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TV-Kritik/Review: "The Shards": Reich und schön... und tot?!
von Christopher Diekhaus(05.08.2026)

Bei Ryan Murphy scheint der Tag mehr als 24 Stunden zu haben. Wie sonst lässt sich der kontinuierliche kreative Output des
Im Los Angeles des Jahres 1981 wächst Bret Ellis (Igby Rigney), ein Alter Ego des Vorlagengebers, der mit Murphy auch die Serie konzipierte, in vornehmsten Kreisen auf. Während seine Eltern, so wie viele Erziehungsberichtigte in "The Shards", permanent abwesend sind, angeblich auf Reisen in Europa, beginnt der junge Mann sein Abschlussjahr an einer exklusiven Highschool. Schon zu diesem Zeitpunkt treibt ihn der Wunsch, Schriftsteller zu werden, um. Dass der die Journalistin Joan Didion verehrende Bret an seinem Debütwerk arbeitet, bekommen wir zwar mit. Allzu oft sehen wir ihn aber nicht vor seiner Schreibmaschine sitzen.
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Anders als seine Freunde begegnet Bret dem neuen Kommilitonen Robert Mallory (Richard Geres Sohn Homer Gere) mit Zurückhaltung. Mehr noch: Er verdächtigt ihn, Böses im Schilde zu führen, ein Virus zu sein, der die Gruppe infizieren und zerstören wird. Der angehende Schriftsteller ist sich sicher, Robert vor einem Jahr in einer Vorstellung von Stanley Kubricks
Andererseits blitzt hinter Mallorys öligem Charme in einigen Momenten sehr wohl zerstörerisches Potenzial auf. Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich zwischen ihm und Ellis entspinnt, das sich auch durch eine seltsame Faszination auszeichnet, ist einer der Spannungsmotoren der Serie. Gleichzeitig fragt man sich, ob die Morde des Trawlers und die parallel über Los Angeles hereinbrechenden Gewaltexzesse einer ominösen Sekte unter den Jugendlichen nicht noch mehr Panik und Bestürzung auslösen müssten. Bret ist zwar beunruhigt, sucht nach Spuren, wirkt manchmal aber auch so, als passiere um ihn herum nichts Lebensbedrohliches. Mit seinen Freunden hockt er oft in schicken Clubs herum und verliert sich in Gesprächen über Oberflächlichkeiten.
Wie viele Ryan-Murphy-Produktionen stellt "The Shards" den Glanz des abgebildeten Settings, der großen Häuser in den Hollywood Hills, der teuren Autos und der exquisiten Kleidung, fast schon aggressiv aus. Wir tauchen ein in eine Welt, die den meisten Zuschauern fremd sein dürfte, in der Drogen stets griffbereit sind, in der alles auf Perfektion getrimmt ist. Hinter der schönen Fassade herrschen allerdings, das kennt man, Missgunst, Eitelkeiten und Verlorenheit. In der Darstellung der Abgründe schwankt die Romanverfilmung zwischen platt und scharfsichtig.

Das Leiden von Debbies Mutter Liz (Evan Rachel Wood) beispielsweise, die als Frau des seine Macht missbrauchenden Filmproduzenten Terry Schaffer (Wes Bentley) ein Leben im goldenen Käfig führt, versuchen die Macher, in einer imaginierten, plakativen Oscar-Rede auf den Punkt zu bringen. Thoms Erkenntnis wiederum, dass er schon in der Highschool seinen Zenit erreicht hat, von nun an in der Mittelmäßigkeit versinken wird, verleiht der anfangs so stereotyp wirkenden Figur des blonden Sportschönlings eine spannende Facette. Gleiches gilt für seine Freundin Susan, die an einem Punkt aus ihrem Herzen einmal keine Mördergrube macht. Manchmal habe sie es satt, die ewige, von allen angehimmelte Gewinnerin zu sein. Denn diese Rolle koste unglaublich viel Kraft.
Wenn es um tiefgreifende Ängste, existenzielle Unsicherheiten geht, ist auch Bret ganz vorne mit dabei. Immerhin hält er vor seinem Umfeld geheim, dass er eigentlich auf Männer steht und mit zwei Mitschülern Affären hat. Besonders die Beziehung zum kiffenden Außenseiter Matt Kelner (Owen Painter) bedeutet ihm viel. Das zeigt seine Reaktion, als ihr Verhältnis nachhaltig erschüttert wird. Wie sehr seine versteckte Sexualität ihn beschäftigt, spürt man in dieser emotional aufwühlenden Form nur selten. Dass er massiv mit dem Thema ringt, offenbart jedoch vor allem eine Aussage: Als psychotischer Serienmörder geoutet zu werden, sei ihm lieber, als dass die Welt ihn als Schwulen kennenlerne.
Die Voice-over-Kommentare des Protagonisten verpassen der süffigen, von Sex (freilich nur züchtig, wie man es aus US-Produktionen kennt), Drugs und Crime erzählenden Geschichte einen nachdenklichen Anstrich. Mitunter rutscht "The Shards" durch die Einschübe aber auch ins arg Geschwätzige ab. Bret wiederholt mitunter Dinge, die im Bild zu sehen sind, oder vergleicht die Situation der wohlhabenden Schülerschaft von 1981 mit den Herausforderungen der heutigen Jugend. Einsichten über Erzählermonologe zu vermitteln, ist verlockend, in einem audiovisuellen Medium, inflationär verwendet, allerdings nicht sehr elegant.

Nur gut, dass die Serie mit ihrer flirrenden, elektronischen (was sonst in einem 1980er-Jahre-Szenario!?) Musikuntermalung, ihren teils geisterhaften Kamerafahrten einen fast tranceartigen Sog erzeugt. Als ein Highlight entpuppt sich die fünfte Episode. Hier fügt der in dieser Folge selbst Regie führende Ryan Murphy bekannte Songs aus der Handlungszeit, kleine und große Dramen unter den Teenagern und die Gefahr durch den Killer während der Live-Aufnahme eines TV-Tanzwettbewerbs höchst unterhaltsam zusammen. Zu den faszinierenden Elementen gehört außerdem Terry Shaffers spitzzüngiger Assistent Steven Reinhardt, den Jordan Roth mit der richtigen Portion Zynismus und Theatralik spielt. Eine Figur, die als Drogenkurier und Mädchen für alles herhält, sich aber eigentlich künstlerisch verwirklichen möchte und unter deren Oberfläche es gefährlich zu brodeln scheint. Wann immer Steven die Bühne betritt, knistert es.
Sicherlich fällt es schwer, Igby Rigney und seinen Kollegen Jugendliche von 17 oder 18 Jahren abzukaufen. Darüber lässt sich jedoch leichter hinwegsehen als gedacht. Interessanterweise verleihen gerade Irritationen und Ungereimtheiten der Serie bzw. dem zugrundeliegenden Bestseller einen überraschenden Reiz. Allen voran das Spiel mit Wahrheit und Fantasie, mit Bret Easton Ellis' persönlichem Hintergrund und seinen "Erlebnissen" am Ende seiner Highschool-Zeit. Der Killer mit dem Namen Trawler ist eine Erfindung des Schriftstellers. Inspiriert wurde der Antagonist jedoch zweifellos von einigen berüchtigten Mördern aus der US-amerikanischen Kriminalgeschichte, die wiederum ein schillerndes Eigenleben in der Popkultur, vor allem im Kino, führen. Die tiefe Verwurzelung des Stoffes in der Fiktion unterstreichen die vielen Verweise auf bekannte Werke des Spannungs- und Horrorfilms, darunter
Die ersten beiden Folgen der Serie "The Shards" werden am Donnerstag, den 6. August auf Disney+ veröffentlicht.
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Leserkommentare
Tin Star 2 schrieb am 28.08.2026, 08.14 Uhr:
Der Soundtrack tröstet etwas daüber hinweg, wenn's langweilig wird.
She's a very kinky girlThe kind you don't take home to motherShe will never let your spirits downOnce you get her off the street, ow, girlShe likes the boys in the bandShe says that I'm her all-time favoriteWhen I make my move to her room, it's the right timeShe's never hard to please, oh, noThat girl is pretty wild now (the girl's a super freak)(Rick James - Super Freak)Vritra schrieb am 11.08.2026, 13.54 Uhr:
Ja, den Schlafmangel sehe ich auch. Vielleicht der Grund, warum seine Produktionen immer schlechter werden und floppen??
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