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TV-Kritik/Review: "Leben, Larry und das Streben nach Unglück" recycelt Gags dank Barack Obama
von Stefan Genrich(26.06.2026)

Historiker haben bisher Larry David im Wandel der Zeiten übersehen. Indes kann dieser Störenfried nicht länger untertauchen: Jeder Mensch erkennt endlich Larrys Einfluss auf frühere Vorgänge - zum Beispiel bei der Schlacht von Alamo 1836 und den Bau der Berliner Mauer 1961. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle helfen mit ihrer Produktionsgesellschaft Higher Ground, die mehr oder weniger lustigen Geheimnisse zu lüften. Dazu hat Larry David gemeinsam mit Jeff Schaffer eine siebenteilige Serie entwickelt:
Das kreative Duo will mit witzigen Kurzgeschichten an seinen letzten Erfolg

Mit Witz erduldet ehemaliger US-Präsident sogar Höllenqualen
2026 feiern die USA ihre Gründung vor 250 Jahren. Zu diesem Anlass wollten Michelle und Barack Obama eigentlich eine seriöse Hochglanz-Dokumentation präsentieren. Larry David hat dem präsidialen Paar jedoch eine eigene Idee aufgeschwatzt, wie der Serie zu entnehmen ist. Der Staatsmann kommentiert launig das Projekt, das ihm Höllenqualen bereitet habe. Indem er Larry Davids Eigenheiten verspottet, zeigt Barack Obama sein komödiantisches Talent. Auf diese Weise setzt er Akzente, die sonst von Larrys Fans in den Sketchen vermisst werden.
Ein Ehekrach im Unabhängigkeitskrieg mag zunächst reichen, um den Alltag unter absurden Umständen aufs Korn zu nehmen. Wer "Lass es, Larry!" die Treue hält, kennt dieses Motiv zur Genüge - was auf 120 Folgen verteilt kaum stört. Da sich vergleichbarer Streit und banales Zeug nun jedoch auf den engen Raum von sieben Episoden drängen, ermüdet die Aufmerksamkeit. Beim eigentlichen Jubiläum irritiert Barack Obama zwar mit Pathos, schwenkt jedoch schnell ironisch um. Zwischen den Szenen eingestreute Fakten entspringen bestimmt guten Absichten, hemmen aber den Ablauf. Überdies kranken die Sketche an überflüssigen Verzögerungen.

Beruflich und privat nervt Larry David alle möglichen Leute
Immerhin entblößt Larry David berühmte Personen der Geschichte. Ohnehin eilt ihm der Ruf voraus, beruflich und privat gerne Leute zu nerven. Sein erfundener Zeitzeuge verwirrt und verärgert die historischen Lichtgestalten - durch Ablenkung und schlechtes Benehmen wie in "Lass es, Larry!". So bekommen die Brüder und Flugpioniere Orville (Jon Hamm) und Wilbur Wright (Sean Hayes) miese Vorwürfe zu hören, als sie Larry in ihrer fliegenden Erfindung mitnehmen. Solche schrägen Dialoge könnten aus einem verstaubten Programm von Jerry Seinfeld stammen, der in einem anderen Sketch mitmischt. Larry spiegelt moderne Flugreisen in die Pioniertage der Luftfahrt. Der Hauptdarsteller verbreitet also Spaß durch seine verrückten Vergleiche. Über ungefähr 20 Jahre funktionierte diese Strategie von "Lass es, Larry!". Der Gedanke wirkt reizvoll, das Konzept nach gestern und vorgestern zu übertragen.

Politische Anspielungen auf Donald Trump langweilen
Larry vermag zu amüsieren, weil er gute Tischmanieren in einer Notlage fordert oder 1773 die Teilnehmer der Boston Tea Party beleidigt. Andererseits misslingen die meisten politischen Anspielungen. Müssen wir wieder mal den Geschmack und die Geltungssucht von Donald Trump beklagen? Haben wir wirklich vergessen, dass Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. die meisten Impfungen ablehnt? Oder freuen wir uns lieber, dass Larry David weiter gesellschaftliche Spaltung sowie Antisemitismus bemängelt? Jedenfalls sollte humorvolle Kritik dieser Art unbedingt ins Schwarze treffen, anstatt bloß ein Gefühl von Übelkeit zu bestätigen. Leider verenden zu viele Gags auf halber Strecke - nicht alleine bei politischen Themen.
Gaststars wie Jon Hamm und Jerry Seinfeld überzeugen
Ein ähnliches Schicksal blüht deutschen Produktionen wie

Sexueller Angriff weckt ungeheuren Verdacht
Ausnahmsweise schlüpft Larry David in die Haut echter Persönlichkeiten. Er sollte künftig darauf verzichten, um seine Ziele von außen ins Visier zu nehmen. Als US-Präsident oder Gründervater oder Autofabrikant Henry Ford schwächelt er. Allerdings vergnügt er als Expeditionsleiter Meriwether Lewis: Der Darsteller sowie Jerry Seinfeld als Reisegefährte William Clark werfen sich gegenseitig die Bälle zu.
Larry fährt zur Höchstform auf, als die Menge in New York am 14. August 1945 das Ende des 2. Weltkriegs bejubelt. Reglos beobachtet Larry, wie ein Matrose eine Krankenschwester herumreißt und inniglich küsst. Ein Foto der intimen Begegnung schmückt später das Cover der Zeitschrift "Life". So etwas Herrliches wie vor seinen Augen will auch Larry erleben! Er bewertet Frauen als Freiwild bei der spontanen Siegesfeier, sodass die nächste Tussie bestimmt auf den notgeilen Burschen und seine Schlabberzunge wartet. Falsch gedacht... Durch seinen sexuellen Angriff weckt Larry einen ungeheuren Verdacht bei den wütenden Zeugen. Der packende Sketch wandert in den ersten Trailer zur Serie. Larry David und sein Team können das Niveau keineswegs halten. Dennoch lohnt ein Blick in "Leben, Larry und das Streben nach Unglück". Bei allen erwähnten Mängeln sind die Vorzüge dieser Serie kaum zu leugnen.
HBO Max veröffentlicht wöchentlich eine halbstündige Folge von "Leben, Larry und das Streben nach Unglück: Ein nervöser Blick auf die amerikanische Geschichte" - zuerst am Samstag, den 27. Juni. Die letzte Episode der siebenteiligen Comedyserie erscheint am 8. August.
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