei, die ab dem kommenden Jahr in Bremen ermitteln , können noch nicht ahnen, dass irgend jemand dafür sorgen will, dass sie ihren Dienst gar nicht erst antreten.

"How to Tatort" besteht aus sechs smarten, charmanten und immer wieder urkomischen Mini-Episoden, die One heute Abend ab 21.15 Uhr in einem Rutsch ausstrahlt. Einzeln sind die etwa zehnminütigen Folgen bereits seit dem 20. November in der ARD-Mediathek abrufbar.

Haben Jasna Fritzi Bauer (l.), Dar Salim (m.) und Luise Wolfram (r.) das Zeug zum "Tatort"-Team?
Haben Jasna Fritzi Bauer (l.), Dar Salim (m.) und Luise Wolfram (r.) das Zeug zum "Tatort"-Team? Radio Bremen/bildundtonfabrik-Daniel Milz

Luise Wolfram ist nervös. Vor den laufenden Kameras einer Dokumentar-Crew trifft sie erstmals auf ihre neuen Schauspiel- und Ermittlerkollegen Dar Salim ( "Game of Thrones") und Jasna Fritzi Bauer ( "Rampensau"). Die wissen noch nicht, dass sie bereits die Zweitbesetzung sind, nachdem Emilia Schüle und Sonja Gerhardt Hals über Kopf abgesagt haben - und das direkt im Anschluss an ein Abendessen mit Kollegin Wolfram.

Spätestens als Salim fast seiner Nuss-Allergie zum Opfer fällt und ein Training mit scharfen Waffen für Ex-"Rampensau" Bauer eher unvorteilhaft endet, machen sich die zwei Neuen so ihre Gedanken über Wolfram. Die weist unterdessen jede Behauptung, sich doch eigentlich für die bessere Schauspielerin zu halten, halbherzig und zögernd von sich. Lieber zeigt sie voller Stolz ihre Selfies mit Oliver Mommsen vor, die natürlich eindrucksvoll belegen, dass sie bereits auf ein paar Jahre am "Tatort" als BKA-Ermittlerin Linda Selb zurückblicken kann. Dummerweise wissen die Kollegen aber längst, dass es eigentlich komplett unrealistisch ist, dass jemand vom BKA der Mordkommission ständig unter die Arme greift.

Dar Salim versucht zeitgleich zu begreifen, warum ihm die Produktion einen Dolmetscher als Dauerschatten zur Seite gestellt hat, obwohl er doch Deutsch total gut versteht. Ob er jemals zuvor babylonisch-europäischen Synchron-Produktionen à la  "Eurocops" ausgesetzt war? Fest steht: Als international gefragter Schauspieler mit "Game of Thrones"-Erfahrung hat er den professionellen, durchdachten und stets unterkühlten Promo-Sprech längst drauf - womit er die ambitionierte und Skandale witternde Jungregisseurin der Doku nachhaltig gegen sich aufbringt.

Bei "Tatort"-Kommissarin Anna Schudt (l.) hält sich die Begeisterung über ihren langjährigen Arbeitgeber in Grenzen.
Bei "Tatort"-Kommissarin Anna Schudt (l.) hält sich die Begeisterung über ihren langjährigen Arbeitgeber in Grenzen. ARD/Screenshot

An der Oberfläche der Unverbindlichkeit schwimmt zunächst auch Jasna Fritzi Bauer, die lieber Anekdoten von Burgtheater oder der Volksbühne zum Besten gibt, als sich ernsthaft mit dem Phänomen "Tatort" auseinander zu setzen. Schließlich lässt sie sich ja ohnehin nur zu dieser Produktion herab, weil ihr Papa so ein großer Fan des ARD-Krimis ist. Oder vielleicht doch auch wegen eines gewissen Kollegen, der ihr haargenau erzählen kann, wie es denn so ist, mit Emilia Clarke oder Jason Momoa vor der Kamera zu stehen?

Eine der lustigsten Facetten von "How to Tatort" ist sicher die "Game of Thrones"-Begeisterung von Bauer, die nicht nur die Titelmusik des Fantasy-Epos als Klingelton in der Tasche hat (Salim: Ich dachte, das war nur in meinem Kopf!). Beim ersten gemeinsamen Abendessen mit ihren Kollegen zieht sie unvermittelt den Helm von Blutreiter Qotho unter dem Tisch hervor und lässt ihn sich signieren.

Der chronisch überspannte Regisseur Uli (Moritz Führmann, l.) und der Übersetzer (Ryan Wichert, m.) machen Dar Salim das Leben schwer.
Der chronisch überspannte Regisseur Uli (Moritz Führmann, l.) und der Übersetzer (Ryan Wichert, m.) machen Dar Salim das Leben schwer. Radio Bremen/Janis Mazuch

 "Kroymann"-Headautor Sebastian Colley und Regisseurin Pia Hellenthal ( "Searching Eva") glänzen in "How to Tatort" mit ihrer Beobachtungsgabe. Sie nutzen die bisherigen Karrieren ihrer drei Schauspieler extrem geschickt, um ihre fiktionalisierten Versionen zu erschaffen - egal, ob es um Luise Wolframs Minderwertigkeitskomplexe als einstige "Tatort"-Assistentin, Dar Salims undurchschaubare Deutschkenntnisse oder um Jasna Fritzi Bauers Angst geht, vor lauter Fangirl-Euphorie nicht als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen zu werden. Die Nuancen stimmen fast immer, bringen den Zuschauer zum Schmunzeln und mitunter auch lauthals zum Lachen.

Besonders gut gelungen ist hier auch der Kontrast zu den bereits bekannten, langjährigen "Tatort"-Ermittlern, die sich mit kleinen Gastauftritten die Klinke in die Hand geben. Dabei klotzen sie eher anstatt zu kleckern, in vollem Bewusstsein, lebende Ermittler-Legenden zu sein - oder sein zu wollen: Anna Schudt vom "Tatort" Dortmund, die ihre langjährige Einnahmequelle ganz offensichtlich verachtet und lieber ihren International Emmy Award aus der Tasche zieht; der Frankfurter Ermittler Wolfram Koch, der als Coach für Method Acting die Methode "Komplettes Arschloch" wählt; und Meret Becker, die als Quasi-"Deep Throat" auf der Damentoilette eine surreal-eindringliche Warnung an ihre neue Kollegin absetzt. Selbst ein äußerst glamouröser Gastauftritt von  "Tagesschau"-Sprecherin Linda Zervakis darf nicht fehlen.

Unter Beschuss: Luise Wolfram (l.) und Jasna Fritzi Bauer (r.) beim Stunt-Training
Unter Beschuss: Luise Wolfram (l.) und Jasna Fritzi Bauer (r.) beim Stunt-Training ARD/Screenshot

Natürlich wimmelt es in "How to Tatort" nur so von Klischees über die Fernseh- und Medienbranche, die aber (leider) oft gar nicht so weit hergeholt sind. Da ist der ausländische Star, der davon überzeugt ist, dass zehn Millionen Zuschauer beim "Tatort" ja auch automatisch ein Qualitätsmerkmal sein müssen. Da ist der allzeit nervöse, Nikotinkaugummi verschlingende Regisseur, der nur das peinlichste Englisch spricht. Und da sind die richtig harten Macho-Alpha-Kerle, die sich die Schimanski-Zeiten zurückwünschen - und ganz geflasht sind, wenn eine zierliche Kollegin sie dank Selbstverteidigungs-Training ohne Mühe an die Wand drückt. Als Strafe müssen Jasna Fritzi Bauer und Luise Wolfram daraufhin ihr Stunt-Training an der Polizeiakademie in den kürzesten Shorts und den dicksten Helmen absolvieren - nur eine von vielen zum Schreien komischen Szenen.

Durch all dies zieht sich aber auch eine tatsächlich spannende Frage: Wer ist für die zahlreichen Unfälle während des Trainings verantwortlich - und was ist bloß das Motiv dahinter? Als sich die drei Neuen vom "Tatort" Bremen dann auch tatsächlich zusammentun um solide, langweilige und erfolgreiche Ermittlerarbeit zu leisten - spätestens dann beginnt man sich als Zuschauer auf den ersten echten "Tatort" mit Wolfram, Salim und Bauer zu freuen. Denn sie funktionieren als Team absolut. Tatsächlich ist der erste Fall mit dem Arbeitstitel "Neugeboren" bereits im Kasten. Die Premiere ist für Frühjahr 2021 geplant.

Fazit

"How to Tatort" wirkt eigentlich weniger wie ein Spin-Off des Krimi-Flaggschiffs als ein Ableger von "Kroymann". Auch diese ARD-Satire überzeugt durch ihr Gespür für universell bekannte Situationen, Format-Parodien, kleine irrwitzige Momente und eine urdeutsche Ernsthaftigkeit, die an sich schon wieder urkomisch ist. All dies zeichnet auch "How to Tatort" aus. Was man sieht, ist nicht unbedingt neu - aber großartig gespielt und mit einem derart gewaltigen Gespür für Timing inszeniert, dass es einfach nur Spaß macht. Bleibt bloß zu hoffen, dass dies nicht der letzte Ausflug der strengen Doku-Crew hinter die Kulissen des Bremer "Tatorts" war. Man will doch wissen, ob Meret Becker die Damentoilette im hohen Norden jemals wieder verlassen hat!

Dieser Text basiert auf der Sichtung aller sechs Episoden der Shortform-Miniserie "How to Tatort".

Meine Wertung: 4.5/5

"How to Tatort" wird am Donnerstag, den 17. September um 21.15 Uhr in One ausgestrahlt. Daneben sind alle sechs Teile bereits jetzt in der ARD Mediathek abrufbar.

Trailer zu "How to Tatort"


 

Über den Autor

Ralf Döbele ist Jahrgang 1981 und geriet schon in frühester Kindheit in den Bann von "Der Denver-Clan", "Star Trek" und "Aktenzeichen XY…ungelöst". Davon hat er sich als klassisches Fernsehkind auch bis heute nicht wieder erholt. Vor allem US-Serien aus allen sieben Jahrzehnten TV-Geschichte haben es ihm angetan. Zu Ralfs Lieblingen gehören Dramaserien wie "Friday Night Lights" oder "The West Wing" genauso wie die Prime Time Soaps "Melrose Place" und "Falcon Crest", die Comedys "I Love Lucy" und "M*A*S*H" oder das "Law & Order"-Franchise. Aber auch deutsche Kultserien wie "Derrick" oder "Bella Block" finden sich in seinem DVD-Regal, das ständig aus allen Nähten platzt. Ralf ist als freier Redakteur für TV Wunschliste tätig und kümmert sich dabei hauptsächlich um tagesaktuelle News und um Specials über die Geschichte von deutschen und amerikanischen Kultformaten.

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Leserkommentare

  • Sentinel2003 schrieb am 18.12.2020, 01.06 Uhr:
    Habe gerade alle 6 Folgen gesehen und , die sind echt sehenswert und echt humurvoll!! Ich freue mich auf die 3 !!
  • cassiel schrieb am 17.12.2020, 21.54 Uhr:
    Hab mir die Serie auch komplett angesehen.
    "Drop dead gorgeous" auf deutsch, oder besser gesagt: als deutsche TV-Produktion inklusive allem was diese in den letzten drei Jahrzehnten ausgemacht hat: dröge, peinlich, humorlos, altbacken, gequält witzig, unglaubwürdig, politisch korrekt und Abschaltimpuls nach 3 Minuten zuschauen. Also geradezu zu realistisch als Satire und damit als Übertreibung schon fast wieder gut, wenn das Zusschauen nicht so schwer erträglich wäre. Hat schon seinen Grund, dass ich mir eher US-Spielfilme der 30er und 40er-Jahre und selbst deutsche Produktionen aus den 1950ern wiederholt ansehe als das was aktuell in Deutschland prodegetoziert wird.
    Der beste Satz: "1993 just called. They want their interrogation technique back". Da kommt ein Hauch von Humor auf.
    Aber immerhin ist zumindest bei Radio Bremen der gute Wille zur Selbstironie erkennbar.
 

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