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Ist es den kreativen Entscheidungsträgern bei Netflix egal, oder winken sie mitunter ganz bewusst Projekte durch, die sich frappierend ähneln? Im September 2024 brachte der Streamingdienst die namhaft besetzte Romanverfilmung
Vielen Dank für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von dir!
, denkt sich die gerade erst aus dem Polizeigewahrsam entlassene Devon DeWitt (Meghann Fahy) nicht, als sie auf der Türschwelle einen gigantischen essbaren Strauß von ihrer kleinen Schwester Simone (Milly Alcock) entdeckt. Während sie damit kämpft, ihre Alkoholprobleme in den Griff zu kriegen, und sich um ihren an Alzheimer erkrankten Vater Bruce (Bill Camp) kümmert, lebt die Spenderin fernab vom heimischen Buffalo in einer völlig anderen Welt. Als persönliche Assistentin der Milliardärsgattin und Wohltätigkeitskönigin Michaela Kell (Julianne Moore) badet Simone in purem Luxus und hat keine Zeit (und keine Lust), sich mit ihrer Familie auseinanderzusetzen.
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Michaela hat eine Leidenschaft für Greifvögel, erspürt, wie sie selbst behauptet, den Zeitpunkt, an dem sie ein verletztes, aufgepepptes Tier in die Freiheit entlassen kann, ist der Umwelt zugetan (Lasst uns die Natur retten, Bitches!
) und schart Vertreter der Oberschicht um sich, die alle begeistert in ihren mantraartigen Schlachtruf Hey hey
einstimmen. Das alles wirkt auf Devon wie eine Sekte, der sich ihre Schwester offenbar völlig unterworfen hat. Keinen Wunsch ihrer Chefin, die zugleich ihre beste Freundin zu sein scheint, lässt sie ungehört verhallen. Permanent läuft Simone mit einem kleinen Megafon durch die Gegend, um die vielen Bediensteten anzutreiben und ihre Fehler zu korrigieren. Alles soll schließlich perfekt sein, ganz nach dem Gusto Michaelas, die sich in Julianne Moores leicht abgehobener Darbietung als eine Art Engelsgestalt präsentiert.
Nach einer beunruhigenden Information und einer schockierenden Beobachtung fasst Devon einen Entschluss: Simone muss zur Vernunft gebracht werden und diesen merkwürdigen Ort so schnell wie möglich verlassen. Obwohl sie eigentlich unerwünscht ist, findet die ungehobelte, sich selbst Reichen-Tourette attestierende Inselbesucherin einen Weg ins Haus und versucht, vor einer anstehenden Gala auf ihre Schwester einzuwirken.
Aus dieser Prämisse ließe sich ein knackig-gradliniger Wie-komme-ich-heil-hier-raus-Thriller stricken. Serienschöpferin Molly Smith Metzler, die ihr eigenes Theaterwerk adaptierte, hat jedoch anderes im Sinn. "Sirens" - der Titel bezieht sich sowohl auf die verführerischen Frauenwesen aus der griechischen Mythologie als auch auf ein Notruf-Codewort Devons und Simones - soll vieles auf einmal sein: sarkastisches Abbild einer aufgeblasenen Wir-retten-die-Welt-Prominentenclique, Abhandlung über Macht und Weiblichkeit, Familiendrama und schwarze Komödie mit leichten Mystery-Einschlägen.

Die Ambitionen sind groß, Meghann Fahys rotzige Performance macht Laune und einige Pointen laden zum Schmunzeln ein - etwa wenn der von Michaela für freiheitstauglich befundene Greifvogel mitten in der Nacht in ihr Schlafzimmerfenster kracht und verendet. Schon früh drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die Miniserie Ideen wild zusammenwürfelt, ohne sich um eine aufregende Figurenzeichnung oder gewitzte Wendungen zu scheren. Familiengeheimnisse und Lügen sind fester Bestandteil der Handlung. Aus ihnen erwächst aber kein erzählerischer Sog. Ungelenk schlingert das Geschehen zwischen ernsten Themen wie Kindeswohlgefährdung und ironisch-beschwingten bis hin zu vollkommen albernen Momenten hin und her. Soll man die Ängste und Traumata der auftretenden Personen nun ernst nehmen? Oder sich über sie amüsieren? Auch ganz am Ende, wenn "Sirens" mit der Brechstange ein paar versöhnliche Töne anschlägt, bleibt das seltsam unklar.
Generell gilt: Zu viele Dinge, die die Macher zunächst als Spannungsmotoren anpreisen, verlaufen im Sande oder werden uninspiriert, mehr im Vorbeigehen als Ablenkungsmanöver entlarvt. Bestes Beispiel ist ein Gerücht über Michaela, das bei Devon alle Alarmglocken klingeln lässt. Dass die Miniserie nie richtig abhebt, liegt sicher auch an der Entscheidung, auf manchen Pointen endlos herumzureiten. Was beim ersten oder zweiten Mal lustig ist, nutzt sich irgendwann ab. Weil die grob umrissenen, teils karikaturenhaften Figuren nur mäßiges Interesse wecken, können ihre Konflikte und ihre Gefühlsausbrüche, vor allem ab der vierten Folge, keine besondere Zugkraft mehr entwickeln. "Sirens" schleppt sich einem belanglosen, pseudobissigen Finale entgegen, das man auch nach der Hälfte der Zeit schon hätte einläuten können. Zwischendurch gibt es schlicht zu viele Belanglosigkeiten zu überstehen.
Dieser Text basiert auf der Sichtung aller fünf Folgen der Miniserie "Sirens".
Alle fünf Episoden der Miniserie "Sirens" sind ab dem 22. Mai auf Netflix verfügbar.
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